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Restaurierung von archäologischem Elfenbein am Beispiel von vier chalkolithischen Elfenbeinobjekte aus der Siedlung von Valencina de la Concepción (Sevilla)

Luciañez Triviño, Miriam; García Sanjuán, Leonardo; Schuhmacher, Thomas

Abstract

Restoration of archaeological ivoryusing the example of four chalcolithic objectsfrom the settlement of Valencina de la Concepción(Seville, Spain) Ivory has proved to be an important raw material for pre-historic research, as it can be used as an indicator forlong-distance trade and social inequality. However, the scientific potential of prehistoric ivory objects is often hampered by preservation issues. This article presents the conservation-restoration project of four exceptional ivory objects found at Valencina de la Concepción (prov. Sevilla/E), one of the most important sites for the study of the 3rd and 2nd millennia BC in Iberia. This project led us to the discovery that one of the objects involved is the handle ofa dagger with a rock crystal blade, while another deco-rated ivory plaque is suspected to be the scabbard of the dagger. This multi-part ivory artefact is at the moment unique and without equal on the Iberian Peninsula or Western Europe

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Jahrgang 6 2013 Sonderdruck Restaurierung und Archäologie Konservierung Restaurierung Technologie Archäometrie ISSN 1866-7007 Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Verlages © 2014 Verlag des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Redaktion, Layout und Satz: Manfred Albert, Christian Eckmann, Reinhard Köster, Laura Weszkalnys, RGZM Umschlaggestaltung: Reinhard Köster, RGZM Herstellung: Strauss GmbH, Mörlenbach Printed in Germany Gabriele Rasbach, Angelika Ulbrich Der vergoldete Pferdekopf einer römischen Reiterstatue aus Lahnau-Waldgirmes (Lahn-Dill-Kreis) . . . . . . . . . 1 Annika Maier, Uwe Peltz »ein dauerndes [...] Andenken« – Axel Kreftings Reduktionsmethode. Anwendungsgeschichte an der Berliner Antikensammlung und ihre analytische und experimentelle Betrachtung . . . . . . . . . . . . . . . 19 Barbara Niemeyer Die Neurestaurierung eines republikanischen Silbergefäßensembles zur Wiedergewinnung der antiken Gefäßformen . . 37 Birgit Schorer, Roland Schwab Neue Untersuchungen zu Vergoldungstechniken in der jüngeren Hallstattzeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . 57 Miriam Luciañez Triviño, Leonardo García Sanjuán, Thomas X. Schuhmacher Restaurierung von archäologischem Elfenbein am Beispiel von vier chalkolithischen Objekten aus der Siedlung von Valencina de la Concepción (Sevilla, Spanien) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 71 Maike Piecuch Textile archäologische Funde aus einem mongolischen Felsspaltengrab des 10.-12. Jahrhunderts. Untersuchung des bislang ältesten erhaltenen Filzmantels der Mongolei sowie weiterer Gewandteile aus Filz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 89 Autorinnen und Autoren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 107 INHALTSVERZEICHNIS 71Restaurierung und Archäologie 6 · 2013 Elfenbein wird seit dem Jungpaläolithikum bis in heutige Zeit für die Herstellung von Gebrauchsgegenständen, Skulpturen, persönlichen Schmuck - gegenständen und anderen Objekten verwendet. Im Verlauf der Vorgeschichte und Geschichte wurde dieses Rohmaterial insbesondere zum Ausdruck von Reichtum und Status in der Bestattungssitte, in rituellen Praktiken sowie zur Bekräftigung des sozialen Ranges verwendet (Valera 2010; López Padilla / Hernández Pérez 2011; Schuhmacher 2012, 379400; Schuhmacher u.a. 2013). Dank ihres großen Potenzials, Informationen über Kontakte und Handel in der jüngeren Vorgeschichte zu liefern, waren die aus Elfenbein gefertigten Ge - genstände (seltener das Elfenbein als Rohmaterial) seit dem Beginn der prähistorischen Forschung auf der Iberischen Halbinsel Studienobjekte zahlreicher Archäologen. Jedoch sind ihr Studium und ihre Erforschung oftmals durch den schlechten Erhaltungszustand der Stücke – Ergebnis sowohl der dem Material eigenen Zerbrechlichkeit als auch des de - fizienten Vorgehens bei der Handhabung und der Konservierung – beeinträchtigt worden. Der archäologische Fundplatz von Valencina de la Concepción (prov. Sevilla/E) befindet sich auf den Höhen des Sevillaner Aljarafe Norte im unteren Tal des Guadalquivir, 6km westlich des historischen Zentrums der Stadt Sevilla (Abb.1). Die Fundstelle liegt zum größten Teil auf dem Areal der Gemeinde Valencina de la