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Was sind Valenzwörterbücher?

Domínguez Vázquez, María José

Abstract

The aim of this paper is to discuss valency dictionaries and their main defining features. In order to describe this dictionary type, the analysis takes the inventory of valency dictionaries as a starting point. A set of criteria are then discussed as possible characteristic properties of this type of dictionaries. That is, the intention is to find out what makes valency dictionaries the way they are. The overarching goal is to achieve not only a more accurate description of the current situation of valency lexicography, but also to provide a clearer definition of this class of syntagmatic dictionaries. Furthermore, some open questions are addressed and new developments suggested. Finally, their suitability for their target users’ needs is also discussed.

Full text

1 WAS SIND VALENZWÖRTERBÜCHER? María José Domínguez Vázquez Universidade de Santiago de Compostela Abstract The aim of this paper is to discuss valency dictionaries and their main defining features. In order to describe this dictionary type, the analysis takes the inventory of valency dictionaries as a starting point. A set of criteria are then discussed as possible characteristic properties of this type of dictionaries. That is, the intention is to find out what makes valency dictionaries the way they are. The overarching goal is to achieve not only a more accurate description of the current situation of valency lexicography, but also to provide a clearer definition of this class of syntagmatic dictionaries. Furthermore, some open questions are addressed and new developments suggested. Finally, their suitability for their target users’ needs is also discussed. Keywords: Valenzlexikographie, Valenzwörterbuch, Benutzer Keywords: valency lexicography, valency dictionary, user Gliederung 1. Einführung 2. Bestandsaufnahme und Fragen an die Valenzlexikographie 3. Valenzwörterbücher angesichts der Frage des Wozu 1 ? 4. Valenzwörterbücher angesichts der Frage des Was 1 ? 5. Valenzwörterbücher angesichts der Frage des Wo 1 ? 6. Valenzwörterbücher angesichts der Frage des Woraus? 7. Valenzwörterbücher angesichts der Frage des Wie 1 ? 8. Valenzwörterbücher angesichts der Frage des Was 2 ? 8.1. Zentrale mikrostrukturelle wörterbuchtypspezifische Felder 8.2. Nicht zentrale Bestandteile von Valenzwörterbüchern 9. Valenzwörterbücher angesichts der Frage des Wo 2 ? 10. Valenzwörterbücher angesichts der Frage des Wie 2 ? 11. Valenzwörterbücher angesichts der Frage des Wer und Wozu? 12. Ausblick 13. Literatur 13.1. Fachliteratur 13.2. Wörterbücher 1. Einführung 1 In diesem Beitrag wird der Frage nachgegangen, was Valenzwörterbücher (VWBer) sind und was sie leisten. Diese angestrebte Auseinandersetzung und darüber hinaus vertiefte Beschreibung dieser syntagmatischen Wörterbuchklasse stellen sich als Antwort auf unterschiedliche Kritik tragende Schwerpunkte heraus, die hauptsächlich mit folgenden Bereichen zusammenhängen (Nied 2012; Dušek 2013; Majorin 2008; Hölzner 2006; Schierholz 2005): i) mit der laut Dębski (1999, 40f.) immer noch fehlenden konzeptuellen und theoretisch fundierten Diskussion; ii) mit gewissen Inventarschwankungen sowie Abweichungen bei der Bestimmung des Valenzrahmens 1 Die Ergebnisse dieser Forschung stehen im Zusammenhang mit dem Forschungsprojekt “Generador multilingüe de estructuras argumentales del sustantivo con aplicación en la producción en lenguas extranjeras“, gefördert vom spanischen MINECO (FFI2017-82454-P), sowie mit dem Forschungsnetz RELEX (ED341D R2016/046). 2 desselben Valenzträgers; iii) mit der unzureichenden Auswertung von Korporadaten bei der Erstellung der Werke – wenn überhaupt Korpora zur Analyse herangezogen werden; iv) mit der in Frage gestellten Nützlichkeit dieser Wörterbücher angesichts des intendierten Benutzerkreises, d.h. mit der sogenannten vertretenen Disharmonie (Bielińska 2003; Dębski 1999; Fischer 2014 und Żytyńska 2010). 2 Zunächst muss geklärt werden, was aus einem Werk ein Valenzwörterbuch (VWB) macht. Zur Diskussion über die Kerneigenschaften dieser Wörterbuchvariante nehme ich ein bottom-up-Verfahren zur Hilfe, auf dessen Grundlage VWBer in Anbetracht ihrer Klasse und Typ(variante) beschrieben werden. Hinzu kommt die Beantwortung eines von mir erstellen Fragenkatalogs. Aus der Auseinandersetzung mit den ausgewählten Fragen sind Daten herauszufiltern, die bei der Festlegung der Merkmale beim aktuellen Bestand (siehe Anhang 1) entscheidend sind und die darüber hinaus zur Bestimmung offener Fragen und zum Vorschlag neuer Entwicklungen dienen könnten. Die Beziehung zwischen diesen Nachschlagewerken und ihrem anvisierten Benutzerkreis wird auch erörtert. 