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Parallelkorpora: Ergänzung oder Ersatz bilingualer Wörterbücher? Möglichkeiten und Grenzen der didaktischen Nutzung von Parallelkorpora vs. bilingualen Wörterbüchern für den Fremdsprachenunterricht

Doval Reixa, Irene

Abstract

Abstract: This paper explores the question of how parallel corpora -collections of original texts and their translations, typically aligned at sentence level- can beneficially assume the functions that bilingual dictionaries have performed so far in foreign language and translation teaching. Based on the observation that the use of bilingual online dictionaries has declined significantly in recent years in favour of new applications such as Linguee or Reverso, the article analyses this process and points out new avenues that have been opened up in the search for a translation equivalent. After some reflections on bilingual dictionaries, an overview is given of the ad-vantages of working with parallel corpora. Afterwards, the language-didactic principle behind the use of corpora in foreign language teaching will be explained: the DDL (data-driven learn-ing) approach, which, for years in research on foreign language didactics, has particularly em-phasized the advantages of inductive learning. In doing so, I will also use examples from the parallel corpus German / Spanish PaGeS (www.corpuspages.eu) to show how the direct use of parallel corpora in foreign language teaching is completely in line with the DDL approach. Final-ly, two dictionaries -LEO and Pons- will be compared with the PaGeS corpus through a case study on collocations and, as a conclusion, an answer to the question formulated in the title will be given.

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Parallelkorpora: Ergänzung oder Ersatz bilingualer Wörterbücher? Möglichkeiten und Grenzen der didaktischen Nutzung von Parallelkorpora vs. bilingualen Wörterbüchern für den Fremdsprachenunterricht Irene Doval Reixa Abstract: This paper explores the question of how parallel corpora -collections of original texts and their translations, typically aligned at sentence levelcan beneficially assume the functions that bilingual dictionaries have performed so far in foreign language and translation teaching. Based on the observation that the use of bilingual online dictionaries has declined significantly in recent years in favour of new applications such as Linguee or Reverso, the article analyses this process and points out new avenues that have been opened up in the search for a translation equivalent. After some reflections on bilingual dictionaries, an overview is given of the advantages of working with parallel corpora. Afterwards, the language-didactic principle behind the use of corpora in foreign language teaching will be explained: the DDL (data-driven learning) approach, which, for years in research on foreign language didactics, has particularly emphasized the advantages of inductive learning. In doing so, I will also use examples from the parallel corpus German / Spanish PaGeS (www.corpuspages.eu) to show how the direct use of parallel corpora in foreign language teaching is completely in line with the DDL approach. Finally, two dictionaries -LEO and Ponswill be compared with the PaGeS corpus through a case study on collocations and, as a conclusion, an answer to the question formulated in the title will be given. Keywords: parallel corpora, foreign language