Concepción, geht jedoch im Osten darüber hinaus und reicht bis auf das Gemeinde - gebiet von Castilleja de Guzmán (prov. Sevilla/E) (Vargas Jiménez 2003, 126). Es handelt sich dabei um eine der für das 3. und 2. Jahrtausend v.Chr. MIRIAM LUCIAÑEZ TRIVIÑO · LEONARDO GARCÍA SANJUÁN · THOMAS X. SCHUHMACHER RESTAURIERUNG VON ARCHÄOLOGISCHEM ELFENBEIN AM BEISPIEL VON VIER CHALKOLITHISCHEN OBJEKTEN AUS DER SIEDLUNG VON VALENCINA DE LA CONCEPCIÓN (SEVILLA, SPANIEN) Abb. 1 Lage der archäologischen Fundstelle von Valencina de la Concepción westlich von Sevilla. – (Karte L.García Sanjuán). wichtigsten Fundstellen der Iberischen Halbinsel und einen der Plätze, der mit die meisten Daten für das Studium von Handel, Gebrauch und Bedeutung von Elfenbein im Chalkolithikum liefert. Der Sektor »Plan Parcial 4-Montelirio« (PP4-Montelirio) von Valencina de la Concepción war vom 9. Januar 2007 bis zum 22. Februar 2008 Schauplatz einer archäologischen Ausgrabung. Das archäologische Fund - material dieser Grabung wurde am 25. Fe bruar 2008 im Archäo logischen Museum von Sevilla deponiert. Im Januar 2011 begann die Forschungsgruppe ATLAS (HUM-694) der Universität Sevilla ein Projekt zur Untersuchung der Fundmaterialien der Grabung des PP4-Montelirio, welches von der Generaldirektion für Kulturgüter des Kultusministeriums der Auto nomen Regierung Andalusiens (Dirección Ge- neral de Bienes Culturales de la Consejería de Cultura de la Junta de Andalucía) autorisiert worden war1. Bereits zu diesem Zeitpunkt wurden die Einzigartigkeit, die feine Verarbeitung und Qualität der Elfenbeinobjekte, aber auch die ungeeigneten Verpackungsmaterialien und Konservierungsbedingungen erkannt. Daher wurde als erster und wichtigster Schritt noch vor der archäologischen Untersuchung eingeplant, der Zerstörung Einhalt zu gebieten, um die Erhaltung der Objekte, ihr Studium und spätere Publikation garantieren zu können. Das Projekt zur Behandlung dieser Stücke wurde durch die Dirección General de Bienes Culturales de la Consejería de Cultura de la Junta de Andalucía autorisiert und finanziert, im Verlauf des Jahres 2012 durchgeführt und im September 2012 als Masterarbeit an der Universität Sevilla eingereicht (Luciañez Triviño 2012). Die aus archäologischer Sicht wichtigsten Resultate und Schlussfolgerungen wurden bereits einem internationalen Publikum vorgelegt (García Sanjuán u.a. 2013). Die Elfenbeinobjekte, deren Behandlung hier vorgestellt wird, kommen aus der Struktur 10.042-10.049 (Struktur 42-49). Diese Megalithstruktur mit doppelter, jeweils mit Schieferplatten verkleideter Kammer fand sich im Sektor C des PP4-Montelirio. Sie besteht aus einem ersten, im Grundriss rechteckigen, Eingangskorridor und zwei kreisförmigen Kammern, die durch einen weiteren rechteckigen Gang mit - einander verbunden werden. Konkret kommen die Studienobjekte aus der zweiten Kammer dieser Struktur, die einen Durchmesser von 2,16m hat, von 23 Schieferplatten begrenzt wird und zwei strati - graphische Niveaus aufwies. Im unteren Niveau (UE 664) fand sich ein einziges Skelett im anato - mischen Verband, das mit einem roten Pigment (Zinnober) überstreut war (Rogerio-Candelera u.a. 2013). Es befand sich in rechter Hockerlage mit angezogenen Armen und Beinen, dem Blick nach Norden und dem Kopf Richtung Südosten. Hier handelt es sich vermutlich um einen jungen, zwischen 17 und 25 Jahre alten Mann (Robles Carrasco / DíazZorita Bonilla 2013, 377). Ein kompletter, wenn auch mittels zweier im rechten Winkel zur Hauptachse verlaufender Sägeschnitte in drei große Fragmente getrennter, und unbearbeiteter Elefantenstoßzahn umgab in demselben Niveau den Kopf des Toten. Der Bestattete wurde zudem von weiteren Beigaben begleitet. Darunter befanden sich ein Silex dolch – welcher unweit von einem Knauf lag, der vermutlich aus sizilianischem Bernstein gefertigt war (Murillo-Barroso / García Sanjuán 2013) –, ein Teller mit mandelförmigem Rand und Resten von rotem Pigment, ein Set von 24 Silexklingen, verschie dene Elfenbeinobjekte (einige davon verziert) und ein kleines morphologisch nicht ansprechbares Kupferobjekt. Nach den naturwissenschaftlichen Ana lysen stammt der unbearbeitete Stoßzahn vom afrikanischen Steppenelefanten (Loxodonta africana africana) (García Sanjuán u.a. 2013). Das obere Niveau (UE 535) war physisch vom unteren durch 22 horizontal gelegte Schieferplatten getrennt und enthielt keine Skelettreste, wohl aber zahlreiche Artefakte wie eine Silexpfeilspitze, mehrere Elfenbeinobjekte – darunter einige, die in dieser Studie beschrieben