Reflexionsprozesse über die Übersetzung des ersten Kapitels aus "La Tesis de Nancy" (1962) von Ramón J. Sender ins Deutsche: Ein kritischer Kommentar über mögliche Übersetzungsstrategien und Problemlösungen im interkulturellen Dialog
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Facultad de Traducción e Interpretación Máster de Traducción Profesional y Mediación Intercultural Traducción Literaria, Humanística y Audiovisual Reflexionsprozesse über die Übersetzung des ersten Kapitels aus „La Tesis de Nancy“ (1962) von Ramón J. Sender ins Deutsche: Ein kritischer Kommentar über mögliche Übersetzungsstrategien und Problemlösungen im interkulturellen Dialog Procesos de autoreflexión sobre la traducción de “La Tesis de Nancy” (1962) de Ramón J. Sender al alemán: un comentario crítico acerca de las posibles estrategias traslativas y de las soluciones de dificultades procedentes del diálogo intercultural Mona Helmchen 2012/2013 Betreut von Ana María García Álvarez Mona Helmchen Ana María García Álvarez
i Inhaltsverzeichnis 1. Einleitung .................................................................................................................... 1 2. Der Autor Ramón J. Sender und sein Werk ............................................................ 5 3. Translat des ersten Kapitels aus „La Tesis de Nancy“ (1962) ................................ 7 4. Einführung in die translationswissenschaftlichen Theorien ................................ 29 4.1 Theoretische Ansätze für eine fundierte Ausgangsund Zieltextanalyse ...... 29 4.2 Ergänzende theoretische Überlegungen im Zusammenhang mit der Anfertigung eines translatorischen Kommentars .................................................. 35 5. Der translatorische Kommentar ............................................................................. 40 5.1. Auftragsanweisungen ........................................................................................ 40 5.2. Makrofinalität des ZTs ...................................................................................... 41 5.3. Ideologische, kulturelle und informative Umstände und/oder Unterschiede zwischen ZTund AT-Rezipienten .......................................................................... 42 5.4. Textsortenkonventionen des ZTs ..................................................................... 44 5.5. Zeit und Ort der Veröffentlichung des ZTs (mögliche zeitliche bzw. örtliche Unterschiede zu denen des ATs) .............................................................................. 45 5.6. Mögliche Probleme bei der Produktion und andere Schwierigkeiten im Zusammenhang mit den kommunikativen ZT-Intentionen und mögliche Unterschiede bezüglich der Intentionen des ATs ................................................... 46 5.7. Mögliche Überlegungen, Unterschiede und Veränderungen der Zieltextstruktur bezüglich der des ATs .................................................................. 47 5.8. Mögliche Überlegungen und Unterschiede zwischen den Textakten bzw. Sprechakten beider Texte ........................................................................................ 47 5.9. Mögliche Ähnlichkeiten bzw. Unterschiede bezüglich der funktionalen Beziehungen der Sätze in beiden Texten ................................................................ 49 5.10. Lexikalische und terminologische Überlegungen und Probleme ................ 51 5.11. Überlegungen und Probleme hinsichtlich des ZT-Stils ................................ 52 5.12. Überlegungen und Probleme bezüglich der Kohäsion im ZT ..................... 53 5.13. Mögliche Überlegungen oder Probleme zu Recherche in Lexika, Enzyklopädien, Paralleltexten, Informationen usw. .............................................. 55 6. Analyse von Übersetzungsschwierigkeiten beruhend auf sprachlichen und kulturellen Differenzen zwischen AT und ZT ........................................................... 56 6.1. Sprachlich bedingte Missverständnisse ........................................................... 57
ii 6.2 Kulturell bedingte Fehlinterpretationen .......................................................... 58 7. Schlussfolgerung ....................................................................................................... 59 8. Literatur .................................................................................................................... 62 8.1. Primärliteratur ................................................................................................... 62 8.2. Sekundärliteratur .............................................................................................. 64 9. Glossar zu „Nancy entdeckt Sevilla“ ...................................................................... 65 10. Glossar translationswissenschaftlicher Abkürzungen ........................................ 67 11. Originaltext (Erstes Kapitel aus „La Tesis de Nancy“) ...................................... 67
Resumen En este trabajo se presenta la traducción del primer capítulo de la novela epistolar “La Tesis de Nancy” (1962) escrita por Ramón J. Sender. Después de la traducción se ha elaborado un comentario traslativo, basado en la metodología presentada en el artículo Der translatorische Kommentar als Evaluationsmodell der studentischen Übersetzungsprozesse [El comentario traslativo como modelo de evaluación de los procesos traslativos de los estudiantes] de García Álvarez (2008). El comentario traslativo nos ha servido para poder fundamentar las soluciones traslativas al alemán surgidas de los procesos mentales de la traductora y autora del trabajo, de una manera consciente y basada en la metacognición. Para poder reflexionar sobre la traducción de una manera científica y bien argumentada, el comentario se ha basado en la literatura de Nord (20094); Witte (2007²); Snell-Hornby, Hönig, Kuβmaul, Schmitt (20062); Katharina Reiss (1971); Toury (1995); Vermeer (1978); y en teorías cognitivas como la de Fillmore (1977), entre otros autores. Partiendo de la literatura mencionada, se justifica la estrategia elegida para la traducción y se comentan las decisiones tomadas durante el proceso traslativo. Después del comentario se analizan y se ahonda en los problemas de comunicación que tiene la protagonista de la obra de Sender. En relación con este punto se tratan particularmente las dificultades lingüísticas, así como las diferencias interculturales entre la cultura estadounidense de Nancy y la España del momento. La investigación de los malentendidos basados en las diferencias lingüísticas y culturales también se centra en la dificultad del traslado de ciertos referentes culturales en una tercera lengua (alemán) y, consecuentemente, en una tercera cultura (Alemania). Para profundizar en el análisis, se tratan además los términos “ajeno” o “diferente” basados en los conceptos de Witte (2007²). Posteriormente al análisis, se resumen las impresiones sobre el trabajo y se comentan posibles líneas de investigación futuras. En el anexo de este trabajo se encuentra un glosario con términos procedentes de la traducción del primer capítulo de “La Tesis de Nancy” y un glosario con las abreviaturas traductológicas usadas. A continuación se incluye el texto original en español y la bibliografía consultada.
1 1. Einleitung In dieser Arbeit werde ich zuerst ein Kapitel des spanischen Briefromanes „La Tesis de Nancy“ (1962) von Ramón José Sender Garcés übersetzen, um daraufhin einen translatorischen Kommentar anzufertigen, der zum Ziel hat, den Übersetzungsprozess detailliert kommentieren zu können. In einem weiteren Schritt werde ich die beim Übersetzen aufgetretenen kulturell und sprachlich bedingten Übersetzungsschwierigkeiten erläutern. Des Weiteren werde ich einige der Kommunikationsprobleme der Protagonistin des Buches genauer untersuchen und die aus dieser Problematik resultierenden Missverständnisse erörtern. Dazu werde ich mich mit den Bedingungen und Schwierigkeiten, die mit dem interkulturellen Vergleich verbunden sind, auseinander setzen. Bevor ich auf den konkreten Aufbau und die Zielsetzung dieser Arbeit eingehe, möchte ich vorab erläutern, wieso ich mich dafür entschieden habe, eine literarische Übersetzung in meiner Masterarbeit anzufertigen. Im Verlaufe des Masterstudiums und insbesondere während der Teilnahme am Kurs „Traducción de textos literarios“ von Ana María García Álvarez, bemerkte ich, dass das Übersetzen literarischer Texte ganz besonders mein Interesse weckt. Schnell stand für mich fest, dass ich meine Masterarbeit dazu nutzen möchte, Auszüge oder ein Kapitel eines literarischen Werkes vom Spanischen ins Deutsche zu übersetzen und anschlieβend meine Übersetzungslösungen zu analysieren und zu begründen. In der ersten Sprechstunde mit Ana María García erklärte ich, dass ich gerne ein Werk behandeln würde, das ein breites Analysespektrum liefert und dass mich vor allem die Verständnisprobleme, welche im interkulturellen Dialog entstehen können, interessieren. In diesem Zusammenhang machte mich Ana María auf den Briefroman „La Tesis de Nancy“ (1962) von Ramón J. Sender aufmerksam. Senders Werk besteht aus insgesamt zehn Briefen, die die amerikanische Protagonistin und Ich-Erzählerin Nancy, während eines einjährigen Auslandsaufenthaltes in Sevilla, an ihre Cousine Betsy schreibt. Nancy, die gebürtig aus Kalifornien stammt, beschreibt in ihren Briefen die vielen neuen Eindrücke, die sie in Spanien sammelt und berichtet über ihre Erfahrungen mit den Spaniern, insbesondere mit den Zigeunern im Süden Spaniens. Der Grund für ihren Auslandsaufenthalt ist ihre Doktorarbeit, in welcher sie anthropologische, historische und linguistische Aspekte im Zusammenhang mit den Zigeunern behandeln will. Nach und nach taucht Nancy mehr in das Leben der Zigeuner ein und lernt ihre Kultur kennen. Die Integration der
2 Amerikanerin in die Zigeunergesellschaft ist jedoch nicht immer einfach. Zum einen erscheinen ihr die Bräuche und Umgangsformen dieser Menschen neu und zum anderen stellt die Sprachbarriere, die nicht selten zu Missverständnissen führt, oftmals eine groβe Herausforderung dar. Da ich selbst als deutsche Studentin in Spanien vergleichbare Erfahrungen gemacht habe, konnte ich mich von Anfang an mit dem Thema des Buches identifizieren. Auβerdem denke ich, dass die Thematik des Buches besonders heute, in Zeiten des schulischen und universitären Austausches, wie beispielsweise mit Organisationen wie Erasmus, von wachsendem Interesse ist und dass sich viele Leute, die ebenfalls Auslandserfahrung gesammelt haben, in die Situation der Protagonistin Nancy hineinversetzen können. Nachdem ich das ganze Buch gelesen hatte, stand für mich fest, dass ich gerne einige Seiten des Senderschen Werkes übersetzen würde. Nach einiger Recherche im Internet blieb meine Suche nach einer bereits existierenden deutschen Version des Buches erfolglos. Bislang habe ich lediglich Übersetzungen ins Englische gefunden. Die Tatsache, dass bisher keine Übersetzung des Briefromanes ins Deutsche angefertigt wurde, bestärkte mich in meinem Vorhaben ein Kapitel des Buches zu übersetzen. Nachdem ich nun die Beweggründe für die Auswahl des Themas meiner Masterarbeit erläutert habe, möchte ich im Folgenden genauer auf den Aufbau und die von mir angestrebte Vorgehensweise eingehen. Wie bereits erwähnt, werde ich im ersten Teil der Arbeit die Übersetzung eines Kapitels des spanischen Briefromanes anfertigen. Ich habe mich für das erste Kapitel, welches den Titel „Nancy entdeckt Sevilla“ trägt, entschieden. Ausschlaggebend für die Wahl des Kapitels war hauptsächlich die Seitenanzahl. Ich war darauf bedacht ein Kapitel, das in etwa 20 Seiten als Übersetzung ergeben würde, zu wählen, um im Anschluss genügend Spielraum für den translatorischen Kommentar und die Analyse zu haben. Auβerdem hat mir das erste Kapitel besonders gut gefallen. Nachdem ich einen Einblick in das Leben und das Werk des Autors Ramón J. Sender gegeben haben werde, folgt auf die Übersetzung von „Nancy descubre Sevilla“ im vierten Kapitel meiner Arbeit die Vorstellung der für den darauf folgenden Übersetzungskommentar relevanten Theorien. Als besonders interessant für meine analytischen Zwecke erachtete ich unter anderem die Theorien von Katharina Reiss und Hans J. Vermeer (1984), sowie die auf die Didaktik angewendeten Ansätze von Christiane Nord in „Textanalyse und Übersetzen“ (20094). Für die Anfertigung des Übersetzungskommentars im fünften Kapitel werde
3 ich mich an einem Aufsatz mit dem Titel „Der translatorische Kommentar als Evaluationsmodell der studentischen Übersetzungsprozesse“ (2008), der in der Fachzeitschrift für Sprache und Sprachmittlung „Lebende Sprachen“ erschienen ist und von Ana María García Álvarez verfasst wurde, orientieren. Mittels der Methodologie, die in diesem Aufsatz aufgestellt wird, werde ich meine Übersetzung von den Makroprozessen bis hin zu den Mikroprozessen beurteilen können und in der Lage sein meine Lösungen professionell zu begründen. Im sechsten Kapitel meiner Arbeit werde ich mich mit der Analyse des Ausgangstextes (im Folgenden mit AT abgekürzt) und mit der Untersuchung des Zieltextes (im Folgenden mit ZT abgekürzt) befassen. Den theoretischen Rahmen für die Analyse wird insbesondere das Buch „Die Kulturkompetenz des Translators“ von Heidrun Witte (2007²) bilden. Zudem werde ich mich auf das Buch „Handbuch Translation“ von Mary Snell-Hornby, Hans. G. Hönig, Paul Kussmaul und Peter A. Schmitt (2006²) beziehen. Im Folgenden möchte ich kurz die Schwierigkeiten des spanischen ATs zusammenfassen, um daraufhin meine Arbeitshypothesen darlegen zu können. Während einer ersten Untersuchung des Originaltextes (im Folgenden mit OT abgekürzt), fiel mir die Fülle an Realien und typisch spanischen Redewendungen und Phraseologie auf. Obwohl ich den Stil des Buches als sehr angenehm zu übersetzen einschätzte, war ich mir der Herausforderung bewusst, die die Überlieferung jener kulturund sprachspezifischen Elemente darstellen würde. Die Schwierigkeit würde demnach insbesondere darin bestehen, diese Aspekte des Textes in die deutsche Sprache zu übersetzen, ohne dabei zu vernachlässigen, dass das ursprüngliche Kommunikationsproblem zwischen dem Englischen und dem Spanischen bestand. An so mancher Stelle würde es also notwendig sein mit einer Paraphrase im ZT zu arbeiten, um insbesondere die zahlreichen humoristischen Elemente, basierend auf den sprachlich bedingten Missverständnissen, zu konservieren. Eine weitere Schwierigkeit sollte die Übersetzung des Zigeuner-Soziolektes darstellen. Im AT repräsentiert der Autor die typische Sprechweise der Zigeuner Südspaniens nicht nur durch die Lexik, sondern verschriftlicht zudem ihre eigentümliche Aussprache. Das Problem an dieser Stelle würde sein, dass, da man beim Übersetzen einen Soziolekt X in einer Sprache A -in diesem Fall der Zigeuner-Soziolekt im Spanischen - nicht einfach durch einen Soziolekt Z in einer Sprache B ersetzen kann, man eine Art „Kunstsprache“ erfinden und diese dann, ebenso wie im OT, schriftlich im Deutschen darstellen müsse. Nach einiger
4 Recherche im Internet, stiess ich auf eine Dokumentarfilmreihe über Zigeuner, die korrekter Weise Sinti und Roma zu nennen sind, in Deutschland. Ursprünglich handelt es sich bei den Sinti und Roma um Flüchtlinge aus den ehemaligen Balkanländern. Für die Übersetzung des Zigeuner-Soziolektes orientierte ich mich daher an ihrer Sprechweise, um ein dem Original möglichst entsprechendes Gegenstück zu finden und eine dem AT nahe, jedoch idiomatische Lösung im Deutschen zu erhalten. Nach dieser resümierten Darstellung der möglichen Übersetzungsprobleme komme ich nun zu meinen Arbeitshypothesen, bzw. möchte meine persönlichen Erwartungen an diese Masterarbeit aufstellen. In dieser Arbeit möchte ich zum einen meine Qualitäten als literarische Übersetzerin unter Beweis stellen und zum anderen zeigen, dass ich in der Lage bin, unter Anwendung bestimmter translatorischer Theorien und Modelle, kritisch und begründend über meine angefertigte Übersetzung zu reflektieren. Eine Arbeitshypothese ist die Darlegung der metakognitiven Prozesse beim schriftlichen Übersetzen, um erfahren zu können, was schriftliches Übersetzen im Detail bedeutet. Ich möchte Abstand nehmen von willkürlichen Entscheidungen, was die Erarbeitung des ZTs angeht und möchte versuchen, mir selbst und auch dem Leser dieser Arbeit einen tieferen Einblick in den Übersetzungsprozess zu ermöglichen. Da ich bislang meine Übersetzungen nicht derart detailliert analysiert und beurteilt habe, ist der Inhalt dieser Arbeit für mich von groβem persönlichem Interesse. Ich möchte diese Arbeit nutzen, um als zukünftige Übersetzerin mehr Professionalität und Sicherheit, sowohl im Umgang mit meiner eigenen Übersetzungsweise, als auch im Bezug auf die Anwendung führender translatorischer Theorien, zu gewinnen. Auβerdem sind für mich, wie bereits erwähnt, die Schwierigkeiten im multilingualen Dialog von besonderem Interesse. Eine weitere Arbeitshypothese ist, dass ich in dieser Arbeit zeigen möchte, wie es gelingen kann, die kommunikativen Schwierigkeiten, die sowohl sprachlich, als auch kulturell bedingt auftreten, zwischen dem Spanischen und dem Englischen in eine dritte Sprache, welche in diesem Fall die Deutsche ist, zu überliefern. Ein besonderes Augenmerk möchte ich dabei auf die Erhaltung der humoristischen Elemente legen, die den Briefroman Senders so unterhaltsam machen. Auch möchte ich darauf bedacht sein, dem deutschen Leser die Situation der Protagonistin so genau wie möglich nahezubringen und die von ihr geschilderten Eindrücke aus Sevilla und Umgebung situationsund kulturgetreu darzustellen. Wichtig ist mir dabei vor allem die Fülle an