2. Bestandsaufnahme und Fragen an die Valenzlexikographie Im Hinblick auf eine typologische Wörterbuchordnung im Rahmen der Sprachwörterbücher handelt es sich bei den VWBern um Typenvertreter der Klasse syntagmatische Wörterbücher, die insbesonderem im Fall der Produktion eingesetzt werden können (Schumacher 2006a, b; Kühn 1989; Model 2010). Deren Typenvariante bzw. Variante bilden die VWBer zum Verb, zum Substantiv und zum Adjektiv (vgl. Wiegand 1988, 71f.; Hausmann 1989, 969) und diesbezüglich äuβert sich Kubczak (in Dušek 2013, 131) zu den VWBern wie folgt: «Sie sind weniger eine Hilfe beim Verstehen von unbekannten Wörtern, als beim Bilden eines korrekten Satzes, wenn sich der Schreiber schon für ein Wort entschieden hat (meistens für ein Verb oder ein Substantiv) und unsicher ist, wie es weiter geht im Satz». Zur Gewinnung eines Gesamtbildes über die vorhandenen VWBer hinsichtlich ihrer Typologie, ihrer vermittelten Information, ihrer Verwendungskontexte und ihres anvisierten Benutzerkreises werden diese Nachschlagewerke im Weiteren auf der Grundlage des Fragenkatalogs analysiert. Es geht hier nicht um einen kritischen Evaluationskatalog (vgl. Domínguez 2017), sondern um die Bestimmung entscheidender Eigenschaften bei der Einstufung eines Werkes als valenzfundiert oder nicht. Im Konkreten handelt es sich um die folgenden Fragen: Wozu 1 ? Zu welchem Zweck bzw. aus welchem Anlass wird das VWB entwickelt? Was 1 ? Was wird beschrieben?, Aufgrund welcher Kriterien werden die Wortarten ausgewählt?, Welche Wortarten welcher Sprachen? Wo 1 ? Print, CD-Rom, online Woraus? Wörterbuchbestandteile (Vorspann, Lexikon und Nachspann) Wie 1 ? Wie wird die Information angeordnet? Makrostruktur Was 2 ? Mikrostrukturelle zentrale und periphere Information in Valenzwörterbüchern 2 Eine ausführliche Dastellung ist in Domínguez ( 2017) auffindbar. 3 Wo 2 ? Wo in der Mikrostruktur?, Verdichtung der Information in der Mikrostruktur Wie 2 ? Wie wird die valenzfundierte Information dargestellt? Wer 1 ? An wen richtet sich das Wörterbuch? Wer 1 + Wozu 2 ? Suchanfrage und Benutzungsziel; Anlässe und Situation zur Verwendung des WBes, Metasprache; In welcher Beziehung stehen die Ausgangsund Zielsprache des Wörterbuches und die Mutterbzw. Fremdsprache des Wörterbuchbenutzers? Tabelle 1: Fragenkatalog an die Valenzwörterbücher Der Bestand an analysierten VWBern, der im Anhang 1 aufgelistet wird 3 , umfasst drei Wortarten, und zwar Verben, Substantive und Adjektive, d.h. Valenzträger. Hinzu kommen Wörterbücher, die unterschiedliche Wortarten beschreiben. Nach diesem ersten Unterscheidungskriterium werden die Werke nach einer dreigliedrigen Klassifikation weiter eingestuft, die einsprachige, bilinguale/kontrastive und multilinguale Wörterbücher kategorisiert (vgl. 4). Die analysierten Nachschlagewerke weisen als VWBer Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede bezüglich ihrer Konzeption und ihres Aufbaus auf, die insbesondere mit der beschriebenen Wortklasse und mit der Rolle der Muttersprache des intendierten Benutzerkreises hinsichtlich der Ausgangsoder Zielsprache vom Wörterbuch zusammenhängen, ferner mit den verwendeten Inventaren der Ergänzungen bzw. Aktanten sowie den verwendeten semantischen Kategorien. So eine breite Palette trägt aber zur aussagekräftigen Beschreibung von VWBern als Typenvertreter der Klasse der syntagmatischen Wörterbücher bei. 3. Valenzwörterbücher angesichts der Frage des Wozu 1 ? Laut Schumacher (2006a, 1397) verstehen sich VWBer als Werke, die bei der Sprachproduktion eingesetzt werden: « Da die allgemeinen deutschen Wörterbücher zu dieser Zeit nur unzureichend die Konstruktionsmöglichkeiten für Syntagmen darstellten, sollten Valenzwörterbücher diese Lücke schließen. Sie stehen damit auf der Nahtstelle zwischen Grammatik und Lexik». Diese von Schumacher vertretene Ansicht wird aus der Gegenüberstellung von Einträgen aus VWBern und Bedeutungswörterbüchern, die prinzipiell nicht als Ziel haben, alle Konstruktionsmöglichkeiten zu belegen, ersichtlich. Besondere Unterschiede erkennt man z.B. an dem unterschiedlichen Ausführlichkeitsgrad bei der Darbietung der satzförmigen valenzbedingten Realisierungen, was sich beim Vergleich von beschweren beim Wörterbucheintrag 1 und 2 verdeutlichen lässt. Im ersten Fall, beim DWDS, werden Patternmuster (wie z.B. sich bei jmdm. über, wegen etwas beschweren) illustriert und Beispiele (er beschwerte sich über die Behandlung, wegen des Lärms) dargelegt. In diesem Wörterbucheintrag werden die satzförmigen Realisierungen aber nicht verzeichnet. Im Gegensatz dazu vermittelt E-VALBU neben dem Strukturbeispiel, der Bedeutung mit integrierter Aufnahme der semantischen Rollen, dem Satzbauplan, 3 Die angeführten Literaturhinweise bilden notgedrungen nur eine Auswahl. Eine ausführliche Beschreibung dieser Werke sowie die vollständigen bibliographischen Hinweise sind in Domínguez (2011) und Domínguez/Engel/Paredes (2017a) zu finden. 