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Carmen Mellado Blanco (Santiago de Compostela) Die WEG-Metaphorik in der deutschen Phraseologie: ein Typologisierungsversuch * Abstract [. . .] Die alte Frau war krank, befindet sich nun aber wieder auf dem Weg der Besserung. Rotkäppchen macht sich mit dem Korb voller Köstlichkeiten und guten Ratschlägen der Mutter auf den Weg zur Großmutter. Die Mutter meint, sie solle auf dem Weg bleiben und nicht mit Fremden sprechen. Rotkäppchen verspricht es. Auf dem Weg durch den Wald steht plötzlich ein kleines Rehkitz schluchzend am Wegesrand. Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Rotk%C3%A4ppchen _( 1995) Untersuchungsgegenstand der vorliegenden Arbeit ist die Metaphernund Motivationsanalyse der auf dem Weg-Schema basierten Phraseme, die innerhalb ihrer Konstituenten das Lexem Weg enthalten. Hauptanliegen des im Rahmen der kognitiven Linguistik konzipierten Beitrags ist die Aufdeckung und Systematisiersung der relevantesten konzeptuellen Metaphern und Metaphernmodelle, die den deutschen Weg-Phrasemen zugrunde liegen, wobei als Typologisierungskriterium in erster Linie der Aspekt der graduellen Lexikalisierung und Grammatikalisierung der Weg-Komponente berücksichtigt wird. In den Vordergrund der Studie rückt ferner die Rolle der Bild-Nebenschemata und die Beteiligung des enzyklopädischen Wissens an der Konstituierung der phraseologischen Bedeutung, sowie die Motivationsart der Idiome nach der Klassifizierung von Dobrovol'skij/Piirainen (2009). 1. WEG als Bild-Schema1 Nach der Metaphemtheorie von Lakoff/Johnson (1980) stellt der Begriff WEG (PATH) ein „image schema" dar, d.h. „a recurring, dynamic pattem of our perceptual interactions and motor programs that gives coherence and structure to our experience" (Johnson 1987: xiv). Bild-Schemata basieren grundsätzlich auf der körperlichen Erfahrung und Interaktion mit unserer Umwelt und sind laut Lakoff (1987: 267) „CON- * Diese Arbeit ist im Rahmen des von mir geleiteten Forschungsprojekts FFI2013-45769-P Combinaciones fraseol6gicas de! aleman de estructura [PREP. + SUST.]: patrones sintagmaticos, descripci6n lexicografica y correspondencias en espai'lol entstanden. Für den englischen Begriff „image schema" benutze ich in diesem Beitrag den im Deutschen mittleiweile etablierten Terminus „Bild-Schema" oder einfach „Schema" in Übereinstimmung mit der im Duden an dritter Stelle angegebenen Definition von Bild als 'Vorstellung, Eindruck' (präsent z.B. im Idiom sich ein Bild von jdm./etw. machen). Demgegenüber bevorzugen andere Autoren wie Jäkel (2003: 30) den Terminus „Vorstellungs-Schema", weil „es sich gerade nicht um Bilder (im Sinne von engl. pictures) handelt", sondern um unsere „imaginative capacity" oder „Vorstelhf1gskraft" im Kantischen Sinne.