5 Realien so zu übermitteln, dass der deutsche Leser sie nachvollziehen kann, sie jedoch nicht an die Zielkultur (im Folgenden mit ZK abgekürzt) anzupassen, d.h. ich werde, falls nicht unbedingt nötig, keine Adaptation an die ZK vornehmen, sondern die wichtigsten, exotischen Textelemente so weit es geht konservieren. Im siebten Kapitel werde ich zusammenfassend über die verschiedenen Arbeitsschritte reflektieren und einen Bezug zu meinen in dieser Einleitung aufgestellten Arbeitshypothesen ( s. S. 4) herstellen. 2. Der Autor Ramón J. Sender und sein Werk Ramón José Sender Garcés wurde am 3. Februar 1901 in Chalamera, in der Provinz Huesca, die in der autonomen Gemeinschaft Aragonien liegt, geboren. Sein Vater war Gemeindesekretär und seine Mutter Lehrerin, sodass die Lebensumstände der Familie als wohlhabend zu bezeichnen waren. Bereits in jungen Jahren begann er in Chalamera in „La Crónica de Aragón“ und „El Pueblo“ zu veröffentlichen. Aufgrund seines autoritären Vaters und der problematischen Vater-Sohn-Beziehung flüchtete Sender jedoch 1918 nach Madrid und begann dort Artikel und Kurzgeschichten für „El País“ und „España Nueva“ zu schreiben. Die Zeit in Madrid war keineswegs einfach für Sender, der monatelang an der Grenze des Existenzminimums lebte und auf der Straβe schlief. Er begann sich in Kreisen anarchistischer und revolutionärer Gruppierungen zu bewegen, was sein von Grund auf rebellisches Wesen prägen sollte. Trotz der schweren Lebensumstände in Madrid, gelang es dem jungen Schriftsteller seine erste Kurzgeschichte, die den Titel „Las brujas del compromiso“ trug, in einer Zeitung zu publizieren. Es dauerte jedoch nicht lange, bis sein Vater ihn aufsuchte und dazu zwang, zurück nach Huesca zu kehren. Dort angekommen, begann er all seine Energie und seinen Entusiasmus in die Zeitung „La Tierra“ zu investieren, deren Leitung er trotz seines jungen Alters übernahm. 1922 wurde Sender zum Militärdienst nach Marokko eingezogen. Dieser Umstand lieferte die Vorlage für seinen 1930 erschienenen Roman „Imán“. Nach seiner Rückkehr aus dem Marokkokrieg schloss er sich 1924 der Tageszeitung „El Sol“ in Madrid an, für welche er bis 1930 zahlreiche Artikel unterschiedlichster Themen schrieb. In dieser Zeit begann Sender sich den Kritikern und politischen Gegnern der Diktatur von Miguel Primo de Rivera anzuschlieβen. Als Regierungsgegner wurde Sender 1927 verhaftet und musste eine Zeit im Gefängnis in Madrid verbringen. Seine Erfahrungen aus dieser Zeit verarbeitete er 1932 in dem
12 - Kommen sie an einem anderen Tag nocheinmal wieder, Señora? - Wieso?, fragte sie. - Um damit fertig zu werden, sie anzusehen. Beim ersten Mal schafft man das nicht. Misses Dawson merkt, dass man sie hier nicht mag. Aber das ist ganz normal. Wie du weiβt sind Sympathie und Antipathie reziproke Empfindungen. Und ihr gefällt der simple Sinn für Humor dieser einfachen Leute nicht. Es scheint fast, als würde Misses Dawson wollen, dass die Leute ernst, streng und ein bisschen traurig sind und das sage ich nicht, weil ich sie gerne kritisiere, denn du weiβt ja, dass ich ihr sehr dankbar bin. Ich verstehe einfach nicht wieso. Nun gut, die Leute aus dem Dorf mögen Misstress Dawson, die zwei Bücher unter dem Arm, die Bibel und ein Wörterbuch, und eine Brille mit dicken, rosa getönten Gläsern trägt, auch nicht. Und um das Bild abzurunden, trägt sie auch noch riesengroβe Schuhe. Das fällt hier ganz besonders auf. Apropos Schuhe (ich wäre dir dankbar, wenn du das niemandem zu Hause weitererzählen würdest, denn die schottische Señora hat Bekannte in Lake Forest), als wir an einem kleinen Café vorbeigingen, hörten wir wie ein Schuhputzer zum anderen sagte: - „Himmel Herrgott, hast du gesehen, was für Schühchen die Señora trägt? Ob man in ihrem Land wohl im Stehen schläft?“ Ich musste mir auf die Zunge beiβen, um mir das Lachen zu verkneifen, aber vielleicht bekam es meine Freundin auch gar nicht mit. Ich bin mir nicht sicher, denn wie du weiβt, verlieren die Schotten niemals ihr Gesicht. Am nächsten Tag fuhr sie mich wie immer nach Sevilla. Wenn du nach Spanien kommst, Betsy, dann rate ich dir keine Fragen über Grammatik zu stellen. Alle Leute wechseln das Thema und werden sauer. Die Grammatik ist nicht beliebt in diesem Land, zumindest nicht in Alcalá de Guadaira und in Sevilla. Gestern fragte ich den Besitzer einer Apotheke hier, im Viertel, nach dem Subjuntivo eines Verbes. Er antwortete mir, dass es eine sehr witzige Frage sei und stellte mich seiner Frau vor. Was den Rest angeht, so ist das Leben hier mehr als angenehm und bequem. Alles ist so exciting. Die Leute, die Dinge, einfach alles. Ich habe bisher nicht angefangen ernsthaft zu lernen, denn ich möchte mich erst über das Land unterrichten und mich einleben. Alles ist wirklich ganz reizend, und eine
13 Erfahrung wie diese ist gut für mich, um die Komplexe durch die vierte Ehe meiner Mutter auszugleichen. Du weiβt, was ich meine. Aber nun genug von traurigen Themen. Ich bin empört über das Verhalten einiger Amerikaner, die in den Cafés amerikanische Produkte bestellen und sich beschweren, wenn sie sie nicht bekommen. Auch entrüstet mich ihre Unkultur, wenn sie Sherry bestellen und dann die Flasche nicht wollen, weil dort Jerez draufsteht und sie glauben, dass man sie betrügen wolle. In den letzten Tagen ist mir nichts Wichtiges geschehen. Das einzige Neue ist, dass sieben ausländische Studenten und ich in Sevilla zum marqués6 von Estoraque (ich glaube, so schreibt man den Namen, aber ich würde nicht darauf schwören) zum Essen eingeladen wurden. So können wir einmal sehen, wie ein typisches, sevillanisches Haus von innen aussieht. Alles war dunkel und feierlich, dekoriert mit Kruzifixen und Madonnenbildern, einige gemalt von Murillo und echt, damit meine ich, dass es sich um Originale handelte. Die Möbel waren im Kolonialstil der amerikanischen Südstaaten gehalten. Alles roch nach Wachs und, Gott vergebe mir, denn ich möchte nicht lästern, nach Katzenurin. Wir sahen den marqués und seine Frau, beide schon alt. Sehr alt, würde ich meinen. Weit über Siebzig. Ganz ehrlich, man merkt die Gröβe und das Alter dieser Menschen. Ich hatte jedoch nicht die Gelegenheit mit ihnen zu sprechen, denn sie bevorzugen es mit den Touristen zu sprechen, die kein Spanisch können, um ihr schreckliches Englisch zu üben. Sie sprechen nicht unbedingt schlecht, aber sie haben einen Inselakzent, der für mich inakzeptabel ist. Du weiβt ja, dass ich den britischen Akzent noch nie ausstehen konnte. Wie dem auch sei, zwei Tage später gingen wir zum Essen zum marqués und seiner Frau nach Hause. Davor fuhren zwei Freundinnen und ich mit dem Auto von Misses Dawson durch die ganze Stadt, ja fast durch die ganze Provinz, um Zeit zu überbrücken. Man hatte uns für neun Uhr bestellt, da um zehn Uhr zu abend gegessen werden sollte. Gegen acht Uhr jedoch war ich bereits kurz vor dem Verhungern. Zu Hause essen wir schlieβlich schon um sechs. Wir fuhren an den Restaurants vorbei, sahen die Leute essen und verschlangen die vollen Teller mit Blicken. Mistress Dawson meinte es gehöre sich nicht, zu einem dinner eingeladen zu sein und ohne Appetit hinzugehen, so dass wir nichts aβen, bis wir 6 Marqués: Marquis.
14 zum Haus des marqués und seiner Frau kamen. Du glaubst gar nicht, wie schwer es war durchzuhalten. Um Punkt neun Uhr waren wir dort. Obwohl es im Haus elektrisches Licht gab, erwartete uns ein Dienstjunge in kurzen Hosen mit einem vielarmigen Kerzenleuchter, auf dem etliche Kerzen brannten. Im Nebenzimmer waren der marqués und seine Frau in festlicher Abendkleidung. Ich sage dir, alles machte einen wahrlich schicken Eindruck. Der Butler stellte uns beim Eintreten mit unseren Namen vor. Ich weiβ immer noch nicht, wieso er sie wusste. Vor dem Abendessen wechselte der marqués mit allen ein paar Worte, nur mir schenkte er mehr Aufmerksamkeit. Man servierte uns manzanilla, ein dem englischen Sherry ähnlicher Wein, der jedoch recht fade schmeckte und nicht einmal richtig kalt war. Nach einigen Gläsern spürte ich eine wohlige Wärme durch den Körper flieβen und wollte mehr. Ich glaube, dass man diesen Wein kennen muss, um ihn zu mögen, so wie gute Musik. Später erfuhr ich, dass dieser Wein wohl als die Créme de la créme gilt und dass ihn schon die Tartessos zu Salomons Zeiten tranken. (Die Dinge hier sind von obszönem Alter). Man servierte uns viele verschiedene Vorspeisen. Und obwohl ich recht viel von allem aβ, war ich, als wir uns zum Essen an den Tisch setzten, hungriger als vorher. Seltsam, nicht wahr? Ich glaube, dass all diese Häppchen appetitanregend waren, manche davon salzig, pikant und andere sogar bitter. Mrs. Dawson sprach verächtlich über die amerikanischen Vorspeisen, die zum Teil süβ sind. Ich weiβ nicht, was sie meinte. Der marqués schaute mich lächelnd an und schien zu denken: Diese Schottin lässt keine Gelegenheit aus, um die Amerikaner zu provozieren. Mein Platz war zur Rechten des marqués, was meines Erachtens nicht ganz korrekt war, da schlieβlich Mrs. Dawson anwesend war. Aber ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass es mir unangenehm war. John McGregor, der Junge, der im Sommer als Helfer des Totengräbers arbeitete und letztes Jahr Antropologie mit dir studierte, hatte seinen Platz zur Rechten der Frau des marqués. Er hatte keine Abendgarderobe, aber trug einen Anzug mit schwarzer Krawatte, was sehr gut aussah. Wir aβen wie in den Palästen aus Tausend und einer Nacht. Fünf courses. Ich erwähnte bereits, dass ich sehr hungrig war, sodass ich dem marqués kaum zuhörte, während das Loch in meinem Bauch immer gröβer wurde. Stell dir vor, es waren zehn
15 Stunden seit dem lunch vergangen. Der marqués fragte mich, was in Sevilla mir am Besten gefallen hätte. Ich antwortete: - „Die Kathedrale und die Giralda.“ Daraufhin begann der marqués, wohl als Zeichen der Dankbarkeit, da er anscheinend sehr patriotisch ist, mein Knie mit der Rechten zu massieren, während er mit der Linken aβ. Höchst seltsam! Es muss wohl ein spanischer Brauch sein. Spanien ist berühmt für eine Gastfreundschaft, wie man sie in den orientalischen Völkern findet, und bei dieser Geste muss es sich um eine Tradition im aufmerksamen Umgang mit den Gästen gehandelt haben. Ich aβ weiter, denn ich hatte immer noch schrecklichen Hunger. Von Zeit zu Zeit schaute ich hinüber zum marqués, lächelte und sagte: - „Vielen Dank, Señor marqués.“ Damit wollte ich ihm mitteilen, dass er sich nicht mehr die Umstände machen müsse. Er hingegen fuhr fort mit der Massage. Ich schätzte, dass die marquesa vielleicht das Gleiche bei John tat. Später jedoch fand ich heraus, dass John niemand massiert hatte. Der marqués fragte mich: - „Wissen Sie, dass die Kathedrale in Sevilla die Gröβte auf der Welt ist?“ - „Das war sie, aber nun ist sie es nicht mehr.“ Ich erinnerte mich daran, dass man den Unterbau der Kathedrale von Saint John in New York, die nach dem Vorbild der Giralda konstruiert wurde, einen Meter breiter gebaut hatte, um der sevillanischen Kathedrale den Ruf streitig zu machen. Als der marqués das hörte, hielt er überrascht einen Moment lang inne. Kurz darauf fuhr er mit seiner Massage fort. Er wollte nicht, dass Sevilla eine ihrer auβergewöhnlichen Qualitäten verliere und erwiderte, dass der Turm der Kathedrale, weltweit der Einzige wäre, den man zu Pferde besteigen könne. Das erschien mir nun doch etwas unglaubwürdig. Wie soll es möglich sein, dass ein Pferd so viele Stufen hinaufsteigt? Der marqués erklärte mir, dass es keine Stufen, sondern eine Rampe aus verhärteter Erde gäbe. - „Und wer steigt dort zu Pferde hinauf?“, fragte ich. - „Ach, niemand. Ich glaube, dass niemand seit der Zeit von Abd ar-Rahman hochgestiegen ist. Wieso?“ Als ich ihn das sagen hörte, stieg in mir die unglaublich groβe Lust auf, dort hinauf zu steigen. Ich war Feuer und Flamme mit der Idee. Du weiβt ja wie ich bin. Wenn ich die Giralda zu Pferde besteige, dachte ich, würde ich etwas tun, das niemand
16 seit Abd ar-Rahman getan hatte. Die Frage war, woher ich ein Pferd bekommen würde. Seitdem ich in Spanien bin, träume ich davon einmal reiten zu gehen. In dem Land mit den meisten Reitern Europas erscheint es vollkommen normal. Beim Verabschieden, bevor wir das Haus des marqués verlieβen, bedankte ich mich für jede freundliche Geste, wie es sich in Amerika ziemt. Ich bedankte mich für das Gespräch, für das Essen und auch für die „Massage“. Als er das hörte, sah ich, dass seine bleiche Stirn rot wurde. Daraufhin schaute ich die marquesa an und bemerkte, dass sie etwas blasser geworden war. Die anderen verstanden es nicht. Ich bin mir auch nicht sicher, ob ich es verstand. Aber in jedem Land muss man die Sitten und Bräuche respektieren. Wir brachen auf und ich fuhr mit Misses Dawson, die die Eleganz jenes Anwesens mit Lob überhäufte, nach Alcalá. „Ich habe mich schon immer mit dem Adel und auch mit der unteren Bevölkerungsschicht verstanden, aber die Mittelschicht reizt mein Nervenkostüm“, sagte sie. Vielleicht weil wir Amerikaner alle aus der Mittelschicht kommen? Aber ich will gar nicht mit solchen Hypothesen anfangen, denn das würde die Freundschaft mit dieser Frau nur erschweren. Keine Frage, sie verhält sich mir gegenüber sehr gut. Die Nichte von Misses Dawson, die in Córdoba war, ist angekommen. Sie ist in meinem Alter und kennt gerade einmal zehn Wörter auf Spanisch. Das Schlimmste ist, dass sie andauernd mit allen Spanisch sprechen will. Natürlich versteht sie keiner. Gestern waren wir auf einer tea party für die Dawsons, die ihre Freundinnen aus Sevilla organisiert hatten. Es waren viele junge Leute anwesend und die Party war ein Erfolg, wenn auch nicht für mich. Ich glaube immer noch, dass ein Misterium hinter den Eigenheiten dieser Menschen steckt, inbesondere hinter der Schamesröte und dem Erblassen der Männer. Stell dir vor was passierte. Es gab weder eine Kniemassage, noch wurde jemand rot, aber es geschahen nicht weniger seltsame Dinge. Zuerst einmal muss ich sagen, dass der Star der Party die Nichte von Misses Dawson war. Wieso? Du wirst es kaum glauben. Wegen ihrer Art Spanisch zu sprechen. Ich sagte ja bereits, dass sie nicht mehr als zwei duzend Wörter kennt auf Spanisch und sie auβerdem falsch verwendet. Nun gut, wir waren also in einem riesengroβen Zimmer mit zwei geöffneten Balkonen. Zwei junge Männer fingen an genauer zu überprüfen, wieviel Spanisch sie denn konnte und das Mädchen begann ihre Sätze wie ein Einfaltspinsel aufzusagen: „Mein Vater ist alt; meine Mutter blond; meine Schwester klein; meine Nachbarin
17 wunderschön...“, und ähnliche Sachen. Ein Junge, der mir - glaube ich - den Hof macht, der mir jedoch nicht gefällt, weil er kein Zigeuner ist (ich sollte die Zeit nutzen und wenn ich eine Romanze habe, dann mit einem Zigeuner, der mir hilft diese Welt zu verstehen) fragte mich: - “Und Mrs. Dawson? Was ist Mrs. Dawson?” Das Mädchen antwortete - “Ella es una tía.” Was übersetzt bedeutet, dass sie eine Tante ist. Alle Männer brachen in Gelächter aus. Einige junge Frauen erröteten. Diesmal war sie damit dran, Leute zum Erröten zu bringen. - „Sie sagt, dass sie eine tía ist?“, fragte mein Verehrer. - „Ja. Es una buena tía7.“ Einige Jugendliche schienen vor Lachen zusammenzubrechen. Das Mädchen war begeistert und ich verstand einfach nicht, was vorging. Dieses Mädchen musste ganz schön viel Charme haben, um so viel Erfolg mit solchem Blödsinn zu haben. Oder viel Anziehungskraft oder sex appeal. Kurz darauf entdeckte ich eine Gitarre in einer Ecke, schnappte sie mir und begann sie zu stimmen. Wie du weiβt, spiele ich ein paar Romanzen und andere mexikanische Lieder, die wir damals in jenem wunderbaren Sommer 1951 in Jalisco lernten. Als die jungen Männer mich mit der Gitarre sahen, kamen sie zu mir. Ich lieβ mich ein Weilchen darum bitten zu spielen und wies darauf hin, dass ich nur mexikanische Lieder konnte, aber das Mexikanische gefiel ihnen, das meinten sie zumindest. So fing ich also an jenes alte Lied zu spielen und zu singen, in dem es heiβt Ich schüttel dich, schwarze Natter Und du tust mir nichts, schwarze Natter, und ich mache dich betrunken, schwarze Natter, und du tust mir nichts, und ich provoziere dich, schwarze Natter, und du tust mir nichts, schwarze Natter8... 7 Tía buena: attraktive Frau.
18 (Ich will mich ja nicht rühmen, aber ich sang das Lied ziemlich gut). Erinnerst du dich an dieses Lied? Darin werden über fünfzig verschiedene Dinge über die schwarze Natter gesagt, wobei immer wieder das Wort „schwarze Natter“ wiederholt wird. Als ich es zweioder dreimal wiederholte, begannen alle sehr ernst zu werden. Dieses Mal wurden sie nicht rot, sondern erblichen. Einige distanzierten sich, gingen zum Klavier und legten ihre geöffneten Hände darüber. Andere eilten zur Tür und drückten ihren Zeigefinger und den kleinen Finger gegen den Drehriegelverschluss aus Metall. Als sie merkten, dass ich weiter sang, starrten sie mich an, als wäre ich ein Monster und begannen das Zimmer zu verlassen. Es schien als würde jemand all diesen Leuten das Blut aus den Adern saugen, während ich sang. Sodass, als ich fertig war, nur noch die Amerikaner übrig waren. Schrecklich oder? Die Nichte von Mrs. Dawson trifft keine Schuld, aber als wir gingen, bemerkte ich, dass sie sich freute, was mich an das „perfide Albion“ erinnert. Vielleicht aber bin ich auch unfair und rede aus Groll. Oder, wie man hier zu sagen pflegt, die Wunde ist noch nicht verheilt. Ich war bei einem Stierkampf, der mir ziemlich langweilig vorkam. Die Stierkämpfer erschienen in zahlreichen Reihen, eingehüllt in farbige Decken mit goldund silberfarbenen Rändern. Sie mussten höllisch warm gehabt haben. Trotzdem trugen sie die Decke eng um die Nieren gebunden. Ich weiβ nicht, wie sie das aushielten mit der Hitze hier in Sevilla. (Eine wahrlich obszöne Hitze). Während sie umherschritten, spielte die Musikkapelle einen Marsch; doch die Stierkämpfer folgten nicht einmal dem Rythmus, was einen ungeschickten und undisziplinierten Eindruck machte. Vorweg ritt ein Reiter zu Pferde. Hier wird - ehrlich gesagt - nicht viel Wert auf Disziplin gelegt. Nicht nur beim Stierkampf, sondern auch bei anderen Dingen. Endlich erschien der Stier. Unten in der Arena, was man hier ruedo nennt, standen mehr als fünfzehn Leute dem armen, wehrlosen Stier gegenüber. Und das Tier griff nie die Personen an – er war zu gütig und zu menschlich-, sondern nur die Tücher die man vor ihn hielt. Bei Stieren, die lediglich ein Tuch angreifen, könnte jeder Stierkämpfer sein, meinst du nicht? Ich würde das aber für kein Geld der Welt tun, obwohl man sagt, dass es Frauen gibt, die Stierkämpferinnen sind. Die Amerikaner, die mit mir dort waren, reagierten genauso 8 Die Schlange gilt als Symbol des Unheils im Aberglauben der Zigeuner.