4 den Beispielen 4 , den Passivkonstruktionen und den Anmerkungen ein konkretes Feld für die Belegungsregel. Hier werden alle Realisierungen der im Satzbauplan angegebenen Ergänzungen (vgl. 8.1.) jeweils angeführt und durch Beispiele illustriert, wobei VALBU und E-VALBU hinsichtlich der satzförmigen Ausdrucksformen – einschlieβlich dem Auftreten des Korrelats – Vollständigkeit anstrebt. Folglich werden beim Wörterbucheintrag 2 im Falle der Belegungsregel der Präpositivergänzung (K prp ) folgende satzförmige Realisierungsmöglichkeiten angegeben: dass-Sätze mit fakultativem Korrelat darüber (dass-S), Infinitivsätze mit zu sowie mit fakultativem Korrelat darüber (Inf-S mit zu) und unabhängige Hauptsätze (HS) ohne Korrelat. Wörterbucheintrag 1: beschweren bei DWDS Belegungsregeln: • K sub : NP im Nom/ProP im Nom/GWS • K prp : bei +Dat (7) Wenn Sie keinen Bescheid erhalten, können Sie sich bei einem Verwaltungsgericht beschweren. (Ullrich, S. 109) • K prp : • über +Akk/selten gegen +Akk (8) Ich kann mich über dieses Team nicht beschweren. (Zeit, 27.09.1985, S. 4) (9) Ein Häftling hat sich mit Erfolg gegen unzumutbare Haftbedingungen im Zweibrücker Gefängnis beschwert. (die tageszeitung, 7.1.2005, S. 6) • SK prp mit fak. Korrelat darüber: • dass-S: (10) Kunden hätten sich bei der Umwelthilfe jedoch beschwert, dass bei einem dieser Märkte diese Säfte danach um 20 Prozent verbilligt angeboten worden seien. (dpa, 30.01.2006; Neue Farbchemikalien-Funde in Säften) (11) Er hatte sich darüber beschwert, dass das Unternehmen Ware mit der selben Chargennummer unter verschiedenen Mindesthaltbarkeitsdaten verkauft habe. (dpa, 15.02.2006; In 4 Bei beschweren 1 wird diesbezüglich die nachstehende Information vermittelt: Strukturbeispiel: jemand beschwert sich bei jemandem über jemanden/über/gegen etwas; Im Sinne von: jemand beklagt sich bei jemand Zuständigem über jemanden/etwas in der Hoffnung auf Abhilfe; Satzbauplan: K sub , (K prp ) , (K prp ); Beispiele: Bullert beschwert sich beim Sekretär der Partei. (Strittmatter, S. 11). Es werden weitere Beispiele vermittelt, die die unterschiedlichen Muster veranschaulichen . 5 Schulkantine seit einem Jahr verfallenes Fleisch entdeckt) • Inf-S mit zu: (12) Lautstark beschwerte sich ein Teil der 200 Beamten auf einer Personalversammlung darüber, "keine eigentliche Aufgabe" zu haben. (Spiegel, 11/93, S. 17) (13) Schwestern und Pfleger beschweren sich, nicht zu erfahren, "was eigentlich läuft". (Stern, 19.11.1987, S. 288) • HS [ohne Korrelat]: (14) Betroffene beschweren sich, sie seien über Veränderungen in der Planung nicht informiert worden. (Berliner Zeitung, 03.01.2005, S. 27) Wörterbucheintrag 2: Belegungsregel der Präpositivergänzung von beschweren bei E-VALBU Als Reaktion auf gewisse Lücken und Mängel werden VWBer weiterhin von Schumacher (2006a, 1396) gekennzeichnet: « Ein Defizit dieser [grammatikographischen] Darstellungsform besteht darin, dass hierbei die Regeln immer nur mit relativ wenigen Beispielen illustriert werden können. Dadurch bleibt für den Benutzer die Frage bestehen, welche der Regeln für die vielen Fälle zutreffen könnten, die nicht als grammatikalisches Beispiel dienen. Hier kann ein Lexikon Abhilfe schaffen, indem es den zentralen Wortschatz für den Anfängerunterricht erfasst und die syntaktischen Regeln systematisch jedem Wort zuordnet. Insofern sind die frühen Valenzlexika [...] als ausgelagerte und stark erweiterte Bausteine der grammatikalischen Beschreibung zu betrachten». Die von Schumacher genannte Schwierigkeit im Falle der Sprachproduktion (dadurch bleibt für den Benutzer die Frage bestehen, ...) versuchen VWBer zu beheben, indem sie einen „Regelmechanismus“ (Helbig/Schenkel 1983) zur Erkennung von agrammatischen Sätzen und zur Bildung grammatischer Sätze anbieten, dessen Mehrwert unter anderem darauf zurückzuführen ist, dass a) die Belegungsregeln umfassender als bei anderen Wörterbuchtypen und -klassen dargelegt werden und b) genaue quantitative und qualitative Auskunft über die Kombination und Interaktion der Ergänzungen angesichts ihrer syntaktischen und semantischen Merkmale dargeboten wird (vgl. die vorangehenden Wörterbucheinträge 1 und 2). Ferner sollte die Bestimmung der semantisch-kategoriellen Bedeutung zum Ausdruck neuer korrekter Sätze beitragen, die als „semantische Minimalanforderungen an Kontextelemente“ von Engel (2004, 188) definiert werden (siehe im nachstehenden Eintrag die Information in fett gesetzter Klammer) 5 : 5 Die herausragende Rolle dieser Information rückt noch eindeutiger in den Vordergrund, wenn man an die zweisprachigen VWBer denkt, wie es hier bei dem Wörterbucheintrag 3 der Fall ist. 6 Wörterbucheintrag 3: Partieller Eintrag aus VLdsp (2017) 4. Valenzwörterbücher angesichts der Frage des Was 1 ? Zur Beantwortung der Frage des Was 1 ist auf folgende Schwerpunkte einzugehen: i) Untersuchungsgegenstand von Valenzwörterbüchern: Als Hauptziel von VWBern stellt sich die Beschreibung von (Satz)bauplänen – sprachwissenschaftliche Abstraktionen aller konkreten Realisierungen bzw. Satzbaumuster eines Valenzträgers– heraus. Da im Rahmen der Valenzgrammatik besonders den Verben – und je nach Autor den Adjektiven und Substantiven – Valenzträgerstatus zugeordnet wird, sind diese die am häufigsten analysierten Wortarten. Mit Ausnahme von Nied (1999) beschreiben die VWBer die geschriebene Sprache. ii) Kriterien zur Lemmataauswahl: Die Kriterien zur Aufnahme von Vertretern dieser Worklassen als Wörterbuchlemmakandidaten sind unterschiedlicher Natur: Verfahren Wörterbuchvertreter Einsprachig  Wortschatz des Zertifikats Deutsch als Fremdsprache 6  KVL, VALBU, EVALBU, VLdbks, VLsd  Frequenzkriterium 7  Nied, PORTLEX, DCVVEA 6 Die Auswahl geht auf die Wortschatzliste des Zertifikats Deutsch als Fremdsprache des Goethes Instituts (ZDaF) zurück. Die hier enthaltenen Einheiten sind Prüfungsgegenstand zur Erlangung des Zertifikats und entsprechen etwa dem B1-Niveau des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen. Es handelt sich um die gebräuchlichsten Verwendungen eines Wortes und dementsprechend sind sie wichtig auch bei der Sprachproduktion. 