werden –, 90 Perlen, ein Straußenei, zwei komplette Teller – einer davon mit rotem Pigment –, weitere fragmentierte Teller und andere Keramikgefäße, einen Bergkristalldolch sowie 38 erhaltene und einige fragmentierte Silexklingen. Insgesamt lieferte die Grabung im PP4-Montelirio 39 Objekte aus Elfenbein, Knochen oder Geweih (das Rohmaterial wurde noch nicht für alle Proben bestimmt), unter denen sich Armringe, Pfrieme, Perlen, Behälter unterschiedlicher Typologie, zwei Elefantenstoßzähne (ein unbearbeiteter und ein bearbeiteter, der weiter unten beschrieben wird), Platten, ein ankerförmiges Objekt – ein Dolchgriff, der im Folgenden beschrieben wird – und weitere Objekte, deren Morphologie und Funktion noch nicht definiert werden konnten. Dabei entfallen auf die Struktur 42-49 22 Elfenbeinobjekte, was 56,4% der insgesamt in diesem Sektor ergrabenen Elfenbeinobjekte ausmacht. Auch wenn es sich damit nicht um die Struktur mit der größten Zahl von Elfenbeinobjekten handelt, so ist es doch diejenige mit dem größten Gesamtgewicht an Elfenbein (García San - juán u.a. 2013). Die Ausgrabung des Sektors PP4-Montelirio war aufgrund von städtebaulichen Maßnahmen not72 M. Luciañez Triviño u. a. · Restaurierung von archäologischem Elfenbein aus Valencina de la Concepción wendig und wurde in einem relativ kurzen Zeitraum mit wenig und nicht speziell für die Handhabung und Vorort-Konservierung von Elfenbeinobjekten qualifiziertem Personal, bei geringem Etat, durch - geführt. Zudem musste die Grabung plötzlich be - endet werden, als keine Mittel mehr zur Fortsetzung der Arbeiten zur Verfügung standen. Unter diesen Umständen wurden die Stücke in Pappkartons verpackt oder in Plastik eingewickelt ohne dass sie sich langsam an die neuen Umgebungsbedingungen anpassen konnten oder die Feuchtigkeit Gelegenheit zur Verdunstung hatte. So wie sie auf der Grabung entnommen und verpackt wurden, wurden sie anschließend im Magazinkeller des Archäologischen Museums von Sevilla deponiert. Dort verblieben sie drei Jahre, ohne dass jemand Kenntnis über ihren Konservierungszustand hatte, ohne Kontrolle über ihre weitere Entwicklung, und Bedingungen ausgesetzt, die nicht die notwendigen Garantien für ihre korrekte Konservierung erbrachten und vermutlich, zumindest eine Zeit lang, ihren Verfall begünstigten. Charakterisierung des Rohmaterials Auch wenn Zähne von anderen Tieren, wie Walross, Flusspferd, Pottwal, Narwal oder auch Wildschwein für die gleichen Zwecken verwendet wurden, bezieht sich in der vorliegenden Arbeit der Begriff Elfenbein nur auf Material, das von den Stoßzähnen von Proboscideae stammt. Das Elfenbein, das der afrikanische Steppenelefant (Loxodonta africana africana), der afrikanische Waldelefant (Loxodonta africana cyclotis) und der asiatische Elefant (Elephas maximus) liefern, unterscheidet sich voneinander in seiner Härte, Transparenz und chemischen Zusammensetzung, bedingt durch das Ha bitat der Tiere, ihre Ernährung und die Geologie (Schuh - macher / Cardoso / Banerjee 2009, 989). Die physische Struktur eines Elefantenstoßzahns besteht von innen nach außen aus der Pulpahöhle, dem Dentin, dem Zement und schließlich dem Zahnschmelz ganz außen, der im Allgemeinen nur an der Spitze vorhanden ist. Das Dentin enthält mikro skopische Strukturen, die Dentinkanälchen genannt werden. Es handelt sich hierbei um Mikro - kanäle, die sich von der Pulpahöhle bis zum äußeren Rand des Stoßzahns erstrecken und deren dreidimensionale Konfiguration genetisch bestimmt ist. Im Querschnitt zeigt sich die Struktur die diese Linien bilden, als Netzstruktur, die ausschließlich für die Gattung Proboscidea charakteristisch ist und als »Schreger Linien« oder »Schreger Struktur« bezeichnet wird (Schreger 1800; Espinoza / Mann 1999, 4). Was die chemische Zusammensetzung angeht, so besteht der Elefantenstoßzahn zu 95% aus Dentin, einer organischen Matrix, die sich aus Kollagen - fibern, Mineralsalzen und Wasser zusammensetzt (Ber ducou 1990, 233; Cristoferi 1992, 20; Laborde Marqueze / Bouzas Abad 2003, 270). Das Dentin selbst besteht aus einer anorganischen Komponente, dem Mineral Dahllit (Karbonat-hydroxilapatit, Ca10(PO4)6(CO3)H2O) (Espinoza / Mann 1999, 4; Schuh macher u.a. 2013; Schuhmacher / Car doso / Banerjee 2009, 989), die dem Elfenbein Resistenz und Festigkeit verleiht, und einer organischen Komponente (Kollagen), die ihm Elastizität und die Kapazität des Wachstums und der Regeneration gibt. Vor den eigentlichen Laboranalysen zur Bestimmung der Tierart, die das Rohmaterial lieferte, wurden spezielle