19 wie ich. Vielleicht weil bei uns alle Milch trinken und wir die sanftmütigen Kühe und ihre Männer lieben. Hier hingegen trinken nur die Babys Milch. Wie dem auch sei. Ich habe Grund zur Annahme, dass Mrs. Dawson der Stierkampf gefiel. Es verwundert mich nicht, denn schlieβlich ist sie Schottin und grausam. Bei Gott, erzähl das bloβ nicht in Lake Forest! Ich mag es nicht zu lästern. Obwohl Mrs. Dawson in Edinburg und du in Lake Forest und ich in Alcalá de Guadaira (Sevilla) leben, verbreiten sich schlechte Nachrichten immer in windeseile. Ich habe deinen Brief und die Fotos von Lake Forest erhalten. Entzückend! Ich hoffe, dass ich diesen Brief in den nächsten Tagen einwerfen kann. Ich möchte, dass er zwanzig Seiten lang wird und dem Brauch, den wir 1951 einführten, um von unseren Reisen zu erzählen, folgt. Erinnerst du dich? Gestern kaufte ich auf der Straβe etwas, dass man hier buñuelos nennt. So eine Art Krapfen. In Alcalá werden sie jeden Tag gebacken. Ich kaufte drei und als ich die Verkäuferin nach dem Preis fragte, antwortete sie: - „Seis reales, señorita.“ Ich weiβ nicht was sechs reales sind. Ich schaffe es einfach nicht, die volkstümlichen Weisen das Geld zu zählen zu verstehen. Sobald es sich um etwas Anderes als Peseten und Zent handelt, bin ich verloren. Mit den Zigeunern, die in beatas rechnen, will ich nicht verhandeln. Ich lasse Mistress Dawson bezahlen und frage sie dann wieviel ich ihr schulde, um es ihr zurückzuzahlen. Die Verkäuferin der buñuelos sah mich erstaunt an, als dachte sie: „Sie weiβ nicht, was sechs reale sind und läuft ganz alleine durch die Welt?“ Die buñuelos schmecken sehr gut, aber ich weiβ nicht, wie ich sie dir beschreiben soll. Ich glaube, dass sie in den Vereinigten Staaten gut ankämen, wenn man sie mit einer Creme oder Früchtekompott füllen würde und sie aus hygienischen Gründen in Aluminiumfolie einwickeln würde. Also, ich würde sagen, dass ein buñuelo etwas ist, in das man hineinbeiβt und dann ist gar nichts darin. Letzteres ist das, was einem missfällt. Gestern passierte mir etwas wirklich Tragisches. Es gab eine offizielle Feier in unserer Universität unter dem Vorsitz des Rektors, ehrlich gesagt ein wenig athletischer Mann, dessen Rede den wichtigsten Teil des Programmes ausmachen sollte. Er sprach sehr gut, wenn er auch für meinen Geschmack zu viel mit den Händen gestikulierte, und danach standen alle auf und applaudierten. Da ich meinen Entusiasmus auf
20 amerikanische Art und Weise zeigen wollte, steckte ich mir zwei Finger in den Mund und pfiff zwei-, dreimal mit aller Kraft. Du kannst dir nicht vorstellen, was geschah. Alle verstummten und drehten sich zu mir um. In diesem Moment wurde mir klar, dass ich all diese Leute zum Feind hatte. Es herrschte eine groβe Stille und man konnte sogar eine Fliege schwirren hören. Später näherten sich mir zwei Professoren und notierten die Daten meiner Ausweispapiere. Mistress Dawson war bei mir und, das muss ich ihr zugestehen, verhielt sich mir gegenüber sehr nett. Ich erklärte, dass man in Amerika pfeift, um dem Applaus noch mehr Nachdruck zu verleihen. Daraufhin fragte mich ein Professor lächelnd: - „Das bedeutet, dass ihnen die Rede des Rektors gefallen hat?“ Ich konnte die Blicke, die man mir einen Moment zuvor zugeworfen hatte, nicht vergessen und entgegnete trocken, dass ich mich weigern würde zu antworten, ohne vorher mit meinem Konsul gesprochen zu haben. Da erschienen alle verletzt und freundlich und schauten mich voller Sympathie an. Ich denke nicht, dass der Zwischenfall meine Prüfungen beeinflussen wird. Im Grunde sind diese alten Männer, egal ob errötet oder bleich, alle sehr höflich. Wenn es auch eine Zeit braucht, bis man sie versteht. (Ich wiederhole, dass Mrs. Dawson sich diesmal sehr nett mir gegenüber verhalten hat. Man bekommt zurück, was man gibt.) Wie du siehst, schicke ich dir viele Neuigkeiten. Obwohl ich nichts gegen die Nichte von Mrs. Dawson habe, wäre es nicht unbedingt die Person, mit der ich auf einer einsamen Insel leben wollte. Erstens ihres schottischen Akzentes voller „R“ wegen. Und dann ihre Art sich den Zigeunern gegenüber zu verhalten. Sie ist wie ich der Meinung, dass die Zigeuner das Salz der Erde sind. Aber sie weiβ nicht mit ihnen umzugehen; das heiβt, sie sieht sie wie eine leidenschaftiche Leserin von Borrow. Und sie wundert sich zum Beispiel, dass sie lügen... Also, ich meine, sie lügen nicht, denn sie betrügen wirklich niemanden mit ihren Lügen. Aber sie schmeicheln der ganzen Welt auf eine, für manche englische Puritaner, denen die Zigeuner nur in der Poesie von Lorca gefallen, sehr offensive Art und Weise. Letztens waren wir in meinem Café, als sich uns eine Zigeunerin näherte. Sie sagte zu meiner Freundin: - Na komm, condesita, lass mich dir die Zukunft vorhersagen.
21 Meine Freundin wollte, dass ich ihr jene Worte übersetze, aber ich verkniff mir das mit der condesita. Sie merkte es jedoch, sodass ich ihr erklärte: „Naja, also sie hat dich Gräfin genannt; aber das machen hier alle. Sie schmeicheln stets der ganzen Welt. Einen Soldat nennen sie Oberst, einen Pfarrer Erzbischof.“ In diesem Moment drehte sich die Zigeunerin zu mir und sagte: - „Sprich Klartext, goldenes Vögelchen aus Kalifornien, sodass ich dich verstehen kann.“ Meine Freundin sprach sie wieder mit „Gräfin“ an und mich mit „goldenes Vögelchen“. Ich bevorzuge es ehrlich gesagt, dass man mich „goldenes Vögelchen“ nennt, denn die aristokratischen Titel gelten in Amerika als veraltet und blödsinnig. Die Schotten jedoch denken anders. Meine Freundin war so zufrieden, dass sie der Zigeunerin ein Fünfpesetenstück gab. Ich erklärte ihr, dass die gleiche Zigeunerin mich einmal Kaiserin genannt hatte, – und wenn ich es meiner Freundin gleich täte, hätte ich ihr hundert Peseten geben müssen - dass wir nun jedoch Freundinnen seien und sie mich nur noch „Sternchen der Morgendämmerung“ oder sowas in der Art nennen würde. Ich weiβ nicht, ob meine Freundin mir zuhörte. Die Sache ist die, dass sie mich ein wenig wie ihre Hostess behandelte. Auf Spanisch ist das ein schönes Wort: azafata. Das Wort habe ich in einem Gespräch mit der marquesa von Estoraque gelernt. Es bedeutet „die Dame, die die Königin kleidet“. Wie du siehst, erhalte ich allmählich Zugang in das sevillanische Leben, aber mein Interesse gilt mehr den Zigeunern als den marqueses. Was könnte aus anthropologischer Sicht an einem marqués interessant sein? Kannst du mir das sagen? Mrs. Dawson hat ihre Freundinnen aus der Villa zu einem pic nic eingeladen, um sich für die Einladung damals, an diesem unglücklichen Tag, an dem ich das Lied der Schlange sang, zu revanchieren. Sie hat mich gebeten, ihr ernsthaft zu versprechen, nichts zu singen. Ich weiβ auch nicht wieso. Ich habe nie mit meinen Gesangskünsten geprahlt und mich auch nicht für eine Künstlerin gehalten. Ich singe ja auch nur sehr selten und im Kreise meiner Freunde. Es gibt nichts Schrecklicheres, als diese alten Frauen, die den ganzen Abend lang Arien, Romanzen un Balladen singen und dabei wie Strauβe ihre Hälse strecken, während ihre Gäste versuchen, das Gähnen zu unterdrücken. Ich spiele damit nicht auf deine Tante Mrs. Davis an, die wenigstens die Stimme eines Engels hat und heiter verkündet, dass sie zwei Noten höher singt, als eine Grille.
28 Aufstieg. Als das Pferd in den steil abfallenden Tunnel gelangte, hatte ich das Gefühl ich würde vorwärts über die Ohren hinunter fallen. Daraufhin zog ich an den Zügeln bis sich das Tier seitlich stellte und als es schräg zu der Rampe stand, drehte ich mich auf dem Sattel um und setzte mich verkehrt herum. Wenn gleich es etwas merkwürdig war, ging es auf diese Weise viel besser. Auβerdem sah uns ja niemand. So stiegen wir also weiter hinab, ich mit dem Rücken zum Kopf des Pferdes und auf seine Hinterbeine gebeugt. Wir erreichten den kleinen steinernen Innenhof, wo die Zigeuner warteten. Als mich der Älteste erblickte, begann er Flüche vor sich hinzunuscheln. Der andre half mir vom Pferd hinabzusteigen. Der alte Mann jedoch hörte nicht auf vor sich hin zu murmeln: - „Ich wusste, dass die mit de Pferd irgendwas Irres mache würde. In meine ganze Lebe hab ich noch nie ein böse Geist gesehen, wie die, die aus Kalifornie komme. Die eine wolle eine lange Esel für sechs Persone und die andere reite verkehrt herum auf de Pferd. Verdammt sei de Brücke von Triana.“ Ich entgegnete ihm, dass es keine andere Möglichkeit gäbe zu Pferde von der Giralda hinabzusteigen und dass Abd ar-Rahman höchstwahrscheinlich auch auf diese Weise vom Turm hinuntergestiegen sei. Der Zigeuner gestikulierte und bat mich inständig: - „Erzähle sie bloβ keine Lüge über de Señor Armel-Rahman, Fräulein.“ Sollte dieser Name wohl auch Pech bringen? Ehrlich gesagt, mag ich die Zigeuner, aber manchmal erscheinen sie mir einfach zu eigenartig. Ich gab ihnen ihr Geld und sie machten sich eilig davon, ohne sich zu verabschieden und ohne mich noch einmal anzusehen. In diesem Moment erschien mein Stallbursche und lud mich zum Essen im Ausschank Cernijón ein. Ich war hungrig. Meine Abenteuer machen mich immer hungrig. Wir gingen hinüber und gelangten in einen separaten Speiseraum, den wir für uns alleine hatten. Es war wirklich sehr cozy. Mein Stallbursche ging hinaus, um Wein zu bestellen. Er hatte seine Jacke ausgezogen und als er sie über einen Stuhl gehangen hatte, fiel ein Buch, das er in der Jackentasche trug, heraus. Ich hob es auf und öffnete es. Es war kein Buch, sondern ein Heft mit festem Einband. Darin stand in groβen Buchstaben geschrieben der Satz “Ich liebe Sie”, auf Englisch, Französisch, Deutsch,
29 Italienisch, Griechisch, Niederländisch, Schwedisch und sogar auf Russisch. Am Rande eines jeden Satzen war die phonetische Aussprache auf Spanisch notiert. Mein Stallbursche kehrte zurück und überrascht und glücklich verkündete ich ihm: - „Wie schön! Ich wusste nicht, dass sie sich auch für die modernen Sprachen interessieren. Es scheint so, als seien wir Kollegen.“ Er sah das Heft in meinen Händen und lief rot an, wie ein gekochter Krebs. Ich sage es dir, ich werde diese Spanier nie verstehen. Aber andererseits sind sie wahre Kavaliere und sehr freundlich und zuvorkommend. Mein Stallbursche wurde rot, wie ein Grünschnabel. (In Klammern, ich habe beschlossen meine Doktorarbeit über die Zigeuner zu schreiben, da das Thema es erlaubt sowohl anthropologische, als auch historische und linguistische Elemente zu bearbeiten. Was hälst du davon?) 4. Einführung in die translationswissenschaftlichen Theorien Bevor ich beginne, den Übersetzungkommentar nach der im Artikel von García Álvarez vorgestellten Methode (2008) auszuarbeiten, möchte ich einen Einblick in die theoretische Grundlage des analytischen Forschungsteiles dieser Arbeit geben. Auβerdem möchte ich erläutern, wieso eine globale Betrachtung des ZTs und eine strukturierte Analyse der Übersetzungprozesse von Bedeutung sind. 4.1 Theoretische Ansätze für eine fundierte Ausgangsund Zieltextanalyse Die im Folgenden vorgestellten Theorien dienen als Grundlage für die Untersuchung des ATs und des ZTs. Die detallierte Analyse des ATs ist deshalb von Bedeutung, als dass sie dazu dient, mögliche Schwierigkeiten für die Übersetzung im Vorfeld zu identifizieren. Auβerdem bedarf es einer AT-Analyse, um sich für eine adäquate Übersetzungsstrategie zu entscheiden. Die behandelten Theorien, die in diesem Kapitel vorgestellt werden, werden im translatorischen Kommentar und in der Analyse als wissenschaftliche Belege für das jeweils zu untersuchende translatorische Problem bzw. Phänomen dienen. Bevor der TRL mit seiner Arbeit beginnen kann, muss ihm klar sein, um was für eine Art von Text es sich beim AT handelt, was seine Funktion ist bzw. welche Intention des Autors sich hinter dem Text verbirgt und für wen der Text bestimmt ist. Dafür wurde
30 von Mentrup (1982) die sogenannte „pragmatische W-Kette“, welche auf der LasswellFormel (1948) beruht, eingeführt und für die übersetzungsrelevante Textanalyse verwendbar gemacht. Die „W-Fragen“ beziehen sich sowohl auf textexterne als auch auf textinterne Faktoren. Zu den textexternen Faktoren gehört unter anderem die Frage nach dem Sender und dessen Intention, sowie nach dem Rezipienten. Auch Fragen bezüglich des gewählten Mediums, des Ortes und der Zeit fallen unter die textexternen Faktoren. Zu den textinternen Faktoren zählt man die Frage nach dem Textinhalt und seinem Aufbau, nach der Lexik und der Syntax (Nord 20094:40). Um vor der Anfertigung der Übersetzung Klarheit über den Texttyp und die jeweilige Funktion des Textes zu erlangen, wurden im Rahmen einer funktionalen Translationstheorie spezifische Modelle entwickelt. Das Zuordnen zu einem bestimmten Texttyp und einer determinierten Funktion ist deshalb von Bedeutung, als dass man davon ausgeht, dass „[...] Texte als Kommunikationsinstrumente in kommunikative Situationen eingebettet und somit Teil eines „kommunikativen Handlungsspiels“ sind [...]“ (Schmitt, 1976:22 in Nord, 2006²:144 in Snell-Hornby et al. (Hrsg.) 2006²). Damit der jeweilige Instrumentalcharakter des Textes beim Übersetzen erhalten bleibt und die vom Sender beabsichtigte Intention weitgehend transmittiert werden kann, bietet es sich an, im Vorfeld die Charakteristika des ATs auszumachen und seine Funktion zu bestimmen. Als Orientierungshilfe im Hinblick auf die Funktion eines Textes und in Bezugnahme zum Bühlerschen Organon-Modell (1934) unterscheidet Katharina Reiss (1971) in ihrer Texttypologie zunächst zwischen drei Texttypen. Dabei handelt es sich um den „inhaltsbetonten“, den „formbetonten“ und den „appellbetonten“ Texttyp (Stolze 20085:112). Der „inhaltsbetonte“ Text zielt auf das Vermitteln von Information ab. Unter „formbetonten“ Texten versteht Reiss solche, bei denen die sprachliche Form dominiert. Der „appellbetonte“ Text soll eine auβersprachliche Reaktion hervorrufen. Als vierten Texttyp nennt Reiss auβerdem den „audiomedialen“ Text. Basierend auf dieser Beschreibung der möglichen Funktionen von Texten, erweiterte Reiss ihre Theorie und unterschied folglich zwischen drei Typen von Texten. Der informative, sachorientierte Text zielt auf das Vermitteln von Information ab. Als expressive, senderorientierte Texte werden solche bezeichnet, die einen Ausdruckscharakter haben, wie beispielsweise ein Roman wie „La Tesis de Nancy“. Der dritte Texttyp ist der operative, verhaltensorientierte Text, der eine Reaktion beim Rezipienten hervorrufen soll, wie z.B. eine Reklame (Stolze 20085:113). Diese Differenzierung ist laut Reiss
31 ausschlaggebend für die jeweilige zu wählende Übersetzungsmethode, bei der die spezifische Funktion des Textes erhalten bleiben soll. Die Texttypologie von Reiss wird im translatorischen Kommentar für die Bestimmung der Makrofinalität des AT verwendet werden. Neben Texttyp und Funktion spielt zudem der Übersetzungsauftrag eine wichtige Rolle. Mit Übersetzungsauftrag sind in diesem Kontext die „[...] Bedingungen der zielkulturellen Situation, für die übersetzt wird“ gemeint (Nord, 2006²:142 in SnellHornby et al. 2006²). In diesem Zusammenhang unterscheidet Christiane Nord zwischen dokumentarischer und instrumenteller Übersetzung (1997). Beim dokumentarischen Übersetzen wird der AT als eine Art Dokument angesehen, das so genau wie möglich in der Zielsprache (im Folgenden mit ZS abgekürzt) rekonstruiert werden soll. Der ZT ist dabei eindeutig als Übersetzung identifizierbar. Folglich dokumentiert diese Art von Übersetzung eine Kommunikationshandlung in der Ausgangssprache (im Folgenden mit AS abgekürzt) für die Leser in der ZS, bezieht sie jedoch nicht direkt in das Geschehen mit ein (Nord 2002:32). Die instrumentelle Übersetzung hingegen ist nicht direkt als Übersetzung auszumachen. Der ZT wird mehr oder weniger an die Zielrezipienten angepasst, damit die Übersetzung „[...] als eigenständiges Kommunikationsinstrument in einer zielkulturellen Situation [...]“ funktioniert (Nord 2002:32). Ausgehend von diesen beiden Übersetzungstypen, lassen sich der dokumentarischen und der instrumentellen Übersetzung verschiedene Funktionen zuordnen. Die dokumentarische Übersetzung hat eine rein metatextuelle Funktion, d.h. die Übersetzung informiert über bestimmte Aspekte eines Textes. Die instrumentelle Übersetzung dagegen, hat unter anderem eine Darstellungs-, Appellund Ausdrucksfunktion. In Anlehnung daran orientieren sich die von Nord vorgeschlagenen Übersetzungsmethoden jeweils an den Kriterien der beiden Übersetzungstypen. Bei der dokumentarischen Übersetzung wäre zum Beispiel eine wörtliche Übersetzung, eine Wort-für-Wort Übersetzung, eine philologische Übersetzung oder auch eine exotisierende Übersetzung anwendbar. Bei der instrumentellen Übersetzung hingegen liegt der Schwerpunkt auf der Beibehaltung der Funktion, die „konstant“, „variierend“ oder „korrespondierend“ (Nord 2002:34) sein kann und was nicht selten zu Adaptationen im ZT führt, um den gewünschten Effekt beim Zielrezipienten zu erzielen. Nords Unterscheidung zwischen dokumentarischem und instrumentellem Übersetzen wird im translatorischen Kommentar für die Darlegung der Auftragsanweisungen behandelt und wird zudem dazu dienen, die ideologischen,