60 Carmen Mellado Blanco TA1NERS, PATHS, LINKS, FORCES, BALANCE, and in various orientations and relations: UP-DOWN, FRONT-BACK, PART-WHOLE, CENTER-PERIPHERY etc." Das WEG-Schema gehört aufgrund seiner Rekurrenz im täglichen Leben und seiner einfachen Struktur Ausgangspunkt ~ Wegstrecke/Richtung ~ Ziel zu den wichtigsten Quellenbereichen der konzeptuellen Metaphern des Menschen. In diesem Rahmen beschreibt Jäkel (2003: 264) im folgenden Zitat die Hauptkonstituenten des WEG-Schemas, die dessen Mapping und Inferenzen mitgestalten und die auf der lexikalischen Ebene die Quellendomänen der im 2. Abschnitt beschriebenen konzeptuellen Metaphern bilden: Diese simple Grundstruktur impliziert weitere wichtige Vorstellungen, wie YORW ARTSBEWEGUNG in eine bestimmte Richtung (und damit FORTSCHRITT), zurückgelegte ENTFERNUNG, und GESCHWINDIGKEIT der Bewegung. Die WEGSTRECKE besteht aus räumlichen PUNKTEN in linearer Reihenfolge, darunter bisweilen saliente ORIENTIERUNGSPUNKTE. Des weiteren kann die WEGSTRECKE auch KREUZUNGEN oder WEGGABELN aufweisen. Schließlich können dem Reisenden HINDERNISSE im Weg stehen, die umgangen werden müssen. Obwohl das WEG-Schema an sich nicht metaphorisch, sondern wie oben bereits erwähnt, rein erfahrungsbezogen ist, metaphorisiert es dennoch in seiner effizienten „SOURCE-PATH-GOAL-Struktur" viele abstrakte Konzepte unserer Sprache (z.B. ZEIT, HINDERNISSE IM LEBEN) und „wird wie alle Image-Schemata durch das metaphorische Mapping zur Quelle der metaphorischen Strukturierung vieler Lebensbereiche" (Huber 2005: 39). Die erfahrungsbasierten Korrelationen bilden das natürliche Mapping des WEG-Schemas, denn „[t]here is an experiential correlation between the source domain (movement along a path to a physical location) and the target domain (achievement of a purpose). This correlation makes the mapping from the source to the target domain natural" (Lakoff 1987: 278). Das WEG-Schema fungiert tatsächlich als Quellenbereich zahlreicher Metaphern, die aber nicht isoliert, sondern innerhalb von Metaphemmodellen als Bündel in Form von Metaphemprojektionen vorkommen.2 Ferner sind die auf Bild-Schemata basierten Metaphern' so reich und produktiv, weil sie nach Lakoff/Turner ( 1989: 62) automatisch und unbewusst auf der Grundlage des entsprechenden in der Sprachgemeinschaft konventionalisierten BildSchemas entstehen: Once we learn a schema, we do not have to learn it again or rnakc it fresh each time we use it. It becomes conventionalized and as such is used automatically, cffortlessly, and even unconsciously. That is part of the power of schemas: we can usc these ready tools without „We havc found that rnctaphors allow u~ to understand one domain ofexperience in terms ofanother. This suggests that unders1an<ling takcs placc in tcrms of cntire domains of experience and not in tenns of isolated conccpts." (Lakoff/Johnson 1980: l J 7). Anders als bei Lakoff/Johnson ( 1980) werden bei Baldauf ( 1997) die konzeptuellen Metaphern nicht in ontologische, Oricntienmgsund Strukturmetaphern, sondern in ,.Attributsrnetaphem·', „ontologische Metaphern", „bildschcmatische Metaphern'· und . .Konstellationsmetaphem"" (die Letzteren sind kulturbedingt und bilden reiche, mit zahlreichen Implikationen verbundene Wissenskomplexe) unterteilt. Für die vorliegende Studie erweist sich die dritte Gruppe als besonders interessant, weil sie explizit auf Bild-Schemata beruht.