didactics, bilingual dictionaries, data-driven-learning 1. Einleitung Mit diesem etwas polemischen Titel möchte ich der Frage nachgehen, inwieweit man im Fremdsprachenund Übersetzungsunterricht durch die Arbeit mit Parallelkorpora -Sammlungen von Originaltexten und dazugehörigen Übersetzungen, - einen Großteil jener Aufgaben übernehmen könnte, die bisher mit klassischen zweisprachigen Wörterbüchern umgesetzt wurden. Im Zuge der Digitalisierung ist die traditionelle Lexikographie in eine Krise geraten. Zahlreiche Publikationen in den letzten zwei Jahrzehnten beschäftigen sich mit den neuen Erscheinungsformen der Wörterbücher und allgemein mit der Zukunft der Lexikographie. A. Klosa, Mitarbeiterin der Abteilung Lexik am Institut für deutsche Sprache, wirft sogar die Frage auf, ob es überhaupt eine Zukunft für Wörterbücher geben wird (Klosa 2014:35). Ebenso hielt 2014 der bekannte Sprachwissenschaftler Wolfgang Klein auf der Jahrestagung des Instituts für deutsche Sprache in Irene Doval Reixa Mannheim einen Vortrag mit dem Titel „Das Wörterbuch der Zukunft ist kein Wörterbuch“ 1 . Hierbei bezog er sich auf die Gründe, die zum Zusammenbruch der Tradition der großen Wörterbücher geführt hatten und prognostizierte: „An ihre Stelle werden in der Zukunft flexibel handhabbare digitale lexikalische Systeme treten“ (Klein 2015: 277). Desweiteren führte er aus: „die Datenbasis ist keine Belegsammlung, sondern eine Menge gut aufbereiteter Textkorpora“ (Klein 2015: 292). Klein besteht darauf, dass Datenbasis und lexikalische Analyse stetig miteinander verknüpft sein müssen, so dass der Nutzer leicht zwischen Analyse und Daten wechseln kann. Diese Erkenntnisse konnte Klein durch die Leitung des DWDS-Projekts in die Praxis umsetzen: das erstellte DWDS-Wörterbuch 2 fungiert nicht mehr als ein klassisches Wörterbuch, sondern als ein frei zugängliches digitales System (vgl. Klein 2015: 287). Diese im Prinzip auf die einsprachige Lexikographie bezogenen Überlegungen lassen sich leicht auf die zweisprachige übertragen. Die derzeitige bilinguale Wörterbuchlandschaft weist kein mit dem DWDS annähernd vergleichbares Wörterbuch auf und sie ist kaum noch von der vordigitalen Zeit zu unterscheiden. Die bekanntesten online Wörterbücher Deutsch/Spanisch, wie Schlaby-Grossman 3 , Pons 4 oder Langenscheidt 5 , entspringen dem jeweiligen Printwörterbuch und stellen - mehr oder weniger ausgebautdie digitale Version des klassischen Wörterbuchs dar. Dies führt dazu, dass ihre Verwendung zugunsten neuer Anwendungen deutlich zurückgegangen ist 6 . Wenn es um die Suche nach einem passenden Äquivalent in 1 DOI: https://doi.org/10.1515/9783110401592.277. Hervorhebung der Verfasserin. 2 www.dwds.de. Das DWDS-Wörterbuch basiert auf dem sechsbändigen „Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache“, das an der Akademie der Wissenschaften erarbeitet und publiziert wurde. Seine Artikel werden laufend aktualisiert und ausgebaut. (https://www.dwds.de/d/woerterbuecher). 3 https://www.brandstetter-verlag.de/de/shop/medien/online/woerterbuch-der-spanischenund-deutschen-sprache-online. 4 https:// de.pons.com/%C3%BCbersetzung/deutsch-spanisch. 