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1 Facultade de Filoloxía Grao en Lingua e Literaturas Modernas: Alemán 2021/2022 Der Streit der Königinnen: Machtverhältnisse und Geschlechterrollen im Nibelungenlied Autora: Irene Martínez López Titor: Victor Millet Schröder
2 Facultade de Filoloxía Grao en Lingua e Literaturas Modernas: Alemán 2021/2022 Der Streit der Königinnen: Machtverhältnisse und Geschlechterrollen im Nibelungenlied Autora: Irene Martínez López Titor: Victor Millet Schröder
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5 Título A discusión das raíñas: dinámicas de poder e roles de xénero no Cantar dos Nibelungos. La discusión de las reinas: dinámicas de poder y roles de género en el Cantar de los Nibelungos. The queen’s argument: power dynamics and gender roles in the Nibelungenlied. Der Streit der Königinnen: Machtverhältnisse und Geschlechterrollen im Nibelungenlied. Resumo Das Ziel dieser Arbeit ist es, die Handlungen zu analysieren, die zur Eskalation des Streits zwischen den beiden Königinnen im Nibelungenlied führen, sowie die tief greifenden Folgen dieses Konflikts. Insbesondere wird sich die Analyse auf die Machtdynamiken konzentrieren, die die verschiedenen Protagonisten bewegen, nämlich die Königinnen Kriemhild und Brunhild und die Könige Gunther und Siegfried, aber auch Nebenfiguren wie Hagen oder Ute. Außerdem werden diese Machtverhältnisse unter Berücksichtigung der Geschlechterrollen betrachtet, die jede Figur beeinflussen. Dazu werden Geschlechterstudien in Betracht gezogen, immer unter Berücksichtigung des historischen Kontextes. Das Nibelungenlied zeigt eine Gesellschaft, in der die alten heroischen Merkmale durchdringen und in Konflikt geraten mit den höfischen Kultur. In dieser wechselnden Welt befinden sich die Protagonisten, die sich auf Macht und Rang fokussieren. Einerseits kämpfen die Königinnen als Frauen um ihre eigene Macht, und andererseits versuchen die Könige ihre heroische Gewalt zu halten, aber auch ihren höfische Kategorie zu wahren. In dieser Hinsicht behauptet Müller: „Die heroische Vergangenheit verschwindet zunächst hinter der höfischen Fassade einer Welt, in der für Helden kein Platz zu sein scheint.“ (2015) In dieser Arbeit werden die Handlungen der Figuren vor dem Hintergrund dieser Realität untersucht, und am Ende soll gezeigt werden, wie diese Motive zur endgültigen Katastrophe des Stücks führen. Palabras chave: Machtdynamiken, Geschlechterrollen, Gewalt, Höfische, Heroische
6 Inhaltsverzeichnis 1. Einleitung .................................................................................................................. 7 2. Die Eskalation ........................................................................................................... 9 2.1. Kriemhild ........................................................................................................... 9 2.2. Sigfried ............................................................................................................. 12 2.3. Brünhild und Gunther ...................................................................................... 15 2.4. Die Eheschließungen ....................................................................................... 20 3. Der Höhepunkt: Der Streit der Königinnen ................................................................ 27 4. Der Fall ....................................................................................................................... 34 4.1. Die Ermordung Siegfrieds ................................................................................... 34 4.2. Die Rache Kriemhilds .......................................................................................... 37 5. Schlussfolgerungen ..................................................................................................... 48 6. Literaturverzeichnis .................................................................................................... 50
7 1. Einleitung Das Ziel dieser Arbeit besteht darin, die Machtdynamiken der Figuren des Nibelungenlieds in Verbindung mit den Geschlechterrollen als Grundlage für das Verständnis der Entwicklung der Handlung zu analysieren. Den Mittelpunkt dieser Handlung bildet die vierzehnte Aventiure, d.h., der Streit der Königinnen Kriemhild und Brünhild. Dies ist der Schwerpunkt der Erzählung, denn hier brechen die Spannungen und Täuschungen auf, die sich im ersten Teil der Geschichte aufgestaut haben, und die Folgen des Streits werden das Ende der Nibelungen bestimmen. So wird zunächst die Eskalation der Handlung betrachtet, dann der Streit selbst und zuletzt der Fall. Der erste Teil der Arbeit wird sich auf die Analyse der Hauptfiguren –Kriemhild, Sigfried, Brünhild und Gunther– konzentrieren, wobei der Schwerpunkt darauf liegt, wie sie gemäß der ihnen zugewiesenen Machtverhältnissen und Geschlechterrollen handeln. Es wird sich zeigen, dass Gunther und Kriemhild das neue höfische System verkörpern, Brunhild das mythische, und Siegfried eine Mischung aus beiden. Anschließend wird der Heiratsprozess der beiden Paare analysiert, wobei deutlich wird, dass das heroische System im Fall von Gunthers Hof immer noch sehr präsent ist, da diese Männer Gewalt und Betrug einsetzen, um ihre Ziele –die Frauen– zu erreichen. Was die Geschlechterrollen betrifft, so werden Brunhild und Gunther in diesem Teil die größten Abweichler sein, aber während der König Siegfrieds Hilfe sucht, um seinen Mangel an ‚Männlichkeit‘ zu kompensieren, wird Brunhild als Frau bestraft und ihrer Freiheiten beraubt. In der Diskussion streiten die Königinnen über den Rang ihrer Männer und damit über ihren eigenen, und es kommen Teile der Täuschungen ans Licht, die Gunther und Siegfried im ersten Teil begangen haben und die Brunhilds Ehre, aber auch das Ansehen Siegfrieds, Gunthers und seines Hofes beeinträchtigen. Obwohl die Männer versuchen, den Konflikt verschwinden zu lassen, nutzt der Ritter Hagen ihn als Vorwand, um Sigfried zu töten. Diese Szene markiert nicht nur einen Wendepunkt in der Handlung, sondern ist auch deshalb wichtig, weil sie zeigt, dass auch Frauen für ihre Macht kämpfen und ihre eigene Individualität besitzen. Die Macht und Rebellion, die Brunhild im ersten Teil des Stücks zeigt, wird im letzten Teil durch Kriemhild ersetzt. Nach der Ermordung Siegfrieds verhält sich die Königin zunächst treu und passiv, wie es die Verhaltensregeln vorschreiben, aber in ihrem
8 Innersten plant sie eine Rache an den Mördern ihres Mannes, die zur Vernichtung der Nibelungen führen wird. Einmal mehr lösen sich die Geschlechterrollen auf und die Gewalt der heroischen Welt überdeckt alles.
9 2. Die Eskalation Im ersten Teil der Geschichte wird erzählt, wie es Gunther und Siegfried gelingt, jeweils Brünhild und Kriemhild zu heiraten, was tatsächlich den Hauptkonflikt der Erzählung konfiguriert. Der Konflikt beruht auf der Tatsache, dass Gunther Brünhild heiraten will, aber selbst dazu nicht in der Lage ist. Brünhild agiert als Figur in einem System, in dem das Recht des Stärkeren gilt, daher kann sie nur einen Mann heiraten: den Stärksten. Das Problem für Gunther ist, dass er nicht der Stärkste ist; aber sein Vorteil ist, dass er Siegfried hat, der seine Schwester Kriemhild heiraten will und deshalb bereit ist, Gunther zu helfen. Siegfried, zumindest der Drachentöter Siegfried, gehört ebenfalls in das System der brachialen Kraft und ist dort der Stärkste; so wird er auch dem König die heroische Haltung und Gewalt bringen, die dieser, für den das Rechtssystem des Hofes gilt, nicht hat. Siegfrieds Hilfe wird jedoch vor Brünhild verborgen, die in dem Glauben gelassen wird, Gunther sei der richtige Mann für sie. Dieses Täuschungsmanöver eskaliert bis zum Wendepunkt der Erzählung mit dem Streit der Königinnen, wo diese Geheimnisse teilweise (und verfälscht) ans Licht kommen und das Gleichgewicht des Hofes stören, bis alle Schuldige dafür bezahlen. In dieser Arbeit werden die Handlungen der Figuren analysiert, die zu diesem tragischen Ende führen, wobei der Mittelpunkt einerseits auf den Persönlichkeiten der Figuren liegt, die sich durch ihr Abweichen von den Geschlechterund Sozialrollen auszeichnen, und andererseits auf den unterschiedlichen Machtverhältnissen, die von Gewalt und Ehrgeiz geprägt sind. 2.1. Kriemhild Die Geschichte beginnt und endet mit Kriemhild. Tatsächlich starten alle drei Versionen des Nibelungenliedes mit Kriemhild (Ehrismann, 1998, S. 20), was die Bedeutung der Figur für die Erzählung zeigt. Im Verlauf der Handlung wird Kriemhild als runder Charakter dargestellt, das heißt, ihre Rolle als Frau ändert sich im Verlauf der Geschichte. Zu Beginn erscheint Kriemhild als höfische Dame, die jedoch vor ihrer Bestimmung als Ehefrau und Mutter davonlaufen will. Aber als ihre Brüder sie mit Siegfried verheiraten, leistet sie keinen Widerstand (obwohl sie sich um den Verlust ihres Erbes kümmert, 691) und verhält sich während der Ehe „in accordance with heroic conventions pertaining to gender“ (Pafenberg, 1995, S. 109). Sie bliebt noch ihrem Mann treu, als er ermordet wird, doch als sie eines gerechten Urteils und ihres Reichtums beraubt wird, bricht Kriemhild