32 kulturellen und informativen Umstände und/oder Unterschiede zwischen ZTund ATRezipienten im Hinblick auf die zu wählende Übersetzungsstrategie zu klären. Nach der vorhergehenden Vorstellung einiger relevanter Übersetzungstheorien, wird deutlich, dass man beim Übersetzen demnach retrospektiv, d.h. am AT orientiert, oder prospektiv, d.h. auf die Zielsituation ausgerichtet, arbeiten kann. Die prospektive Ausrichtung und Orientierung am Ziel des translatorischen Handelns wird im Rahmen der Skopostheorie, basierend auf der „allgemeinen Translationstheorie“ (Vermeer 1978), behandelt. Mittels dieser Theorie rückt Vermeer das intendierte Ziel des Übersetzungprozesses in den Mittelpunkt des Translationsvorgangs. Vermeer sieht Translation als eine Sondersorte von Handeln an und ist der Meinung, dass sie, wie jede Interaktion zwischen Kommunikationspartnern, durch ihren Zweck bestimmt wird und dass dieser Zweck wiederum empfängerabhängig sei (Vermeer, 1978 in Nord 20094:26). Vermeer führt in diesem Kontext den Begriff „Skopos“ (griechisch Skopos: Ziel, Absicht) ein. Er unterscheidet zwischen Translationsund Translatskopos. Unter Translationsskopos fasst er das vom Übersetzer beabsichtige Ziel, d.h. den Skopos, den der TRL sich selbst zum Ziel macht, zusammen. Der Translationsskopos determiniert zudem die Wahl einer bestimmten Übersetzungsstrategie. Dies bedeutet, dass der TRL durch die Bestimmung des Skopos abwägen kann, ob der AT wörtlich übersetzt, paraphrasiert oder gar neu geschrieben werden soll für die Empfänger in der ZS (die jeweilige Übersetzungsstrategie muss sich nicht zwangsläufig auf den gesamten Text beziehen, sondern kann auch auf Textfragmente angewendet werden) (Vermeer, 1978 in Chesterman 1989:185). Translatskopos hingegen bezieht sich auf die Funktion der Übersetzung, also welches Ziel das Translat in der ZK verfolgt (Dizdar, 2006²:104 in Snell-Hornby et al. 2006²). Da der AT für die Empfänger der AK bestimmt ist und durch diese Kultur determiniert wird und weil der ZT für die Zielempfänger in der ZK vorgesehen ist, ist davon auszugehen, dass AT und ZT, wenn auch möglich, oftmals nicht die gleiche Funktion haben (Vermeer, 1978 in Chesterman 1989:175). Auch für den Translationsund den Translatskopos gilt, dass sie meist nur im Idealfall übereinstimmen, jedoch ist es von Bedeutung, dass der TRL die für das Funktionieren des Translats in der ZK relevanten Faktoren erkennt und so weit es geht berücksichtigt. Auch wenn sich alle Überlegungen hinsichtlich der Intention und der Funktion und deren Übereinstimmung im Rahmen dieser Theorie stets prospektiv am ZT orientieren, so ist ein legitimer Skopos auch die exakte Imitation der Struktur oder der Syntax des
33 ATs (Vermeer, 1978 in Chesterman 1989:176). Dies wäre beispielsweise der Fall in einer literarischen Übersetzung, um in der ZS einen literarisch-ästhetischen Text zu schaffen. Wichtig ist, dass die Funktion und der Zweck der Übersetzung in der ZK stets berücksichtigt werden. Die Skopostheorie wird im translatorischen Kommentar für die Erläuterung der Auftragsanweisungen von Bedeutung sein. Im Zusammenhang mit der intendierten Funktion eines Textes taucht nicht selten der schwer fassbare Begriff „Äquivalenz“ auf. Tatsache ist, dass, aufgrund des verschiedenartigen Aufbaus der Einzelsprachen, Übersetzungen nicht identisch mit dem OT sein können. Der TRL sollte jedoch versuchen, einen dem AT entsprechenden Text in der ZS zu schaffen. Ferner postulierten Nida und Taber (1969), dass der Übersetzer keinen dem AT gleichen, sondern gleichwertigen Text in der ZS produzieren muss (Nida & Taber, 1969 in Stolze 20085:88). Mit „Gleichwertigkeit“ ist gemeint, dass die Übersetzung natürlich und idiomatisch in der ZS klingen soll, sodass sie wie ein Original wahrgenommen werden kann und möglichst die gleiche Reaktion, wie bei den Empfängern des ATs, bei den Zielrezipienten hervorruft (ibidem). Die Diskussion um Äquivalenz zwischen AT und ZT bewegt sich im Rahmen der Frage nach der angemessenen Treue bzw. Freiheit, die dem Übersetzer bei der Anfertigung des Translats im Hinblick auf den OT eingeräumt wird (Nord 20094:24). Die Forderung nach Äquivalenz kann sich sowohl auf textexterne, pragmatische Aspekte, wie beispielsweise die Forderung nach einer gleichen Funktion von AT und ZT beziehen, sowie auf textinterne Faktoren, wie die Nachbildung der expressiven, d.h. ausdrucksbetonten Seite des Textes. Auch ist eine Fusion von senderorientierten und inhaltlich-formalen Aspekten möglich, was z.B. die Forderung nach „Sinnidentität“ oder „Wirkungskonstanz“ impliziert (Nord 20094:25). Im Hinblick auf die Übersetzung des Kapitels „Nancy entdeckt Sevilla“ wurde sich um „Wirkungskonstanz“ bemüht, d.h. es sollte ein dem AT auf textexterner, sowie textinterner Ebene entsprechender Text erzielt werden. Anders als Nida und Taber (1969) untersuchte Toury (1995) nicht die Äquivalenzbeziehung zwischen AT und ZT, sondern die Translationsnormen, die den TRL leiten. Die zielkulturellen Translationsnormen gelten als bestimmender Faktor für die zu wählende Übersetzungsstrategie. Folglich definiert Toury Übersetzen als eine durch Normen gesteuerte, soziokulturelle Aktivität (1995:56). Laut Toury bestimmen die Normen die Art von Beziehung zwischen AT und ZT. Die Translationsnormen sind
34 sowohl zeitlich, als auch kulturell variabel. Er unterscheidet zwischen Vornormen (preliminary norms), Ausgangsnormen (initial norms) und Operativnormen (operational norms) (1995:56-59). Die Vornormen betreffen die Übersetzungspolitik, z.B. die Wahl von bestimmten Textsorten und Texten, d.h. die jeweiligen Präferenzen für bestimmte Textsorten. Die Ausgangsnormen betreffen die Orientierung an den Normen und an den Textfunktionen des ATs, welche beim Übersetzen in die ZK übertragen werden sollen, ohne dabei gegen die Regeln der ZS zu verstoβen. Aufgrund der Unterschiede der Sprachen und der Übersetzungspolitik räumt Toury ein, dass die Möglichkeit besteht, den AT an die zielkulturellen Normen anzupassen. Die Operativnormen betreffen die Entscheidungen während des Translationsprozesses. Die Translationsnormen werden im Kommentar für die Bestimmung der Textsortenkonventionen des ZTs von Interesse sein. Neben der einander entsprechenden Relation von AT und ZT diskutiert Nord weitergehend die Begriffe „Funktionsgerechtheit“ und „Loyalität“ (20094:30). Loyalität beschreibt die Verantwortung des TRL, die jeweiligen senderund zielempfängerbedingten Anforderungen zu erfüllen. Dies bedeutet, dass der TRL einen ZT anfertigen muss, der die Erwartung der Rezipienten, einen funktionsgerechten Text zu erhalten, erfüllt. Die Funktionsgerechtheit wird durch die intentionierte Funktion des ZTs in Abhängigkeit von den ausschlaggebenden zielsituationellen Faktoren (Ort, Zeit, Empfänger) bestimmt. Basierend darauf beschreibt Nord das Übersetzen folgendermaβen: „Translation ist die Produktion eines funktionsgerechten Zieltextes in einer je nach der angestrebten oder geforderten Funktion (Translatskopos) unterschiedlich spezifizierten Anbindung an einen vorhandenen Ausgangstext (20094:30).“ Bei der Frage nach Funktionsgerechtheit des ZTs muss vor allem die Übersetzung von Realien berücksichtigt werden. Realien lassen sich als „[...] Identitätsträger eines nationalen/ethnischen Gebildes, einer nationalen/ethnischen Kultur [beschreiben] – im weiteren Sinne – und werden einem Land, einer Region, einem Erdteil zugeordnet.“ (Markstein, 2006²:288 in Snell-Hornby et al. 2006²). Anders als ein Terminus, der ein Fachausdruck eines bestimmten wissenschaftlichen Gebietes ist und eine exakte Definition bzw. Übersetzung hat, sind Realien kultureigene Wörter. Eine Realie kann dabei sowohl eine Lokalspeise, als auch eine bestimmte Anredeoder Gruβform sein
35 (Markstein, 2006²:289 in Snell-Hornby et al. 2006²). Für den TRL bedeutet dies, dass die Realien im ZT für den Rezipienten verständlich gemacht werden müssen. Dafür bedarf es entweder Transformationen bzw. Adaptationen oder kontextuellen Erklärungen. 4.2 Ergänzende theoretische Überlegungen im Zusammenhang mit der Anfertigung eines translatorischen Kommentars Nachdem im vorhergehenden Unterkapitel die theoretischen Grundlagen für die Analyse des ATs und die prospektive Zieltextproduktion vorstellt wurden, werden im Folgenden - ausgehend von dem von García Álvarez publizierten Artikel (2008) - die Gründe für die Notwendigkeit der Anfertigung eines translatorischen Kommentars dargestellt und mit ergänzender, in diesem Kontext als bedeutsam erachteter Theorie vervollständigt. Der Artikel Der translatorische Kommentar als Evaluationsmodell der studentischen Übersetzungsprozesse (2008) beschreibt die Notwendigkeit der Anfertigung eines translatorischen Kommentars, um nicht nur das Produkt, sondern auch den Prozess beurteilen zu können. Die Autorin bemängelt, dass in der translatorischen Didaktik oftmals nur das Produkt von Interesse zu sein scheint. Die fehlende Aufmerksamkeit, die dabei dem Übersetzungsprozess geschenkt wird, führt dazu, dass man keinerlei Einblick in die sogenannte Blackbox des Studenten erhält, in welcher die translatorischen Überlegungen stattfinden und Entscheidungen getroffen werden (Toury 1995:183). Neben der Analyse des Übersetzungsproduktes, was die Autorin als ein „[...] dynamisches Geflecht bewusster und unbewusster mentaler Prozesse [...]“ (García Álvarez 2008:26) bezeichnet, soll zudem der Prozess evaluiert werden, um objektiv die Fehler und Lösungen bewerten zu können. Für die Studenten bedeutet dies in der Praxis, dass sie entweder in Realzeit, d.h. während des Übersetzens, oder in Endzeit, also nach Beendigung des Translats, ihre translatorischen Entscheidungen in schriftlicher Form begründen und bewusst über ihr Handeln reflektieren. Die schriftliche Reflexion über die Übersetzungsprozesse ermöglicht retrospektiv und interaktiv ihre Entscheidungen zu überdenken und zu verarbeiten. Die Idee des Verlagerns des Forschungsinteresses, weg vom bloβen Produkt und hin zu den Verstehensprozessen beim Übersetzen, fällt in den Bereich der Psycholinguistik (Kupsch-Losereit, 2006²:64 in Snell-Hornby et al. 2006²). Das Hauptaugenmerk liegt
36 dabei auf den mentalen und kognitiven Prozessen, die beim TRL während des gesamten Übersetzungsprozesses stattfinden. Die Psycholinguistik sieht das „[...] Verstehen von Texten [als] ein komplexes, erwartungsgesteuertes kognitives Geschehen [...]“ an (Kupsch-Losereit, 2006²:65 in Snell-Hornby et al. 2006²). Das bedeutet, dass beim Erfassen eines Textes Verbindungen zwischen sprachlichem und aussersprachlichem Wissen hergestellt werden und neue Information mit bereits vorhandenen Kenntnissen in Beziehung gesetzt wird. Zu diesen vorhandenen Kenntnissen zählen unter anderem persönliche Erfahrungen und „[...] Erwartungen an die kommunikative und soziale Funktion des Textes [...]“ (Kupsch-Losereit, 2006²:65 in Snell-Hornby et al. 2006²). Die Textinformation wird mit dem Erfahrungshintergrund und dem Weltwissen des Empfängers interpretiert und verarbeitet. Die Wahrnehmung und das Verstehen von Texten ist demnach mit der Aktivierung bekannter Konzepte verbunden. In diesem Zusammenhang lässt sich die Prototypensemantik von Eleanor Rosch (1973) nennen. Diese Theorie geht davon aus, dass „[...] unser sprachliches kategoriales Denken in entscheidendem Maβe von unseren Erfahrungen bestimmt wird.“ (Kuβmaul, 2006²:50 in Snell-Hornby et al. 2006²). Es wird davon ausgegeangen, dass Kategorien einen Kern und fuzzy edges, sprich unscharfe Ränder, haben. Die Prototypen sind dabei jeweils kulturbedingt. Für den TRL bedeutet dies, dass er erkennen muss, dass Wörter in verschiedenen Sprachen oftmals einen gemeinsamen Bedeutungskern haben, dass jedoch die unscharfe Bedeutung von Wörtern von der Kultur abhängig ist. Je nach Funktion eines Wortes im Text muss der TRL entscheiden, ob es ausreicht die Kernvorstellung in der ZS wiederzugeben, oder ob auch die fuzzy edges von Bedeutung sind. Die Prototypensemantik wird im translatorischen Kommentar im Zusammenhang mit lexikalischen und terminologischen Überlegungen und Problemen von Bedeutung sein. Weitergehend entwickelte sich im Rahmen der Semantik die scenes-and-framesSemantik, welche im translatorischen Kommentar wichtig für die Erläuterung der ideologischen, kulturellen und informativen Umstände und/oder Unterschiede zwischen ZTund AT-Rezipienten sein wird. Der Begründer der scenes-and-frames-Semantik, Fillmore (1977), geht davon aus, dass die Bedeutung von Wörtern durch die Kommunikationssituation und den Kontext determiniert wird. Fillmore führte dazu den Begriff scenes ein, welcher sich auf die persönlichen und kulturell bedingten Vorstellungen, die der Rezipient mit einem Wort verknüft, bezieht (Kuβmaul, 2006²:51
37 in Snell-Hornby et al. 2006²). Unter scenes sind also die Bilder zu verstehen, die man durch die visuelle oder auditive Weltwahrnehmung im Kopf entwickelt. Die Entwicklung der scenes ist dabei abhängig von der jeweiligen Kultur des Individuums und wird darüberhinaus zudem von den persönlichen Erfahrungen, von der Situation etc. beeinflusst (Martín de León & Witte 1996:555). Diese scenes widerum sind eingebettet in die sogenannten frames, d.h. in das Wort als sprachliche Form (Kuβmaul, 2006²:51 in Snell-Hornby et al. 2006²). Der frame, d.h. der Rahmen, der die Grundlage für die Entwicklung einer scene im Kopf eines Individuums, kann neben vertexteter Form auch andersartig wahrgenommen werden, z.B. ein bestimmter Geruch, der beim Individuum ein spezielles Bild im Kopf hervorruft (Martín de León & Witte 1996:555). Poyatos (1983) führt in diesem Zusammenhang die Begriffe channel reduction und channel amplification ein. Unter channel reduction versteht er die Komprimierung einer Beobachtung oder Wahrnehmung (scene) in einen schriftlichen Text (frame). Channel amplification widerum bezieht sich auf den umgekehrten Prozess, d.h. durch das Empfangen eines Textes wird ein Bild im Kopf des Rezipienten hervorgerufen (Witte 2007²:110). Bei der Umwandlung einer scene in einen frame finden auβerdem Modifikationen statt. Diese Modifikationen entstehen dadurch, dass bei der Reduktion von scene zu frame zusätzliche Aspekte, die bei der ursprünglichen Wahrnehmung der scene in der Art nicht vorhanden waren, hinzukommen (non-verbale Elemente, Sprechrythmus etc.). Poyatos benennt die Modifikationen der ursprünglichen scene mit „channel modification“, die bei jeder Komprimierung von scene zu frame und bei jeder Erweiterung eines frames zu einer scene stattfinden (Martín de León & Witte 1996:555). Im Zusammenhang mit den scenes und frames spielt auch die individuelle, kulturspezifische und erfahrungsabhängige Bewertung, die das Individuum jeder Wahrnehmung zuordnet, eine bedeutende Rolle. Witte (2007²) unterscheidet zwischen Darstellungs-frames, die eine Wahrnehmung darstellen, und Funktions-frames, die die Bedeutung einer Wahrnehmung vermitteln. Auch die scenes sind mit bestimmten Bewertungen, die ihnen das Individuum zuordnet, verbunden. Witte geht demnach davon aus, dass man die scenes in Vorstellungsund Bewertungs-scenes unterteilen kann (Vermeer & Witte, 1990 in Witte 2007²:111-112). Insbesondere bei den Bewertungs-scenes muss der TRL berücksichtigen, dass, wenn keine Adaptation an die ZK stattfindet, sondern wenn die Strategie einer exotisierenden Übersetzung gewählt wird, die Zielempfänger die Bewertungs-scene mit Hilfe ihres individuellen, kulturell
44 der Übersetzung, wo mittels einer Paraphrase das auf der Doppeldeutigkeit des Wortes „Canela“ beruhende Missverständnis übersetzt wurde (ZT, S. 8). Bei der gewählten exotisierenden Übersetzungsstrategie ist die zusätzliche Information in der Fuβnote für die deutschen Leser unabdingbar, da sonst die humoristische Komponente im Text verloren ginge. Die TRL ging zwar davon aus, dass es sich um einen gebildeten Leser handelt, dem man nicht jede Information erläutern muss, jedoch war sie der Meinung, dass eine teilweise Erklärung der Textinformation notwendig ist für das Erfüllen von der vom Sender intentionierten Funktion und zum Ausgleich des fehlenden Kulturwissens des Zielempfängers. Bei der Übersetzung hat die TRL zudem die zusätzliche Information in Fuβnoten auf bestimmte Texelemente beschränkt. Gewisse eingebürgerte Realien wurden ohne Erläuterung übernommen und lediglich durch Kursivschrift als exotisches Element gekennzeichnet. So z.B. die englische Anredeform „Misses“, welche im Deutschen üblicherweise nicht übersetzt wird (so wie die Anredeformen Mister, Reverent, Sargent, Detective etc.). Auch die spanische Anrede „Señora“ wurde im ZT beibehalten, um Autentizität im ZT zu schaffen und da davon ausgegangen wird, dass der deutsche Rezipient, weiβ, was „Señora“ auf Deutsch bedeutet. 5.4. Textsortenkonventionen des ZTs Der AT gehört zu der Textsorte „Brief“. Grundsätzlich gilt, dass bei Textsorten, die sowohl in der AK, als auch in der ZK existieren und etabliert sind, Unterschiede in den Textkonventionen vorkommen können. Diese Unterschiede können sich unter anderem auf die Phraseologie, die Lexik und die Interpunktion beziehen. Es bot sich für die Übersetzung des ersten Kapitels von Senders Briefroman ein Vergleich mit Paralleltexten an, um die typisch deutsche Phraseologie in Briefen im ZT anwenden zu können (z.B. „Schokolade zum Frühstück. Das Tagebuch der Bridget Jones“ (1997) von Helen Fielding11). Die direkte Anrede der Empfängerin, d.h. der Cousine von Nancy, wurde im ZT teilweise noch expliziter übersetzt. Im AT heiβt es beispielsweise: „¿Qué decirte de la gente española?“ (AT, S. 67). Im ZT hat die TRL versucht eine möglichst idiomatische Lösung zu finden und dabei den Briefstil zu bewahren: „Was soll ich dir nur über die Spanier erzählen?“ (ZT, S. 8). Die TRL ist davon ausgegangen, dass die „[...] Textsortenkonventionen (1) als Erkennungssignale, (2) als Auslöser von 11 http://www.randomhouse.de/content/edition/excerpts/142_44392_1.pdf [letzter Aufruf 6.06.2013].