5 https:// de.langenscheidt.com/deutsch-spanisch/ 6 Soweit mir bekannt ist, geht die jüngste empirische umfassende Untersuchung zur Wörterbuchbenutzung im deutschen Sprachraum auf eine Studie zurück, die das Institut für deutsche Sprache (IdS) 2010 durchgeführt hat und die „generell die Verwendung von Onlinewörterbüchern untersucht“ (https://www1.ids-mannheim.de/lexik/bzvelexiko/benutzungsforschung.html). In dieser Studie wurden Tools wie Linguee oder Reverso nicht einmal mit berücksichtigt. Auch andere kleinere Studien zur Wörterbuchbenutzung im DaF Bereich (Meliss 2015, Mollica 2017) beziehen sich in der Umfrage allgemein auf „Online Wörterbücher“ ohne weitere Differenzierung. Meine Feststellung beruht daher ausschließlich auf der eigenen Beobachtung der Nachschlagegewohnheiten meiner fortgeschrittenen Deutschstudierenden in den letzten zehn Jahren. Parallelkorpora: Ergänzung oder Ersatz bilingualer Wörterbücher der Fremdbzw. in der Muttersprache geht, kehrten dafür viele Fremdsprachenlernende nicht nur klassischen zweisprachigen Printwörterbüchern, sondern auch zunehmend Online-Wörterbüchern den Rücken und wenden sich Tools wie Linguee oder Reverso 7 zu, die ursprünglich nur eine Art Belegsammlung von Parallelsätzen in zwei Sprachen waren. Der vorliegende Beitrag widmet sich der Analyse dieses Prozesses und zeigt neue Wege auf, welche Parallelkorpora bei der Suche nach einem Übersetzungsäquivalent geöffnet haben. Nach einigen Überlegungen zu den bilingualen Wörterbüchern wird ein Überblick darüber gegeben, welche Vorteile die Arbeit mit Parallelkorpora mit sich bringt. In Abschnitt 3 wird das sprachdidaktische Prinzip hinter dem Einsatz von Korpora im Fremdprachenunterricht erläutert. Nach der Vorstellung des Parallelkorpus German/Spanisch PaGeS 8 (Abschnitt 4) wird anhand einer Beispielanalyse seine praktische Anwendung in Abschnitt 5 gezeigt. Abschließend wird als Fazit eine Antwort auf die in der Überschrift formulierte Frage gegeben. 2. Online Bilinguale Wörterbücher und Parallelkorpora In der IdS-Studie (s. Fussnote 3) zur Benutzung von Onlinewörterbüchern hat sich die (Hinund Her-) Übersetzung als der häufigste Anlass zur Verwendung von Wörterbüchern (71%) erwiesen. Diese Erkenntnis wird auch von anderen Untersuchungen und auch für den englischen Sprachraum bestätigt (vgl. u. a. Boonmoh 2012, Mollica 2017: 4; Meliss 2015: 408). Wenn Wörterbücher in erster Linie für die Übersetzung benutzt werden, kann davon ausgegangen werden, dass die meisten Nutzer/innen Fremdsprachenbzw. Übersetzungslernende auf der Suche nach Wortbedeutungen bzw. nach passenden Wortäquivalenten in der Fremdsprache sind. Hierfür machen Lernende sowohl bei der Textproduktion wie bei der -rezeption überwiegend von zweisprachigen Wörterbüchern Gebrauch. Einsprachige Wörterbücher werden zwar als Ergänzung für Bedeutungserklärungen oder Distributionsfragen eventuell herangezogen, aber ihre Nutzungshäufigkeit ist, selbst seitens fortgeschrittener Deutschlernenden deutlich geringer. (Mollica 2017: 3, Engelberg / Lemnitzer 2008: 70). So ein Wörterbuch Deutsch/Spanish wird benutzt von spanischen und deutschen Muttersprach7 Linguee: www.linguee.com; Reverso: https://dictionary.reverso.net. Sie sind eine Kombination von Wörterbuch und Belegsammlung und bieten eine schnelle Recherche nach dem kontextuellen Gebrauch von Wörtern. Sie werden nach gängiger Definition nicht als Korpus betrachtet (vgl. Hirschmann 2019: 35) und von daher hier nicht weiter berücksichtig. 