Workshop zur Konversationsanalyse
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64 Magazin 23 Vom 18. bis 19. Dezember 2015 lud das Institut für Qualitative Forschung in Berlin zu einem Workshop der Konversationsanalyse ein. Der zweitägige Kurs von Prof. Dr. Arnulf Deppermann (Professor für germanistische Linguistik an der Universität Mannheim) führte in die konversationsanalytische Auswertung von Gesprächen ein. Unter den vierzehn Teilnehmenden befanden sich Promovierende, wissenschaftliche Hilfskräfte und Forschende aus sprach-und sozialwissenschaftlichen Disziplinen. Die bunte Runde wurde durch vielseitige Audiound Videoaufnahmen aus Fahrschulstunden, Notarzteinsatz und Schulunterricht des Kursleiters ergänzt, welche die Workshopteilnehmenden in die Grundkenntnisse über technische Hilfsmittel der Audio-und Videotranskription und –analyse sowie in die Erarbeitung einer passenden Untersuchungsfragestellung einweisen sollte. Der Verlauf des Workshops orientierte sich auch an der Einbeziehung der individuellen Forschungsfragen und bestehenden Interessen der anwesenden Forschenden. Die einzelnen Stadien der konversationsanalytischen Untersuchung wurden dabei Schritt für Schritt durchlaufen und hinterfragt. Besonderen Wert legte der Workshopleiter auf eine lückenlose Beschreibung der methodischen und analytischen Vorgehensweise der Konversationsanalyse. Von einer ersten rechtlichen Einverständniserklärung bis hin zur natürlichen, wenig invasiven Audioaufnahme folgten erste Anweisungen zur Anlage eines Metadatenerfassungsbogens. Hilfreiches Handwerkszeug der Transkription wurde vorgestellt, darunter auch der von Thomas Schmidt entwickelte Transkriptionseditor FOLKER. Dieser kann ausgehend von der Seite des Archivs für Gesprochenes Deutsch des Instituts für Deutsche Sprache nach der Registrierung frei heruntergeladen werden. Bei der Sichtung des Transkriptionseditors wurde darauf hingewiesen, dass sich die Transkribenten nach den in der Konversationsanalyse etablierten GAT-2-Konventionen richten und die Besonderheiten der gesprochenen Sprache (Abbrüche, Korrekturen, nicht-lexikalische Laute, Intonation) und den Verlauf der Interaktion (Sprecherwechsel, Überlappungen, Pausen) genau notieren müssen (Deppermann; Schütte 2008). Schließlich stellten diese Phänomene keine Performanzfehler dar, sondern seien relevant für die Interaktion auf sozialer Ebene und für Aspekte des Turndesigns. Diese Vorgaben wurden im Kurs anhand der besprochenen Transkripte anschaulich nachvollzogen. Ein weiterer wichtiger Aspekt sei zudem der für die Methode der Konversationsanalyse so typische induktive Forschungsprozess. Die Ratschläge des Kursleiters beliefen sich bezüglich der analytischen Arbeit mit Transkripten auf die strikte Vermeidung bereits geschlossener Fragestellungen und vorformulierten Hypothesen. Vielmehr sei es von Nutzen, ein motiviertes Looking zu betreiben, das zu einer materialgestützten Entdeckung von Phänomenen und Formen führe. Diese Entdeckungsreise durch den Jungle der erstellten und zu erstellenden Gesprächspassagen sollte im Anschluss in einer detaillierten Sequenzanalyse von Einzelfällen und in der Arbeit mit Kollektionen von verschiedenen Fällen einer Interaktionspraktik münden (Deppermann 2008: Kap. 6). So stellte sich bei den Anwesenden kurz das Gefühl ein, mit einer recht komplexen Arbeitsmethode konfrontiert und vielleicht sogar überfordert zu werden. Doch diese Angst konnte Prof. Deppermann den Teilnehmenden mithilfe von einigen originellen Fallbeispiele und arbeitssparenden Tipps zum Transkriptionsaufwand nehmen. Immer wieder spielte auch der Aspekt der Intuition eine Rolle, von der sich bereits erfahrene Transkribenten zur Auswahl von Sequenzanalysen leiten lassen könnten. Die Absprache mit dem Dissertationsbetreuer oder dem Forschungskolleg sei allerdings genauso wichtig, um den Arbeitsaufwand so klein wie möglich zu halten. Schließlich sei gerade der Analyseprozess von Wichtigkeit und sollte die größte Zeit in Anspruch nehmen und nicht die Anlage eines aufwendigen Korpus. Abschließend bot sich nach zwei Tagen intensivster Auseinandersetzung mit dieser Methode die Möglichkeit, Fragen zum eigenen Forschungsvorhaben zu stellen, denen sich der Workshopleiter eingehend widmete. Interessante Forschungsansätze und der eine oder andere Geistesblitz kamen zutage und erhöhten bei allen Anwesenden die Motivation zur erfolgreichen Weiterarbeit. Auch wenn sich vielleicht nicht alle aus dem Workshop dieser Methode annehmen werden, wurde doch ein interessanter Einblick in die Konversationsanalyse eröffnet. Wem sich demnach die Möglichkeit bietet, Workshop zur Konversationsanalyse (18.-19. Dezember 2015), Institut für Qualitative Forschung (Berlin) Berichte / Informes [ Berichte/Informes, Magazin 23, invierno 2015, pp 64-65.