7 Korpusgestützt gewonnene Frequenzangaben können zu unterschiedlichen Zwecken herangezogen werden, und zwar z.B. zur Auswahl der Lemmataliste des Werkes, zur Einbeziehung neuer Lesarten oder Satzbaupläne bzw. Realisierungen u.a. Im Falle von Valenzwörterbüchern sei aber in Betracht zu ziehen, dass nicht nur die Frequenz eine wichtige Rolle spielt, sondern auch die Tatsache, dass sich die in Frage kommenden Lemmakandidaten als Valenzträger und die zu beschreibenden Leerstellen als valenzgefordert erweisen müssen. 7 Zweisprachig  bei den kontrastiven wird die Ausgangssprache des Wörterbuchs als Vorlage genommen. 8 Bei der Zielsprache werden jeweils unterschiedliche Kriterien zwecks der Auswahl der Äquivalente einer Lesart herangezogen.  Rall/Rall/Zorrilla, DCVVEA, PORTLEX, Octavian/Engel iii) Verhältnis zwischen Lemmata, Sprachen und Wörterbuchtyp: Angesichts der Anzahl der bei der Beschreibung mitbeteiligten Sprachen kann auf der Grundlage des Anhangs 1 zwischen einsprachigen, zweisprachigen und multilingualen Nachschlagewerken unterschieden werden, und dies zu den Wortklassen Verb, Adjektiv und Substantiv. Insgesamt lässt sich festhalten, dass zweisprachige unilaterale gedruckte Verbvalenzwörterbücher mit Deutsch als Bezugssprache gegenüber den Werken für andere Wortklassen in der Mehrheit sind. Bilateralität und Multilateralität ist mir bis dato aus PORTLEX (Domínguez/Válcarcel 2018) bekannt. 5. Valenzwörterbücher angesichts der Frage des Wo 1 ? Hier geht es um die Frage des Mediums. VWBer sind bisher – von wenigen Ausnahmen abgesehen, wie DCVVEA, E-VALBU und PORTLEX – Printnachschlagewerke. Aufgrund des bisherigen vorhandenen Druckmediums ist die aktive Nutzerteilnahme am lexikographischen Prozess prinzipiell ausgeschlossen. 6. Valenzwörterbücher angesichts der Frage des Woraus? Mit der Beantwortung der Frage Woraus ist gemeint, aus welchen Hauptteilen VWBer bestehen. Neben dem Lexikon an sich sind im Vorspann und Nachspann verschiedenartige Informationen aufzufinden, die in der folgenden Tabelle zusammengefasst werden: Vermittelte Information Wörterbücher Vorspann  Vorwort, Hinweise über das methodologische Verfahren sowie über den Aufbau der Wörterbuchartikel, Begrifflichkeiten, Auskunft über die verwendete Literatur und Abkürzungen, ferner Informationen zur Benutzung.  Angelini/ Fábián, Cirko et al., VLdbks, VLsd Nachspann  Hinweise zur Benutzung, Abkürzungen  Register  WVDV • alphabetisches Verbregister  Bassola et al. (2003, 2012), VLdr, Angelini/ Fábián 8 Wichtig ist es hier hervorzuheben, dass die Anzahl der zielsprachlichen Äquivalenten sowie ihre Auswahl nicht nur mit sprachvergleichenden Aspekten zu tun haben, sondern dass die Aufnahme von ausgewählten Äquivalenten auch auf eine Prozedur auf der Grundlage einer deductive method – im Sinne von Tarp 2015 – zurückgehen kann. 8 • alphabetisches Register mit Verzeichnis der Satzmodelle, Satzmodellregister und alphabetische Verbregister, Literatur  VALBU • alphabetisches Verbregister, Abkürzungen  VLdsp Wie aus der Tabelle hervorgeht, dienen Vorspann und Nachspann zu unterschiedlichen Zwecken. Darin, dass die deutschsprachige Valenzlexikographie nach 1965 mit Bezugspunkt auf das Fach Deutsch als Fremdsprache begonnen hat, liegt m.E. die Erklärung, dass frühere VWBer im Vorspann nicht nur Hinweise über den Werkaufbau sondern auch über die Valenzgrammatik selbst vermitteln. In einigen Fällen, wie z.B. beim VLdr, handelt es sich quasi um eine kurze Verbgrammatik. Der Nachspann scheint besonders für die Darlegung von Registern konzipiert zu sein, was mit der Darbietung unterschiedlicher Suchmöglichkeiten zusammenhängt: einerseits tragen diese Register zu einem Gesamtüberblick über die im Werk beschriebenen Einheiten mit ihren jeweiligen zielsprachlichen Äquivalenten bei (vgl. Bassola et al.); andererseits sollte die bilaterale Verwendung des Werkes gewährleistet werden, d.h. die Umkehrung der Perspektive von der Zielsprache in die Ausgangssprache des Wörterbuchs (vgl. Angelini/Fábián). Auf zwei Aspekte sei hier noch hingewiesen: a) Bei der Erstellung neuer Printwörterbücher sollte die Rolle des Vorspanns überlegt werden, denn nutzerbezogene Studien weisen darauf hin, dass der Vorspann sowie die hier vermittelten Informationen zwecks der Handhabung des Werkes von den Benutzern und Benutzerinnen oft nicht gelesen wird, d.h. dieser Wörterbuchbestandteil erfüllt die Funktion nicht, wofür er konzipiert wurde; b) Über den Vorspann und den Nachspann sind bei der Entwicklung neuer elektronischer Valenzwörterbücher Überlegungen anzustellen. Somit kann die Möglichkeit einer erweiterten Suche in einem elektronischen Werk die bisherigen Nachspannregister ersetzen. Ebenfalls können Informationen, die in gedruckten Wörterbüchern im Vorspann untergebracht sind, in elektronischen Wörterbüchern mithilfe von Mouse-over-Effekt oder Pop-up-Fenstern in die Anzeige eines Wortartikels integriert dem Nutzer angezeigt werden. Von den in Tabelle 1 genannten Bestandteilen in Vorspannen eignen sich hierfür allerdings die Erklärungen zu verwendeten Begrifflichkeiten oder die Auflösung verwendeter Abkürzungen. 