makroskopische Charakteristika überprüft, die eine Festlegung des Materials als Elfenbein ermöglichten. Elfenbein ist eine anisotrope Materie auf Proteinbasis, mehr oder weniger porös mit variabler Hygroskopie (Cristoferi 1992, 18). Auf den ersten Blick erscheint Elfenbein als dichtes und hartes, weißes oder cremefarbenes Material, das eine glatte Oberfläche mit seidiger Textur aufweist. Wenn wir es jedoch genauer betrachten, so stellen wir mehrere Eigenschaften fest, die es uns erlauben, Elfenbein von ähnlichen Ma terialien wie Knochen zu unterscheiden. Trotzdem müssen wir bedenken, dass, wenn das Objekt sehr klein oder stark be - arbeitet ist (mit vollkommen polierter oder bemalter Oberfläche) oder keine Frakturen aufweist, eine rein visuelle Inspektion wahrscheinlich nicht ausreicht, um das Rohmaterial zu identifizieren. Denn, wie 73Restaurierung und Archäologie 6 · 2013 bereits erwähnt, ist es gerade der Querschnitt, bei dem wir die makroskopische Hauptcharakteristik von Elfenbein der Proboscideae, die »Schreger Struktur« erkennen können (siehe Abb. 5) (vgl. Schuh macher / Cardoso 2007). Die Farbe von Elfenbein ist variabel. Wenn es gut erhalten ist, pflegt es jedoch eine Tonalität zu be - sitzen, die von weiß bis hellbeige reicht. Es kann jedoch, sei es durch die Ernährung des Tieres, seinen Gesundheitszustand oder aufgrund verschiedener Komponenten des Bodens, von Wärmequellen und verschiedenen chemischen Elementen, eine braune oder sogar dunkelbraune, fast schwarze Farbe annehmen (Berducou 1990, 245; Banerjee 2012). Das Dentin ist eine Substanz von feiner, weicher, dichter und kompakter Natur ohne die Porosität, die Knochen aufgrund des Systems der Haversschen Kanäle besitzt (Barciela González 2007, 267). Auf der anderen Seite zeigt das Dentin eine laminare Struktur, die den Schichten entspricht, die Jahr für Jahr während des Wachstums des Stoßzahns gebildet werden (Berducou 1990, 233; Cronyn 1990, 276) und die im Querschnitt in der Form von konzentrischen Ringen (Owen‘sche Ringe), ähnlich den Jahresringen von Bäumen erkennbar sind. Es gibt mehrere Labortechniken, die verwendet werden, um das Rohmaterial zu identifizieren, wie die Messung der »Schreger-Winkel« mithilfe eines op tischen Mikroskops, die Fourier-TransformationsInfra rot-Spektroskopie (FTIR), die Isotope-RatioMassSpectrometry (IRMS) und die Elementarana - lyse (Banerjee u.a. 2011; Banerjee / Huth / Dindorf 2011; Banerjee / Huth 2012; Nocete Calvo u.a. 2013). Die durchgeführten Analysen ergaben, dass die vier Elfen beinobjekte, die hier vorgestellt werden, aus dem Elfenbein des asiatischen Elefanten (Elephas maxi mus) bestehen (García Sanjuán u.a. 2013). Evaluierung des Erhaltungszustandes Im allgemeinen zeigten alle Elfenbeinobjekte einen ähnlichen, wenn auch nicht identischen Erhaltungszustand, da dieser durch vielfältige miteinander verbundene Faktoren, wie der Benutzung des Objekts, seinem Alter, seiner eigenen chemischen Zusam - men setzung und den physischen Charakteristika des Elfenbeins, den Sedimentationseigenschaften während seiner Lagerung im Boden und den Transportund Lagerbedingungen nach seiner Auffindung bestimmt wird. Die Störungsprozesse sind daher direkt mit der Reaktion des Rohmaterials selbst auf seine Umgebung, der Art der Einlagerung im Boden bis zu seiner Stabilisierung an seinem neuen geologischen Aufbewahrungsort und den durch seine Auffindung provozierten Pathologien verbunden. Elfenbein ist ein hartes Material tierischen Ursprungs, das ernsthafte Probleme der Konservierung aufweist, da es stark reaktiv mit seiner Umgebung ist. Archäologisches Elfenbein unterliegt nach seiner Vergrabung im Boden aufgrund dia genetischer Prozesse einem starken Wandel. Auf der einen Seite erfährt das Mineral Dahllit chemische Veränderungen als Folge der Infiltrierung von Elementen des umgebenden Bodens in die Mikro kanäle des Dentins, die zudem mit den Karbonat hydroxilapatit-Kristallen in Reaktion treten (Schuhmacher / Cardoso / Banerjee 2009, 989; Banerjee 2012); ein stark saurer pH-Gehalt kann zudem diese anorganische Komponente zersetzen (Catalán u.a. 2008, 553; Laborde Marqueze / Bouzas Abad 2003, 271). Auf der anderen Seite verliert sich das Kollagen ganz oder teilweise durch Hydrolyse, Bakterienbefall oder dadurch, dass es fortgesetzt einem alkalischen pH-Gehalt ausgesetzt ist (Cronyn 1990, 277; Schuhmacher / Car do - so / Banerjee 2009, 989). Nach ihrer Entdeckung stellen die Schwankungen der Temperatur und der relativen Luftfeuchtigkeit, die Kontraktionsund Expansionsbewegungen bewirken, die