45 Erwartungshaltungen und (3) als Steuerungssignale für das Textverstehen dienen“ (Reiss & Vermeer, 1984:189 in Göpferich, 2006²:62 in Snell-Hornby et al. 2006²). Für die Übersetzung bedeutete dies, dass die Textsortenkonventionen eingehalten werden müssen, um das Textverständnis des Lesers zielstrebig zu steuern und seine Aufmerksamkeit auf den Textinhalt zu lenken. Dabei hat sich die TRL zudem dafür entschieden, falls notwendig für das Textverständnis, Anmerkungen in Form von Fuβnoten anzubringen, welche als Übersetzungsnorm in einem Roman verwendet werden dürfen (Toury, 1995). Diese Erklärungen beziehen sich lediglich auf den Textinhalt und geben keinerlei Aufschluss über Entscheidungen oder Strategien der TRL. Sie dienen lediglich als Verständnisstütze für den Leser des ZTs. 5.5. Zeit und Ort der Veröffentlichung des ZTs (mögliche zeitliche bzw. örtliche Unterschiede zu denen des ATs) Der AT wurde von Ramón J. Sender im Jahr 1962, zu der Zeit, als er im Exil in den Vereinigen Staaten lebte, veröffentlicht. 1939 kam Francisco Franco an die spanische Regierung und herrschte bis 1975 als Diktator. Es ist davon auszugehen, dass die Diktaturperiode Francos die Umstände, unter denen der Roman geschrieben und veröffentlicht wurde, beeinflusste, nicht zuletzt, weil der spanische Bürgerkrieg der Grund für die Flucht ins Exil von Ramón. J. Sender war. Der ZT hingegen soll im Juli des Jahres 2013 veröffentlich werden und ist für ein deutsches Lesepublikum vorgesehen. Die groβe temporale Differenz von 51 Jahren zwischen der Veröffentlichung des ATs und des ZTs war jedoch kein Grund für die TRL in der Übersetzung Adaptationen an die heutige Zeit vorzunehmen. Im Gegenteil, die TRL war darauf bedacht insbesondere die Sprache des Originales im ZT zu erhalten. Ausschlaggebend für diese Entscheidung war die Tatsache, dass sich die Handlung des Werkes im Spanien in der Mitte des 20. Jahrhunderts abspielt. Obwohl auf Adaptationen weitgehend verzichtet wurde, so wurde doch die Rezeption durch die Zielempfänger berücksichtigt. Aus diesem Grund wurde beispielsweise auf Seite 9 des ZTs das Adjektiv „traditionell“ ergänzt. Dadurch kann der Zielrezipient durch den Kontext und mit Hilfe seines Weltwissens die Textinformation zuordnen und verstehen, dass es sich bei der Toga um die traditionelle Kleidungsweise der spanischen Universitätsprofessoren zur Mitte des 20. Jahrhunderts handeln muss. Eine weitere Schwierigkeit stellte die Terminologie im Zusammenhang mit dem Stierkampf dar. Im
46 AT finden sich eine Hand voll Wörter, die, da sie aus der Kultur des Stierkampfes stammen, nicht ohne weiteres in die ZS übersetzt werden können, weil sie keine Entsprechung in der ZK haben. Ein Beispiel dafür findet sich auf Seite 11 des ZTs im Wort „parones“. Um dieses kulturspezifische Textelement im ZT zu erhalten, wurde es wörtlich übernommen und in einer Fuβnote erläutert. 5.6. Mögliche Probleme bei der Produktion und andere Schwierigkeiten im Zusammenhang mit den kommunikativen ZT-Intentionen und mögliche Unterschiede bezüglich der Intentionen des ATs Dieser Unterpunkt (sowie die folgenden Unterpunkte 5.7, 5.8 und 5.9) fällt unter den Bereich der Pragmatik. Die Pragmatik beschreibt „[...] Beziehungsgefüge zwischen sprachlichen und textuellen Gegebenheiten einerseits und andererseits den Menschen, die sich der Translation bedienen und für die sie praktiziert wird [...]“ (Neubert, 2006²:56 in Snell-Hornby et al. 2006²). Sie befasst sich also mit der Beziehung zwischen Sprachzeichen und Zeichenverwendern. In diesem Kontext spricht man von der „Gerichtetheit“ des ZTs und ATs, was auch der Begriff Skopos ausdrückt (Neubert, 2006²:56-57 in Snell-Hornby et al. 2006²). Im Zusammenhang mit der Gerichtetheit der Texte hat sich die TRL mit den notwendigen Änderungen im Hinblick auf Form und Inhalt, dem Stil, sowie die Textsorte des ATs für die Erstellung des Translates beschäftigt. Es ist davon auszugehen, dass jede Übersetzung die Pragmatik des ATs verändert, indem sie die Zeichen des Originals für die Zielrezipienten zugänglich macht. Die Interpretation der zielsprachlichen Zeichen wird dabei stets von der Interpretation der Rezipienten des ATs abweichen. Die TRL hat sich für die Analyse der Gerichtetheit des Originals im Verhältnis mit der beabsichtigten Gerichtetheit der Übersetzung an den vier pragmatischen Typen (Neubert, 2006²:57-58 in Snell-Hornby et al. 2006²) orientiert. Sie kam zu dem Schluss, dass es sich um den Typ handeln müsse, bei dem der AT eine zweichfache Gerichtetheit aufweist. Dies bedeutet, dass das Original zwar primär quellensprachlich, jedoch auch potentiell zielsprachlich gerichtet ist (Neubert, 2006²:58 in Snell-Hornby et al. 2006²). Diese Form der Gerichtetheit ist typisch für die Literatur, die im Leben und in der Kultur des Autors ihren Ursprung hat. Für die Übersetzung von „La Tesis de Nancy“ bedeutete dies, dass die TRL zwischen einer Vielzahl an translatorischen Strategien wählen konnte, die von Exotisierung bis hin zur Eingliederung in die ZK reichte. Wie vorhergehend erläutert, entschied sich die TRL
47 dafür so wenig Adaptationen wie möglich vorzunehmen, um die muttersprachlichen Formen und Inhalte des Spanischen zu erhalten. Die TRL kam zu dem Schluss, dass die Intentionen von AT und ZT ähnlich seien und hat bei der Übersetzung deswegen den senderorientierten, expressiven Ausdruckscharakter des Textes stets berücksichtigt. 5.7. Mögliche Überlegungen, Unterschiede und Veränderungen der Zieltextstruktur bezüglich der des ATs Die Textstruktur der Textsorte Brief wurde im ZT beibehalten. Der Textaufbau des gesamten Werkes wird durch die äuβere Gestaltung des Textes deutlich (Zehn Briefe mit eigenen Überschriften). Da sich die Konventionen im Briefstil in Deutschland und Spanien weitgehend ähneln, mussten keine Veränderungen in der Zieltextstruktur vorgenommen werden. Nennenswert in diesem Zusammenhang wäre die Tatsache, dass aus übersetzungsstrategischen Gründen die originale Anrede „Dearest Betsy“ im ZT beibehalten wurde (ZT, S. 8). 5.8. Mögliche Überlegungen und Unterschiede zwischen den Textakten bzw. Sprechakten beider Texte Für die Untersuchung der Textstruktur und der beabsichtigten kommunikativen Intentionen des ZTs hat sich die TRL auf die Sprechakttheorie gestützt. Der Grundgedanke dieser Theorie ist, dass Sprechen zugleich eine Handlung darstellt (Stolze 1994:120). In diesem Zusammenhang untersuchten die Begründer der Sprechakttheorie, J. L. Austin (1962)12 und J. R. Searle (1969)13, die intendierte Absicht bzw. Illokution, die mit einer Äuβerung verbunden ist. Basierend auf Austins Klassifizierung unterteilte Searle Sprechakte zunächst in vier Teilakte: (1) Der Äuβerungsakt beinhaltet eine Aussage in Form von Lauten, Wörtern oder Sätzen, die grammatisch wohlgeformt oder nicht wohlgeformt sein kann. (2) Propositionale Akte machen eine Aussage über die Welt, welche wahr oder falsch sein kann. (3) Illokutionäre Akte sind solche, die z.B. eine Warnung, eine Behauptung oder eine Empfehlung ausdrücken, welche entweder glücken oder nicht glücken kann. Als (4) perlokutionäre Akte sind solche zu verstehen, die auf eine Wirkung beim Empfänger abzielen, z.B. dass jemand einem Befehl gehorsam ist (Stolze 20085:127). Um die groβe Zahl an Illokutionen in eine überschaubare Zahl an Grundtypen einzuteilen, erweiterte 12 Deutsche Ausgabe: Zur Theorie der Sprechakte. Stuttgart 1972. 13 Deutsche Ausgabe: Sprechakte. Ein sprachphilisophischer Essay. Frankfurt/M 1971.
48 Searle (1976) die Sprechaktklassifizierung in fünf Teilakte: (1) Repräsentative Sprechakte sind solche, die eine wahre Aussage über die Welt machen. Typische Verben für diesen Sprechakt sind unter anderem „aussagen“, „erzählen“, „beschreiben“. (2) Direktive Sprechakte beinhalten eine Aufforderung an den Rezipienten, welche z.B. durch Verben wie „bitten“ oder „befehlen“ sprachlich realisiert werden. Durch (3) kommisive Sprechakte verpflichtet sich der Sender eines Sprechaktes zu etwas, z.B. bei einem Versprechen. (4) Expressive Sprechakte drücken soziale oder emotionale Handlungen aus, wie beispielsweise ein Dank, ein Gruβ oder eine Entschuldigung. Als letzte Sprechaktklasse nennt Searle die (5) deklarativen Sprechakte. Sie werden durch Verben wie „taufen“ oder „verurteilen“ ausgedrückt und sind somit von offiziellem oder institutionellem Charakter (Stolze 20085:126). Die Verben, die einen Sprechakt ausdrücken, werden performative Verben genannt. Da die performativen Verben oftmals polysem in ihrer Bedeutung sind, können beim Übersetzen leicht Fehler unterlaufen. Zudem stellen besonders die Illokutionsindikatoren, d.h. die sprachlichen Mittel um eine Illokution auszudrücken, die sich nicht direkt einem bestimmten Sprechakt zuordnen lassen, eine Schwierigkeit dar (Kuβmaul, 2006²:51 in Snell-Hornby et al. 2006²). In solchen Fällen muss der TRL die intendierte Absicht aus dem Kontext herleiten. Zu beachten ist auβerdem, dass der Gebrauch der Illokutionsindikatoren konventionalisiert ist und von der Textsorte abhängt (Kuβmaul, 2006²:52 in SnellHornby et al. 2006²). Für die Übersetzung des Kapitels „Nancy entdeckt Sevilla“ bedeutete dies, dass die TRL die verschiedenen Sprechakte, aus deren Summe sich die „[...] illokutionäre Struktur des Gesamttextes [...]“ergibt, erkennen musste, um entsprechende sprachliche Mittel in der ZS dafür zu finden (Kuβmaul, 2006²:52 in Snell-Hornby et al. 2006²). Im Folgenden werden zu Illustrationszwecken einzelne Textakte und deren jeweilige Absicht erläutert. Beispiel 1: Repräsentativer Sprechakt (performatives Verb: decir bzw. erklären) Ausgangstext: „El marqués me dijo que no había escaleras, sino una rampa con el suelo de tierra apelmazada.” (AT, S.73) Zieltext: „Der marqués erklärte mir, dass es keine Stufen, sondern eine Rampe aus verhärteter Erde gäbe.“ (ZT, S. 15) In diesem Fall hätte die TRL das spanische Verb „decir“ auch mit dem Deutschen „sagen“ übersetzen können, jedoch hat sie sich, um den repräsentativen Charakter der
49 Aussage zu unterstreichen, bewusst für das Verb „erklären“ entschieden. Eine Alternative wäre das Verb „erzählen“ gewesen. Beispiel 2: Direktiver Sprechakt (performatives Verb: aconsejar bzw. raten) Ausgangstext: „Si vienes a España, Betsy, te aconsejo que no hagas preguntas a la gente sobre gramática.” (AT, S. 71) Zieltext: „Wenn du nach Spanien kommst, Betsy, dann rate ich dir keine Fragen über Grammatik zu stellen.“ (ZT S. 12) Die TRL hat den direktiven Charakter des Sprechaktes im AT, welcher mit einer Forderung an den Rezipienten verbunden ist, erkannt und eine Entsprechung in der ZS gefunden. Auf inhaltlicher Ebene würde dem Verb „aconsejar“ auch das deutsche Verb „empfehlen“ entsprechen, welches von der TRL in diesem Kontext jedoch als unidiomatisch und unpassend angesehen wurde. Beispiel 3: Expressiver Sprechakt (performatives Verb: dar las gracias bzw. bedanken) Ausgangstext: „Antes de salir de la casa del marqués, cuando nos despedíamos, le di las gracias a la manera americana, citando cada cosa agradable.” (AT, S. 74) Zieltext: „Beim Verabschieden, bevor wir das Haus des marqués verlieβen, bedankte ich mich für jede freundliche Geste, wie es sich in Amerika ziemt.“ (ZT, S. 16) Eine Alternative für die Übersetzung wäre die Konstruktion „einen Dank aussprechen“ gewesen, welche von der TRL jedoch als zu förmlich eingestuft wurde. Mittels dieser Beispiele soll dem Leser dieses Kommentars veranschaulicht werden, inwiefern die TRL in der Lage war, die verschiedenen Sprechakte zu identifizieren und dafür korrekte sprachliche Mittel in der ZS zu finden. 5.9. Mögliche Ähnlichkeiten bzw. Unterschiede bezüglich der funktionalen Beziehungen der Sätze in beiden Texten Da sich die TRL, wie vorhergehend beschrieben, dafür entschieden hat eine Kombination aus dokumentarischer und instrumentaler Übersetzung anzufertigen, wurde je nach Bedarf die Textinformation expliziter gemacht für den Zielrezipienten, oder implizit vermittelt. Bei Textstellen beschreibenden Charakters, wie z.B. eines bestimmten Stadtteiles Sevillas, hat die TRL die Information, die der AT liefert, nicht explizierter formulieren müssen, damit sie für die Zielrezipienten verständlich ist. Bei einigen Textelementen jedoch, war es notwendig den Textinhalt ausdrücklicher zu formulieren, um das Textverständnis beim Zielleser zu garantieren. Im Folgenden
50 werden einige Beispiele aufgeführt, um die unterschiedlichen, gewählten Strategien zu illustrieren. Beispiel 1: Umschreibung/Paraphrase Ausgangstext: „Había en el ruedo —así se dice— más de quince personas, todas contra un pobre toro indefenso.” (AT, S. 76) Zieltext: „Unten in der Arena, was man hier ruedo nennt, standen mehr als fünfzehn Leute dem armen, wehrlosen Stier gegenüber..“ (ZT, S. 18) Durch die Paraphrase lieβ sich das spanische Wort „ruedo“, welches kultureller Identitätsträger ist (spanischer Stierkampf) konservieren und gleichzeitig für die Zielempfänger verständlich machen. Beispiel 2: Erweiterung Ausgangstext: „Estaba sentada frente a tres profesores ya maduros, con su toga y un gorro hexagonal negro —el gorro no en la cabeza, sino en la mesa—.” (AT, S. 68) Zieltext: „Ich saβ drei, schon älteren Professoren gegenüber, die die traditionelle Toga trugen und einen hexagonal geschnittenen Hut, welchen sie nicht auf dem Kopf hatten, sondern der auf dem Tisch lag.“ (ZT, S. 9) Die TRL hat das Adjektiv „traditionell“ im ZT ergänzt, um zu Verhindern, dass der deutsche Leser bei der Zuordnung dieses frames die im Text gelieferte Information mit der römischen Toga verwechselt. In diesem Zusammenhang handelt es sich nämlich um die traditionelle Kleidung (Toga und hexagonal geschnittener Hut) der spanischen Universitätsprofessoren in der Mitte des 20. Jahrhunderts. Beispiel 3: Bedeutungsgerechtes und nicht wörtliches Übersetzen Ausgangstext: „No sé cómo aguantaban con este sol de Sevilla.” (AT, S. 76) Zieltext: „Ich weiβ nicht, wie sie das aushielten mit der Hitze hier in Sevilla.“ (ZT, S. 18) Die TRL hat die Bedeutung des ausgangstextlichen Inhaltes abstrahiert und versucht eine idiomatische Lösung in der ZS zu finden. Die Information „sol“ wurde im ZT demnach explizierter gemacht, indem die metonymische Eigenschaft der „Sonne“, „Hitze“ zu verursachen, als Übersetzungslösung gewählt wurde. Ausschlaggebend war dafür besonders die Tatsache, dass für die Übersetzung der zusätzlichen Information in Klammern („eine wirklich obszöne Hitze“) das Wort „Sonne“ nicht in Frage gekommen wäre bzw. nur dann, wenn sich die TRL vom AT gelöst hätte.