8 www.corpuspages.eu. Weitere Informationen dazu, siehe Abschnitt 4. Irene Doval Reixa lern, zur Hinund Herübersetzung, zum Verstehen und zum Produzieren fremdsprachlicher Texte, zur Suche nach Übersetzungsäquivalenten und nach typischen Kollokationen. Bei der Erstellung eines zweisprachigen Wörterbuches geht es im Wesentlichen darum, die relevanten Spracheinheiten der Zielsprache den relevanten Spracheinheiten der Ausgangssprache zuzuordnen. Diese sprachlichen Einheiten werden üblicherweise als lexikalische Einheiten (LE) bezeichnet. Somit umfasst der Prozess der Erstellung von zweisprachigen Wörterbüchern die Auswahl der LE, die in das Wörterbuch aufgenommen werden sollen, und die Auswahl der am besten geeigneten Paare zwischen den LE der Ausgangssprache und denen der Zielsprache (Atkins / Rundell 2008: 162-163). Bei der Unterteilung der LE in Lesarten orientieren sich zweisprachige Wörterbücher meist an monolingualen Wörterbüchern und versuchen für jede Lesart das entsprechende Äquivalent in der Zielsprache zu bieten. Bei diesem Verfahren tauchen jedoch mehrere Schwierigkeiten auf. Zum einen ist die Bedeutungsunterteilung sehr subjektiv (Kunze / Lemnitzer 2007, Veronis 2003), zum anderen geben Wörterbücher relativ wenig Informationen über Wortverwendungen und Distributionsdaten, die entscheidend für die Auswahl einer richtigen fremdsprachigen Äquivalenz sind. Nehmen wir einmal an, ein/e deutschsprachige/r Spanischlerner/in möchte eine für einen bestimmten Kontext geeignete spanische Entsprechung des deutschen Ausdrucks zu eigen machen finden. Dafür schlägt er/sie in zwei online Wörterbüchern, Pons und Leo 9 , nach. Beide Wörterbücher werden hier exemplarisch ausgewählt, weil sie die am häufigsten verwendeten sind (Meliss 2015: 413). Beide sind bidirektional, d.h. Spanisch und Deutsch sind zugleich Ausgangsund Zielsprachen. Abbildungen 1 (LEO) und 2 (Pons) zeigen, wie sie die jeweiligen Einträge darstellen. Abb. 1: Eintrag zu zu eigen machen (LEO) 9 LEO:www.leo.org. Im Gegensatz zu Pons liegt dem Wörterbuch keine Printausgabe zugrunde. Das kollaborative Projekt LEO, 1997 mit dem Sprachpaar Deutsch/English gestartet, baut allgemeinsprachliche bilinguale Wörterbücher auf und stellt sie kostenlos online zur Verfügung. Parallelkorpora: Ergänzung oder Ersatz bilingualer Wörterbücher Abb. 2: Eintrag zu zu eigen machen (Pons) Vergleicht man beide Wörterbücher, so kann man feststellen, dass sie sich sowohl in der Unterteilung der Lesarten als auch in den spanischen Äquivalenten beträchtlich unterscheiden. Nur das Äquivalent apropiarse wird von beiden angeführt. Dazu bietet Leo interiorizar und internalizar (?), während Pons noch imbuirse de, supeditarse, hacer suya verzeichnet. In beiden Wörterbüchern fehlen allerdings syntagmatische Angaben zur Distribution und Anwendungsbereiche der Äquivalente, die für deren richtigen Gebrauch in einem bestimmten fremdsprachigen Kontext erforderlich sind. Hier stoßen allerdings bilinguale Wörterbücher auf ihre Grenzen, denn wenn es viele mögliche Äquivalente in der Zielsprache gibt, ist es nicht mehr möglich jede Entsprechung für jeden möglichen Kontext in das Wörterbuch aufzunehmen. Im Vergleich dazu bieten Parallelkorpora hier eindeutig Vorteile. Parallelkorpora sind mehrsprachige Korpora, die Texte in einer Sprache und deren Übersetzung in eine oder mehrere Sprachen enthalten. Sie können entweder unidirektional sein, wenn die Originalsprache immer die gleiche ist (z. B. spanische Originaltexte und deutsche Übersetzungstexte) oder bidirektional (z.B. spanische und deutsche Originalund Übersetzungstexte) (Doval / Sánchez Nieto 2019: 7ff). Parallelkorpora sind beispielsweise neben dem bereits erwähnten PaGes-Korpus, u.a. Opus, Intercorp oder Multilingwis. 