7. Valenzwörterbücher angesichts der Frage des Wie 1 ? Unter die Frage des Wie fällt die Makrostruktur des VWBs, die überwiegend der semasiologischen Anordnung der Lemmata folgt. Eine Ausnahme bilden hier ViF (1986, 346-354) sowie die Wortfelder Wörterbücher (DWfVG, DWfA und DWfS), da sie hier von einer semasiologischen Struktur abweichen. 8. Valenzwörterbücher angesichts der Frage des Was 2 ? Es geht hier darum, was konkret in VWBern beschrieben wird, d.h. ob bestimmte mikrostrukturelle Bestandteile wörterbuchtypspezifisch sind oder nicht. Die vergleichende Analyse verschiedener VWBer (vgl. Anhang 1) gibt zu erkennen, dass 9 zentrale und periphere 9 mikrostrukturelle Bestandteile in Erwägung gezogen werden können. 8.1. Zentrale mikrostrukturelle wörterbuchtypspezifische Felder Eine Analyse der im Anhang 1 enthaltenen Werke lässt folgende zentrale mikrostrukturelle wörterbuchspezifische Felder erkennen: Abb. 1: Zentrale valenzwörterbuchspezifische Bestandteile Diese spezifischen Wörterbuchbestandteile werden im Weiteren ausgeführt: i) Lesarten und Bedeutungswiedergabe: Die angesetzten Lesarten ergeben sich aus den zu erläuternden Bedeutungen einer konkreten Einheit bzw. eines Lemmas. Ein Beispiel dafür sind die beiden Lesarten für loben in E-VALBU, nämlich 1 loben mit der Bedeutung `sich über etwas anerkennend äußern´ und 2 loben mit der Bedeutung `sich über jemanden/etwas in Bezug auf etwas anerkennend äußern´. Aus der Analyse von VWBern lässt sich schlieβen, dass sie überwiegend Bedeutungsparaphrasen für die einzelnen Lesarten der Lemmata angeben. Eine Minderheit von VWBern verzichtet hierauf, und zwar, unabhängig davon, ob es sich um monooder polyseme Lemmata handelt (vgl. a). Bei den Werken, deren Lesarten mit einer Definition versehen werden, lassen sich unterschiedliche Prozeduren feststellen (vgl. b)): a) Lesart ohne Bedeutungsparaphrase Wörterbuchvertreter b) Lesart mit Bedeutungsparaphrase oder Definition Busse, KVL, VLdr  kurze Beschreibung und Vermittlung der Bedeutung (häufig mit Hilfe von Synonymen nur bei mehreren Lesarten)  Octavian/ ngel, WVDV  selbstkonstruierte Definitionen durch eine begrenzte Menge von Deskriptoren  ViF, VLdbks, VLsd, VLdsp 9 Zentral und periphere sind mit den Begriffen „wichtig“ und „unwichtig“ nicht gleichzusetzen, sondern mit den Begriffen „häufig vorhanden“/“kennzeichnend“ vs. „nicht häufig vorhanden“/“nicht kennzeichnend“. 16 Verb Periphere Bestandteile/Information Wörterbuchvertreter  Wortbildung  typisch bei den Engelschen Wörterbüchern, VALBU, ViF  Relationales Signifikat  e-VALBU, Herbst et al., VLdbks, VLsd, VLdsp  Agentivitätsgrad  VLdbks, VLsd, VLdsp,  Metataxefeld bei kontrastiven Wörterbüchern  DCVVEA, VLdsp Substantiv Periphere Bestandteile/Information Wörterbuchvertreter  Standardmuster  konkrete Hinweise auf die Reihenfolge der Elemente  Hinweise auf sinnverwandte Wörter 21  Kollokationen/Phraseologismen  Relationale Bedeutung  PORTLEX  Typisch für die Wörterbücher der Leipziger Schule 22  PORTLEX  Angelini/Fábián, Bassola et al. (2003, 2012)  PORTLEX Kurz wird noch auf das relationale Signifikat eingegangen. Domínguez/Engel/Paredes (2017a, 154) erläutern: «Was die relationale Bedeutung des Verbs betrifft, so kann es keinem Zweifel unterliegen, dass sie ein elementarer Teil der Verbvalenz ist; dies wird besonders in kontrastiven Darstellungen, zweisprachigen Valenzwörterbüchern usw. deutlich, wo man über Zahl und Art der Ergänzungen hinaus nur dann wirkliche Übersetzungsäquivalente ermitteln kann, wenn auch die semantische „Rolle“ der Ergänzungen mit einbezogen wird.» 23 Unter den VWBern, die diese Information vermitteln, lassen sich zum einen diejenigen unterscheiden, die mithilfe von Abkürzungen, wie bei VLdbks (2009), VLsd (2013) und VLdsp (2017), semantische Rollen niederschreiben; zum anderen gibt es andere 21 Bei den Bedeutungsparaphrasenangaben (vgl. i)) sei angeführt, dass bei einigen Wörterbüchern die jeweiligen Lesarten mittels Synonymen vermittelt werden. Die Einsetzung von Synonymen in diesem Fall gilt zur Erläuterung der Lesartenbedeutungen, d.h. es handelt sich um einen Beschreibungsmechanismus bei einem zentralen Bestandteil des Werkes. Im Gegensatz dazu sind die hier genannten sinnverwandten Wörter als periphere Information aufzufassen, denn sie vermitteln zusätzliche Information. Ein Beispiel dafür bilden die sinnverwandten Wörter in PORTLEX, nämlich Substantive, die zum gleichen semantischen Wortfeld gehören. 