16 ir gelîche enheine man wesse ninder mê. diu was unmâzen schoene. vil michel was ir kraft. sie schôz mit snellen degenen umbe minne den schaft. (Es herrschte eine Königin jenseits des Meers. / Man kannte keine, die ihr gleichkam. / Schön war sie über alles Maß. Sehr groß war ihre Kraft. / Um den Preis ihrer Liebe warf sie den Speer im Kampf mit starken Helden. 326) Einerseits erscheint Brünhild als eine exotische Figur, die in einem fernen Land lebt, was das höchste Niveau der Exogamie darstellt. Sie ist auch schön, der am meisten geschätzte weibliche Wert. Andererseits markiert ihre Kraft ihre männlichen und bösartigen Eigenschaften. Laut Frank (2004) ist diese Diskrepanz tatsächlich das, was „ihre spezifische Faszination ausmacht“ (S. 67). Ihre Attraktivität liegt auch in ihrer Virginität und Exklusivität; Brünhild trägt weiß und würde nur für einen einzigen Mann ihre Jungfräulichkeit hergeben: den stärksten Mann. Nicht nur diese Kondition zeigt ihre Exklusivität, sondern auch die Tatsache, dass sie bisher jeden Mann, der um ihre Hand anhielt, getötet hat. Brünhild unterwirft die Männer, die sie begehren, einem Speerwurf-, Steinwurfund Weitsprungturnier, bei dem der Mann entweder gewinnen oder sterben kann: „Es handelt sich somit um Disziplinen, die (in der Literatur) von Männern praktiziert werden und die im Nibelungenlied dazu dienen, die ‚Männlichkeit‘ Prünhilts zu akzentuieren“ (Frank, 2004, S. 65). Deswegen muss Gunther Brünhild heiraten und ihr auch ihre Jungfräulichkeit nehmen, um Brünhilds Macht zu zerstören und somit die patriarchalische Balance aufrechtzuhalten (Sauter-Bailliet, 1984, S. 104). Tatsächlich verstehen diese Männer es als ihre Verpflichtung, jede Frau zu kontrollieren, die die Geschlechterrolle und soziale Gewichtsbalance bricht: „disempowerment of women is integral to ensuring the primacy of the warrior culture“ (Pafenberg, 1995, S. 110). Außerdem sind solche Frauen ein sexuelles Target für Männer, da sie, indem sie diese 'wilden' Frauen zähmen, daran ihre Männlichkeit zu Beweis stellen. In Bezug auf Brünhilds Bösartigkeit schreibt Lienert (2003): „Brünhild mit all ihrer magischen Kraft ist nur dazu konstruiert, von einem Mann überwunden zu werden“ (S. 12). In Gunthers Fall ist diese Überprüfung wichtiger als üblich, da er nicht diese traditionelle Idee der Männlichkeit erfüllt, aber er braucht Kraft, um Brünhild zu gewinnen, daher setzt er die Person ein, die am Burgundenhof noch die heroischen Werte, und damit die Gewalt, vertritt: Siegfried. Laut Werthschulte (2011):
17 Gewalt ist unauflöslich mit der ”kriegerischen Männlichkeit“ verbunden, die im Nibelungenlied als Essenz der zwei wichtigsten Männlichkeitsentwürfe, des höfischen und des heroischen, fungiert. Diese epochenbedingten Männlichkeitsmodelle stoßen aufund verschmelzen zum Teil miteinander. (S. 273) In diesem Sinne steht Gunthers Männlichkeit nicht nur im Gegensatz zu Kriemhilds Werten, sondern auch zu Siegfrieds heroischer Männlichkeit. Tatsächlich schreibt Lienert (2003): „Gunther kompensiert seine Schwäche zunächst durch vorgetäuschte Macht über Siegfried, dann über die Aneignung eines machtvoll-widerständigen Weiblichen“ (S. 11). Was Gunther und Siegfried unterscheidet und durch was sie beide Protagonistinnen gewinnen werden, ist die Stärke: „der Erzähler überträgt Racheund Gewaltakte, die Konstituenten kriegerischer Männlichkeit, als Strategien der Machtübernahme auch auf Frauen“ (Werthschulte, 2011, S. 290). Die Frau ist der Preis für den stärksten Helden, und die Tatsache, dass Gunther auf diese Werte zurückgreifen muss, steht für die immer noch bestehende Abhängigkeit der höfischen Welt von der heroischen Welt; zwei Welten, die im Laufe der Erzählung zu einer einzigen verschmolzen werden. Außerdem beweist es, dass er sie heimlich einsetzt, die Lüge des friedlichen Hofes. In Betracht der großen Stärke Brünhilds wäre Gunther zweifellos bei den Prüfungen gestorben (452,1–2). Aber das Unglaubliche ist, dass selbst Siegfried nicht stärker als Brünhild ist, und deshalb braucht er den Tarnmantel, mit dem er sie besiegen kann (457,4). Dieser Mantel macht ihn unsichtbar und viel stärker: wol zwelf manne sterke zuo sîn selbes lîp. („die Stärke von zwölf Männern kam zu seiner eigenen dazu.“ 337,3). In dieser Hinsicht weist der Erzähler darauf hin, dass Brünhild die Kraft von fast zwölf Männern hat, was im Laufe des Turniers immer wieder betont wird. Es ist sinnvoll, einen Vergleich zu ziehen zwischen der Art und Weise, wie Gunther und seine Männer sich darauf vorbereiten, Brünhild zu erobern, und Brünhilds Vorbereitung, sie zu empfangen. Als Gunther sich dazu rüstet, nach Isenstein zu reiten, macht er Sorge um Folgendes: waz wir kleider solen vor Brünhilde tragen („was wir an Kleidern vor Brünhilde tragen sollen“ 343,3). Und so wendet er sich an seine Schwester um Hilfe: Wir wellen, liebiu swester, tragen guot gewant. („Wir wollen, liebe Schwester, kostbare Gewänder tragen.“ 357,1). Und er sagt, daz ich selbe vierde ze vier tagen trage / ie drîer hande kleider („Ich und die drei andern wollen an vier Tagen / jeder drei verschiedene Gewänder tragen, so kostbare Kleidung“ 360,2–3). Das heißt, dass jeder Held für die Reise zwölf unterschiedliche Kleidungen nehmen wird. Dies ist ihre eigene Art, sich in
18 Brünhilds Land reich und mächtig zu zeigen. So sagt man ihnen bei ihrer Abreise, daz si zer werlde hêten bezzers niht gesehen […] von bezzer recken waete kunde niemen niht gesagen. („dass sie auf der Welt nichts Schöneres gesehen hatten. / Mit Freude konnten sie sie dort bei Hofe tragen. / Niemand hätte sagen können, dass es bessere Heldenkleider gab.“ 370,2–4). Dann bei ihrer Ankunft in Isenstein, wie bei Siegfrieds Ankunft in Worms, bewundert man sie wegen ihrer Pracht, fürchtet sie aber nicht wegen ihrer Festigkeit. Sie werden wie folgt beschrieben: si riten hêrlîche vür Brünhilde sal („in großer Pracht ritten sie zu Brünhilds Saal“ 400,2) mit ihren schilde wolgetân („Ihre schönen Schilde“ 399,3), stetel wol gesteinet („Sättel schön besetzt mit Edelsteinen“ 400,1), und swerten wolgetân („schönen Schwertern“ 401,1). Obwohl dies Zeichen der Macht an seinem Hof sind, sind sie nicht ausreichend in Brünhilds Land, wo Kraft herrscht. Aber diese Zeichen, sowohl die von Gunther und seinen Männern als auch die von Brünhild, sind auch die Werte, die traditionell mit den Geschlechterrollen für Frauen und Männer verbunden sind, nur dass sie wieder einmal vertauscht werden. Auf der einen Seite zeigt dies den Wandel der Machtverhältnisse in der ritterlichen Welt im Gegensatz zu denen der heroischen Welt. Auf der anderen Seite führt dies zu einem Wechsel des Konzeptes der Geschlechterrollen, die nicht so sehr durch das Geschlecht, sondern durch die Welt, der die Person angehört, geprägt zu sein scheinen. Auf jeden Fall wird die höfische Eleganz, die hier übertrieben wird, später verschwinden, und nur Gewalt auf beiden Seiten wird bleiben. Aber bei Gunthers Ankunft steht seine Herrlichkeit im Widerspruch zu Brünhilds Beschreibung, die sich auf die Wiederholung ihrer übernatürlich Stärke basiert: gewâfent man die vant, / sam ob si solde strîten umb elliu küniges lant. („Man sah sie gewappnet, / als sollte sie um alle Königreiche kämpfen.“ 434,1–2). Außerdem werden ihre Waffen nicht nur durch ihren Schmuck und ihr Gold beschrieben, wie im Fall der Männer, sondern sie zeichnen sich durch ihr großes Gewicht und ihre Brutalität aus. Über ihr Schild schreibt der Erzähler: von stahel und ouch von golde rîch er was genuoc, / den ir kameraere selbe vierde kûme truoc („Er bestand aus Stahl und Gold, prachtvoll und gewaltig / kaum konnte ihn ihr Kämmerer mit Hilfe von drei Männern tragen.“ 437,3–4); und über ihren Wurfspeer, starc und ungevüege, michel unde breit, / der ze sînen ecken vil harte vreislîchen sneit. („stark und gewaltig, dick und breit, / dessen Schneiden furchtbar schnitten.“ 440,3–4). Durch die Beschreibung ihrer Waffen wird auch Brünhilds große Stärke bekräftig, wie auch die Tatsache, dass diese Kraft der eines jeden Mannes
19 überlegen ist, was gleichzeitig auf die Umkehr der traditionellen Geschlechterrollen hinweist. Auf diese Art zeigt dies der Erzähler: Von des gêres swaere hoeret wunder sagen! [...] den truogen kûme drîe Brünhilde man. („Hört Erstaunliches vom Gewicht des Gers! / Gut dreieinhalb Maß Metall war dafür verwendet worden. / Drei von Brünhilds Männern konnten ihn kaum tragen.“ 441,1–3). Und auch: Diu Brünhilde sterke vil groezlîche schein. man truoc ir zuo dem ringe einen swaeren stein, grôz und ungevüege, vil michel unde wel. in truogen kûme zwelfe, helde küene und snel. (Es zeigte sich, wie ungeheuer Brünhilds Stärke war. / Man brachte ihr zum Kampfplatz einen schweren Stein, / dick und gewaltig, gross und rund. / Zwölf Männer – kühne, starke Helden – konnten ihn kaum tragen. 449) Aber Brünhilds Kraft und Macht werden nicht als Großtaten betrachtet, wie es bei einem Mann der Fall wäre, sondern als böse und monströs: der ir dâ gert ze minnen, diu ist des tiuveles wîp („Die Frau, die Ihr gehert, die ist des Teufels Weib.“ 438,4), jâ sol si in der helle sîn des übeln tiuvels brût („Die Braut des bösen Teufels in der Hölle soll sie sein.“ 450,4). Denn sie ist eine Frau, aber Kraft und Gewalt sind Eigenschaften, die nie mit ihr verbunden werden sollten. Deshalb wird Brünhild verteufelt, und tatsächlich löst ihr Erscheinen in Isenstein Angst aus, im Gegensatz zu dem der Männer. Als Gunther und seine Begleiter sich Brünhilds Kraft bewusst werden, bereuen sie, dorthin gefahren zu sein. Jetzt müssen die Männer Brünhild vernichten, nicht nur, damit Gunther sie heiraten kann, sondern auch um ihre Männlichkeit unter Beweis zu stellen. In diesem Sinne sagt Hagen: nû hiezen wir ie recken. wie verliese wir den lîp, / suln uns in disen landen nû überwinden diu wîp! („Man nannte uns doch immer Helden. Wie verlieren wir das Leben, / wenn uns in diesen Ländern jetzt die Frauen überwinden!“ 443,3–4). Über diese Szene schreibt Werthschulte (2011): „Während des Kampfes befürchtet er nicht etwa den Verlust seines Lebens, sondern die weibliche Machtübernahme und den Verlust der männlichen Übermacht“ (S. 288). Im Kampf gegen diese Frau zu siegen, bedeutet für diese Männer in Wirklichkeit, die Störung der patriarchalischen Ordnung zu überwinden: „Dass Prünhilts Verhalten von der höfischen Weiblichkeitsnorm abweicht, muss sanktioniert werden“ (S. 288). Schließlich können sie dank der Kraft des Tarnmantels gewinnen. Danach verkündet Brünhild Gunther als Sieger des Turniers und gibt sich in seine Hand, und als das Volk vor Gunther kniet, kommentiert der Erzähler: Er gruozte’s minneclîche.