schwerwiegendsten Konservierungs - probleme für Elfenbeinobjekte dar (Lafontaine / Wood 1982). Es handelt sich außerdem um ein Material das zur Fleckenbildung neigt; so verdunkelt es sich rasch beim Kontakt mit der Haut, mit Ölen oder mit jeglichem Farbmittel. Insgesamt gesehen geht ein großer Teil seiner Degradierung und Veränderungen auf seine eigene Natur und Materialeigen74 M. Luciañez Triviño u. a. · Restaurierung von archäologischem Elfenbein aus Valencina de la Concepción schaften zurück, andere jedoch auf externe Faktoren. Die in diesem Artikel beschriebenen Objekte kamen in ihrer Grabungsverpackung in unsere Hände. Sie lagen auf ausgeschnittenen Kartonblättern, eingewickelt in Luftpolsterfolie, eingeschlossen in große Erdklumpen oder noch mit anhaftendem Erdmate - rial der Grabung. Alle Stücke wiesen einen hohen Fragmentierungsgrad und zahlreiche Materialver - luste auf, vor allem was die Stücke mit dünnen Wänden, wie den verzierten Stoßzahn und die Scheide, angeht. Beide waren in mehr als 100 Fragmente und zahlreiche millimetergroße Absplisse gebrochen (Abb. 2). Das Elfenbein hatte jedoch, abgesehen von einzelnen Fragmenten, seine Widerstandsfähigkeit noch nicht vollständig verloren und es konnte sicher manipuliert werden. Es wurden auch neue Brüche festgestellt, die vermutlich auf die Handhabung der Kisten im Museum – als ihr Inhalt noch nicht bekannt war – zurückgehen. Die Objekte wiesen eine braun-gräuliche, sehr harte Konkretion auf, die fest an der Oberfläche der Stücke anhaftete. In einigen Fällen erlaubte es der Erosionsgrad der Oberfläche nicht, die Verzierung zu erkennen (Abb. 3). Die Platte war in Gaze ein - gebunden und im Block geborgen worden, weshalb sie zu Beginn der Behandlung noch von einer 4-5cm dicken und kompakten Sedimentschicht bedeckt war (Abb. 4). Der verzierte Elefantenstoßzahn konservierte auf seiner Oberfläche vielfältige Zinnoberreste und auf dem Dolchgriff wurden schwarze Flecken festgestellt. Einer der Flecken könnte von der Kalzinierung des Elfenbeins her - rühren, der andere dagegen ist kleiner, oval und nur lokal und scheint eher durch den Kontakt mit einem schwarzen Farbstoff hervorgerufen worden zu sein. Einige der Konservierungsprobleme gehen auf den Herstellungsprozess der Objekte zurück, so im Falle des Gefäßes. Da dieses auf der Basis eines Zylinders hergestellt wurde, der mittels zweier quer zur Längsrichtung erfolgter Schnitte aus einem Stoßzahn abgetrennt worden war, ist die Basis des Gefäßes entlang der Wachstumsringe gebrochen (Abb. 5). 75Restaurierung und Archäologie 6 · 2013 Abb. 2 Sortierung der Fragmente des verzierten Stoßzahns nach ihrer Wandungsstärke als Vorbereitung für das spätere Zu sam men - fügen. – (Foto M. Luciañez Triviño). Abb. 3 Erodiertes Fragment des verzierten Stoßzahns. – (Foto M. Luciañez Triviño). Abb. 4 Die Blockbergung der Elfenbeinplatte mit noch an - haf tender Sedimentschicht. – (Foto M. Luciañez Triviño). Behandlung Diese Phase war unverzichtbar und bedeutete die Präparierung der Objekte für ihr archäologisches Studium. In gewissem Sinne gab es vor der Durchführung der Behandlung keine archäologischen Objekte, die man in funktionaler oder technologischer Hinsicht hätte untersuchen können. Die durch - geführte Behandlung beinhaltete Folgendes: 1. Herauslösen des Stückes aus dem Erdblock. Bei dieser Aktion wurde mit weichen Holzstäbchen kleinräumig, und nur in den am weitesten vom Elfen bein entfernten Schichten, die Erde mit de - ionisiertem Wasser angefeuchtet. In dem Moment, in dem wir uns dem Elfenbein näherten, wurde die Anwendung von Feuchtigkeit vermieden und stattdessen weiche Holzinstrumente und Bürsten mit weichen Borsten verwendet. Es ist zu bedenken, dass es sich bei Elfenbein um ein Material handelt, welches sehr sensibel auf Temperaturund Feuchtigkeitsschwankungen reagiert, weshalb das Stück bei einer übermäßigen Was76 M. Luciañez Triviño u. a. · Restaurierung von archäologischem Elfenbein aus Valencina de la Concepción Abb. 5 Bruch des Gefäßes entlang der Wachstumsringe des Den tins. – (Foto M. Luciañez Triviño). serzufuhr anschwillt, was strukturale Spannungen im Objekt und in der Konsequenz seine Zerstörung bedeuten kann. Der übermäßige Gebrauch von Wasser wurde daher möglichst vermieden und nur dann angewandt, wenn es unbedingt notwendig war. 2. Sieben des Sediments. Da die Stücke teilweise in großen Erdund Sedimentblöcken eingelagert waren, wurden nach dem Bergen der größeren Fragmente aus der Verpackung die Erdblöcke zerkleinert und die gesamte Erde gesiebt, um klei nere Elfenbeinfragmente auszulesen. 