22 Zu der Leipziger Schule gehören die Werke, die auf der Grundlage von Helbigs Theorie entstanden sind, wie z.B. WVDS, DWfS und DWfA. Als Vertreter der Mannheimer Schule sind Bianco, Cirko et al., VLdbks, VLdsp u.a. zu nennen, die sich auf Engels Theorie stützen. 23 Da die relationale Bedeutung bzw. das relationale Signifikat ein elementarer Teil der Verbbedeutung ist, lässt sich die Frage stellen, warum diese Angaben in den untersuchten Wörterbüchern dann selten vorkommen. Vielleicht geht dies darauf zurück, dass der Ursprung der Valenzlexikographie im DaFBereich steht, und aus diesem Grund geht man von der Annahme aus, dass die Benutzer von dieser Information – da nicht einfach zu entschlüsseln ist – nicht viel profitieren können. 17 Nachschlagewerke, die mittels Umschreibungen die verbspezifischen Rollen vermitteln, wie es bei E-Valbu und PORTLEX der Fall ist. 9. Valenzwörterbücher angesichts der Frage des Wo 2 ? Hier geht es um die Frage, in welcher Reihenfolge die den Valenzträgern zugeschriebene Information angeordnet wird, was nicht nur die Anordnung der mikrostrukturellen Felder, sondern auch die Reihenfolge aller Lesarten eines beschriebenen Valenzträgers betrifft. In diesem Zusammenhang scheint mir die Prozedur in E-VALBU erwähnenswert zu sein: unterschieden wird hier zwischen Langartikeln – Varianten des jeweiligen Verbs, die Bestandteil des Zertifikats Deutsch sind, dementsprechend handelt es sich um die gebräuchlichsten Verwendungen des Verbs, die sich deswegen als wichtig für die Sprachproduktion erweisen – und Kurzartikeln – unter dem Eintrag W.BED sind weitere Bedeutungen auffindbar; sie stellen sich für die Sprachrezeption als entscheidend heraus. Aus den bereits genannten Gründen stehen die Langartikel immer am Anfang des Gesamtartikels (VALBU 2004, 64ff.). Nicht bei allen VWBern ist ein Artikelkopf vorhanden, und, falls vorhanden, ist er unterschiedlicher Art. Häufig werden hier die einzelnen Lesarten des Lemmas (EVALBU 24 ) aufgelistet sowie die zielsprachlichen Äquivalente bei den zweisprachigen (VLdsp; Bassola et al. 2003, 2012). Ein Beispiel für die Verdichtung der Information bei jedem konkreten Artikel bildet der Wörterbuchartikel 3 (vgl. 3). Mediostrukturelle Information ist nicht immer vorhanden und und steht je nach Wörterbuch an einer anderer Stelle. 25 Was die Reihenfolge der Lesarten betrifft, wird die aszendente Anordnung gemäβ der quantitativen Valenz bevorzugt (vgl. DCVVEA, ViF, VLdbks, VLsd,VLdsp). 10. Valenzwörterbücher angesichts der Frage des Wie 2 ? Die Frage des Wie bezieht sich auf die Darstellung valenzfundierter Information. Zum einen wird die Wechselwirkung der Ergänzungen im Satzbauplan mithilfe einer gesonderten Notierung dargestellt, wobei häufig Symbole wie (E 26 /E), E 1 /E 2, E v E, (E ) zur Hilfe genommen werden. Zum anderen verdeutlichen die Beispiele die Ergänzungsklassen – insbesondere ihren Status als fakultativ; gelegentlich werden die Angaben gesondert verzeichnet. Zwecks einer einfacheren Handhabung des Werkes, sind einige Maβnahmen getroffen worden, wie z.B. eine hilfeleistende optische Informationswiedergabe mihilfe der Zuordnung zwischen Farben und den Ergänzungen sowie ihren Realisierungen in den Belegen (z.B. E-VALBU, PORTLEX) 27 oder die Angabe eines Äquivalents in der Muttersprache des Wörterbuchbenutzers bei monolingualen zielsprachlichen Werken (Bassola et al. 2003, 2012). 24 Hier wird Information über die Aussprache, die Stammformen und die Konjugationsmuster dargeboten. 25 In VALBU stehen im Artikelfuβ Hinweise über die Verbfamilie; in VLdsp stehen unter dem zielsprachlichen Äquivalent zwecks der bilateralen Anwendung des Werkes weitere im Werk beschriebene Verben. 26 E steht anstelle der konkreten Ergänzungen. 27 Weitere Schwierigkeiten bereitet das Verständnis der semantischen Rollen, das durch eine Umschreibung der semantischen Relatoren (VALBU 2004, 62; PORTLEX) zu beheben ist. 18 11. Valenzwörterbücher angesichts der Frage des Wer und Wozu? Sehr kontrovers und häufig kritisiert ist die Beziehung zwischen VWBern und ihrem potenziellen Benutzeroder Adressatenkreis. Das folgende Zitat veranschaulicht eine häufig geäußerte Kritik an diese Nachschlagewerke: «Der wichtigste Grund für diese neue Richtung ist ein didaktischer: ein einsprachiges Wörterbuch in der Fremdsprache ist erst für fortgeschrittene Studierende von Nutzen. Für die Lerner auf der Anfängerstufe ist es zu schwierig, weil auf dieser Stufe weder für das Beschreibungsvokabular noch für das Verstehen der Beispiele die erforderliche fremdsprachige Kompetenz aufgebaut ist. Daraus leiten einige die These ab, dass diejenigen, die ein solches Wörterbuch bräuchten, es nicht verstehen. Diejenigen aber, die es verstehen, würden es nicht mehr brauchen. [...] Und dies zu vermeiden, wurde überlegt, die Muttersprache der Studierenden als Hilfsmittel für das Verständnis der Information zur Fremdsprache einzusetzen.» (Schumacher 2006b, 1436; Hervorhebung von mir). Dass VWBer schwer handhabbar, wenig leserfreundlich und schwer verständlich sind – aufgrund der valenzfundierten Begriffe und der vorliegenden Inventare sowie aufgrund der vorhandenen Abkürzungen und Symbole – und dementsprechend hohe Anforderungen an die Benutzer stellen, gehört zu den meist bemängelten Aspekten dieser Nachschlagewerke (Dębski 2001, Majorin 2008, Nied 2012). Unter diesem Gesichtpunkt wird ihre Nützlichkeit in Frage gestellt bzw. kritisch betrachtet (Bielińska 2003; Dębski 2001; Fischer 2014; Żytyńska 2010). 