Die WEG-Metaphorik in der deutschen Phraseologie 61 having to put any energy into making or finding them. Similarly, once we learn a conceptual metaphor, it too is just there, conventionalized, a ready and powerful conceptual toolautomatic, effortless, and largely unconscious. Metaphernprojektionen kommen auf der textuellen Ebene für die Textkohärenz eine zentrale Rolle zu, indem sich die Korrelationen zwischen dem Quellenund dem Zielbereich der im Text auftretenden Metaphernmodelle durch verschiedene lexikalische Mittel wiederholen, wie die empirisch basierten Arbeiten von Baranov/ Dobrovol' skij (2003: 20-26) 4 und Baldauf (1997: 139-149) u.a. belegen. Besonders im öffentlichen Diskurs und in der Presse ist die WEG-Metaphorik omnipräsent und wirkungsvoll, was nach Baranov/Dobrovol'skij (2003: 26) speziell dadurch zu erklären ist, dass „es eine stark elaborierte und gut strukturierte konzeptuelle Domäne darstellt, die mit Metaphern aus anderen Bereichen interagiert." Die Interaktion des WEGund weiterer Grundschemata mit sekundären BildSchemata bildet den Untersuchungsgegenstand der Studie der spanischen Linguisten Pefia Cervel/Mendoza Ibafiez (2010). Die von Johnson (1987: 126) und Lakoff(l987: 27 l) auf derselben Ebene undifferenziert postulierten ,jmage-schemata" (nämlich CONTA1NER, BALANCE, COMPULS10N, BLOCKAGE, COUNTERFORCE, RESTRAINT RE- :tvtOVAL, ENABLEMENT, ATTRACT!ON, MASS-COUNT, PATH, LINK, CENTER-PERIPHERY, CYCLE, NEAR-FAR, SCALE, PART-WHOLE, MERGING, SPLITTING, FULL-EMPTY, MATCHING, SUPERIMPOSITION, ITERATION, CONTACT, PROCESS, SURFACE, OBJECT, COLLECTION) werden von den spanischen Autoren in „esquemas basicos'' („Hauptschemata", nämlich (1) BOUNDED REG!Of\: -von dem SURFACE und CONTAINER abhängig sind--, (2) PATH und (3) PART-WHOLE) und „esquemas subsidiarios" (,,Nebenschemata") hierarchisiert und miteinander in Verbindung gesetzt. Das für uns in Frage kommende WEG-Schema wird von Pefia Cervel/Mendoza [bafiez (2010: 270) in Abbildung l dargestellt. Auf kognitiver und sprachlicher Ebene findet die Interaktion des WEG-Schemas in der komplexen Metaphorik der Weg-Phraseme ihre Widerspiegelung. Laut der Ergebnisse unserer Korpusanalyse sind bei den TVeg-Phrasemen die folgenden die relevantesten Nebenschemata: • FORCL f'Veg-Phrascmc der Metaphcmprojcktionen JMDM. PROBLEME MACHEN IST HINDERNISSE AUF DESSEN WEG LEGEN; JMDS. PLANE VERHINDERN !ST DESSEN \VEG SPERREN (Gruppe 2.4.1.). Sprachlich zum Ausdruck kommt die Vorstellung des ABWEGES (DEVIATION erscheint auf der Abbildung l. durch BLOCKAGE und COUNTER-FORCE bestimmt, vgl. auf der sprachlichen Ebene sich nicht vom rVeg(e)/von seinem Weg abbringen lassen) durch die framebasicrten Phraseme Eimge der von Baranov/Dobrovo!'skij (2003: 22) in der Presse zu den politischen und wirtschaftlichen DDR-Reformen frstgestcllien konzeptuellen WEG-tv1etaphern sind z.B.: „Die „Reformen" werden als DER NEUE WEG interpretiert, „alte Machtstrukturen" als HtNDERNlSSE AUF DIESEM Wn;, „oppositionelle Demonstranten" als WEGBEREITER, „die alte politische und ökonomische Entwicklung'· als eine SACKGASSE, „Verzögemngcn in der Durchführung der Reformen" als UNTERBRECHUNGEN IN DER FORTBFWE(,UNG AUF DEM \VEG etc."