20 jâ was er tugende rîch. („Er nahm die Unterwerfung gnädig an. Er war ein vorbildlicher Herrscher.“ 468, 1). In diesem Satz steckt die Ironie der Zwiespältigkeit des Hofes: Gunther grüßt respektvoll als wohlerzogener König, aber in Wirklichkeit hat er sie gerade alle betrogen. Neben der Täuschung mit dem Tarnmantel führen Sigfried und Gunther noch eine weitere Lüge auf, die den Konflikt mit Brünhild maßgeblich bestimmen wird. Von ihrer Ankunft in Isenstein an agiert Siegfried als Gunthers Vasall: Er hält sein Pferd (397, 398), leistet ihm den Steigbügeldienst und sagt Brünhild direkt, dass Gunther sein Herr sei (420). Mit diesen Gesten, die die gesellschaftliche Hierarchie definierten, gelingt es, Brünhild davon zu überzeugen, dass Gunther der Herr und Siegfried der Vasall ist (Denk, 2002, S. 66); das heißt, dass sie nicht nur nicht weiß, dass Gunther sie im Turnier nicht schlagen konnte, sondern auch glaubt, dass er besser als Siegfried ist, der ja der Stärkste und damit in Brünhilds Augen der Mächtigste ist. 2.4. Die Eheschließungen Auf diese Weise getäuscht, muss Brünhild ihr Land verlassen. Die Schlussszene der achten Aventiure führt ein weiteres relevantes Thema in Bezug auf die Machtdynamik von Frauen und Männern ein, das später auch bei Kriemhild wiederholt werden wird: Die Beteuerung der Männer ihrer Macht und Autorität, indem sie ihre Frauen ihres Reichtums und damit ihrer Unabhängigkeit und Macht berauben, und das Bewusstsein und der Schmerz der Frauen über ihre Verluste. In dieser Szene muss Brünhild, da sie nun verheiratet ist, ihr Vermögen aufteilen und ihr Königreich verlassen. Dankwart verteilt das Gold, aber er gibt zu viel davon ab, deswegen wird Brünhild wütend und sie sagt zu Gunther: [›]Er gît sô rîche gâbe – jâ waenet des der degen, ich habe gesant nâch tôde. ich wil’s noch lenger pflegen (ouch trûwe i’z wol verswenden), daz mir mîn vater lie.‹ sô milten kameraere gewan noch küneginne nie. ([›] Er gibt so viel aus vollen Händen – er meint wohl, / ich hätte nach dem Tod gerufen. Ich will’s noch länder haben / (und kann’s schon recht verbrauchen), was mir mein Vater hinterliess. ‹ Einen so freigebigen Kämmerer hatte noch keine Königin gefunden.“ 518) Die Verwendung des Wortes tôde ist tatsächlich mit Brünhilds Situation verbunden, denn „Heiraten und Unterstansein ist dasselbe – für Frauen.“ (Lienert, 2003, S. 7). Insbesondere für eine mächtige Königin wie Brünhild, die ihre Individualität, Gewalt und
21 Unabhängigkeit verlieren wird, bedeutet Ehe so etwas wie den Tod. Nach dieser Rede entzieht Brünhild Dankwart die Kontrolle und vertraut das Vermögen ihren eigenen Kämmerern an, die sie bittet, das Gold in ihr Schiff zu legen, um es mitzunehmen (521). Eine ähnliche Szene ergibt sich später mit Kriemhild: Als Siegfried und Gunther nach Worms zurückkommen, hält der König sein Versprechen und verheiratet seine Schwester an Siegfried. Gunther und Siegfried haben einen Tausch gemacht, bei dem die Objekte Frauen sind, was ein Beispiel für die Objektivierung von Frauen ist, die damals „als Kampfpreis oder Belohnung“ betrachtet wurden (Lienert, 2003, S. 6). Zunächst ist dazu zu beobachten, wie die Frau den Männern ihrer Familie stets untergeordnet ist. Als Gunther zu Kriemhild sagt, dass er sie einem Mann versprochen hat, antwortet Kriemhild: ›vil lieber bruoder min, ir sult mich niht vlêgen, jâ wil ich immer sîn, swie ir mir gebietet, daz sol sîn getân. ich wil in loben gerne, den ir mir, herre, gebet ze man.‹ (›Liebster Bruder, / Ihr braucht mich nicht zu bitten. Ich werde immer tun, / was Ihr mir befehlt, das wird getan. / Mit Freuden nehme ich den, den Ihr mir, Herr, zum Mann gebt.‹ 613) Diese Rede belegt, dass Kriemhild Siegfried heiratet, nicht weil sie ihn liebt, sondern weil es ihre Schuldigkeit ist: „Es geht nicht um Gefühle, sondern um Macht und Recht der Brüder, die Schwester nach Gutdünken zu verheiraten; hier fügt sich die strukturelle Gewalt freilich zu Kriemhilds und Siegfrieds Neigung“ (Lienert, 2003, S. 6). Doch obwohl Kriemhild sich nicht traut, sich gegen die arrangierte Ehe zu wehren, tut sie es doch, als sie, wie Brünhild, ihres Vermögens beraubt wird. Als Kriemhild und Siegfried sich darauf vorbereiten, in Siegfrieds Land zu ziehen (11. Av.), die erste Sache, die Kriemhild fragt, ist: ›wenne sul wir varn? daz ich sô harte gâhe, daz heiz ich wol bewarn. mir suln ê mîne bruoder teilen mit diu lant.‹ leit was ez Sîvride, dô er’z an Kriemhilt ervant. (›Wann soll der Aufbruch sein? / Ich werde zu verhindern wissen, dass man mich zur Eile drängt. / Erst sollen meine Brüder die Länder mit mir teilen.‹ Siegfried missfiel das, als er es von Kriemhild hörte. 691) Siegfried scheint darüber verärgert, und als Kriemhilds Brüder anbieten, das Land zwischen ihrer Schwester und Siegfried zu teilen, antwortet Siegfried: ›got lâz iu iuwer erbe immer saelic sîn und ouch die liute dar inne. jâ getuot diu liebe wine mîn
22 Des teiles wol ze râte, den ir ir woldet geben. dâ si sol tragen krône, und sol ich daz geleben, si muoz werden rîcher, danne iemen lebendiger sî. swaz ir sus gebietet, des bin ich iu dienestlîchen bî.‹ (›Möge Gott Euch Euer Land / und die Leute drin im Glück erhalten. Meine liebe Frau verzichtet / auf den Anteil, den Ihr ihr geben wolltet. / Wo sie die Krone tragen soll, da wird sie – wenn ich es erlebe –, / reicher werden als irgend jemand auf der Welt. Ansosten bin ich Euch zu Diensten.‹ 694,3–695) Hier versucht Siegfried, Kriemhilds Besitz auszuschlagen: dies ist eine „Machtdemonstration“, um zu erklären, dass Kriemhild jetzt abhängig vom Status ihres Mannes ist (Lienert, 2003, S. 7). Aber wie Siegfried doch sagt, Kriemhild wird reich sein, solange er lebt: die Ehefrau hängt vom Leben des Ehemannes ab, um ihre Macht zu halten. Vor diese Auferlegung kann Kriemhild nichts machen, aber sie besteht darauf, ihre Vasallen mitzunehmen (696, 4), und auf diese Art brechen sie in Sigfrieds Land auf. In der Zwischenzeit fangen Brünhild und Gunther gerade ihre Ehe an. Schon als sie Isenstein verlassen, beschließt Brünhild, nicht mit Gunther zu schlafen, bis sie in Worms sind (528). Es ist klar, dass die Königin vermutet, dass ihr Mann nicht ganz ehrlich ist. Doch ihr Misstrauen wird noch verstärkt, als sie sieht, wie Siegfried sich am Hof verhält: Er sieht nicht mehr wie Gunthers Vasall aus. Als dann Sigfried Kriemhild heiratet und Brünhild sie zusammen am Kopfende des Tisches sieht, auf gleicher Höhe wie Gunther, kann sie die Situation nicht verstehen. Es ist für sie undenkbar, dass ein mitmaßlicher Vasall eine Prinzessin heiratet. Daher weint sie und sagt zu Gunther: ›umbe dîne swester ist mir von herzen leit. / die sihe ich nâhen sitzen dem eigenholden dîn. / daz muoz ich immer weinen, sol si alsô verderbet sîn.‹ („›Deine Schwester tut mir von Herzen leid. / An der Seite Deines Eigenmannes sehe ich sie sitzen. / Darüber muss ich immer weinen, wenn sie so erniedrigt wird.‹“ 620,2–4) Aber Gunther erhält die Lüge aufrecht, und Brünhilds Verdacht steigt weiter, deshalb will sie noch nicht mit ihrem Ehemann schlafen. Mit ihrem sabenwîzem hemede („Hemd aus weißen Saben“ 632,1) sagt Brünhild zu Gunther im Bett: ich wil noch magt belîben (ir sult wol merken daz), / unz ich diu maer ervinde. („Ich will noch Jungfrau bleiben (nehmt das zur Kenntnis), / bis ich alles weiss.‹“ 635,3–4). Damit bittet Brünhild Gunther, ihr die Wahrheit zu sagen, aber er tut dies nicht, sondern er beharrt weiter darauf, do ranc er nach ir minne und zervuort ir diu kleit („Da rang er mit Gewalt um ihre Liebe und zerriss ihr das Hemd.“ 636,1), woraufhin Brünhilde sich wehrt:
23 Die vüeze und ouch die hende si im zesamme bant. si truoc in z’einem nagele und hienc in an die want, dô er si slâfes irrete. Die minne si im verbôt. jâ hêt er von ir krefte vil nâch gewunnen den tôt. (Die Füße und die Hände band sie ihm zusammen. / Sie trug ihn zu der Wand und hängte ihn an einen Nagel, / als er sie am Schlafen hinderte. Sie ließ nicht zu, dass er sie liebte. / Sie hätte ihn mit ihren Kräften beinahe umgebracht. 637) In dieser Szene wird noch einmal ein großer Gegensatz zwischen Brünhilds Kraft und Gunthers Machtlosigkeit vorgestellt: Gunther kann nur Brünhild bitten, und sie lässt ihn bis zum Sonnenaufgang hängen. Dies bedeutet ein brutaler Angriff gegen Gunther als Mann und König, wie Brünhild selbst sagt: ›Nû sagt mir, her Gunthêr, ist iu daz iht leit, ob iuch gebunden vünden‹, sprach diu schoene meit, ›die iuwern kameraere von einer vrouwen hant?‹ (›Sagt mir doch, König Gunther, ist Euch das nicht peinlich‹, / sagte die schöne Jungfrau, ›dass Euch / Eure Kämmerer von Frauenhand gefesselt finden könnten? ‹ 640,1–3) Gunther weiß, dass die Ehe erst vollzogen ist, wenn sie miteinander schlafen, ebenso wie er weiß, dass dies sein Recht als Ehemann und Brünhilds Schuldigkeit als Ehefrau ist. Deshalb muss Gunther es gelingen, dass er die Ehe vollzieht und seine Männlichkeit und Machtposition errettet, aber er muss sie auch bestrafen, nicht nur weil sie ihre Pflicht verletzt hat, sondern auch weil sie ihn lächerlich gemacht hat. Pafenberg (1995) betrachtet diese Szene als „two examples of gender transgression“, und sie schreibt: „Although both transgressions are criticized, only one –Brünhild’s– is punished. In a warrior culture a woman with potential power poses a greater threat than a peace-loving ruler whom the Warriors can control“ (S. 109). In dieser Arbeit werden mehrere Fälle von geschlechtsspezifischen Übertretungen analysiert, und es wird festgestellt, dass nur Frauen (von Männern) bestraft werden, obwohl der Erzähler sie am Ende alle vernichten wird. In diesem Fall spricht Gunther am folgenden Tag mit Siegfried, der dem König sofort helfen will. Sigfried sagt zu ihm, dass Kriemhild sich sehr gut verhalten habe, und dass Brünhild das gleiche machen müsse (652). In diesem Sinne bringt Brüderlichkeit Siegfried dazu, Gunther bei der Zähmung seiner Frau zu helfen, weil er auf diese Weise auch zur Aufrechterhaltung der patriarchalischen Ordnung beiträgt. Daher plant Siegfried, wie dies zu erreichen sei, und er erklärt schließlich zu Gunther, dass er in der Nacht Gunthers und Brünhilds Zimmer mit seinem Tarnmantel betreten wird, und dann, sô twinge ich dir dîn wîp, / daz dû si hînte minnest, oder ich verliuse mînen lip.‹ („Dann
24 bezwinge ich Dir Deine Frau, / dass Du sie heute nach beschläfst, oder ich verliere mein Leben.“ 654,3–4). Es ist wichtig darauf hinzuweisen, dass Siegfried den Tarnmantel braucht, damit Brünhild ihn nicht sehen kann, aber auch, um sie zu besiegen, da er ohne den Tarnmantel nicht stärker als sie ist. Gunther erwidert wie folgt: ›Âne daz dû iht triutest‹, sprach der künic dô, ›die mîne lieben vrouwen, anders bin ich es vrô. sô tuo ir, swaz dû wellest! und naemest ir den lîp, daz sold ich wol verkiesen. si ist ein vreislîchez wîp.‹ (›Wenn Du / meine liebe Herrin nicht beschläfst, bin ich einverstanden. / Mach mit ihr, was Du willst! Und wenn Du ihr das Leben nähmst, / würde ich das leicht verschmerzen. Sie ist ein fürchterliches Weib.‹ 655) Gunther kümmert sich nicht um die Sicherheit oder selbst das Leben seiner Frau, sondern um seinen eigenen Stolz. Sigfried darf nicht mit Brünhild schlafen, weil dies eine Beleidigung für Gunther wäre. Außerdem ist das Ziel dieses Plans, dass „die Defloration als Mittel der Rehabilitation von Gunthers beschädigter Männlichkeit gebraucht wird.“ (Lienert, 2003, S. 11), daher darf Sigfried mit ihr nicht schlafen. Dann kommt die Nacht und Sigfried tritt in Brünhilds und Gunthers Zimmer ein. Sobald Siegfried versucht, Brünhild zu berühren, die glaubt, dass er Gunther sei, fängt einer brutaler Kampf zwischen ihnen beiden an. Obwohl Sigfried den Tarnmantel trägt, verletz Brünhild ihn schwer, und er befürchtet sogar, dass er nicht in der Lage sein wird, sie zu überwinden: ›Ôwê‹, dâht der recke, ›sol ich nû mînen lîp von einer magt verliesen, sô mugen elliu wîp her nâch immer mêre tragen gelfen muot gegen ir manne, diu ez sus nimmer getuot.‹ (›Ach‹, dachte der Held, ›verliere ich mein Leben / durch eine Jungfrau, dann/ trumpfen künftig alle Frauen / gegen ihre Männer auf, die es sonst niemals täten. ‹ 637) Dies zeigt die wahre Motivation hinter dieser Szene: Sie bestrafen Brünhild für ihre Aufmüpfigkeit und damit senden sie eine Warnung an alle anderen Frauen. In diesem Moment gibt die Scham, möglicherweise von einer Frau bezwungen zu werden, Sigfried Kraft, und er schafft es, Brünhild aufzuhalten, indem er sie hart schlägt: er druhte’s an daz bette, daz si vil lûte schrê. ir tâten sîne krefte harte groezlîchen wê. (Er presste sie ans Bett, dass sie brüllte. / Mit seinen Kräften tat er ihr gewaltig weh. 676,3–4)
25 dô wert ez sô sîn hant, daz ir diu lit erkrachten und ouch al der lîp. des wart der strît gescheiden. dô wart si Gunthêres wîp. (Das wehrte seine Hand so ab, / dass ihre Glieder und ihr ganzer Körper krachten. / Damit war der Kampf beendet. Da wurde sie Gunthers Frau. 677,2–4) In dieser Szene greift Siegfried Brünhild an, sodass Gunther sie vergewaltigen kann. Dies Beispiel expliziter und brutaler Gewalt gegen Frauen ist für diese Männer nur das notwendige Mittel, um die patriarchalische Ordnung aufrechtzuerhalten, und sie erreichen ihr Ziel: „Im Kampf um die patriarchale Vorherrschaft ging es darum, Frauen physisch und sexuell zu unterwerfen und innerhalb der Institution der Ehe abhängig zu machen“ (Sauter-Bailliet, 1984, S. 100). Sowohl im Kampf am Isenstein als auch jetzt bei der Vergewaltigung gelingt es den Männern, Brünhild zu schwächen und zu unterwerfen. Der Erzähler markiert Brünhilds Verlust der Jungfräulichkeit und damit die vollkommene Unterwerfung unter ihren Ehemann als den exakten Punkt, an dem Brünhild ihre Kraft und Individualität völlig verliert: hei, waz ir von der minne ir grôzen krefte entweich! / Dône was ouch si niht sterker dann ein ander wîp. („Wie ihre grossen Kräfte durch die Liebe schwanden! / Da war auch sie nicht stärker als eine andere Frau.“ 681,4–682). Tatsächlich betrachtet Sauter-Bailliet (1984) „die Verbindung von Jungfräulichkeit und einem ungezähmten oder unabhängigen Willen“ wie ein wiederkehrendes Phänomen (S. 100); und im Brünhilds Fall waren eigentlich ihre Kraft und ihre Individualität voneinander abhängig: Die Stärke [ist] zur Fundierung von Brünhilds Machtposition insofern von Bedeutung als sie sicherstellt, dass durch die Triumphe im Brautwerbungswettkampf Brünhilds Herrscherinnenposition erhalten bleibt und sie nicht einen ihrer Freier ehelichen muss. (Renz, 2006, S. 20) Erst wurde sie in Isenstein betrogen, damit verlor sie ihre soziale Stellung, und nun wird ihr die letzte Kraft genommen, ohne die sie sich nicht mehr wehren kann. Ohne ihre Unabhängigkeit ist Brünhild Gunther und jedem Mann untergeordnet: Order is restored by sunrise after the nighttime transgressions in the Nibelungenlied. Restored order means restored segregation of genders. In the case of Brünhild, whose spheres and means of action have been wholly male, this means she nearly disappears from the story. (Pafenberg, 1995, S. 109) Siegfried und Gunther haben Brünhild fast wie Vieh gezähmt und damit die Geschlechterrollen wiederhergestellt und ihr Patriarchat einen weiteren Tag geschützt.