28 Eigentlich wissen wir noch zu wenig darüber, wie Benutzer mit Valenzwörterbüchern zurechtkommen, ferner liegen wenige konkrete empirische Untersuchungen über die Verwendung dieser Nachschlagewerke vor. Einige Studien weisen allerdings darauf hin, dass sie von ihrem intendierten Benutzerkreis wenig verwendet werden und nicht bekannt sind (vgl. Domínguez/Valcárcel 2015; Pawlikowska-Asendrych 2006) sowie dass bei valenzbezogenen Suchanfragen am häufigsten automatische Übersetzungsprogramme (Google Translator, Pons Translator) herangezogen werden (Domínguez i. D.). Meines Erachtens dürfen einige Aspekte nicht übersehen werden, die für diesen niedrigen Verwendungsund Bekanntheitsgrad von VWBern: i) Heutzutage liegen kaum VWBer vor, die online zugänglich sind. ii) Überwiegend gehen VWBer nicht von der Muttersprache des anvisierten Benutzerkreises aus, sondern von der Zielsprache, was bedeutet, dass das zielsprachliche Äquivalent bekannt sein muss, um es im WB nachschlagen zu können. iii) Die Marktund Verlagsbedingungen könnten dafür verantwortlich sein. Dass Verlage mit einem Valenzwörterbuch eine zu heterogene Nutzergruppe ansprechen wollen, kann bewirken, dass die in Frage kommenden Nutzergruppen mit einem konkreten Wörterbuch eigentlich nichts anfangen können und gegebenenfalls es nicht gewinnbringend benutzen können. Unterzieht man VWBer hinsichtlich des Benutzers einer näheren Analyse, sollten m. E. die Hauptadressaten in folgende Hauptgruppen eingeteilt werden: i) Bereich: Deutsch als Fremdsprache bw. Fremdsprachenunterricht: Lehrer/Dozent vs. Schüler/Student. ii) Bereich: Lehrbuchautoren (auch verbunden mit i)) iii) Bereich: Übersetzung 28 Vieles mag schon stimmen, aber m.W. ist das keine Kritikäuβerung, die ausschlieβlich VWBer betrifft. 19 iv) Bereich: Forschung v) Bereich: Sprachinteressierte 29 Ein erstes Ordnungsprinzip erfolgt meines Wissens bei der Einteilung in primäre und sekundäre Benutzergruppen. Unter den primären lässt sich die Nutzergruppe verstehen, für die das Wörterbuch prinzipiell konzipiert wurde; das ist hingegen nicht der Fall bei den sekundären Adressaten, die aber ebenfalls vom Werk profitieren können: Lehrkräfte/DaF-Lehrer primär e-VALBU, DCVVEA, KVL, Nied, PORTLEX, ViF WVDV Student/Lernende primär Bassola et al (2003, 2012), Bianco, Cirko et al., DCVVEA, PORTLEX, VLdsp sekundär/indirekt e-VALBU, KVL, Nied, ViF, WVDV Lehrbuchautoren primär e-VALBU, Nied, ViF Übersetzer primär Bassola et al. (2003, 2012), DCVVEA, PORTLEX Eine aufmerksame Lektüre der Vorworte bzw. der spezifischen Auskunft über die Benutzer beleuchtet etwas, was nicht häufig zur Sprache kommt (vgl. Fischer 2014): «Der Hauptzweck des Wörterbuchs bleibt die Aufstellung eines Erklärungsmechanismus für den Fremdsprachenunterricht. In analoger Weise dürfte ein solcher Mechanismus auch auf andere Sprachen anwendbar sein. Er wird nicht unmittelbar, sondern vermittelt durch entsprechende Lehrmaterialien in die Unterrichtspraxis eingehen können.» ( WVDV, Helbig /Schenkel 1983, 76; Hervorhebung von mir). «Man muß jedoch nachdrücklich davor warnen, dieses Buch als Mittel zum Selbststudium oder als Ersatz für ein Lehrbuch zu betrachten. Es ist vielmehr ein Nachschlagewerk und sollte als solches benutzt werden.» (KVL, Engel/Schumacher 1978, 3; Hervorhebung von mir). Wie Fischer erklärt: «Für die einsprachigen Valenzwörterbücher des Deutschen gilt also, dass Lerner vor allem vermittelt über Lehrer und Lehrmaterialien profitieren sollen und nur mit Einschränkungen unter Anleitung oder als Fortgeschrittene mit linguistischer Vorbildung oder Geduld direkt die Wörterbücher benutzen sollen.» (Fischer 2014, 49). «Wir halten fest, dass die betrachteten einsprachigen Valenzwörterbücher eigentlich nicht direkt für Sprachlerner konzipiert sind.» (Fischer 2014, 52). Im Falle der kontrastiven VWBer scheint der Fremdsprachenlerner in den Fokus gestellt zu werden. Ist also die Kritik an VWBern unter dem Geschichtspunkt des Benutzers immer noch so berechtigt? 12. Ausblick 29 Die Bereiche iv) und v) können sich bei jedem Werk als Benutzergruppen herausstellen. 