51 Ein Beispiel dafür, dass die TRL manche Textinformation implizit gelassen hat, findet sich auf Seite 10 des ZTs „der Gehörnte“. Im AT wurde diese Information ebenfalls ohne Erläuterung gelassen (AT, S. 69). Der Leser des ATs sowie des ZTs muss an dieser Stelle auf sein Weltwissen zurückgreifen, um zu begreifen, dass man unter „el cornudo“ bzw. „der Gehörnte“ die Person versteht, die von ihrem Partner betrogen wurde und dass zur damaligen Zeit, also Mitte des 20. Jahrhunderts, in Spanien jegliche sexuelle Anspielung ein Tabu-Thema darstellte14. 5.10. Lexikalische und terminologische Überlegungen und Probleme Für die Beantwortung dieses Punktes hat sich die TRL an der Prototypensemantik von Eleanor Rosch (1973) orientiert. Die kommunikative Situation des ATs weicht eindeutig von der des ZTs ab. Dies liegt daran, dass die Empfänger der beiden Texte unterschiedlichen Kulturen angehören. Im Zusammenhang mit der Prototypensemantik bedeutet dies, dass in den Kulturen der Ausgangsund der Zielempfänger unterschiedliche Prototypen verankert sind. Deswegen hat sich die TRL unter anderem darüber Gedanken gemacht, wann eine Exotisierung möglich ist und wann es sinnvoller wäre zu domestizieren, um Missverständnisse durch die jeweiligen kulturbedingten Prototypen zu verhindern. Im Folgenden werden diese Überlegungen anhand von drei Beispielen veranschaulicht. Beispiel 1: Ergänzung Ausgangstext: „[...] adonde nos llevaron para ver cómo es una casa típica por dentro.” (AT, S. 71) Zieltext: „So können wir einmal sehen, wie ein typisches, sevillanisches Haus von innen aussieht.“ (ZT, S. 13) In diesem Fall hat die TRL das Adjektiv „sevillanisch“ ergänzt, damit der deutsche Leser in seiner Vorstellung nicht den Prototyp eines deutschen Hauses vor Augen hat. Beispiel 2: Die Übersetzung des Liedes (ZT, S. 17-18) Ausgangstext: „culebra“ Zieltext: „schwarze Natter“ Die TRL hat sich bewusst dafür entschieden das Adjektiv „schwarz“ zu ergänzen, da sie davon ausging, dass der Prototyp einer Natter in Deutschland nicht den in diesem Kontext intendierten Zweck erfüllt. Da Schlangen im Allgemeinen als Unheilbringer in 14 http://personal.telefonica.terra.es/web/aus/guias/nancy_1.htm [letzter Aufruf: 26.05.2013].
52 der Zigeunerkultur angesehen werden, wurde das Adjektiv „schwarz“ zur Verdeutlichung einer negativen, bedrohlichen Eigenschaft hinzugefügt. So soll zudem der auf das Lied folgende Textinhalt illustriert werden, in welchem die anwesenden, abergläubischen Zigeuner auf Holz klopfen, um sich gegen das Unglück zu schützen. Beispiel 3: Der Krapfen Ausgangstext: „Ayer compré en la calle una cosa que llaman buñuelos.” (AT, S. 77) Zieltext: „Gestern kaufte ich auf der Straβe etwas, dass man hier buñuelos nennt. So eine Art Krapfen.“ (ZT, S. 19) Da die TRL zum einen das exotische Textelement in Form einer landestypischen Speise im ZT beibehalten wollte, dem ZT-Leser jedoch eine Idee, um was es sich in etwa handelt, geben wollte, hat sie sich für eine kurze Erläuterung im ZT entschieden. Der „spanische Krapfen“ und der „deutsche Krapfen“ untescheiden sich hauptsächlich im Bereich der fuzzy edges. Zum Beispiel weicht die Form eines spanischen „buñuelo“ oftmals von der eines deutschen Krapfens ab. Da zudem davon auszugehen ist, dass je nach Landeszone der deutsche Leser einen anderen Typ von Krapfen vor Augen hat, die Grundbedeutung, d.h. der Kern, des Wortes Krapfen jedoch gleich bleibt, war es der TRL wichtig, zu verdeutlichen, dass es sich um „eine Art Krapfen“ handelt. Denn nicht nur im Vergleich zwischen Deutschland und Spanien, sondern auch innerhalb Deutschlands gibt es eine Vielfalt an Ausführungen und Zubereitungsweisen von Krapfen15. Eine weitere Schwierigkeit auf lexikalischer Ebene, war auch die Übersetzung von Redewendungen. Auf Seite 13 im AT findet sich der Ausdruck „respirar por la herida“, welcher im ZT mit „die Wunde ist noch nicht verheilt“ übersetzt wurde. Die Bedeutungskomponente „Wunde“ bleibt in der ZS erhalten. Das Verb jedoch ändert sich aus phraseologischen Gründen. 5.11. Überlegungen und Probleme hinsichtlich des ZT-Stils Eine besondere Schwierigkeit stellte die Übersetzung des Zigeuner-Soziolektes dar. Die TRL ging davon aus, dass der Autor diese Sprachvarietät als Stilmittel verwendete, um den „[...] soziokulturellen Hintergrund und [...] [den] Lokalkolorit [...]“ zu verstärken (Kolb, 2006²:278 in Snell-Hornby et al. 2006²). Die Sprache ist ein Identitätsträger, 15 Vgl. span. buñuelo: http://es.wikipedia.org/wiki/Bu%C3%B1uelo [letzter Aufruf: 26.05.2013] im Gegensatz zum dt. Krapfen: http://de.wikipedia.org/wiki/Krapfen_(Hefeteig) [letzter Aufruf: 26.05.2013].
53 weswegen Sprachvarietäten die Werte und den Status ihrer Sprecher repräsentieren. Im Fall des Briefromanes lässt sich die Zigeunersprache eher als Soziolekt definieren, da sie eine für eine bestimmte soziale Gruppe spezifische Sprachvarietät darstellt. Für die Übersetzung bedeutete dies, dass die TRL die jeweiligen Assotiationen, die durch eine Sprachvarietät ausgelöst werden, und die mit der jeweiligen Kultur verbunden sind, berücksichtigen musste (ibidem). Die TRL hat sich vor allem an den umgangssprachlichen Aspekten orientiert, um die ausgangssprachliche Sprachvarietät in eine für den Zielrezipienten verständliche Sprachvarietät umzuwandeln. Um ein Gegenstück zur ausgangssprachlichen Zigeunersprache zu finden, hat die TRL eine Dokumentationsreihe über Zigeuner in Deutschland konsultiert. Auf Grundlage dessen, hat die TRL eine Art Kunstsprache entwickelt, die zum einen das Fremde des ATs erhalten sollte, und zum anderen grammatikalische und phonologische Aspekte des Soziolektes widerspiegeln sollte. Durch bestimmte Reduktionen konnten so die Abweichungen der Zigeunersprache von der Standardsprache verdeutlicht werden. Im folgenden Beispiel ist zu erkennen, in wiefern der TRL die Übertragung in eine Art gebrochenes Deutsch gelungen ist. - „Was für eine Art Pferd können sie mir anbieten?“, fragte ich. - „De Tierchen is zahm, wie eine Lämmchen in de Krippe. Aber, mein Gnädigste, wofür wolle sie die Pferd, wenn ich frage darf?“ - „Um auf die Giralda zu steigen.“ - „Señora, glaube sie, dass die Pferd ist ein Storch?“ (ZT, S. 25) Dem Zielrezipienten wird klar sein, dass es sich, um zur spanischen Kultur gehörige Zigeuner handelt. Er kann mittels der durchgeführten grammatikalischen Reduktion und teilweise Verfremdung und durch sein Weltwissen eine Brücke schlagen und den Soziolekt in etwa einer bestimmten Personengruppe zuordnen. Zudem wurden im ZT spezifische Elemente aus dem Wortschatz der Zigeuner beibehalten, da sie als Identitätsträger dieser Diakultur angesehen wurden. Dafür wurden beispielsweise die Wörter „calés“ und „payos“ im ZT (S. 23) übernommen und zusätzlich in der ZS paraphrasiert. 5.12. Überlegungen und Probleme bezüglich der Kohäsion im ZT Für die Beantwortung dieses Unterpunktes hat sich die TRL an den Subklassen der Textualisierung orientiert, zu welchen beispielsweise die Thema-Rhema-Gliederung,
60 exotisierenden Übersetzungsstrategie in Kombination mit Fuβnoten, ist der ZT Leser in der Lage, den Textinhalt zu erfassen und die fremden Eindrücke, die Nancy im Verlaufe des Kapitels erfährt, nachzuempfinden, ohne dass der ZT zu sehr an die ZK angepasst werden muss. Von groβem persönlichem Interesse war die Auseinandersetzung mit der Zigeuner-Kultur und den kulturspezifischen Ausdrücken im Spanischen, welche auch für mich teilweise unbekannt waren. Durch die intensive Beschäftigung mit den kulturellen und sprachlichen Unterschieden zwischen Spanien und Deutschland konnte ich meinen Horizont erweitern. Obwohl ich den translatorischen Kommentar in Endzeit, d.h. nach Beendigung des Translats, angefertigt habe, so habe ich mir doch im Vorfeld Gedanken gemacht darüber, welche Theorien mir bei der Erstellung des Übersetzungskommentars von Nutzen sein könnten und deswegen die relevanten Theorien im theoretischen Rahmen der Arbeit vorgestellt. Im ersten Unterkapitel der Einführung in die translationswissenschaftlichen Theorien habe ich unter anderem die Frage nach dem Texttyp, unter Bezugnahme auf Katharina Reiss (1971), behandelt, um den Senderschen Briefroman einem Texttyp zuzuordnen und um seine Funktion bestimmen zu können. Auβerdem habe ich die Differenzierung zwischen dokumentarischer und instrumenteller Übersetzung von Christiane Nord (1997) erläutert, welche mir bei der Wahl der Übersetzungsstrategie geholfen hat. Ich habe mich für eine für literarische Übersetzungen übliche Kombination aus dokumentarischer und instrumenteller Übersetzung entschieden. Des Weiteren bin ich auf die Skopostheorie von Vermeer (1978) eingegangen. Die Skopostheorie hat mir geholfen meinen persönlichen Translatskopos und den Translationsskopos zu bestimmen. Zudem habe ich das Thema „Äquivalenz“ angeschnitten und die Bedeutung der „Gleichwertigkeit“ von AT und ZT betont. Auch habe ich festgestellt, dass die von Nord (2009) geforderte „Wirkungskonstanz“ wichtig für meine Arbeit war, insbesondere für die Übersetzung der Fülle an Realien, die sich im AT finden. Im zweiten Unterkapitel der Einführung in die translationswissenschaftlichen Theorien bin ich auf den für die Anfertigung des Übersetzungskommentars grundlegenden Artikel von García Álvarez (2008) eingegangen, in welchem die Autorin die Wichtigkeit eines Übersetzungkommentars für die Bewertung und Untersuchung des Übersetzungsprozesses behandelt. Dazu habe ich mich zuerst mit der Psycholinguistik beschäftigt, welche die mentalen und kognitiven Prozesse während des Übersetzens
61 behandelt. Daraufhin habe ich die Prototypensemantik von Rosch (1973), welche mir bei der Lösung lexikalischer und terminologischer Probleme half, vorgestellt. Zudem habe ich die scenes-and-frames Semantik von Fillmore (1977) behandelt und mittels der Literatur von Heidrun Witte (1996, 2007) erweitert erläutert. Die scenes-and-frames Semantik war von besonderer Bedeutung für die Ermittlung ideologischer, kultureller und informativer Umstände und Unterschiede zwischen ATund ZT-Rezipienten. Des Weiteren bin ich auf die Methode des lauten Denkens aus den 80er Jahren eingegangen und habe die Vorteile des translatorischen Kommentars im Vergleich zu dieser Methode erläutert. Der translatorische Kommentar ermöglicht es einen Einblick in die unbewussten, mentalen Prozesse beim Übersetzen zu erlangen. Durch die Anfertigung des Übersetzungkommentars wurde ich mir über viele Entscheidungen, die ich sonst unbewusst getroffen hätte, klar und konnte darüber reflektieren, wieso ich eine bestimmte Entscheidung getroffen hatte. Auβerdem wurde ich mir der Bedeutung der Information über den Autor, welche sich im 2. Kapitel dieser Arbeit, auf Seite 7, findet, für die zu wählende Strategie, die Funktion des Textes und die Rezeption in der ZK bewusst. Zudem war ich in der Lage, mögliche translatorische Alternativen abzuwägen. Die Erstellung des translatorischen Kommentars war für mich sehr interessant, da ich mich bisher nicht mit den metakognitiven Prozessen beim Übersetzen auseinandergesetzt hatte. Meiner Meinung nach stellt der Übersetzungskommentar eine hervorragende Methode für die Reflexion auf den verschiedenen Ebenen des Textes dar. Der Übersetzungskommentar ermöglicht, dass sich der TRL ein globales Bild von dem Translat verschafft und dass er sich von einer rein subjektiven Wahrnehmung distanzieren kann. In der auf den Übersetzungskommentar folgenden Analyse habe ich einen neuen Gesichtspunkt behandelt. Die Auseinandersetzung mit dem Begriff „Fremdheit“ bzw. „Andersheit“ unter Bezugnahme auf Witte (2007) erschien mir äuβerst interessant. Zudem erachtete ich die Analyse als passend, da sie eine Art Anlehnung an den im Roman stattfindenden interkulturellen Vergleich (U.S.A. – Spanien) darstellt. Ich hoffe, dass der ZT-Leser in der Lage sein wird, die Situation von Nancy nachzuvollziehen und gemeinsam mit ihr die spanische und darin die Zigeuner-Kultur entdecken kann. Ich hoffe, dass der ZT-Rezipient sich durch meine Übersetzung an den zahlreichen Eindrücken erfreuen kann und sich für das Neue und „Andere“ begeistern kann, so wie Ramón J. Sender einst Nancy sich dafür begeistern lieβ.
62 Ich möchte diese Masterarbeit gerne als Ausgangspunkt für weitere Untersuchungen und Forschungen auf diesem Gebiet sehen, denn die Arbeit hat eindeutig mein Interesse für die Analyse der metakognitiven Prozesse geweckt. Interessant stelle ich mir auch die Untersuchung einer Fachtextübersetzung vor, bei welcher der TRL aufgrund von Konventionen, Terminologie und Phraseologie weniger Freiheit beim Übersetzen hat. Ich würde gerne wissen, wie in einem solchen Fall die textuelle Verarbeitung im Kopf des TRL stattfindet und mit welchen Schwierigkeiten er konfrontiert wird. 8. Literatur 8.1. Primärliteratur Centro Virtual Cervantes: Biografía. Ramón J. Sender Garcés (1901-1982). http://cvc.cervantes.es/actcult/sender/biografia.htm [letzter Aufruf: 14.06.2013] Dizdar, Dilek (20062): 28. Skopostheorie. In: Snell-Hornby et al. (Hrsg.) (20062): Handbuch Translation. Zweite, verbesserte Auflage, 104-107. García Álvarez, Ana María (2008): “Der translatorische Kommentar als Evaluationsmodell der studentischen Übersetzungsprozesse.“ Lebende Sprachen 1/2008, 26-31. Göpferich, Susanne (20062): 17. Text, Textsorte, Texttyp. In: Snell-Hornby et al. (Hrsg.) (20062): Handbuch Translation. Zweite, verbesserte Auflage, 61-63. I.E.S.: Ramón J. Sender. http://centros4.pntic.mec.es/ies.ramon.j.sender/sender.htm#rep [letzter Aufruf: 14.06.2013] Kolb, Waltraud (20062): 78. Sprachvarietäten (Dialekt/Soziolekt). In: Snell-Hornby et al. (Hrsg.) (20062): Handbuch Translation. Zweite, verbesserte Auflage, 278-280. Kupsch-Losereit, Sigrid (20062): 18. Psycholinguistik. In: Snell-Hornby et al. (Hrsg.) (20062): Handbuch Translation. Zweite, verbesserte Auflage, 64-66. Kuβmaul, Paul (20062): 13. Semantik. In: Snell-Hornby et al. (Hrsg.) (20062): Handbuch Translation. Zweite, verbesserte Auflage, 49-52. Kuβmaul, Paul & Hönig, Hans G. (20062): 47. Einblicke in mentale Prozesse beim Übersetzen. In: Snell-Hornby et al. (Hrsg.) (20062): Handbuch Translation. Zweite, verbesserte Auflage, 170-177. Markstein, Elisabeth (20062): 81. Realia. In: Snell-Hornby et al. (Hrsg.) (20062): Handbuch Translation. Zweite, verbesserte Auflage, 288-291.
63 Martín de León, Celia & Witte, Heidrun (1998): Imagina (lo) que traduces. Orero, Pilar: Actes del III Congrés Internacional sobre Traducció 1996. Actes; Barcelona: 1998, 553564. Neubert, Albrecht (20062): 15. Pragmatik. In: Snell-Hornby et al. (Hrsg.) (20062): Handbuch Translation. Zweite, verbesserte Auflage, 56-58. Nord, Christiane (2002): Fertigkeit Übersetzen. Ein Selbstkurs zum Übersetzenlernen und Übersetzenlehren. Alicante: Editorial Club Universitario. http://books.google.es/books?id=i6H_rLIig7EC&pg=PA73&lpg=PA73&dq=christiane+ nord+dokumentarische+%C3%BCbersetzung&source=bl&ots=tRO4o5xMDR&sig=Kr CP2TDNKVLI7WWzJeYQNehfz_k&hl=es&sa=X&ei=99egUZyyPNSp7AbDvoEw&v ed=0CG8Q6AEwCQ#v=onepage&q=dokumentarische%20%C3%BCbersetzung&f=fal se [letzter Aufruf: 18.06.2013] - (20062): 40. Ausrichtung an der zielkulturellen Situation. In: Snell-Hornby et al. (Hrsg.) (20062): Handbuch Translation. Zweite, verbesserte Auflage, 144-146. - (20094): Textanalyse und Übersetzen. Theoretische Grundlagen, Methode und didaktische Anwendung einer übersetzungsrelevanten Textanalyse. 4., überarbeitete Auflage. Tübingen: Julius Groos Verlag. Sender, Ramón J. (1962): La Tesis de Nancy. Mexiko D.F.: Ediciones Atenea. Snell-Hornby, Mary (1994): Translation Studies. An Interdiscipline. Amsterdam / Philadephia: John Benjamins. http://books.google.es/books?id=TCvB2DN6i9kC&pg=PA381&lpg=PA381&dq=botto m+up+prozesse+translation&source=bl&ots=eRSHxUn1XA&sig=2KzoGa15xYCSKtFf7FfqmL0hik&hl=es&sa=X&ei=gQKeUeenKJCQ7AaYyYHwBQ&ved=0C DoQ6AEwAg#v=onepage&q=bottom%20up&f=false [letzter Aufruf: 18.06.2013] Snell-Hornby, Mary, Hönig, Hans G., Kussmaul, Paul, Schmitt, Peter A. (2006²): Handbuch Translation. Zweite, verbesserte Auflage. Tübingen: Stauffenburg. Stolze, Radegundis (1994): Übersetzungstheorien. Eine Einführung. Tübingen: Gunter Narr Verlag. Stolze, Radegundis (20085): Übersetzungstheorien. Eine Einführung. 5. Auflage. Tübingen: Narr Francke Attempto Verlag. Toury, Gideon (1995): Descriptive Translation Studies and beyond. Amsterdam / Philadelphia: John Benjamins B.V.