10 Bei den Parallelkorpora, die über ein Abfragesystem verfügen, stellen die Suchabfragen Korpusbelege mit vielen verschiedenen Kontexten des Suchbegriffs zusammen. Bei der Anzeige der Suchergebnisse werden die Belege als zweisprachige 10 Opus: https:// opus.nlpl.eu/bin/opuscqp.pl. Hier handelt es sich eigentlich um ein Internet Portal, die eine wachsende Sammlung von übersetzten Texten aus dem Internet enthält. Intercorp: https:// www.korpus.cz/kontext/query?corpname=syn2020. Multilingwis: https:// pub.cl.uzh.ch/projects/sparcling/multilingwis2.demo Hier werden als Beispiele nur Parallelkorpora genannt, die über eine Suchmaske verfügen. Alle drei sind multilinguale Korpora mit dem Sprachpaar Deutsch/Spanisch, das allerdings als erstes ausgewählt werden soll. Irene Doval Reixa Konkordanzen ausgegeben, d.h., alle Belege, die auf den eingegebenen Suchausdruck passen, werden zusammen mit den entsprechenden Übersetzungen untereinander angeordnet. Die Entsprechungen in der anderen Sprache werden entweder unter (Abb.3) oder neben (Abb. 4) den Originalbelegen angezeigt, wie in den Abbildungen unten für den Suchausdruck zu eigen machen zu sehen ist. Abb. 3: Konkordanzeilen in Opus für den Suchausdruck zu eigen machen Deutsch-Englisch (http:// opus.nlpl.eu/bin/opuscqp.pl) Abb. 4: Konkordanzeilen in PaGeS für den Suchausdruck zu eigen machen Deutsch-Spanisch Diese Ergebnisanzeige gibt den Lernenden ein unmittelbares Bild über die Verwendungsmöglichkeiten des Suchbegriffs und seiner Entsprechungen in der Zielsprache. Die Analyse und Interpretierung der zahlreichen (die Suche in PaGeS ergab 205 Parallelkorpora: Ergänzung oder Ersatz bilingualer Wörterbücher Treffer) authentischen Beispiele und deren Übersetzungen ermöglicht den Lernenden u. a. auch ihren Sprachsinn für typische Verwendungskontexte der gesuchten Wörter oder Ausdrücke zu schärfen. Dies soll an dieser Stelle als Beispiel für die Vorteile der Parallelkorpora gegenüber bilinguale Wörterbücher genügen. In Abschnitt 5 wird etwas ausführlicher darauf eingegangen. Im Zusammenhang mit der didaktischen Nutzung von Korpora wurde mittlerweile mit Blick auf den Fremdsprachenunterricht eine eigene Didaktik und Methodologie entwickelt, die im Anschluss erläutert wird. 3. Data-Driven-Learning und Parallelkorpora Es wird bei den Korpusverwendungen in der Fremdsprachendidaktik zwischen einer direkten (hands-on) und einer indirekten (hands-off) Verwendung (vgl. McEnery / Xiao 2010: 370, Lüdeling / Walter 2010: 6, Römer 2011: 207, Boulton 2012: 157) unterschieden. Die indirekte Verwendung kann sich auf die Unterrichtsvorbereitung (Datenquelle für die Erstellung von authentischen Unterrichtsmaterialien: Übungen, Wortlisten, Kollokationslisten, usw.) bzw. die Unterrichtsnachbereitung (z.B. als Überprüfung der Akzeptabilität bestimmter Konstruktionen) beziehen. Sie wird also von den Lehrenden betrieben und wirkt sich auf die Unterrichtsinhalte aus (s. Abb. 5). Im Gegenteil dazu kommt bei der direkten Verwendung von Korpora eine Doppelinteraktion zustande: zum einen zwischen den Lernenden und den Korpora und zum anderen zwischen den Lehrenden und den Korpora (vgl. Römer 2011: 208), wie in Abb. 5 dargestellt. Der direkte Einsatz von Korpora hat somit auch einen Einfluss darauf, wie die Inhalte vermittelt und gelernt werden (Nolting / Radtke 2019:109). Abb. 5: Pädagogische Korpusverwendungen im Fremdsprachenunterricht Die didaktische Grundlage zur direkten Verwendung von (Parallel)Korpora bildet das Konzept des data driven learning (DDL) (datengeleitetes Lernen), ein LernanKorpusverwendungen Fremdsprachenunterricht Indirekte Verwendung Lehrperson Korpus Unterrichtsvorbereitung Unterrichtsnachbereitung Direkte Verwendung DDL Lehrperson Korpus Lernperson Korpus Irene Doval Reixa satz, der in der Fremdsprachenlehrund -lernforschung und auch in der Fremdsprachendidaktik seit drei Jahrzehnten im Mittelpunkt steht. Tim Johns (1991), der den Begriff prägte, erklärte die Methodik hinter DDL wie folgt: „What distinguishes the DDL approach is the attempt to cut out the middleman as far as possible and to give the learner direct access to the data“ (Johns 1991: 30). Von Johns kommt auch die Idee, Lernende als "Sprachdetektive" zu betrachten, die er in dem inzwischen viel zitierten und prägnanten Satz "every student a Sherlock Holmes " (Johns 1997:1) ausgedrückt hat. Boulton / Cobb (2017) heben hervor, dass das regelbasiert deduktives Lernen in traditionellen pädagogischen Kontexten unzureichend ist, um ein vollständiges Bild davon zu vermitteln, wie die Sprache tatsächlich verwendet wird. Dieser Methodik stellt er DDL gegenüber, dessen Vorteile (Boulton / Cobb 2017: 351) folgendermaßen zusammenfasst: DDL consists of the consultation of language data by learners themselves and thus incorporates the notions of learner autonomy, induction, exemplar-based learning, and constructivism, in the sense of letting learners discover linguistic patterns for themselves (with varying degrees of guidance) rather than being spoon-fed predigested rules. (Hervorhebung der Verfasserin) Anstatt direkt von einer Lehrkraft angeleitet zu werden, sollen die Lernenden durch eigene Problemlösungen lernen. Dementsprechend sind die Aktivitäten eher lernerzentriert als lehrergeleitet, und Lernende erhalten Gelegenheit zur selbständigen Entdeckung sprachlicher Regeln. Die Vorzüge dieses induktiven Lernansatzes, dieses „entdeckenden Lernstils“ (Gut 2007:7), werden in der Forschung zur Fremdsprachendidaktik zunehmend seit Jahren betont (Lüdeling / Walter 2010, Wallner 2013, Nolting / Radtke 2019). Indem sie direkt mit den Korpusdaten interagieren, nehmen die Lernenden eine aktive Rolle in ihrem eigenen Lernprozess ein. Eine solche direkte Beteiligung unterstützt die Lernerautonomie, führt zur Erhöhung der Lernmotivation und damit zum optimalen Lernerfolg. Konkret auf die Parallelkorpora bezogen werden die Lernenden mit den Konkordanzen eines Parallelkorpus in die Lage versetzt, selbst sprachliche Zusammenhänge und Gesetzmäßigkeiten bei der Übersetzungsäquivalenz anhand authentischer Sprachdaten eigenständig zu erschließen (Boulton 2012: 155). Dabei interagiert der Lernende anstatt indirekt über (zweisprachige) Wörterbücher direkt mit authentischen Sprachbeispielen. Durch die eigenständige direkte Analyse der Übersetzung echter Gebrauchsbeispiele sind die Lernenden eher in der Lage, die Vielfalt der Kontexte zu untersuchen, in denen ein Wort vorkommen kann. So im Beispiel von Abschnitt 2 bieten die Parallelkorpora eine ganze Reihe von Beispielsätzen, die den Lernenden umfangreiche Informationen über die Kontexte liefern, in denen die verschiedenen Entsprechungen von zu eigen machen einzusetzen sind. Parallelkorpora: Ergänzung oder Ersatz bilingualer Wörterbücher Trotz einer mittlerweile beträchtlichen Anzahl von Forschungsergebnissen über die pädagogische Nutzung von Korpora (Sinclair 2004, McEnery / Xiao 2007, McEnery / Xiao 2010, Boulton / Cobb 2017 und für DaF vgl. Chrissou 2011, Lüdeling / Walter 2010, Bartz / Radtke 2014), die die Vielzahl an positiven Effekten des DDL beim Fremdsprachen -lehren und -lernen bestätigen, ist eine direkte Verwendung von Korpora noch weit davon entfernt, in Sprachkursen wirklich ein alltägliches Hilfsmittel zu sein. Boulton (2012: 163) behauptet sogar, dass korpusbasierte Lernaktivitäten sind im Allgemeinen in der Unterrichtspraxis der Fremdsprachen nahezu abwesend. Boulton (2012: 162) geht so weit zu behaupten, dass korpusbasierte Lernaktivitäten im Fremdsprachenunterricht im Allgemeinen nahezu abwesend sind. Ein möglicher Grund hierfür ist, dass die direkte Verwendung von Korpora durch eine Reihe von Faktoren eingeschränkt wird. So wurden beispielsweise : verschiedene Einwände gegen die Nutzung von Korpora vorgebracht, (vgl. Lee 2011: 170ff., Chrissou 2011). Sie betreffen hauptsächlich die fehlende Vertrautheit der Lehrenden mit Korpora, die zeitaufwändige Einarbeitung der Lernenden in deren Nutzung und die Textbelege, die bei niedrigeren Lernstufen sprachlich zu anspruchvoll sein können und daher eine zeitaufwändigen Auswahl der für die eigene Lernergruppe geeigneten Belege erfordern. Angesichts der zuvor genannten einschränkenden Faktoren kann man schlussfolgern, dass sich die Einwände größtenteils ausräumen lassen, wenn geeignete Korpora vorhanden sind, die spezifisch auf die Bedürfnisse von Lehrenden und Lernenden der Fremdsprachen zugeschnitten sind. Sie sollen über eine einfache Anfragesprache verfügen und intuitiv zu bedienen sein, damit keine lange Einarbeitungsphase erforderlich ist. Wenn sie noch dazu Texte unterschiedlicher Niveaus und Domänen zur Verfügung stellen, können Korpora auf allen Lernstufen ab B1 (Boulton / Cobb 2017: 390) und für die Förderung aller sprachlichen Fertigkeiten (Gut 2007, Imo / Weidner 2018: 242ff) erfolgreich genutzt werden. Im Folgenden stelle ich kurz das Parallelkorpus PaGeS vor, das auf Grund seines einfachen Zugangs und der leichten Bedienbarkeit die oben genannten Anforderungen weitgehend erfüllt. Anhand dieses Korpus wird auch das Suchbeispiel in Abschnitt 5 durchgeführt. Irene Doval Reixa Abb. 10: Konkordanz der ersten 10 Belege des Suchausdrucks repartir im Korpus PaGeS Da hier der Suchausdruck und seine Übersetzung jeweils innerhalb ihres unmittelbaren Kontextes abgebildet werden, könnten die Lernenden die Belege der einzelnen Entsprechungen so gruppieren, dass jede Gruppe einen bestimmten Verwendungstyp repräsentiert. So könnten sie im Sinne des DDL-Ansatzes selbständig in authentischen Texten aus dem Kontext erschließen, was die kontextuellen Unterschiede zwischen Quasi-Synonymen wie aufteilen, verteilen, teilen oder austeilen sind, ohne auf wenig hilfreiche deduktiv vorgegebene Wörterbuchdefinitionen zurückgreifen zu müssen . Möchte man mithilfe von Wörterbüchern wie LEO oder Pons die oben genannte Aufgabe lösen, wird man vor einige Hürden gestellt. Es gibt Hinweise dafür, dass eine große Anzahl aktueller webbasierter lexikalischer Suchen Mehrwortverbindungen betrifft (Doval 2019). Doch Wörterbücher lassen über ihre Suchmaske lediglich die Suche einzelner Wörter zu. Damit sind die Lernenden nicht in der Lage die richtigen kontextuellen Entsprechungen für repartir zu finden. Dies stellt eine häufige Fehlerquelle dar, wenn Lernende versuchen, ausgangssprachliche Kollokationen in der Zielsprache wiederzugeben, indem sie die fremdsprachlichen