32 ihr leid tut“ 858,1–2). Tatsächlich werden die Könige die beiden Frauen für ihre Streit bestrafen, weil es ihre Pflicht ist, dafür zu sorgen, dass ihre Frauen die Geschlechterrollen einhalten und ein Vorbild für andere sind. Für Männer ist Gewalt notwendig, um die Unterordnung der Frauen zu gewährleisten, und somit das patriarchalische Gleichgewicht zu erhalten. In dieser Hinsicht betonen sie ihre Haltung: ›Man sol vrouwen ziehen […] daz si üppeclîche sprüche lâzen under wegen. verbiut ez dînem wibe! der mînen tuon ich sam. ir grôzen ungevüege ich mich waerlîche scham.‹ (›Man soll Frauen so erziehen […] / dass sie unnützes Reden bleiben lassen. / Verbiet es Deiner Frau! Ich verbiete es der meinen. / Ich schäme mich sehr für ihre Ungezogenheit.‹ 862) Tatsächlich geht Hagen in der nächsten Aventiure zu Kriemhild und sie sagt zu ihm: Daz hât mich sît gerouwen, sprach daz edel wîp. ›ouch hât er dar umbe zerblouwen mînen lîp. daz ich ez ie geredete, daz beswaeret ir den muot, daz hât vil wol errochen der helt küene und guot.‹ (Später hat mich das gereut, sagte die Königin. / ›Auch hat er mich dafür verprügelt. / Wenn ich jemals etwas sagte, das sie kränkte, hat das der kühne, tapfere Held vollauf gerächt.‹ 894) Dies ist ein weiteres Beispiel von direkter männlicher Gewalt zu Frauen im Werk. Obwohl es unter den Frauen keine Geschwisterlichkeit gibt, berücksichtigen die Männer die Brüderlichkeit, denn sie ist notwendig, um die patriarchalische Gesellschaft aufrechtzuerhalten. Gewalt gegen Frauen ist eine der Arten, mit denen Männer zeigen, dass sie an der Erhaltung dieses Systems beteiligt sind. Deshalb verteidigen die Männer in dieser Szene und bei den Schlägen nicht nur ihre Machtposition im System, sondern auch die jedes Mannes. In diesem Sinne schreibt Lienert (2003): „Gewalt hat schon semantisch (mindestens) zwei Aspekte: Gewalttat und Macht […] und um den Faktor Macht geht es auch bei der Gewalttätigkeit: Gewalt als Voraussetzung von Macht innerhalb der Hierarchie der Männer wie zwischen den Geschlechtern“. (S. 4) Als Siegfried daher seine Hand hebt, um zu schwören, dass er nie behauptet habe, dass er mit Brünhild geschlafen habe –denn er hat nicht– sagt Gunter ihm sofort: ›mir ist sô wol bekant / iuwer grôz unschulde. („›Ich weiß jetzt sicher, / dass Ihr ganz und gar unschuldig seid.‹“ 860,2–3), und er erlässt ihm den Eid.
33 Abschließend macht die Szene des Königinnenstreits die Täuschung des Hofes und der Hofgesellschaft sichtbar: „Die höfische Welt wird ausgehöhlt von den Kräften und Motivationen, die im Verborgenen agieren und deren Logik der Macht sich auf die Gewalt und das Gesetzt des Stärkerem stützt“ (Millet, 2008, S. 213). In dieser Hinsicht werden Siegfried, Gunther und Hagen als Figuren vorgestellt, die eine Doppelmoral offenbaren, denn obwohl sie sich als Vermittler präsentieren, sind sie in Wirklichkeit die Ursache des gesamten Konflikts. Während Siegfried und Hagen Brutalität und Gewalt als Echo der Heldenzeit verkörpern, steht Gunther als Repräsentant des Hofes, der versucht, treu und zivilisiert zu sein, aber letztlich manipuliert wird, und obwohl er selbst keine Gewalt anwendet, benutzt er andere, um sie auszuüben, sodass er seine Ziele erreichen kann. Die Machtverhältnisse am Hof sind immer noch von Gewalt und Betrug und natürlich von einem ausgeprägten Patriarchat gekennzeichnet, und deswegen sollten Frauen im System keine Rolle spielen. Obwohl diese Szene zeigt, wie Frauen auch Manipulationen einsetzen, um sich Macht zu erkämpfen, ist es ein Kampf, der nicht ihnen gehört. Mit diesem Streit gefährden die Königinnen die Fassade des guten Benehmens und der friedlichen Lösung von Konflikten, die der Hof zu vermitteln sucht, und sie werden dafür geschlagen werden, ebenso wie für ihren Stolz und ihre Gier, Werte, die eine Frau nicht haben und noch weniger zeigen sollte. Darüber hinaus spiegelt diese Szene die Unterschiede zwischen weiblicher und männlicher Machtund Konfliktdynamik und deren Folgen wider. Obwohl beide Geschlechter um ihre Stellung und ihren Stolz besorgt sind, besteht der Unterschied darin, dass Königinnen vom Status ihrer Ehemänner abhängig sind, daher verwenden sie diesen, um einander anzugreifen. Männer hingegen lassen sich gar nicht erst auf Konflikte ein, sondern unterstützen sich gegenseitig bei der Aufrechterhaltung der patriarchalischen Blase, die ihre Macht sichert. Die Handlungen, die zu diesem Streit führten, basierten auf den Interessen der Männer und der Gewalt, die sie ausübten, um diese zu erreichen, und die Folgen dieser Diskussion werden zu den gleichen Ergebnissen führen.