3. Mikro-Ausgrabung der Stücke. Wenn das Stück noch Teile der Erde der Grabung in seinem Inneren barg (wie zum Beispiel bei dem verzierten Stoßzahn) wurde es notwendig, eine Mikro-Ausgrabung durchzuführen, um das Fundstück zu säubern und weil die Erde Feuchtigkeit konserviert, die ein Herd für Bakterien und Sporen sein kann (Berducou 1990, 246). Dafür wurden ebenfalls Holzinstrumente (Abb. 6) und in einigen Fällen eine Lösung aus deionisiertem Wasser und Alkohol (20-80%) verwendet. Dies half, die harte Erde im Objektinneren aufzuweichen. 4. Aufbau und Zusammenfügen von Fragmenten (in einigen Fällen provisorisch). Das Zusammenfügen ist notwendig, wenn das Objekt Frakturen aufweist und in mehrere Teile zersetzt ist oder, um Risse zu schließen. Es ist dabei wichtig, beim Sortieren jedes Frag ment in der Zone abzulegen in der es auftauch te und es mit den Stücken in seiner Umgebung in Relation zu setzen, um seine ursprüngliche Situation nicht aus dem Auge zu verlieren und so das Zusammenfügen oder die Restrukturierung des Objektes in seine Originalform zu ermöglichen. Die Klebstoffe bestehen aus synthetischen Harzen, die durch ein Löse - mittel flüssig gemacht werden, das es erlaubt interne intermolekulare Verbindungen mit dem Substrat aufzubauen (Berducou 1990, 266). In diesem Fall wurde aus den folgenden Grün - den ein Nitro zelluloseklebstoff verwendet: seine Trans parenz, die einfache und rasche Anwendung, weil er re sistent ist ohne übermäßig dicht zu sein und daher nicht aufdickt und – was am Wichtigsten ist – seine leichte Reversibilität (mit Aceton lösbar). 5. Konsolidierung des Materials. Es ist zu bedenken, dass die Konsolidierung eine künstliche Methode ist, um dem Rohmaterial Zusammenhalt und Festigkeit zu geben und seine strukturellen Charakteristika zu verbessern. Dieser Prozess ist anzuwenden, wenn die Gefahr des Bruches besteht und/oder es unmöglich ist, das Objekt zu handhaben (Cristoferi 1992, 55; Catalán u.a. 2008, 553). Nicht alle hier behandelten Objekte wiesen dieselbe Kohäsion des Elfenbeins auf, weshalb jedes einzelne oder sogar jedes Fragment individuell behandelt werden musste. Wie wir schon bei der Diagnose des Erhaltungszustandes angedeutet haben, wiesen die Stücke insgesamt einen akzeptablen Festigkeitsgrad auf, einige Fragmente mussten jedoch konsolidiert werden. Die Konsolidierung wurde mit einem Vinylharz2niedriger Dichte in einer 5%igen, wässrigen Lösung durch - geführt. Zum einen wurde deionisiertes Wasser als Verdünnungsmittel des Harzes verwendet, da die Feuchtigkeit hilft, das Konsolidierungsmittel innerhalb des Elfenbeins zu verteilen (Laborde Marqueze / Bouzas Abad 2003, 274). Zum anderen wurde ein Vinylharz in niedriger Proportion gewählt, um die Durchlässigkeit und Transpiration des Elfenbeins zu gewährleisten und das Aussehen des Objektes nicht zu verfälschen (es ist transparent und bildet keinen glänzenden Film). 6. Reinigung des Objektes. Das Ziel dieser Phase war es, das Objekt von allen fremden Materialablagerungen zu befreien. Auf der Oberfläche der Stücke fanden sich zahlreiche Partikel und Substanzen unterschiedlicher Natur und Körnung, jedoch handelte es sich in erster Linie um Erde der Grabung und Konkretionen unbekannter Natur. Zuerst wurde eine manuelle Trockenreinigung durchgeführt. Lose Erde wurde leicht abgebürstet und der Erhaltungszustand der Oberfläche konstatiert. Für die vertieften Zonen, dort wo es Schmutzablagerungen gab, wurden weiche Holzstäbchen verwendet. Danach wurde mit der Reinigung durch die Anwendung einer Mischung 77Restaurierung und Archäologie 6 · 2013 Abb. 6 Mikro-Ausgrabung im Labor. – (Foto M. Luciañez Triviño). stande waren, den Stücken ihre bemerkenswerte Form zu geben. Für das erste Sägen des Stoßzahns dürften Metallsägen oder lange Silexklingen verwendet worden sein; beide Arten von Werkzeugen sind aus dieser Zeit in Valencina gut belegt. Nach dem Erhalt des Rohlings wurde das Stück ausge84 M. Luciañez Triviño u. a. · Restaurierung von archäologischem Elfenbein aus Valencina de la Concepción Abb. 12 Elfenbeingriff mit dem Bergkristallblatt und der Schei - de. – (Foto M. Á. Blanco de la Rubia). höhlt und danach das Verzierungsmotiv mit natürlichen Pigmenten, wie z.B. einem Kohlestück, auf die Außenseite gemalt (García Sanjuán u.a. 2013) oder aber eingeritzt. Sobald die Zeichnung fertig war, wurde mit dem Ausschnitzen der Verzierung begonnen. Die hierfür verwendeten Instrumente konn ten lithischer Natur sein (wie Klingen, Stichel oder Kratzer aus Silex) oder aber