62 Carmen Mellado Blanco - mit religiösem Hintergrund der Gruppe 2.5., wie z.B. vom (rechten) Weg abkommen (W A), auf Abwege geraten (DU) • ENABLEMENT (von RESTRAINT REMOVAL und seinerseits von FORCE bestimmt): Weg-Phraseme der Metaphernprojektionen PLÄNE VERWIRKLICHEN IST EINEN GERÄUMTEN WEG HABEN; JMDN. FÖRDERN IST DESSEN WEG RÄUMEN (Gruppe 2.4.1.) • FRONT-BACK und NEAR-FAR: Weg-Phraseme aus dem Zielbereich ZEIT (Gruppe 2.4.2.) • PROCESS (grammatikalisierte Weg-Phraseme der Gruppe 2.6.). PA.TB 1 1 1 1 1 1 1 PltOCa8 l'01lCB RONTRARCYCLB VDDCA8MS l'All urv 1 1 1 1 1 COMPat.- 81.0CMOI ~„ ~ CON'l'ACT SIGN fOltCB lUlMCWAL A~~/ ~ TION& ~ 1 ""·~ 1 DEVIATION • Abb. 1 Das WEG-Hauptschema und seine Nebenschemata5 2. Weg als Wortkonstituente deutscher Phraseme 2.1. Methodologisches Vorgehen Die Formulierung bzw. Analyse der konzeptuellen Metaphern und Metaphemmodelle erfolgt auf der Basis von insgesamt 142 den allgemeinen und idiomatischen Lexika (s. Literaturliste) entnommenen Phrasemen mit einer Weg-Konstituente. Die Pertinenz der semantischen Beschreibung der in den Lexika angegebenen Definitionen werden gegebenenfalls durch Textbelege aus COSMAS II und WebCorp überprüft. Unsere induktiv orientierte Metaphernstudie folgt insofern einer bottom-up-Analyse, als sprachliche Daten den Ausgangspunkt der metaphorischen Analyse bilden (vgl. 5 Dieses Schema stützt sich auf den auf Spanisch verfassten Klassifizierungsvorschlag von Pefia Cervel/Mendoza lbäfiez (2010: 270).
Die WEG-Metaphorik in der deutschen Phraseologie 63 Mellado Blanco 2014: 82). Die 142 plurilexematischen Einheiten wurden bewusst nicht nur aus idiomatischen, sondern auch aus allgemeinen Wörterbüchern exzerpiert, da viele der für die Arbeit relevanten Fügungen keine Idiome im engeren Sinne, sondern einfach usuelle Wortverbindungen6 darstellen. Das Korpus umfasst substantivische (steiniger Weg) und verbale Kollokationen (einen Weg einschlagen), Idiome mit doppelter Lesart (jmdm. den Weg weisen), Idiome mit nur idiomatischer Lesart (mit etw. hat es noch gute Wege), Funktionsverbgefüge (etw. zuwege/zu rVege bringen), Phrasem-Konstruktionen, 7 grammatikalisierte komplexe Präpositionen (im TVege + Gen.), Sprichwörter (Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg; Der l·Veg ist das Ziel) und Zwillingsformeln (Mittel und Wegefinden (DU), Weg und Steg; weder Weg noch Steg (DU)). Was ihre Struktur angeht, zeigen Weg-Phraseme eine relativ einheitliche Charakteristik: An ihre ursprünglich räumliche Domäne erinnen einerseits die häufige Erscheinung von lokalen Präpositionen (vor, nach, hinter), die in den Phrasemen oft eine zeitliche Dimension erhalten, und andererseits Fortbewegungsverben wie gehen. laufen. abweichen. Qualifizierende Adjektive in attributiver Funktion wie steinig, gut, schlecht. leicht, krumm, schief; neu kommen in den Weg-Phrasemen besonders häufig vor und verweisen auf semantische Felder wie MORALISCHES VERHALTEN (Abschnitt 2.5.) und VORGEHENSWEISEN oder MÖGLICHKEITEN (Abschnitt 2.3. l.). 