34 4. Der Fall 4.1. Die Ermordung Siegfrieds Die unmittelbare Folge des Streits der Königinnen, die den gesamten letzten Teil der Geschichte prägen wird, ist der Mord an Siegfried. Dies wird durch Kriemhilds Angriff auf Brunhild provoziert, der Hagen einen Vorwand liefert, Siegfried zu töten. So verschwinden die beiden mythischen Figuren –Siegfried und Brunhild– aus der Handlung und machen Platz für Kriemhild und Hagen, die die Gewalt und Selbstzerstörung der höfischen Gesellschaft vollständig aufdecken und durchführen werden. Obwohl Siegfried und Gunther ihre Brüderlichkeit vertiefen, nutzt Hagen diesen Konflikt, um Siegfried loszuwerden. Am Ende der Szene kommt Hagen zu Brünhild und sagt zu ihr daz ez erarnen müese der Kriemhilde man / oder er wolde nimmer dar umbe vroelîch gestân. („dass Kriemhilds Mann es büßen müsse / oder er wolle wegen dieser Sache nie mehr froh sein.“ 864,3–4) Damit findet Hagen eine Ausrede, um Siegfried zu ermorden, obwohl seine wahre Motivation nicht mit Brünhild, sondern mit ihm selbst verbunden ist: An der Oberfläche der höfischen Welt ist Siegfried nicht mächtiger als die anderen Könige, aber in der heroischen Welt, die der anderen zugrunde liegt und die seit der Ankunft Siegfrieds und Brünhilds immer mehr in den Vordergrund tritt, stellt der stärkste Mann eine Bedrohung für die übrigen Menschen dar, und das ist Siegfried. Darüber hinaus sieht Hagen in dieser Situation die Gelegenheit, den Nibelungenschatz zu rauben, ein Interesse, das der Erzähler bereits in der dreizehnten Aventiure erwähnt hat, als Hagen sagt: hort der Nibelunge beslozzen hât sîn hant. / hei, sold er kumen iemer in der Burgonden lant! („Den Schatz der Nibelungen hat er in seiner Hand. / Käme der doch einmal nach Burgund!“ 774,3–4). Deshalb startet Hagen die Verschwörung gegen ihn und alle stimmen zu, außer Gunther, der einmal mehr das höfische Rechtssystem verkörpert, und sich daher gegen Gewalt wendet; aber er vertritt auch die Doppelsichtigkeit seiner Welt, denn er lässt sich schließlich überreden und den Mord am Ehemann seiner Schwester zul. Diese Verschwörung ist ein weiteres Beispiel für die Falschheit dieser ritterlichen Welt: Es wird gezeigt, dass die auf Sichtbarkeit gebaute höfische Welt Gunthers und seiner Brüder nur Schein und Gestik ist, denn sie erweist sich als unfähig, selber zu handeln, und kann ihre Ziele nur durch Täuschung und Inszenierung erlangen“ (Millet, 2008, S. 206)
35 Außerdem verwenden die Mörder die Ausrede, dass Siegfried ein Ritter sei, der aus einer anderen Welt als ihrer eigenen komme (Müller, 2015, S. 92). Aber sie sind wirklich ein und dasselbe, was nicht nur durch die Geschehnisse vor Siegfrieds Tod und durch seine Ermordung bewiesen wird, sondern auch durch all das, was nach Siegfrieds Tod geschehen wird, wo die Gewalt bis zur Zerstörung des Burgundenhofes anhalten wird. Nach der Ermordung legt Hagen seine wahren Beweggründe dar: Dô sprach der grimme Hagene: ›jâne weiz ich, waz er kleit. Allez hât nû ende, unser sorge und unser leit. Wir vinden ir vil wênic, die getürren uns bestân. Wol mich, deich sîner hêrschaft ze râte hân getân!‹ (Da sagte der schreckliche Hagen: ›Ich weiß nicht, warum er klagt. / Alles ist doch jetzt zu Ende, unsere Sorge, unser Leid / Es gibt keinen, der es wagt, mit uns zu kämpfen. / Wohl mir, dass ich seine Überlegenheit beseitigt habe!‹ 993) Gleichzeitig hat Hagen noch ein anderes Motiv: Krimhilds Macht abzunehmen. Als Ehefrau des stärksten Mannes ist Kriemhild die mächtigste Frau am Nibelungenhof, aber ihr Rang ist von Siegfrieds Leben abhängig: But for her wealth and power, Kriemhild is not only dependent on Siegfried, but on his staying alive […] Indeed, it is the recognition and fear of Kriemhild’s potential power, initially through her marriage to Siegfried and later because of the Nibelungen treasurea power to which she, as a woman in heroic culture, is not entitledwhich in part motivates Hagen to murder Siegfried and then steal and sink the Nibelungen treasure. (Pafenberg, 1995, S. 110) In diesem Moment ist Kriemhild hilflos, aber sie beginnt sich zu bewegen, um ihre Situation zu ändern. Als sie nach dem Nibelungenschatz schickt und Krieger rekrutiert, tut sie dies, um sich auf das Urteil wegen des Mordes an ihrem Mann vorzubereiten; mit dem Gold gewinnt sie sich die Loyalität zahlreicher mächtiger Krieger (1128). An diesem Punkt wird Kriemhild zu einer Bedrohung für Hagen und das patriarchalische System (Millet, 2008, S. 213). Diese Männer müssen diese Bedrohung beseitigen, so wie sie es mit Brünhild getan haben, und daher wird Kriemhilds Urteil verweigert und ihr Gold weg genommen, um ihr die um ihr die einzige Macht zu nehmen, die ihr als Witwe geblieben ist. Außerdem ist bereits bekannt, dass Hagen den Schatz für sich haben will, daher wirft er ihn in den Rhein, in der Hoffnung, ihn eines Tages wiederzubekommen. Hagen wird dabei von den anderen unterstützt, denn obwohl Gunther sich zunächst weigert, lässt er sich wie bei Siegfrieds Ermordung bald überreden (1131). Damit kommt zu der Ermordung Sigfrieds der Raub des Schatzes hinzu, der Kriemhilds Situation verschlimmert und ihren Ärger noch steigert, und der ein weiteres Beispiel von
36 Verdoppelung erschafft (Müller, 2015, S. 69): „Die neuerliche Tränen der Frau sind nicht nur auf ihre Liebe zurückzuführen, sondern auch auf ihren gesellschaftlichen Verlust“ (Millet, 2008, S. 213). Hagens Angriffe auf Kriemhild werden weitergehen, und mit ihnen wird Kriemhilds Zorn stetig zunehmen. Über die Ermordung Siegfrieds schreibt Lienert (2003): „Über kurz oder lang werden Männer zu den Werkzeugen weiblicher Rache, weiblicher Gewalt“ (S. 15). Einerseits bezieht sich die Autorin auf die Tatsache, dass sich Brünhild durch Hagen an Siegfried und Kriemhild rächt: „Gewalt von Frauen ist nicht ‚autonom‘: In Brünhilds Rache für die Beleidigung übt ein Mann (Hagen) stellvertretend Gewalt an einem anderen Mann (Siegfried) aus“ (S. 14). Deswegen konspiriert Brünhild auch mit Hagen, wie der Erzähler in der Mordszene (Av. 16) aufdeckt: z’einem kalten brunnen verlôs er sît den lîp. / daz hêt geraten Brünhilt, des künic Gunthêres wîp. („An einer kalten Quelle verlor er dann das Leben. / Das hatte Brünhild angestiftet, König Gunthers Frau.“ 917,3–4) Und auch wie Kriemhild vermutet: ez hât gerâten Brünhilt, daz ez hât Hagene getân („Brünhild hat es angestiftet, Hagen hat es getan“ 1010,4). Andererseits ist Kriemhild, obwohl sie nicht so direkt wie Brünhild konspiriert, zum Teil mitschuldig an Siegfrieds Tod. Auf der einen Seite provoziert sie den Konflikt mit Brünhild, der zur Verschwörung führt. Auf der anderen Seite zeigt sie Hagen Siegfrieds verwundbare Stelle, dank der Hagen Siegfried ermorden kann (Rasmussen, 1997, S.77f). Und obwohl sie es bereut, weil sie merkt, dass Siegfried in Gefahr ist, warnt sie aus Angst den Ehemann nicht, denn dies geschieht kurz nachdem Siegfried sie bestraft hat (894). Um keine weiteren Schläge zu erhalten, warnt sie Siegfried nicht vor dem geplanten Anschlag: Dô gedâhte’s an diu maere (sine torst ir niht gesagen), diu si dâ Hagene sagete. Dô begunde klagen diu edel küniginne, daz si ie gewan den lîp. Dô weinete âne mâze des herren Sîvrides wîp. (Da dachte sie an das (sie wagte es nicht zu gestehen), / was sie Hagen gesagt hatte. Da brach die / die hochgeborene Königin in Klagen aus, dass sie je geboren wurde. 920) In diesem Sinne stellt Lienert (2003) heraus, dass Gewalt hier noch ein indirekter Grund für Siegfrieds Tod ist: „Die Prügel bewirken nur eines, nämlich dass Kriemhild es nicht wagt, Siegfried ihre Geschwätzigkeit zu gestehen, als sie es vor der Jagd mit der Angst um ihn zu tun bekommt […] Somit ist Siegfrieds häusliche Gewalt gegenüber seiner Ehefrau indirekt eine Ursache seines Tods. (S. 15)