aus anderen Materialien, wie Muscheln oder Zähnen bestehen. In einigen Fällen wiesen die Stücke eine glatte und glänzende Oberfläche auf, was darauf schließen lässt, dass sie poliert wurden (García Sanjuán u.a. 2013). Es ist möglich, dass gleichzeitig zum Handel oder Austausch von Rohmaterial auch fertige Objekte im Umlauf waren (Schuhmacher / Cardoso / Banerjee 2009, 994). Das Rohmaterial gelangte nach Valen - cina, wo lokale Handwerker (García Sanjuán u.a. 2013) Elfenbeinobjekte für eine spezielle Personengruppe, eine religiöse oder soziale Elite, anfertigten, die dieses exotische, seltene und schöne Mate rial zum Ausdruck ihres Status verwendeten. Nach den vorliegenden Befunden könnte Valencina im 3. Jahrtausend v.Chr. eine herausragende Rolle in dieser Kette des Handels mit Elfenbein und anderen exotischen Materialien gespielt haben, wie die Tatsache zeigt, dass hierher gleichzeitig sowohl afrikanisches als auch asiatisches Elfenbein gelangte (García Sanjuán u.a. 2013). Es muss betont werden, dass die konservatorische/restauratorische Behandlung ein wichtiger und unabdingbarer Schritt für die archäologische Untersuchung der Stücke war. Zudem konnten durch den Eingriff und die neuen Lagerungsbedingungen das Studium und die zukünftige Bekanntmachung ga - rantiert sowie spätere größere Schäden, die sicher unter den ursprünglichen Aufbewahrungsgegebenheiten eingetreten wären, vermieden werden. Es wurde eine Methodik des Eingriffs verwendet, die auf den im Dekalog der Restaurierung publizierten Kriterien beruht. Außerdem wurde das Prinzip des minimalen Eingriffs während der gesamten Behandlung eingehalten, weshalb die durchgeführten Aktionen sich auf das absolut Notwendige beschränkten. Nach Abschluss dieses Eingriffes möchten wir auf die aufgrund der Charakteristika des Materials notwendige Langsamkeit des Prozesses hinweisen. Die Erfahrung hat uns gezeigt, dass der Reinigungs - prozess viel Zeit benötigt, und Fristen nicht außer Acht gelassen werden können, wie etwa die Spanne, die für die kontrollierte Verdunstung der im Objekt enthaltenen Feuchtigkeit notwendig ist. Genauso war die ständige Kontrolle der Oberfläche notwenig, weshalb der größte Teil des Prozesses unter der Lupe oder dem Binokular durchgeführt wurde. Gleichzeitig haben wir das Fehlen von wissenschaftlichen Studien und aktuellen Tests zum Rohmaterial sowie die uns nur in geringem Maß vorliegende spezialisierte Information in Bezug auf die Konservierung/Restaurierung von Elfenbein fest - gestellt. Obwohl die Stücke in der Zukunft andere Behandlungen benötigen werden und in kommenden Un - ternehmungen das eine oder andere Objekt ergänzt werden kann3, müssen wir darauf hinweisen, dass unsere Intervention aus zwei Gründen nur begrenzt war: Auf der einen Seite aufgrund der Zeit und des Etats, die nur in begrenztem Umfang zur Verfügung standen und zum anderen, da die durchgeführte Behandlung ausreichte, um die Erhaltung der Stücke zu garantieren sowie der Forderung nach ihrem unmittelbaren archäologischen Studium nachzukommen. Ohne die vorhergehende konservatorische/restau ra - torische Behandlung wäre es nicht möglich gewesen, die Stücke im Detail zu untersuchen. Dieser Fall zeigt, dass die Spezialisten in Konservierung und Restaurierung einen bedeutenden Dienst für die Erforschung der archäologischen Objekte mit schlechtem Erhaltungszustand leisten, indem sie wichtige und teils verborgene Information sichtbar machen und dem Archäologen zur Verfügung stellen. In diesem Fall wurde erst während des Verlaufs der Behandlung festgestellt, dass es sich bei dem Elfenbeingriff um den Griff eines spektakulären und großen Bergkristalldolches handelt, ein einzigartiges Stück, das bisher auf der Iberischen Halbinsel ohne be - kannte Parallelen ist. Genauso eröffnete sich dadurch die Möglichkeit, dass die verzierte Platte, die Scheide desselben Dolches sein könnte. Auch dies stellt einen bisher einzigartigen Fall auf der Iberischen Halbinsel dar (García Sanjuán u.a. 2013) (Abb.13). Danksagung Wir schulden der Dirección General de Bienes Culturales de la Junta de Andalucía (Generaldirektion für Kultur - güter der Autonomen Regierung Andalusiens) für die Finan zierung dieses konservatorischen/restauratorischen Projektes großen Dank. Die naturwissenschaftlichen Ana - lysen der Stücke wurden von der Deutschen Forschungs - gemeinschaft (DFG, Bonn) als Teil von zwei Forschungsprojekten (SCHU 1539/2-2 und SCHU 1539/3-1) finanziert, die beide am Deutschen Archäologischen Institut in Madrid angesiedelt waren (Schuhmacher 2012). 