Magazin 23 65 sich einem dieser Kurse anzuschließen, sollte diese Chance wahrnehmen. Deutsch begeistert! – unter diesem Motto fand vom 13. bis 14. November 2015 der alljährliche Deutschlehrertag am Goethe-Institut Madrid statt. Insgesamt waren circa 200 Lehrer/- innen und Dozent/-innen für Deutsch als Fremdsprache aus ganz Spanien angereist, um sich intensiv in Vorträgen und Workshops mit dem Unterrichten der deutschen Sprache zu beschäftigen. Eröffnet wurde der Deutschlehrertag durch die Grußworte von Frau Dr. Petra Köppel-Meyer (Leiterin der Sprachabteilung, Goethe-Institut Madrid), Herrn Peter Tempel (Botschafter der Bundesrepublik Deutschland), einer Vertreterin des Spanischen Bildungsministeriums und Herrn Dr. Georg Pichler (Vorsitzender der FAGE). Alle vier sprachen über die aktuelle Stellung und die Perspektiven der deutschen Sprache in Spanien. Im Anschluss hielt Frau Prof. Dr. Marion Grein von der Universität Mainz einen mitreißenden Eröffnungsvortrag unter dem Titel „Neurodidaktik und effektives Sprachenlernen“. Mit ihrer lebhaften Vortragsweise gelang es ihr spielerisch die Zuhörer/-innen in ihren Bann zu ziehen und mit den neuesten neurodidaktischen Forschungsergebnissen, die für das Erlernen einer Fremdsprache relevant sind, vertraut zu machen. Ein wirklich gelungener Einstieg in die Tagung! Der folgende Tag zeichnete sich durch ein sehr reichhaltiges WorkshopAngebot aus. Insgesamt fanden von 9.30 bis 19.00 Uhr mehr als 30 Workshops zu den unterschiedlichsten Thematiken statt. So fiel es einigen Teilnehmer/-innen wirklich schwer sich für maximal vier Angebote zu entscheiden. Die einzelnen Workshops dauerten entweder 90 oder 180 Minuten und fanden alle in den großzügigen Räumlichkeiten des Goethe-Institus statt. Im Gespräch mit mehreren Teilnehmerinnen des Deutschlehrertages wurde immer wieder positiv betont, dass alle besuchten Workshops sehr praxisorientiert waren. Singend Deutsch lehren und Musik begeistert – Lieder im DaF-Unterricht waren nur zwei der Workshops, die zur Thematik Musik im Fremdsprachenunterricht auf dem Programm standen. Ebenso gab es Workshops zu Theaterelementen im DaF-Unterricht oder dem Umgang mit Literatur (z.B. Comics oder Minikrimis) im Klassenraum. Auch Themen wie interkulturelles Lernen oder der Umgang mit Neuen Medien (z.B. Web 2.0 und Social Media) im DaF-Unterricht kamen nicht zu kurz. So war eigentlich für alle Teilnehmer/- innen ein passendes Angebot dabei, ganz gleich ob Primarschullehrer/-in oder Universitätsdozent/-in. Ergänzt wurde das WorkshopAngebot durch wirklich interessante und informative Präsentationen. Die Deutsche Welle stellte ihr umfassendes Online-Angebot für Deutschlernende und -dozierende vor und sparte auch nicht mit Give-aways. Außerdem wurde das spanischsprachige Portal rumbo @alemania des Goethe-Instituts für junge Deutschlernende präsentiert sowie die Theatersommerschule des Goethe-Instituts, die im Juli 2015 in Barcelona stattgefunden hatte. Selbstverständlich waren auch die Verlage Klett-Langenscheidt, Hueber und Cornelsen vertreten und informierten die Teilnehmer/-innen des Deutschlehrertags durchgehend über ihr großes Verlagsangebot – eine gute Gelegenheit für alle, die eine oder andere Neuerscheinung zu entdecken. Die Kaffee-Pausen in der Cafeteria des Goehte-Institut wurden wie immer auf Tagungen ausgiebig genutzt, um mit den Kolleg/-innen und Referent/- innnen ins Gespräch zu kommen und sich auszutauschen. Einen krönenden Abschluss erfuhr der zweite Tag des Deutschlehrertags mit dem Auftritt des Improvisationstheaters Schmetterling aus Berlin. Ihr Programm „Unterwegs – die GameShow“ begeisterte das Publikum. Insgesamt ist die sehr gute Organisation des Deutschlehrertags 2015 und die angemessene Tagungsgebühr hervorzuheben. Einzig schade war vielleicht, dass kein gemeinsames Conference Dinner für alle Teilnehmer/-innen angeboten wurde. Dies hätte den Austausch unter Kolleg/-innen sicherlich noch einmal angeregt. Dennoch – wir kommen sicherlich nächstes wieder! Bettina Kaminski Universidad de Sevilla Uta Brus DAAD-Lektorin Universidad Pablo de Olavide, Sevilla Der Deutschlehrertag 2015 in Madrid – ein voller Erfolg! [ Berichte/Informes, Magazin 23, invierno 2015, pp 64-65.