37 Nach dem Verlust ihrer Ehre durch den Streit und die sehr wahrscheinliche Bestrafung durch ihren Mann –wenn Gunther die Vereinbarung mit Siegfried befolgt– verschwindet Brünhild aus der Geschichte. Tatsächlich wird sie noch einmal zu Beginn des zweiten Teils genannt (Av. 24), als die Botschafter Etzels versuchen, sie zu sehen, aber sie wird von der Gesellschaft völlig ausgeschlossen: ›Jâne ist mîn vrouwe Brünhilt nû niht sô wol gemuot, daz ir si muget schouwen‹, sprach der ritter guot. ›bîtet unz morgen, sô lât man’s iuch sehen!‹ Dô si si wânden schouwen, dône kund es niht geschehen. (›Königin Brünhild ist leider nicht in der Verfassung, / dass Ihr sie sehen könnt‹, sagte der tapfere Ritter. / ›Wartet bis morgen, dann lässt man Euch bei ihr vor!‹ / Als sie dann meinten, sie zu sehen, war es doch nicht möglich. 1486) Kriemhild ist nach dem Streit und der Ermordung Siegfrieds weiterhin in der Geschichte präsent, aber passiv, ohne Macht und Geld. Dennoch wird sie aus dieser Position wieder herauskommen. Kriemhilds Leid wird sich in Kraft und Rache verwandeln (Henry, 2008, S. 4), und damit wird sie von Passivität zu Aktivität wechseln (Frank, 2004, S. 115) und das Ende des Nibelungenhofs einleiten. In Bezug auf Kriemhilds Veränderung schreibt Pafenberg (1995), „Brünhild does not, in fact, disappear; rather she takes on another form, that of Kriemhild“ (S. 109). In gewisser Weise wird Brünhilds Fähigkeit der Übertretung der Geschlechterrollen an Kriemhild weitergeben, und damit wird der Burgundenhof zerstört werden. 4.2. Die Rache Kriemhilds Die Zerstörung des Nibelungenhofes wird in diesem letzten Teil der Erzählung von Kriemhild ausgelöst, durch einen blutigen Krieg gegen die Männer, die ihr Position beschädigt haben. Besonders Hagen, als Mörder Siegfrieds und Zerstörer Kriemhilds, wird zum Hauptfeind der Frau; Sie fokussiert ihre Rache auf ihn, und ebenso stellt Hagen Kriemhild in Vertretung von Siegfried als seine neue Gegnerin auf (Rasmussen, 1997, S. 78). Von dem Moment der Ermordung an, beschäftigt sich Hagen damit, Kriemhild zu ruinieren: „dahinter steht, wie bei den anfänglichen Ressentiment gegen Brünhild, auch eine grundsätzlich ‚männliche‘ Abwehr weichlicher Autonomie“ (Lienert, 2003, S. 15). Kriemhild durchläuft nach der Ermordung Siegfrieds zwei sehr ausgeprägte Trauerphasen: Zunächst stellt sie sich als „Opfer der Tat“ dar (Frank, 2004, S. 131), d.h.,
38 sie reagiert so, wie es eine Frau tun sollte, die gerade ihren Mann verloren hat, und wie sie wusste, dass sie in dieser Situation reagieren sollte, wie sie in der Szene des Falkentraums vorschlagen hat. Ihre Klage wird mehrmals vom Erzähler wiedergeholt: Kriemhilde jâmer wart ummâzen grôz („Kriemhilds Klage ging über alles Maß“ 1009,3), daz bluot ir ûz dem munde von herzen jâmer brast („Das Blut schoss ihr vor Herzensjammer aus dem Mund.“ 1010,2), diu ir vil liehten ougen vor leide weineten bluot. („Vor Kummer weinten ihre klaren Augen Blut.“ 1069,4). Durch diese Bilder baut der Erzähler für Kriemhild ein Bilde der Heiligkeit (Frank, 2004, S. 133) und Treue auf: Dâ man begruop ir vriedel, wie selten si daz lie, mit trûregem muote si alle zît dar gie. si bat got, den guoten, sîner sêle pflegen. vil dicke wart beweinet mit grôzen triuwen der degen. (Zum Grab ihres Liebsten / ging sie allezeit voll Trauer. / Sie bat den lieben Gott, sich seiner Seele anzunehmen. / Unablässig wurde der Held in großer Treue beweint. 1103) […] Nâch Sîvrides tôde (daz ist alwâr) si wonte in manigem sêre driuzehen jâr, daz sie des recken tôdes vergezzen kunde niht. si was im getriuwe. des ir diu meiste menige giht. (Nach Siegfrieds Tod (das ist die Wahrheit) / lebte sie in Schmerz und Trauer dreizehn Jahre / und konnte den Tod des Helden nicht vergessen. / Sie hielt ihm die Treue. Das sagt alle Welt. 1142) In Bezug auf Kriemhilds Verhalten schreibt der Erzähler tatsächlich, man mohte ir michel tugende kiesen wol dar an. („Man konnte daran sehen, was für eine gute Frau sie war.“ 1105,2). Hier wird Kriemhild dargestellt, wie eine traue Frau, die die Geschlechterrolle und die christliche Werte verkörpert. Laut Frank (2004): Diese positive Wertung ihres Verhaltens, verbunden mit der Tatsache, dass der Erzähler das Leid Kriemhilts detailliert schildert, macht augenfällig, dass in einer solchen Inszenierung die Frau völlig den vom (männlichen) Erzähler an sie gerichteten Erwartungen entspricht. Der Erzähler verleiht Kriemhilt deutliche Züge einer (säkularisierten) mulier religiosa – ähnlich der Sigune in Wolframs Parzival. (S. 134) Die Rolle der Frau beim Tod des Geliebten wurde durch eine ewige Treue zum Mann definiert. Und, wie Frank behauptet, gibt es eine klare Parallele zwischen Kriemhilds Reaktion und anderer Frauenfiguren der mittelalterlichen Literatur wie Sigune und Herzeloyde im Parzival. Gleichfalls schreibt Bumke (1991) über Herzeloyde: „Für den Erzähler offenbart Herzeloydes Verhalten nach Gahmurets Tod eine vorbildliche frauliche Gesinnung, die in den Rang religiöser Verdienstlichkeit gehoben wird“ (S. 58).
39 Diese Werte können in dieser Hinsicht auf Kriemhild zutreffen, die hier als vorbildliche Frau geschildert wird. Das Motiv die Klage der Frauen wird oft in mittelalterlicher Literatur verwendet, um die weiblichen Figuren zu analysieren. Laut Henry (2008) führt dieses Motiv in einigen Fällen dazu, die Kraft der Frauen zu erforschen (S. 3), und dies findet man bei Kriemhilds Geschichte: The poet of Nibelungenlied […] constructs the widow Kriemhild’s lament as a path to power and presents her expression and enactment of grief as highly threatening […] Kriemhild transgresses the conventional boundaries of the lamenting lady to express her desire and power in the world of men, and she is consequently depicted as a dangerous she-devil who must be destroyed. (S. 4) Obwohl sich Kriemhild am Anfang als ein passives Opfer verhält, verwandelt sich ihr Leiden in Hass und ihre Passivität in Aktion. Diese Traurigkeit war jedoch immer Wut im Herzen, denn man kann analysieren, wie Kriemhild seit Siegfrieds Ermordung ihre Entscheidungen auf rationale Weise trifft, um den Sieg ihrer Rache zu sichern: „Der Racheplan ist also bei allem, was Kriemhild tut, durchgängig präsent“ (Haug, 1987, S. 16). Zuerst will Sigmund, Siegfrieds Vater, sofort nach der Nachricht des Mords die Schuldigen angreifen, aber Kriemhild hält ihn davon ab: herre Sigemunt, ir sult ez lâzen understân, unz ez sich baz gevüege. sô wil ich mînen man immer mit iu rechen. der mir in hât benomen, wird ich des bewîset, ich sol im schedelîche komen. (Siegmund, lasst es auf sich beruhen, / bis es sich besser fügt! Dann will ich meinen Mann / immer mit Euch rächen. Der ihn mir genommen hat – / macht man mir den namhaft, geht es ihm schlecht von mir. 1033) Nach Ehrismann (1998): „She desires a successful outcome to her plan for revenge, and that becomes abundantly clear when she prevents Siegmund from acting recklessly and spontaneously after the death of his son“ (S. 26). Kriemhild wird so lange warten, bis sie die Mittel zur Rache hat und ihr Sieg sicher ist. Als Hagen ihr den Nibelungenschatz wegnimmt, beraubt er sie einem Mittel zur Rache, und deshalb muss Kriemhild auf die nächste Gelegenheit warten, die sich ihr mit Etzels Heiratsantrag bietet: „Kriemhild setzt Weiblichkeit (ihren Körper, die Geburt eines Sohnes, ihr vorbildlich weibliches Benehmen) als Mittel ein, Macht und damit die Möglichkeit der Ausübung von Gewalt zu erlangen“ (Lienert, 2003, S. 16). Kriemhild, die ohne Ehemann und Schatz entmachtet ist, kann ihre Macht durch eine weitere Heirat wiedererlangen. Außerdem stellt Haug (1987) das Folgende heraus: „Was sich dabei nach außen hin als totales Sicheinfügen in
40 eine vorgegebene Form darstellt, das wird somit letztlich dazu benützt, gerade das zu zerstören, wofür diese Form steht: die Versöhnung in höfischer Idealität” (S. 16). Obwohl Kriemhilds Brüder denken, dass sie ein zweites Mal der Ehe zustimmen wird, dieses Mal geht sie strategisch vor. Als Etzels Boten eintreffen, lehnt sie jedoch zunächst den Heiratsantrag ab (1219 f.), da sie noch in Trauer ist: ir wât was vor den brüsten von heizen trehen naz. („Heiße Tränen flossen bis zur Brust über ihr Gewand.“ 1228,3). Der Erzähler betont weiterhin ihre beispielhafte Treue zu Siegfried. Doch dann wird der Racheplan, den Kriemhild hinter der Fassade der Opferrolle verbirgt, wieder deutlich: Der Erzähler führt diesen ein, indem er die Rede der Boten König Etzels auf die Macht (1235) und die Ritter (1236) konzentriert, die Kriemhild besitzen wird, wenn sie heiratet: ›Dar zuo gît iu mîn herre […] gewalt den aller hoehesten […] den sult ir gewalteclîche haben vor Etzelen man.‹ („Und weiterhin gibt Euch mein Herr […] die ganze Fülle der Macht […] Die sollt Ihr als Herrscherin über Etzels Vasallen haben.“ 1237). Aber Kriemhild hat sechzehn Jahre gewartet und muss sicher sein, dass ihr Plan aufgeht, daher ändert die Königin ihre Meinung erst, als der Ritter Rüdiger ihr Treue und Rache schwört: ›sô swert mir eide, swaz mir iemen getuot, / daz ir sît der naehste, der büeze mîniu leit!‹ („›Dann schwört mir Eide, was man mir auch antut, / dass Ihr der erste seid, mein Leid zu rächen!‹“ 1257,2–3). Dann denkt Kriemhild: waz ob noch wirt errochen des mînen lieben mannes lîp? („Wie, wenn mein lieber Mann noch gerächt wird?“ 1259,4), und ihr Plan beginnt aufzugehen. Später, in Etzels Land, bestätigt Kriemhild sogar, dass ihre Entscheidung, ihn zu heiraten, einzig und allein darauf beruhte, ihre Rache zu ermöglichen (McConnell, 1998, S. 182): Ez lac ir an dem herzen spâte unde vruo, wie man si âne schulde braehte dar zuo, daz si müese minnen einen heidenischen man. die nôt die hêt ir Hagene unde Gunthêr getân. (Von früh bis spät lag es ihr auf der Seele, / wie man sie ohne Grund dazu bringen konnte, / dass sie die Frau eines Heiden wurde. / In dieses Unglück hatten Hagen und Gunther sie gestürzt. 1395) Hagen und Gunther sind schuld, weil sie Kriemhild zur Heirat gezwungen haben, denn nur so kann sie ihre Macht zurückbekommen –die sie ihr genommen haben– und sich so rächen –für etwas, das sie getan haben–. Auch hier zeigt sich wieder, dass Kriemhild nicht nur um den Tod ihres Geliebten weint, sondern auch um ihren eigenen Machtund Statusverlust durch den Mord und den Diebstahl des Schatzes:
41 Si gedâht ouch maniger êren von Nibelunge lant, der si dâ was gewaltic und die ir Hagenen hant mit Sîvrides tôde hête gar benomen, ob im daz noch immer von ir ze leide möhte komen. (Sie dachte auch an all die Macht und Herrlichkeit des Nibelungenlands, / die ihr dort zu Gebote standen und die ihr Hagens Hand / durch die Ermordung Siegfrieds restlos genommen hatte, / und sie überlegte, ob sie noch eine Chance hätte, ihm das heimzuzahlen. 1392) Der Erzähler besteht auf Hagens Belästigung Kriemhilds, wahrscheinlich um die Unausweichlichkeit und Brutalität Kriemhilds Rache zu verdeutlichen (Ehrismann, 1998, S. 31), und damit auch die Zerstörung des Nibelungenhofs. Wie oben erwähnt, trauert Kriemhild nach Siegfrieds Tod zunächst passiv und bescheiden, doch Hagens Angriffe beginnen und enden nicht mit dem Mord. Nach der Ermordung spricht Kriemhild mit Gunther und Hagen für drei Jahren nicht (1106), bis Hagen beschließt, den Nibelungenschatz zu stehlen. Zuerst gaukeln sie Kriemhild vor, sie würden den Schatz für sie holen (1116), doch dann werden Hagens wahre Absichten aufgedeckt: ›ez solde ein vrumer man Deheinem einem wîbe niht des hordes lân. si bringet ez mit gâbe noch ûf den tac, daz vil wol geriuwen die küenen Burgonden mac.‹ (›Ein rechter Mann sollte / keiner Frau einen Schatz überlassen. / Sie bringt es mit Geschenken noch dahin, / dass es die kühnen Burgunden sehr zu bedauern haben.‹ 1130) Einerseits hasst Hagen Kriemhild als Frauenfeind, andererseits hat er Angst vor ihr. Hagen will Kriemhild ihre Macht nehmen, nicht nur, weil sie eine Frau ist, sondern auch, weil sie diese gegen ihn verwenden könnte. Deshalb will Hagen später auch die Heirat zwischen Etzel und Kriemhild verbieten, weil Kriemhild durch diese Verbindung die Macht erlangen würde, die Hagen so sehr fürchtet: ›Daz ich daz wol bekenne, daz tuon ich iu kunt. sol si nehmen Etzel, gelebt si an die stunt, si getuot uns noch vil leide, swie si’z getraget an. jâ wirt ir dienende vil manic waetlîcher man.‹ (›Das weiß ich wohl, ich sage es Euch offen. / Heiratet sie Etzel, fügt sie uns, wenn sie bis dahin lebt, / noch großen Schaden zu, / wie immer sie es anfängt. / Viele starke Männer werden ihr doch zu Diensten sein.‹ 1210) Als Kriemhild nach Etzels Land reist, versucht Hagen, ihr das noch verbliebene Gold zu stehlen: Er sprach: ›sît mit vrou Kriemhilt nimmer wirdet holt, sô muoz ouch hie belîben daz Sîvrides golt. Zwiu sold ich mînen vînden lân sô michel guot? Ich weiz vil wol, waz Kriemhilt mit disem schatze getuot.‹
48 5. Schlussfolgerungen Die Katastrophe des Nibelungenliedes ist die Folge eines überholten ritterlichen Systems, dargestellt durch Figuren, die zwischen zwei Welten gefangen sind, ohne ihren Platz finden zu können. Haug (1987) formuliert eine These zur Individualität der Figuren und schlägt vor, dass der Erzähler des Nibelungenlieds Gestalten konstruiert, die sich von den ihnen zugewiesenen sozialen Rollen unterscheiden, und er zeigt, dass die Gesellschaft, die nicht auf sie vorbereitet ist, zusammenbricht, wenn ihre wahre Persönlichkeit zum Vorschein kommt: Und es ist dieser Spielraum zwischen Person und Rolle, in der sich das Neue etabliert, der Innenraum, von dem her irrationale Beweggründe nach unfassbaren psychischen Mustern zunächst punktuell, dann radikal die Führung übernehmen. (S. 22) Im Teil der Eskalation stellt der Erzähler durch den höfischen Sigfried, den König Gunther und sein Hof die Grundlagen des höfischen Systems dar, das angeblich nicht mehr die gewalttätige Dynamiken der heroischen Welt erzeugt. Brünhild ist die eine, die in diesem Teil öffentlich mit den gesellschaftlichen und geschlechtsspezifischen Normen bricht. Den Männern gelingt es, ihr ihre Kraft und Autonomie zu nehmen, damit sie sich wie Kriemhild wie eine höfische Dame verhält. In der Szene des Streits der Königinnen zeigen beide Frauen den Ehrgeiz und die Selbstsucht, die sie bewegt. Diese Eigenschaften hatte Brünhild schon auf Isenstein gezeigt. In gleicher Weise wird Kriemhild sie im letzten Teil des Epos aufweisen, denn sie übernimmt nach dem Streit Brünhilds Rolle, die höfischen weiblichen Grenzen zu überqueren. Außerdem treten diese Frauen die Machtverhältnisse und Motivationen unter der höfischen Fassade hervor, die zu diesem Höhepunkt geführt haben und die im letzten Teil explodieren werden. Sie rütteln an der Fassade, die das System schützt, und öffnen den Weg zu einer expliziten Gewalt, die allem ein Ende setzen wird. Das Ausmaß an Zerstörung und Dramatik am Ende der Geschichte könnte ein Symbol sein, durch das die Korruption und Selbstzerstörung der Machtdynamiken der ritterlichen Welt übertrieben wird. Die Tatsache, dass der Erzähler einige davon anhand von Frauenfiguren analysiert, könnte auf die Unhaltbarkeit des alten Systems hinweisen: Diese Dynamik ist so giftig, dass sie über die Geschlechterrollen hinausgeht und am Ende
49 alles vergiftet und zerstört. In der gleichen Weise schlägt Pafenberg (1998) das Folgende vor: The fact that the two central female character’s efforts to overcome the restrictions on their political, economic, and physical power lead to near complete destruction of the dominant culture suggests that the warrior culture has lost the ability to control the definition of gender. (S. 111) Brünhilds Gewalt gegen Männer, der Streit zwischen den Königinnen oder Kriemhilds Rache sind Handlungen, die die Grenzen zwischen dem männlichen und dem weiblichen Handlungsfeld verwischen, dadurch spiegeln sich Tätigkeiten wider, die für Männer normal und sogar notwendig waren, nun auch bei Frauen. „Revenge was a legitimate motive for action in the thinking of that time, as was the use of force“ (Ehrismann, 1998, S. 35), und tatsächlich tun die männlichen Figuren dies während der gesamten Handlung, aber die wirklichen Konflikte entstehen, wenn es die Frauen sind, die diese Haltungen zeigen, und sie tun dies auf so gewalttätige Weise, dass es dem Erzähler gelingt, die Brutalität dieser Traditionen widerzuspiegeln. Brünhild hatte mehr Kraft als zwölf Männer zusammen und tötete alle ihre Freier, und Kriemhilde rächt sich nicht nur an Hagen, sondern opfert am Ende auch ihren Sohn, lässt ihren Bruder ermorden und schlägt einem Mann den Kopf ab. Im Nibelungenlied wird die Unhaltbarkeit und Zerstörung des Systems durch zwei Frauen wiedergespielt: In [the Nibelnungenlied] the present is dominated by insult, injustice, and treachery, burdened by the grievances of the past. This present moves inexorable toward an apocalyptic ending […] [it] enacts itz version of the principle of historical change by representing women as the source of the terrors and turmoil that threaten the social order. (Rasmussen, 1997, S. 67) Trotz der Stärke des Patriarchats und sogar der Tatsache, dass Siegfried praktisch unsterblich ist, gelingt es den Frauen, diese Männer und zwei Höfe zu vernichten. Und obwohl beide im Laufe der Handlung hart bestraft werden, weil sie eine Bedrohung für die etablierte Ordnung darstellen, zahlen am Ende alle Figuren des Stücks die Konsequenzen eines bereits unhaltbaren Systems.
50 6. Literaturverzeichnis Primärquellen Criado, E. L. (Ed. y Trad.) (1994). Cantar de los Nibelungos. Ediciones Cátedra. Heinzle, J. (Hrsg.). Das Nibelungenlied. (2015). Deutscher Klassiker Verlag. Sekundärquellen Bumke, J. (1991). Wolfram von Eschenbach. Stuttgart. Denk, R. (2002). Kriemhilds Traum, Brünhilds Stärke und Kriemhilds Rache. In H. Epp (Hrsg.) Gender Studies und Fachwissenschaften. Ein Forschungsfeld im Spiegel von Lehr-und Lernangeboten, (S. 62–67). Ehrismann, O. (1998). „ze stücken was gehouwen dô daz edele wîp“: The Reception of Kriemhild. In W. McConnell (Ed.), A Companion to the Nibelungenlied (pp. 18– 41). Camden House. Frank, P. (2004). Weiblichkeit im Kontext von potestas und violentia. Untersuchungen zum Niebelungenlied. Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Haug, W. (1987). Montage und Individualität im Nibelungeslied. In C. Fasbender (Hrsg.) Nibelungenlied und Nibelungenklage. Neue Wege der Forschung (2005), (S. 13– 29). Wissenschaftliche Buchgesellschaft. Heinzle, J. (1998). The Manuscripts 50ot he Nibelungenlied. In W. McConnell (Ed.) A Companion 50ot he Nibelungenlied. (pp. 105–126). Camden House. Henry, A. L. (2008). The female lament: Agency and gender in medieval German literature. [Doctoral dissertation], The University of North Carolina at Chapel Hill. Lienert, E. (2003). Geschlecht und Gewalt im “Nibelungenlied.”. Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur, 132(1), S. 3–23. http://www.jstor.org/stable/20658199
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