Kollokationen aus den einzelnen Bestandteilen zusammensetzen, insbesondere wenn für jeden Bestandteil zwei oder mehr Äquivalente ohne Bedeutungsdifferenzierung angegeben werden. Im Gegensatz dazu erlaubt das Korpus PaGeS die Suche nach Mehrworteinheiten, d.h. zwei oder mehr Ausdrücke können in das Eingabefeld eingetragen werden. So falls man etwa nach deutschen Äquivalenten für Kollokationen wie repartir el correo (zustellen) repartir con alguien (teilen) oder repartir cartas (austeilen) sucht, Parallelkorpora: Ergänzung oder Ersatz bilingualer Wörterbücher kann man die gesamte spanische Kollokation eingeben. Diese Suchanfrage generiert Konkordanzen, in denen die Ausdrücke repartir und correo/con/cartas in einem Satz vorkommen, wie Abb. 11 zeigt. Den Lernenden fällt es so leicht, die richtigen kontextuellen Entsprechungen für repartir problemlos zu finden. Generell gelingt es ihnen ebenso, nicht nur Kollokationen und Phraseologismen zu erkennen sondern auch Präpositionen zu bestimmten Verben oder Substantiven herauszufinden. Abb.11: Konkordanz für Kollokationen von repartir im Korpus PaGeS Nicht zuletzt kann man mit Pages auch die Vorkommenshäufigkeit der verschiedenen Äquivalente von repartir statistisch erfassen, wobei anhand der Darstellungsoptionen eine Sortierung der Konkordanzen nach Äquivalenten ausgegeben werden kann. 6. Abschließende Bemerkungen In diesem Beitrag haben wir einen Vergleich zwischen zweisprachigen Online-Wörterbüchern und Parallelkorpora als Hilfsmittel für den DaF-Unterricht angestellt. Zusammenfassend zeigt die Analyse der Ergebnisse, dass sich Parallelkorpora, solange sie bestimmte Anforderungen in Bezug auf Textqualität, Abdeckung, Größe und Benutzerfreundlichkeit erfüllen, insbesondere für die Textproduktion in der Fremdsprache und für die Übersetzung in beiden Sprachrichtungen durchaus als sehr nützlich erwiesen haben. Sie bieten Nutzern eine Reihe an Vorteilen gegenüber bilingualen Wörterbüchern, die im Allgemeinen der konventionellen, von gedruckten Wörterbüchern übernommenen Struktur folgen. Sie bieten kaum oberflächliche Hinweise (syntaktisch, kollokativ usw.), die erforderlich sind, um eine bestimmte Bedeutung mit einem konkreten Äquivalent zu verbinden. Aus diesem Grund erscheint die Verwendung von Parallelkorpora im Gegenzug zu konventionellen bilingualen Printwörterbüchern sinnvoller - nicht nur hinsichtlich Abdeckung und Aktualität, sondern auch in Bezug auf Suchmöglichkeiten und Textbelege. Die Stärke von Korpora liegt vor allem in der Möglichkeit, Suchen auf Mehrworteinheiten auszudehnen und zahlreiche Verwendungsbeispiele unmittelbar aufgelistet zu erhalten. So ist es wohl schwer zu leugnen, dass die große Vielzahl an Korpusbelegen ohne zusätzliche Einteilung nach Bedeutungen für viele Lernende etwas verwirrend wirken mag. Darüber hinaus sind einige Belege für Grundoder Mittelstufenlernende Irene Doval Reixa sprachlich sicherlich zu anspruchsvoll. Dieser Beitrag sollte daher eher als ein Plädoyer für eine produktive Integration von Korpora und Wörterbüchern verstanden werden, sofern bilinguale Online-Wörterbücher einen direkten Zugriff auf Parallelkonkordanzen bieten bzw. Parallelkorpora in Anlehnung an einsprachige Wörterbücher wie etwa das DWDS mit einer Einteilung nach Bedeutungen versehen werden. Es bleibt zu hoffen, dass sich diese Integration in der weiteren Entwicklung der Tools durchsetzen wird. 7. 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