85Restaurierung und Archäologie 6 · 2013 Abb. 13 Idealisierte Rekonstruktion des gesamten Kontextes und ein Vorschlag zur möglichen Trageweise. – (Zeichnung M. Luciañez Triviño). 1) In den letzten Jahren sind bereits mehrere Vorberichte dieses Forschungsprojekts und zwar bezüglich eines Inventars der ergrabenen Strukturen des Sektors PP4-Montelirio (Mora Mo - lina u.a. 2013), der physischen Anthropologie (Robles Carrasco / Díaz-Zorita Bonilla 2013), des Bernsteins (Murillo-Barroso / García Sanjuán 2013) und der Farbpigmente (RogerioCandelera u.a. 2013) publiziert worden. 2) Mowilith DM C2. 3) Eine Überprüfung unsererseits im Archäologischen Museum in Sevilla ergab, dass im Falle des verzierten Stoßzahnes einige der fehlenden Teile durch die Restauratorin des Museums ersetzt wurden (volumetrische Rekonstruktion). 86 M. Luciañez Triviño u. a. · Restaurierung von archäologischem Elfenbein aus Valencina de la Concepción Anmerkungen Abgekürzt zitierte Literatur Banerjee 2012: A. Banerjee, Untersuchungen von archäologischem Elfenbein. In: Th. X. Schuhmacher, Elfenbeinstudien 2. 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Gleichzeitig handelt es sich um einen der Plätze der mit die meisten Daten für das Studium von Handel, Gebrauch und Bedeutung von Elfenbein im Chalkolithikum erbringt. So konnte zum Beispiel festgestellt werden, dass es sich bei einem der untersuchten Objekte um den Griff eines Dolches handelt, der zudem ein Blatt aus Bergkristall und eine verzierte Platte, die vermutlich die Scheide des Dolches bildete, aufweist. Dieses Artefakt stellt zurzeit ein Unikat ohne bekannte Parallelen auf der Iberischen Halbinsel oder in Westeuropa dar. Restoration of archaeological ivory using the example of four chalcolithic objects from the settlement of Valencina de la Concepción (Seville, Spain) Ivory has proved to be an important raw material for prehistoric research, as it can be used as an indicator for long-distance trade and social inequality. However, the scientific potential of prehistoric ivory objects is often hampered by preservation issues. This article presents the conservation-restoration project of four exceptional ivory objects found at Valencina de la Concepción (prov. Sevilla/E), one of the most important sites for the study of the 3rd and 2nd millennia BC in Iberia. This project led us to the discovery that one of the objects involved is the handle of a dagger with a rock crystal blade, while another decorated ivory plaque is suspected to be the scabbard of the dagger. This multi-part ivory artefact is at the moment unique and without equal on the Iberian Pen insula or Western Europe. Schlagworte Kontakte / Austausch / Chalkolithikum / Bergkristall / Dolch / Dolchscheide 107Restaurierung und Archäologie 6 · 2013 García Sanjuán, Leonardo Archäologe am Departamento de Prehistoria y Arqueología, Universidad de Sevilla c/ Doña Maria de Padilla s/n., 41004 Sevilla (Spanien) [email protected] Luciañez Triviño, Miriam Promotionsstipendiatin der Baskischen Autonomen Regierung Departamento de Prehistoria y Arqueología, Universidad de Sevilla c/ Doña Maria de Padilla s/n., 41004 Sevilla (Spanien) [email protected] Maier, Annika Restauratorin an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart Am Weißenhof 1, 70191 Stuttgart amaier[email protected] Niemeyer, Barbara Restauratorin an den Staatlichen Museen zu Berlin Antikensammlung Berlin Bodestraße 1-3, 10178 Berlin [email protected] Peltz, Uwe Restaurator an den Staatlichen Museen zu Berlin Antikensammlung Berlin Geschwister-Scholl-Str. 6, 10117 Berlin [email protected] Piecuch, Maike Restauratorin am Bernischen Historischen Museum Helvetiaplatz 5, CH-3000 Bern 6 www.bhm.ch Rasbach, Gabriele Archäologin an der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts Palmengartenstraße 10-12 60325 Frankfurt a.M. [email protected] Schorer, Birgit Archäologin am Institut für Urund Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Eberhard Karls Universität Tübingen Schloß Hohentübingen, 72070 Tübingen [email protected] Schuhmacher, Thomas X. Archäologe am Departamento de Prehistoria y Arqueología, Universidad Autónoma de Madrid Carretera de Colmenar Viejo, km.15, Cantoblanco, 28049 Madrid (Spanien) [email protected] Schwab, Roland Restaurator und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie, Reiss-Engelhorn-Museen C 5 Zeughaus, 68159 Mannheim [email protected] Ulbrich, Angelika Restauratorin hessenArchäologie am Landesamt für Denkmalpflege 65203 Wiesbaden [email protected] AUTORINNEN UND AUTOREN