64 Vermeer, Hans J. (1978, 1983): “Skopos and Commission in Translational Action” [übersetzt von Andrew Chesterman]. In: Chesterman, Andrew: Readings in Translation Theory 1989, 173-187 Witte, Heidrun (2007²): Die Kulturkompetenz des Translators. Begriffliche Grundlegung und Didaktisierung. 2. Auflage. Tübingen: Stauffenburg. Scherner, Maximilian (1984): Sprache als Text. Tübingen: Max Niemeyer Verlag. http://books.google.es/books?id=46OYJg824FcC&pg=PA215&dq=thema+rhema+abfol ge&hl=es&sa=X&ei=7zyvUcmGHvDd7Qa8h4CgAQ&ved=0CG8Q6AEwCA#v=onep age&q=thema%20rhema%20abfolge&f=false [letzter Aufruf: 18.06.2013] 8.2. Sekundärliteratur Austin, John L. (1972): Zur Theorie der Sprechakte. Stuttgart: Reclam. Bühler, Karl (1934): Sprachtheorie. Die Darstellungsfunktion der Sprache. Jena. 2. Aufl., Stuttgart 1965: Gustav Fischer. Neudruck Stuttgart 1982 (UTB 1159). Fillmore, Charles (1977): „Scenes-and-Frames Semantics.“ Zampolli, Antonio (Hrsg.) (1977): Linguistic Structures Processing. Amsterdam: N. Holland, 55-88. Gülich, Elisabeth & Raible, Wolfgang (1977): Linguistische Textmodelle. Grundlagen und Möglichkeiten. München: Fink (UTB 130). Mentrup, Wolfgang (1982): Gebrauchsinformation – sorgfältig lesen! Die Packungsbeilage von Medikamenten im Schaltkreis medizinischer Kommunikation: Handlungsausschnitt, in Grosse, S. & Mentrup, W. (eds.) (1982): Anweisungstexte, Tübingen, 9-55. Nida, Eugene A. & Taber, Charles, R. (1969): Theorie und Praxis des Übersetzens, unter besonderer Berücksichtigung der Bibelübersetzung. Weltbund der Bibelgesellschaften. Nord, Christiane (1993): Einführung in das funktionale Übersetzen. Am Beispiel von Titeln und Überschriften. UTB 1734. Tübingen – Basel: Francke. - (1997): Translation as a purposeful activity. Functionalist approaches explained, Manchester: St. Jerome. Poyatos, Fernando (1983): New perspectives in nonverbal communication. Studies in Cultural Anthropology, Social Psychology, Linguistics, Literature, and Semiotics. Oxford (= Language and Communication Library 5).
65 Reiss, Katharina (1971): Möglichkeiten und Grenzen der Übersetzungskritik. München: Hueber (hueber hochschulreihe 12). Reiss, Katharina & Vermeer, Hans J. (1984): Grundlegung einer allgemeinen Translationstheorie. Tübingen: Niemeyer. Rosch, Eleanor (1973): „Natural categories.“ Cognitive Psychology 4, 328-350. Schmidt , Siegfried J. (19762): Texttheorie. München: Fink. Searle, John R. (1971): Sprechakte. Ein sprachphilosophischer Essay. Frankfurt/M: Suhrkamp. - (1976): „A classification of illocutionary Acts”. Language in Society 5, 1-23, S. 10ff. Vermeer, Hans J. (1978): Ein Rahmen für eine allgemeine Translationstheorie, in Vermeer 1983, 48-61. Vermeer, Hans J. & Witte, Heidrun (1990): Mögen Sie Zistrosen? Scenes & frames & channels im translatorischen Handeln. TEXTconTEXT, Beiheft 3. Heidelberg: Groos. 9. Glossar zu „Nancy entdeckt Sevilla“ Canela (deutsch: Zimt) Álvarez, Alfredo I.: Hablar en español. La cortesía verbal. La pronunciación del español estándar. Las formas de expresión oral. Oviedo: Ediciones Nobel, S.A. 2005, 79. http://books.google.es/books?id=S7lxXOVzkmgC&pg=PA79&lpg=PA79&dq=canela+ cumplido&source=bl&ots=3dthrZN86L&sig=Xi4TrmkG_FyEGxetcZSDbDH86k&hl=es&sa=X&ei=hWyCUf2WNKKP7AaK0IGwAg&ved=0CDU Q6AEwATgK#v=onepage&q=canela&f=false [letzter Aufruf: 1.06.2013]. Estar buena (deutsch: begehrenswert sein) Carballera Cotillas, Yolanda & Sastre Ruano, María Angeles: Usos de ser y estar. Revisión de la gramática y constatación de la realidad lingüística. http://cvc.cervantes.es/ensenanza/biblioteca_ele/asele/pdf/03/03_0297.pdf [letzter Aufruf: 01.06.2013]. Capa y espada Theater (deutsch: Mantelund Degentheater) Spanisch. Groβer Lernwortschatz. Ismaning: Max Hueber Verlag 2004, 216. http://books.google.es/books?id=2N51JlDrmrgC&pg=PA216&lpg=PA216&dq=das+ca pa+y+espada+Theater&source=bl&ots=Kpxsqlek5y&sig=2EQrPPAO0nhtHLUHUCUo2BdMck&hl=es&sa=X&ei=1IC4UejNAeHE7Ab_joHQCQ&ved=0CD4Q
66 6AEwBDgU#v=onepage&q=das%20capa%20y%20espada%20Theater&f=false [letzter Aufruf: 1.06.2013]. Ser un poste (deutsch: Stillstehen des Stierkämpfers; ohne die Füβe zu bewegen) De Torres, José Calos: Léxico español de los toros. Madrid: C.S.I.C. 1989, 360. http://books.google.es/books?id=87elfqEQuJYC&pg=PA439&lpg=PA439&dq=malanj e+gitano&source=bl&ots=fg1_q3fR2J&sig=g9q7YfQ6mip7VAZiyYq2AOmeVs&hl=es&sa=X&ei=ZHa4UembLdCf7AaDhoDQAg&ved=0CEIQ6AEwAw#v=snippet &q=poste&f=false [letzter Aufruf: 1.06.2013]. Parón (deutsch: intentioniertes Verkürzen des Abstandes zwischen Stierkämpfer und Stier, um das Tier zu bedrängen und zu ermüden) Diccionario Neotaurómaco. http://www.udel.edu/leipzig/010498/elc02068.htm [letzter Aufruf 3.06.2013]. Marqués (deutsch: Marquis) Spanisch. Groβer Lernwortschatz. Ismaning: Max Hueber Verlag 2004, 151. http://books.google.es/books?id=2N51JlDrmrgC&pg=PA216&lpg=PA216&dq=das+ca pa+y+espada+Theater&source=bl&ots=Kpxsqlek5y&sig=2EQrPPAO0nhtHLUHUCUo2BdMck&hl=es&sa=X&ei=1IC4UejNAeHE7Ab_joHQCQ&ved=0CD4Q 6AEwBDgU#v=onepage&q=marques&f=false [letzter Aufruf: 1.06.2013]. Tía buena (deutsch: begehrenswerte, attraktive Frau) Real Academia Española. http://lema.rae.es/drae/?val=tia%20buena [letzter Aufruf: 1.06.2013]. Die Schlange als Symbol des Unheils im Aberglauben der Zigeuner http://books.google.es/books?id=Dyc4lTvPd2cC&pg=RA1-PA141&lpg=RA1PA141&dq=schlange+zigeuner&source=bl&ots=SbMW0DoHIH&sig=gCOmNABlQy 0K6pCpXAQk0XP6cM&hl=es&sa=X&ei=UhWJUY6FAcSr7Aa824DoDQ&ved=0CFoQ6AE wBw#v=onepage&q=schlange%20zigeuner&f=false [letzter Aufruf: 25.05.2013]. Jumera (deutsch: Alkoholrausch) Real Academia Española. http://lema.rae.es/drae/?val=jumera [letzter Aufruf: 1.06.2013]. Malange (deutsch: schlechte Laune) De Torres, José Calos: Léxico español de los toros. Madrid: C.S.I.C. 1989, 439.
67 http://books.google.es/books?id=87elfqEQuJYC&pg=PA439&lpg=PA439&dq=malanj e+gitano&source=bl&ots=fg1_q3fR2J&sig=g9q7YfQ6mip7VAZiyYq2AOmeVs&hl=es&sa=X&ei=ZHa4UembLdCf7AaDhoDQAg&ved=0CEIQ6AEwAw#v=onepag e&q=malanje%20gitano&f=false [letzter Aufruf: 26.05.2013]. 10. Glossar translationswissenschaftlicher Abkürzungen Originaltext – OT Ausgangstext – AT Zieltext – ZT Ausgangssprache – AS Zielsprache – ZS Ausgangskultur – AK Zielkultur – ZK Translator(in) – TRL 11. Originaltext (Erstes Kapitel aus „La Tesis de Nancy“) CARTA PRIMERA NANCY DESCUBRE SEVILLA Dearest Betsy: Voy a escribir mis impresiones escalonadas en diferentes días aprovechando los ratos libres. Como sabes, he venido a estudiar a la Universidad de Sevilla. Pero vivo en Alcalá de Guadaira, a diez millas de la ciudad. La señora Dawson, de Edimburgo, que tiene coche y está en la misma casa que yo, me lleva cada día a la ciudad. Suerte que tengo, ¿verdad? Siempre he tenido suerte. ¿Qué decirte de la gente española? En general, encuentro a las mujeres bonitas e inteligentes, aunque un poco..., no sé cómo decirte. Yo diría afeminadas. Los hombres, en cambio, están muy bien, pero a veces hablan solos por la calle cuando ven a una mujer joven. Ayer pasó uno a mi lado y dijo: —Canela. Yo me volví a mirar, y él añadió: —Canelita en rama. Creo que se refería al color de mi pelo.
68 En Alcalá de Guadaira hay cafés, iglesias, tiendas de flores, como en una aldea grande americana, aunque con más personalidad, por la herencia árabe. Al pie de mi hotel hay un café con mesas en la acera que se llama La Mezquita. En cuanto me siento se acercan unos vendedores muy raros —algunos ciegos—, con tiras de papel numeradas. Dicen que es lotería. Me ofrecen un trozo de papel por diez pesetas y me dicen que si sale un número que está allí impreso, me darán diez mil. Yo le pregunté al primer vendedor que se me acercó si es que tenía él tanto dinero, y entonces aquel hombre tan mal vestido se rió y me dijo: «Yo, no. El dinero lo da el Gobierno.» Entonces resulta que todos esos hombres (y hay millares en Sevilla) son empleados del Gobierno. Pero parecen muy pobres. ¿Sabes, Betsy querida? No hay gorilas en España. Cosa de veras inexplicable. No sé cómo han hecho su guerra de gorilas en el pasado por la cual son famosos los españoles en la historia desde el tiempo de los romanos. Tengo que preguntar en la Universidad esta tarde. Aunque me molesta hacer ciertas preguntas, porque hay gente a quien no le gusta contestar. Ayer me presentaron a dos muchachos en la calle de las Sierpes, y yo, que llevaba mis libros debajo del brazo y andaba con problemas de gramática, pregunté al más viejo «Por favor, ¿cómo es el imperfecto de subjuntivo del verbo airear?» El chico se puso colorado y cambió de tema. ¿Por qué se puso colorado? Me suceden cosas raras con demasiada frecuencia. Y no se puede decir que los hombres sean descorteses, no. Al contrario, se preocupan del color de mi pelo y hasta de mi salud. En la puerta del café hay siempre gente joven, y cuando vuelvo a casa veo que alguno me mira y dice «Está buena.» Yo no puedo menos de agradecerles con una sonrisa su preocupación por mi salud. Son muy amables, pero no los entiendo. A veces se ruborizan sin motivo. O se ponen pálidos. Sobre todo cuando les pregunto cosas de gramática. De veras, a veces no entiendo las reacciones de la gente. Verás lo que me pasó en el examen de literatura clásica. Estaba sentada frente a tres profesores ya maduros, con su toga y un gorro hexagonal negro —el gorro no en la cabeza, sino en la mesa—. Y uno de ellos se puso a hacerme preguntas sobre el teatro del siglo XVII. Tú sabes que en eso estoy fuerte. Bueno, voy a decirte exactamente lo que preguntó y lo que contesté, y tú me dirás si hay algo que justifique los hechos. El profesor me dijo: — ¿Puede usted señalar algún tipo característico del teatro de capa y espada? —El gracioso—dije.
69 —Bien. Otro. —La dueña. —Otro, señorita. —El cornudo. Y los tres profesores, que eran calvos, se pusieron terriblemente rojos, hasta la calva, hasta las orejas. Yo miré disimuladamente a ver si mi vestido estaba en desorden, y luego a mi alrededor por si había sucedido algo inesperado; pero todo era normal. En fin, me aceptaron el plan de estudios que había hecho cuando decidí venir aquí. Con objeto de celebrarlo fuimos varias muchachas a Alcalá de Guadaira y las invité a merendar en el café de La Mezquita. Había una tertulia de toreros, seguramente gente de poca importancia, aunque son muy jóvenes y tal vez no les han dado todavía su oportunidad. Hablaban a gritos y yo apunté bastantes palabras que ignoraba. Por cierto que uno de ellos dijo que no torearía si no le ponían diez mil beatas delante. Beatas son mujeres piadosas que van a misa cada día. Entonces yo pensé que aquel joven deseaba atraer a la plaza a la población femenina de buenas costumbres. Eso debe dar reputación a un torero. Pero más tarde me dijo Mrs. Dawson que al hablar de beatas tal vez se referían a una moneda antigua que es la que usan los gitanos para sus negocios. No digo que sea lo uno o lo otro. Sólo digo lo que escuché. Pero tengo que confesar que con lo de los gorilas estaba equivocada. Toda mi vida he oído hablar de la ferocidad de los gorilas españoles, sobre todo en tiempos de guerra. Ahora, al ver que no hay en España un solo gorila, y preguntar a los profesores de Sevilla, resulta que estamos pronunciando mal u oyendo mal esa palabra en América. No es gorilas, sino guerrillas, es decir, guerras pequeñas. A mis oídos y a los tuyos, y a los de nuestras amigas, ha sonado siempre gorila. Parece que los españoles sor, muy feroces en las pequeñas guerras y no tanto en las grandes. Por eso tal vez no han estado en las últimas guerras mundiales. Y les alabo el gusto. Los toreros jóvenes hablaban con mucho elogio de otro que según ellos no se movía en la plaza. «Es un poste», decían. Hablaban de sus parones. Eso de los parones no está en el diccionario. Debe de ser cosa de la pelea con el toro. Pero tampoco entiendo que elogien tanto a un hombre porque no se mueve ni hace nada en la plaza. ¡Un poste! ¿Tú puedes imaginar? Ayer no hubo clase y dedicamos la mañana a recorrer el barrio de Santa Cruz en Sevilla. Encantador, aunque llega a cansar un poco tanta imitación del estilo californiano, con sus rejas y patios.