2.2. Kollokationen und usuelle Wortverbindungen mit einer Weg-Konstituente nn wörtlichen Sinne und die darauf liegenden Idiome In dieser Gruppe befinden sich in erster Linie nominale und verbale Kollokationen sowie usuelle Wortverbindungen, bei denen der Weg ausschließlich kompositionell in seinem konkreten lokalen Sinne aufzufassen ist. Anders als z.B. beim Lexem Straße8 ist bei Weg bereits in seiner Etymologie implizit die Idee der Bewegung enthalten (vgl. nach Pfeifer 1993: 1544 aus dem Germ. *wega- < idg. yegh-: 'bewegen, ziehen, fahren'), die die Semantik der Fügungen dieser Gruppe im weiteren Sinne charakterisiert. Die hierbei fokussierten semantischen Merkmale des 1-Veges sind: (Strecke/ Route], [Begegnung] und [Sperre/Hindernis]. Die Fügungen der Grnppen 2.2. sind Steyer (2013: 23) beschreibt usuelle Wortverbindungen als „konvenllonalisiertc 1\rluster des Sprach·· gcbrauchs. die durch wiederkehrenden Gebrauch geronnen sind.~' Der Definition Dobrovol'skijs (2011: 1J4) folgend sind Phrasem-Konstruktionen plurilexematische Strnkturen mit lexikalischer Bedeutung, .,wobei bestimmte Positionen in ihrer syntaktischen Struktur lexikalisch besetzt sind, während andere Slots darstellen, die gefüllt werden müssen, indem ihre Besetzung lexikalisch frei ist und nur bestimmten semanti5chen Restiiktionen unterliegt." Nach Duden ist eine Straße ein 'besonders in Städten, Ortschaften gewöhnlich aus Fahrbalm und zwei Gehsteigen bestehender) befestigter Verkehrsweg für Fahrzeuge und (besonders in Städten. Ortschaften) Fußgänger'. In der Wortetymologie ahd. srra5(J)u spätlateini~ch s/rala (vwi = 'gepflastert(er Weg)' steht somit die Bewegung nicht im Vordergrund, was sich auf die Phraseologie auswirkt: Im Gegensatz zu den Weg-Phrnscmen gehören die Straße-Phraseme hauptsächlich den konzeptuellen Bereichen ARBEfTSLOSJGKE!T (z.B. jmdn. au/die Straße werfen/setzen), PROSTJTUT!O:\ (z.B.jmdn. von der Straße auflesen) und ÜFFENTUCHKEfT (z.B. auf o/)ener Straße) an.
64 Carmen Mellado Blanco zwar im wörtlichen Sinne zu verstehen, sie werden größtenteils dennoch auch figurativ als Idiome benutzt. 2.2.1. Der Weg als 'Strecke', 'Route', 'Bahn': ein unbefestigter, geschotterter, schlechter, steiniger. steiler, holpriger, schattiger, stiller Weg (DU); jmdm. den Weg [zum Bahnhof] zeigen (nach DU); jmdm. den Weg weisen (W A); sich auf den Weg machen (DUI 1 ): jmds. erster Weg führte ihn zu jmdm. (nach DU); einen schweren, unangenehmen Weg vor sich haben (DU); auf dem Weg bleiben (CM); 9 seinen Weg fortsetzen (DU); einen Brief auf den Weg schicken (DU); al{fdem Weg zu einem Ort sein (nach DU); jmdn. auf dem Weg zu einem Ort treffen (nach DU); jmdn. auf dem Weg begleiten; den (rechten) Weg vetfehlen, verlieren (DU); den selben Weg haben (nach DU); wohin, woher des Weg(e)s? (DU);jmdn. nach dem Wegjl-agen (DU); auf halbem Weg umkehren (DU); an jmd5. Weg/am Weg liegen (SCH); [im Nebel] vom Weg abkommen (DU); sich einen Weg bahnen (nach DU); den Weg abkürzen/abschneiden (DU). Viele dieser Kollokationen und usuellen Wortverbindungen werden idiomatisch im Rahmen der Metapher WEG als LEBENSWEG (s. Abschnitt 2.3.2.) benutzt: jmdm. den Weg weisen; den selben Weg haben; vom Weg abkommen; jmdn. auf dem Weg begleiten: sich einen Weg bahnen. 