Die Satellitenaufnahmen aus der Serie »Gottes Werk und Teufels Beitrag«
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Magazin 32 Cárdenas, Rafael : Die Satellitenaufnahmen aus der Serie »Gottes Werk und Teufels Beitrag« Magazin 32, ISSN 1136-677X. 2024/25, pp. 70. https://dx.doi.org/10.12795/mAGAzin.2024.i32.07 70 Otriversos Die Satellitenaufnahmen aus der Serie »Gottes Werk und Teufels Beitrag« Rafael Cárdenas DOI: http://dx.doi.org/10.12795/mAGAzin.2024.i32.07 A verraten. Ich bediene mich einfach bereits vorhandener Aufnahmen. Gut. So einfach ist das auch wieder nicht. Die üblichen Satellitenaufnahmen, die Sie beispielsweise über Google Earth abrufen können, haben bei weitem nicht die notwendige Auflösung, um sie so groß zu präsentieren. Um diese Auflösung zu erreichen, addiere ich einzelne Aufnahmen oder Ausschnitte zu einem ganzen Bild. Jede dieser Landschaften besteht im Grunde aus 150 bis 250 einzelnen Aufnahmen, die ich in mühseliger Kleinarbeit zusammenfüge. Die Fotografien selbst sind nicht mehr bearbeitet oder manipuliert. Bis auf geringe Korrekturen in Helligkeit und Kontrast sind sie so belassen, wie die Satelliten sie aufgenommen haben. Darauf gekommen bin ich auf ganz klassische, analoge Weise: Durch einen Flug. Durch einen Blick aus dem Flugzeug kurz vor der Landung irgendwo in Portugal. In der tiefstehenden Morgensonne treten die Marschwiesen bei Faro als Relief deutlich hervor und das ist von oben gesehen ein atemberaubender Anblick, das kann ich Ihnen versichern. Dabei ist gerade diese Landschaft vom Boden aus ziemlich unspektakulär. Schnell die Kamera raus und auf den Auslöser drücken. Das Ergebnis war natürlich enttäuschend; aus vielerlei technischen Gründen. Hätte ich ja wissen können/ müssen als Fotograf. In der Folge habe ich für diese Art von Landschaftsaufnahmen eine eigene Technik entwickelt. Vom Ergebnis her betrachtet ist es egal, von wo aus ich auf den Auslöser drücke, ob von meinem Fensterplatz im Flugzeug oder von meinem Rechner aus zuhause. Dass sie rund sind, hat natürlich auch seine Bewandtnis, zumal der Aufwand, die Objekte so herzustellen, beträchtlich ist. Stellt man sich direkt davor, so mit etwa 40-50 cm Abstand, versinkt man darin. Das Objekt füllt das ganze, kreisförmiges Blickfeld aus: keine Ränder, keine Ecken; alles ist Landschaft. Der Titel dieser Ausstellung »Gottes Werk und Teufels Beitrag« stammt aus der deutschen Übersetzung von John Irvings Roman The Cider House Rules. Er schien mir passend, da auch in diesen Landschaften nicht nur die sprichwörtliche »Göttliche Schöpfung« abgebildet, sondern immer auch ein menschlicher Eingriff zu sehen ist; entweder ganz offensichtlich, wie bei den Salzwiesen in Bokek, Israel, oder auch nur als dünnen Strich durch die endlose Weite der NamibWüste, auf dem eine winziger LKW zu erkennen ist. Ich bitte Sie, diesen Hinweis nicht falsch zu verstehen. Es handelt sich dabei nicht um wohlfeile Kritik am menschlichen Eingriff in die Umwelt. Mir geht es hier aber um das Erleben von neuen Landschaften: eine Sicht auf die Welt, die bis vor nicht allzu vielen Jahren unvorstellbar gewesen wäre. Damit wir uns nicht darin verlieren, bleibt der Mensch für mich dafür der geeignete Maßstab. uf den ersten Blick sind es tatsächlich etwas merkwürdige, abstrakte Strukturen. Sie sind schön, ganz ohne Zweifel. Aber sind es auch Landschaften? Bei den hier gezeigten Bildern oder, besser gesagt, Objekten handelt es sich um Fotografien aus 20 Km Höhe. Ungewöhnlich, oder zutreffender »ungewohnt«, sind diese Ansichten schon. Ich verfüge natürlich nicht über einen eigenen Satelliten, so viel kann ich ihnen schon