76 Pero tal vez soy injusta y hablo por resentimiento. O respiro por la herida, como dicen aquí. He estado en una corrida de toros que ha resultado bastante aburrida. Los toreros salieron en varias filas, envueltos en una manta de colores bordada en oro y plata. Debía de darles un calor infernal. Sin embargo, la llevaban bien apretadita por los riñones. No sé cómo aguantaban con este sol de Sevilla. (Un sol de veras obsceno.) Mientras caminaban, la banda de música tocaba una marcha; pero los toreros ni siquiera marcaban el paso, lo que hacía un efecto torpe e indisciplinado. Un caballo iba delante con su jinete. Aquí la disciplina no cuenta mucho, la verdad, lo mismo en la plaza de toros que en otras cosas. Por fin salió el toro. Había en el ruedo —así se dice— más de quince personas, todas contra un pobre toro indefenso. Y el animal no atacaba nunca a las personas —era demasiado bondadoso y humanitario—, sino solamente a las telas que le ponían delante. Con toros que no atacan más que a la tela, cualquiera podría ser torero, ¿verdad? Pero yo no lo sería a ningún precio, aunque se dice que hay mujeres toreras. Los americanos que estaban conmigo reaccionaron igual que yo. Tal vez porque en nuestro país todo el mundo toma leche y amamos a las apacibles vacas y a sus maridos. Aquí sólo toman leche los bebés. Bueno, tengo motivos para pensar que a Mrs. Dawson le gustaron los toros. No me extraña, porque es escocesa y cruel. Por Dios, no repitas estas palabras en Lake Forest. No me gusta censurar a nadie. Aunque Mrs. Dawson vive en Edimburgo y tú en Lake Forest y yo en Alcalá de Guadaira (Sevilla), las noticias desagradables siempre circulan de prisa. He recibido tu carta y las fotos de Lake Forest. Encantador todo. Yo espero echar al correo esta carta dentro de unos días. Quiero que tenga veinte páginas, siguiendo la costumbre que establecimos en 1951 para contarnos nuestros viajes. ¿Te acuerdas? Ayer compré en la calle una cosa que llaman buñuelos. En Alcalá los hacen cada día. Compré tres, y al preguntar el precio, me dijo la vendedora: —Seis reales, señorita. Yo no sé lo que son seis reales. No consigo comprender las maneras populares de contar la moneda. Si me sacan de pesetas y céntimos, estoy perdida. Con los gitanos, que cuentan en beatas, no quiero tratos. Dejo que pague Mistress Dawson y le pregunto
77 después cuál es mi parte, para abonársela. La mujer de los buñuelos me miraba extrañada, como pensando: «¿No sabe lo que son seis reales y anda sola por el mundo?» Los buñuelos son muy sabrosos, pero no sé cómo decirte. Creo que en los Estados Unidos tendrían éxito si les pusieran dentro crema o fruta en almíbar y los envolvieran en papel de estaño por razones de higiene. Bueno, yo te diría que el buñuelo es una cosa que la comes y es mentira. Esto último es lo que desagrada. Ayer me sucedió algo de veras trágico. Había un acto oficial en nuestra Universidad, bajo la presidencia del mismo rector, un hombre poco atlético, la verdad, cuyo discurso iba a ser la parte fuerte del programa. Habló muy bien, aun-que manoteando demasiado para mi gusto, y luego todo el mundo se puso de pie y aplaudió. Como yo quería demostrar mi entusiasmo a la manera americana, me puse dos dedos en la boca y di dos o tres silbidos con toda mi fuerza. No puedes imaginar lo que sucedió. Todos callaron y se volvieron a mirarme. Yo vi en aquel momento que toda aquella gente era enemiga mía. Había un gran silencio y se podía oír volar una mosca. Luego se acercaron dos profesores y tomaron nota de mis papeles de identidad. Mistress Dawson estaba conmigo y se portó bien, lo reconozco. Explicó que en América silbamos para dar a nuestros aplausos más énfasis. Entonces un profesor, sonriente, me preguntó: — ¿Eso quiere decir que le ha gustado el discurso del rector? Yo no podía olvidar las miradas de un momento antes y dije secamente que me negaba a contestar sin hablar antes con mi cónsul. Entonces parecieron todos dolidos y amistosos y me miraron con simpatía. No creo que el incidente influya en mis exámenes. En el fondo, ruborizados o pálidos, estos viejos son caballerosos. Aunque pasará algún tiempo antes que los entienda. (Repito que Mrs. Dawson esta vez se portó bien. A cada cual, lo suyo.) Te envío muchas noticias como ves. Aunque no tengo nada contra la sobrina de Mrs. Dawson, tampoco es la persona con quien querría vivir en una isla desierta. Primero, su acento escocés lleno de erres. Luego, su manera de conducirse con los gitanos. Cree como yo que los gitanos son la sal de la tierra. Pero no sabe tratarlos; es decir, piensa en ellos como una lectora apasionada de Borrow. Y se extraña, por ejemplo, de que mientan... Es decir, no es que mientan, porque a nadie engañan con sus mentiras, la verdad. Pero adulan a todo el mundo de una manera ofensiva para algunos puritanos ingleses a quienes sólo gustan los gitanos en la poesía de Lorca. El otro día estábamos en mi café y se acercó una gitana. Le dijo a mi amiga
78 —Anda, condesita, que te voy a decir la buena ventura. Mi amiga quería que yo le tradujera aquellas palabras y las traduje, pero me callé eso de condesita. Ella se dio cuenta y yo, para cubrirme, dije: «Bueno, te ha llamado condesa; pero eso lo hacen con todas. Adulan siempre a todo el mundo. A un soldado le llaman coronel, a un cura le llaman arzobispo.» En aquel momento la gitana se dirigía a mí —Habla en cristiano, pajarito de oro de la California, que yo te entienda. A ella la llamó otra vez condesa y a mi pajarito de oro. Yo, la verdad, prefiero que me llamen «pajarito de oro», porque los títulos de aristocracia eh América son vejeces y tonterías. Pero las escocesas no lo creen así. Estaba ella tan contenta que le dio a la gitana un duro. Yo le dije que la misma gitana me había llamado un día emperatriz —y de hacer lo mismo, habría tenido que darle cien pesetas—, pero que ahora somos amigas y sólo me llama estrellita del alba o cosas por el estilo. No sé si mi amiga me escuchaba. El caso es que me trataba ligeramente como si yo fuera su azafata. Es una bonita palabra: azafata. La aprendí hablando con la marquesa del Estoraque. Quiere decir la dama que viste a la reina. Como ves, voy entrando en la vida sevillana, pero más que los marqueses me interesan los gitanos. ¿Qué interés antropológico tiene un marqués? ¿Quieres tú decirme? Mrs. Dawson ha invitado a sus amigas de villa a un pic nic para devolverles la invitación aquélla, la del día desgraciado en que yo canté la canción de la culebra. Me ha pedido que le prometa seriamente que no voy a tratar de cantar nada. No sé por qué. Yo nunca he presumido de voz ni me he considerado una artista. Tampoco canto más que rarísima vez y entre amigos. No hay nada más horrible que esas viejas de cuello de avestruz que se están con un aria y una romanza y una balada toda la tarde mientras sus invitados disimulan los bostezos. No lo digo por tu tía Mrs. Davis, que al menos canta como un ángel y tiene el buen humor de declarar que da dos notas más altas que el grillo. Bueno, creo que no soy tan dócil como Mistress Dawson querría. Le dije que cuando tengo ganas de cantar, canto y no hay quien lo pueda impedir, y que soy ciudadana de un país libre, y que hace muchos años que hemos dejado de ser colonia de Inglaterra. «Por desgracia para ustedes», dijo ella. ¿Qué te parece? Más tarde
79 comprendió Mistress Dawson que había sido impertinente y vino a darme explicaciones. Estoy muy contenta porque he conseguido un caballo para subir a la Giralda. No ha sido cosa fácil. Pero voy a contarte la fiesta de Mrs. Dawson, que tiene mucha miga. Hizo una pifia enorme, aunque la corrigió a tiempo. Tonta no es, claro que no. El pic nic era a tres millas de la ciudad, al lado del río, en un lugar muy hermoso. Si alguna vez he sentido no haber continuado con mis clases de pintura en la Universidad fue entonces, delante de aquel paisaje. El río traía poca agua, pero era bastante ancho. En la orilla contraria había una venta que llamaban del Cernijón, un sitio a donde van los trasnochadores a beber y pelear. También juegan a un deporte raro, del que he oído hablar vagamente, que llaman jumera. Se trata de atrapar la jumera, que debe de ser una especie de balón. Mrs. Dawson hizo un error tan grande en el pic nic, que yo me pasé la tarde muerta de vergüenza diciendo a todo el mundo que ella era inglesa y yo americana y que teníamos costumbres y orígenes distintos. Es decir, que no nos confundieran. Consistió el error en no llevar otra bebida que leche fría y limonadas. Los hombres estaban perplejos. Pero de las consecuencias de ese incidente vino el tener yo un caballo para subir mañana a la torre de la catedral. Se me acumulan los recuerdos y quisiera decirlo todo a un tiempo. Verás lo que pasó. Había más de treinta invitados, que llegaron en seis o siete coches. La comida estuvo bien, de eso no tengo nada que decir. Sólo que no había vinos. Cuando yo se lo dije a Mrs. Dawson, ella levantó la nariz y dijo que era una cuestión de principios. —Yo la he visto a usted tomar vino en casa del marqués —le dije. Confesó que bebía una copa cuando la invitaban porque no le gustaba desentonar y llamar la atención. Pero no ofrecía nunca vino a sus huéspedes. Los chicos invitados tomaron la cosa con calma, aunque se cambiaban miradas y palabras en voz baja. Tres o cuatro de ellos hacían comentarios con una especie de humor asesino. Yo no podía menos de reírme. Que si tal, que si cual, que si Mrs. Dawson nos había llevado a la orilla del río para un caso de sed apremiante y otras cosas. Había algunas chicas sevillanas que iban y venían con sus zapatos altos y sus pasitos de gacela. Esos andares de las españolas me parecen, como te dije, un poco afeminados. La sobrina de Mrs. Dawson cree, por el contrario, que los movimientos de las españolas cuando caminan son encantadores, y que nosotras las americanas andamos
80 como soldados de infantería o como albañiles. Es un punto de vista que he oído otras veces y que no comparto. Algunos chicos decidieron por fin que querían un poco de vino y propusieron ir a buscarlo a la Venta del Cernijón. Alguien habló de vadear el río. Dándose cuenta entonces de su pifia, Mistress Dawson consultó con su sobrina, y ella, que todo lo arregla con los gitanos, dijo que cerca había un campamento de calés —así se llaman ellos entre sí y a nosotros nos llaman payos— y que tenían burros de alquiler. En uno de ellos o en dos podían pasar el río a pie seco los que estuvieran más necesitados de vino. Sin decir de qué se trataba, la misma Mrs. Dawson preguntó cuántos eran los que querían ir a la venta. Eran cuatro chicos, una chica y yo. Seis. La escocesa y su sobrina fueron al campamento y pidieron un burro de alquiler. Cometió la buena señora la imprudencia de decir que el burro tenía que ser larguito, porque era para seis personas. Hubieras visto tú al viejo gitano mirando a las dos mujeres con ojos como filos de navaja. El pobre hombre no acababa de creerlo: — ¿Dice uté zei, zeñora? La zeñora ze equivoca. Lo que buzca la zeñora e un tranvía. Mrs. Dawson insistía. Los gitanos le demostraron que no había un burro tan largo y le propusieron que alquilara dos. El gitano más viejo la miraba de reojo y decía a otro más joven que estaba a su lado: «Eztas zeñoras zon laz que traen el malange de las Californias.» Mrs. Dawson, alzando la nariz, preguntó — ¿Qué es malange? —Mal vahío, zeñora. — ¿Qué es mal vahío? —Mala zombra, zeñora. Que zea larguito, que e para zeis. Eza e una manera de zeñalá que mardita zea mi arma. Yo tampoco entendí aquello, aunque más tarde me lo explicaron mis amigos en la venta. Parece que los gitanos pueden tolerarlo todo en la vida menos la falta de gracia. La mala sombra es la falta de gracia. Creen que cuando uno se conduce con malange trae alguna forma de desgracia. Y el gitano miraba sus burros con ternura. No puedes imaginar hasta dónde Mrs. Dawson, como buena escocesa, puede ser tacaña. No digo que no sea capaz de generosidad en las cosas grandes. Pero en las pequeñas es horrible. Antes de gastar una libra le da catorce vueltas para convencerse de
81 que no va a haber un solo penique mal empleado. En fin, muy contra su voluntad alquiló los burros, y el gitano mismo los trajo a la orilla donde estábamos todos. Entonces yo le pregunté si tenía caballos y él dijo que sí. — ¿Quiere alquilarme uno mañana? — ¿Para cuántas personas, por un cazual —Para mí sola. Y bajando la voz añadí: «Yo no soy del país de esa señora.» Eso le tranquilizó. Pero no habíamos terminado. El gitano era seco y flaco y echaba alrededor miradas asesinas no sé por qué, Al fin comprendí que buscaba con los ojos los cestos de las botellas, y dijo que había mucha sequera en el aire y que le caería bien un buchito de vino. Yo le dije que no lo había y que aquella señora Dawson no tenía más que leche o limonada. — ¿Eztán uztés enfermos? —preguntó en serio. Le dije que no, y él, no muy convencido, dijo: «Vaya, me alegro tanto.» Volvimos a hablar del caballo que yo necesitaba para el día siguiente. — ¿Qué clase de caballo es el que puede usted ofrecerme?—pregunté. —El animalito e manzo como una borrega der portá de Belén. Pero dígame su mersé. ¿Para qué lo quiere, zi no e incomodidá? —Para subir a lo alto de la Giralda. —Señora, ¿usté cree que er animalito e una cigüeña? Entonces yo le expliqué que no se trataba de volar y que la torre tiene por dentro una rampa de tierra en lugar de escaleras y que en tiempos de Abderramán subían los caballos hasta el minarete sin dificultad. Yo haría lo mismo que hacían en tiempos de Abderramán. Yo sola. — ¿Asmelrramán era antes de la guerra? —Sí, claro. — ¿Era eze señó de la familia de usté, dicho zea zin fartá? —No. Eso pasó hace más de mil años. El gitano, receloso, dijo que se informaría sobre el piso de tierra apelmazada de la Giralda y me daría su respuesta. Fuimos en dos burros al otro lado del río. Los chicos nos convidaron a manzanilla, y una hora después estábamos de vuelta. Mrs. Dawson había corregido su falta muy bien y añadió con los burros un toque pintoresco a la fiesta. Ya ves, Betsy, que no soy injusta con ella.
82 Cuando los chicos bebieron bastante, nos dispusimos a volver, y uno de ellos dijo que quería ser mi caballerizo y que cruzaría el río a pie llevando a mi burro del ronzal. Se habían instalado cuatro personas encima del otro, y en el mío, yo sola con un niño de dos años que me confió una gitana para que lo llevara a su madre, que estaba precisamente en el campamento. Iba sentada yo con el niño en la falda. Delante, un poco mareado por el vino, mi caballerizo con el pantalón remangado y el agua a las rodillas. Los otros nos gritaban —Parecéis la Sagrada Familia. —Niños, no habléis de eso, que el animalito se arrodilla. Y era verdad, por las irregularidades del lecho del río. Es decir, no llegaba a arrodillarse, pero hacía genuflexiones. Por fin, volvimos al lado de Mrs. Dawson. El gitano se había enterado de que yo tenía razón al hablar de las rampas de tierra de la Giralda. No tenía inconveniente en alquilarme el caballo con dos condiciones. Me entregaría el animal al pie de la torre y allí esperaría para recogerlo cuando yo bajara. Además, no debía montarlo nadie más que yo. Me pidió diez pesetas, y yo le prometí quince, lo que pareció escamar un poco al gitano. Mañana será la aventura. Yo quería ser la única mujer que ha subido a caballo a lo alto de la Giralda, al menos desde el tiempo de los Abderramanes. Mrs. Dawson decía que era una extravagancia de mujer americana. Su sobrina evita hablar de eso. Por envidia, claro. Pues bien, aquí me tienes. Soy una mujer histórica, con «o», no con «e». Histórica (no histérica, por favor). El chico que hizo ayer de caballerizo, y que me gusta bastante, vino a hacerme fotos; pero desde abajo apenas si se verá la cabeza del caballo asomada a lo alto. Quería venir conmigo hasta arriba el caballerizo, y yo no sabía qué contestarle. Pregunté a una amiga sevillana, y me dijo que por nada del mundo aceptara, y que si el chico insistía, le dijera que para ir a la torre conmigo tenía que pasar antes por la capilla. Seguí su consejo. El chico se puso blanco como el papel y no dijo nada. Parece que me hace la corte ese chico, pero como no es calé, mi romance con él sería poco práctico. El se quedó abajo y yo subí. He hecho algo memorable. ¿No es hermoso? ¿No estás orgullosa de mí? Verás cómo fue. Abajo, a la hora señalada, estaban los dos gitanos con el caballo enjaezado. Esperaban en el patizuelo de piedra rodeado de naranjos por donde se entra a la torre. Tenía el caballo un clavel en la oreja izquierda. El gitano decía
83 —Aquí ze lo traigo más galán que el rey Zalomón. Yo llevaba una falda de tenis cerrada por el medio y monté a caballo. Entré en las sombras del interior de la torre temblando de emoción. Oí la palmada que el gitano le dio al rey Salomón en el anca. El animal subía un poco nervioso. Yo tenía que inclinarme hacia adelante porque la rampa era muy empinada. Te digo la verdad, Betsy. Cuando calculé que estaba ya muy arriba, tuve un poco de miedo. Por algunas ventanas moras que se llaman ajimeces veía abajo la calle, los naranjos pequeñitos y la gente como pulgas, que iban y venían. Y también a mi caballerizo, que estaba mirando a lo alto como un payo. Aquellas vueltas en la oscuridad me mareaban un poco. El nombre de la torre —Giralda—viene de eso. De que hay que subir girando. A las torres pequeñas las llaman Giraldillas. ¿No es interesante? Por fin llegué arriba. El caballo, cubierto de sudor y acostumbrado a dar vueltas en torno al eje de la torre, siguió dándolas alrededor del minarete. Yo estaba quemándome de orgullo por dentro. ¡Qué hermoso es hacer algo grande, Betsy! Allí yo, a caballo, en lo alto de la torre, rozando con la cabeza las columnas del minarete final. Diez siglos me contemplaban desde el cielo y mi caballerizo desde la tierra. Pero ya te he dicho antes que el caballerizo no es calé. Los muros estaban llenos de marcas y nombres. Había también un letrero en inglés —eso me ofendió— que decía: «Tim loves Mary.» Muy anticlimax. Pero desde la cima de mi conciencia histórica te digo la verdad: me sentí un ser nuevo y superior. En aquel momento estaba flotando en las nubes. Era como un ángel del medioevo, árabe o judío, a caballo buscando mi lugar entre las principalidades del cielo. Me habría quedado allí todo el día, pero mi caballerizo se impacientaba y me dispuse a bajar. No era tan fácil como subir. En cuanto el caballo entró en aquel túnel descendente tuve la impresión de que iba a caer por encima de las orejas. Entonces tiré de la rienda hasta hacerlo ladearse, y cuando estuvo atravesado en la rampa, yo me di la vuelta en la silla y me senté al revés. La cosa era mejor, aunque un poco chocante. Pero nadie nos veía. Y seguimos bajando, yo de espaldas a la cabeza del caballo e inclinada sobre sus cuartos traseros. Salimos al patizuelo de piedra donde esperaban los dos gitanos. Al verme, el más viejo comenzó a decir maldiciones entre dientes. El otro me ayudó a bajar. Pero el viejo iba y venia murmurando:
84 —Ya zabía yo que ar caballito iba a pazarle argún desavío. En mi vida no he vizto una asaúra como esta de los que vienen de las Californias. Unos piden un burro largo para zeis payos y otros montan loz caballoz ar revés. Mardita sea la puente de Triana. Yo le dije que no había otro modo de bajar de la Giralda a caballo y que el mismo Abderramán bajó probablemente así. El gitano hizo un gesto agónico y me suplicó: —No me lo miente usté ar zeñó Armelrramán, zeñorita. ¿También debía tener mala sombra aquel nombre? La verdad, a mí me gustan los gitanos, pero a veces me resultan demasiado peculiares. Les di su dinero y salieron de prisa sin saludar ni volverse a mirarme. En aquel momento entraba mi caballerizo y me invitó a comer en la Venta del Cernijón. Yo tenía hambre. Mis aventuras me suelen dar hambre. Fuimos allí y pasamos a un comedor independiente para nosotros solos. Muy cozy, de veras. Mi caballerizo salió a encargar los vinos. Se había quitado la chaqueta y al dejarla en una silla se le cayó un libro que llevaba en el bolsillo. Lo recogí y lo abrí. No era libro, sino un cuaderno de tapas duras. Encontré escrita en grandes caracteres la frase: «Yo la quiero a usted», en inglés, en francés, en alemán, en italiano, en griego, en holandés, en sueco y hasta en ruso. Al lado de cada frase tenía la pronunciación fonética en español. Mi caballerizo volvió y yo le dije sorprendida y feliz — ¡Qué bueno! No sabía que usted se interesaba también en lenguas modernas. Al parecer, somos compañeros. El vio el cuaderno en mis manos y se puso como un cangrejo cocido. Ya te digo que no entenderé nunca a estos españoles, por otra parte tan amables, tan caballerosos y corteses. Se ruborizó mi caballerizo como un colegial. (Entre paréntesis, he decidido escribir mi tesis sobre los gitanos, ya que el tema permite el empleo a un tiempo de elementos antropológicos, históricos y lingüísticos. ¿Qué te parece?)