20 Was aus einem Werk ein Valenzwörterbuch macht, ist die Wiedergabe der syntaktischen und semantischen Belegungsregeln eines Valenzträgers und der zugehörigen Beispiele. Kennzeichnend dafür ist die Einteilung in Bedeutungsvarianten, die mit (Satz)baumustern oder valenzbedingten Realisierungen versehen werden, die jeweils grammatisch und kategoriell-semantisch beschrieben werden. Die Belege in VWBern veranschaulichen die Ergänzungstypen, ihr Status als obligatorisch bzw. fakultativ sowie ihre Kombinatorik, manchmal werden die Angaben gesondert gekennzeichnet. Insgesamt lässt sich festhalten, dass zweisprachige unilaterale gedruckte Verbvalenzwörterbücher mit Deutsch als Bezugssprache gegenüber den Werken für andere Wortklassen in der Mehrheit stehen. Die niedrigen Verwendungsquoten von VWBern hängen nicht ausslieβlich mit den hohen Anforderungen an die Benutzer zusammen (vgl. 8.11), m.E. hängt dies auch mit der „Internetwende“ zusammen, bei der VWBer kaum repräsentiert sind. Und ausgerechnet hier können neue Wege eingeschlagen werden. M.E. können VWBer unterschiedliche Benutzergruppen haben, die je nach den konkreten individuellen Bedingungen und internen und externen Benutzungskontexten bestimmte Informationen zu Rate ziehen können 30 . Die Daten sind da, die Herangehensweise in der elektronischen Lexikographie kann nutzerbezogen und invividuell erfolgen. Die Zukunft von VWBern liegt darin, sie als polyfunktionale und polyadressierte valenzbasierte e-Ressourcen zu entwickeln, und nicht in einer strikten sehr spezifischen Entwicklung von VWBern, etwa Valenzwörterbuch 1 kann von einem konkreten Benutzertyp 1 zu einem konkreten Zweck 1 aus einem bestimmten Anlass 1 , Valenzwörterbuch 2 kann von einem konkreten Benutzertyp 2 zu einem konkreten Zweck 2 aus einem bestimmten Anlass 2 usw herangezogen werden 31 . M.E. sollte die künftige Entwicklung genau die umgekehrte Perspektive als die heutige sein, vor allem im Hinblick auf die weit verstandene Verwertbarkeit (in Worten von Bielińska 2003, 242). Dadurch wird dem Benutzer ein nützliches Instrument zur Behebung seiner Unsicherheiten angeboten. 13. Literatur 13.1. Fachliteratur Bielińska, Monika, Valenzwörterbücher – das Ideal und das Leben, in: Cornell, Alan/Fischer, Klaus/Roe, Ian F. (edd.), Valency in practice/Valenz in der Praxis. Bern, Peter Lang, 2003, 241–258. 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Ein learning system managment, eine extern zugreifbare Datenbank sowie interne und externe virtuelle Kommunikationsmedien sollten sich ebenfalls als zentrale Bestandteile des Werkes herausstellen. 21 Thielemann Werner/Welke Klaus (edd.), Valenztheorie − Einsichten und Ausblicke, Münster, Nodus, 2001, 295–316. Domínguez Vázquez, Mª José (im Druck): Brückenschlagen: das Valenzlexikon DeutschSpanisch und seine Anwendung bei der Entwicklung neuer lexikographischer Ressourcen, in: Studia Germanica Gedanensia. Domínguez Vázquez, Mª José, Valenzwörterbücher und Wörterbuchkritik: Vorschlag zu einem lexikographischen systematischen Evaluationskatalog mit Vorund Nachanwendungen, in: Bielińska, Monika / Schierholz, Stefan J., Wörterbuchkritik. Dictionary criticism, Berlin, de Gruyter, 2017, 369-390. Domínguez Vázquez, Mª José, Kontrastive Grammatik und Lexikographie, spanisch-deutsches Wörterbuch zur Valenz des Nomens. München: Iudicium, 2011. 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(1986), VALBU (2004) und e-VALBU (http://hypermedia2.ids-mannheim.de/evalbu/index.html); Portugiesisch:; Französisch: Busse (1983); Tschechisch: VALLEX (2007); Portugiesisch: Luft 1995, Rodrigues Feitosa 2011, Busse 1994, Spanisch: Zavaleta/Szakolczai 1990 zweisprachig Deutsch und Albanisch: Sadiku (in Vorbereitung); Deutsch und Bosnisch/ Kroatisch/ Serbisch: VLdbks (2009); Deutsch und Bulgarisch: Michailova (in Vorbereitung); Deutsch und Chinesisch: Han/Yuan/Sun (in Vorbereitung); Deutsch-Englisch: Fischer (1997) (einige Modelle); Deutsch und Französisch: Busse/Dubost (1977); Deutsch und Italienisch: Blumenthal/Rovere (1998), Bianco (1996), Curcio (1999); Deutsch und Japanisch: Rickmeyer (1977), Hashimoto (2001); Deutsch und Koreanisch: Kim (1986); Deutsch und Kroatisch/Serbisch: Panzer (2001); Deutsch-Rumänisch: VLdr (1983), Octavian/Engel (2012); Deutsch und Spanisch: Braucek/Castell (2002), DCVVEA (http://gramatica. usc.es/proxectos/ valencia/), Rall/Rall/Zorrilla (1980), VLdsp (2017); Deutsch und Polnisch: Cirko/Morciniec/Ziobro (1995); Deutsch und Portugiesisch: Welke (1998); Deutsch und Serbisch: VLsd (2013); Deutsch und Türkisch: Abdülhayoğlu (1990), Ozil (1990); Deutsch und Ungarisch: László/Szanyi (1984/ 8 2002). mehrsprachig The Contragram. Dutch-French-English Contrastive Verb Valency (<http://www.contragram.ugent.be/cvvd/cvvdcont.htm>). SUBSTANTIV einsprachig Deutsch: WVDS (1977); Portugiesisch: Fernándes (1986). zweisprachig Deutsch und Ungarisch: Bassola et al. (2003 und 2012); Ungarisch und Italienisch: Angelini/Fábián (2005). mehrsprachig PORTLEX ADJEKTIV einsprachig Deutsch: WVDA 1974; Portugiesisch: Fernándes (1986) zweisprachig Deutsch und Chinesisch: Zhu (2004); Deutsch und Finnisch: Piitulainen (1983); Deutsch und Japanisch: Groß (1999); Italienisch und Ungarisch: Fabián (1996) UNTERSCHIEDLICHE WORTKLASSEN VWBer (bzw. lexikographische Entwürfe): Deutsch: Sommerfeldt/Schreiber (1996); Englisch: Herbst et al. (2004); Deutsch und Rumänisch: Stănescu (2008)