2.2.2. Der Weg als 'Ort der Begegnung': jmdm. über/in den Weg laufen (DU); sich/ jmdm. auf halbem Weg entgegenkommen (DU); des/seines Weg(e)s kommen (DU). Die Auffassung des WEGES als 'Ort der Begegnung' motiviert die konzeptuelle Metapher KOMPROMISSE SJND BEGEGNUNGEN, bei der sich die konkret interpretierbare Begegnung auf dem Weg abstrakt unter der Form des bilateralen Kompromisses zwischen zwei Personen oder Parteien deuten lässt: sich auf halbem Weg(e) treffen (DU); jmdm. auf halbem Weg(e) entgegenkommen (DU). 2.2.3. Der Weg als 'Ort der Sperre, der Hindcrnisse':jmdm. den Wegß·eigeben (DU); den Weg frei machen (Red. Index); jmdm. im Weg stehen/sein (DU); sich jmdm. in den Weg stellen (DU); jmdm. den Weg verlegen (DU); jmdm. den Weg ver.sperren (SCH); jmdm. den Weg abschneiden (DU 11 ); jmdm. den Weg vertreten (DU 11 ); jmdm. in den Weg treten (DU 11). Wie die Kollokationen und usuellen Wortverbindungen der Gruppen 2.2.1. und 2.2.2. verfügen auch diese Fügungen über eine metaphorische Lesart. Die auf der Vorstellung des Weges als 'Ort der Hindernisse' basierten Metaphernmodelle und Idiome werden unter 2.4.1. angeführt. CM steht für Carmen Mellado. Es bezieht sich auf die Phraseme, die zwar in den Lexika nicht aufgeführt sind, sich aber in den konsultierten Korpora als feste Wortverbindungen erweisen.
Die WEG-Metaphorik in der deutschen Phraseologie 65 2.3. Auf konzeptuellen Metaphern basierte Phraseme mit lexikalisierter WegKonstituente Die Tatsache, dass die Weg-Konstituente in diesen Phrasemen in einer ihrer lexikalisierten Bedeutungen vorkommt, weist auf die Kompositionalität der Phraseme hin. In den meisten Fällen besteht Teilidiomatizität, denn die verbalen Phrasemkomponenten haben in der Regel keinen Mctaphorisierungsprozess durchgemacht. 2.3. l. WEGE als VORGEHENSWEISEN, MÖGLICHKEITEN und LÖSUNGEN zu PROBLEi'v!EN. Bei den Phrasemen dieser Gruppe zeigt das Wort Weg die schon lexikalisierte Bedeutung 'Art und Weise, in der jemand vorgeht, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen: Möglichkeit, Methode zur Lösung von etwas' (vgl. DU). Aufgrund des hohen Lexikalisienmgsgrads der Weg-Konstituente erweisen sich die Phraseme dieser Gruppe als hochkompositionell und in ihrer Motivation durchsichtig. Ein wesentlicher Bestandteil der Phrasem-Bedeutung kommt durch das qualifizierende Adjektiv in attributiver Funktion zustande; das Verb erscheint semantisch unverändert in seiner externen Bedeutung. Die hierher gehörenden Weg-Phraseme können in drei Metaphemmodelle unterteilt werden: (a) VORGEHE"iSWEISEN SIND WEGE: 10 der sicherste Weg zu etw. (DU); Das ist der einzig gangbare Weg (DU); etw. auf schriftlichem, diplomatischem Weg(e) regeln; einen Streit au/friedlichem l'Veg(e) beilegen; sich auf gütlichem Weg(e) einigen; neue Wege weisen (SCH); etw. aul schnellstem Weg(e)ldcm schnellsten Weg erledigen (SCH): al{f'diesem Weg(e) (DU); etw. au/kaltem Weg(e) erledigen (DU); au/gesetzlichem Weg etw. erreichen! .. (SCH); etw. auf gütlichem Weg lösen/regeln! .. (SCfl); jrndn./jmd\·. Einfluss! .. au/kaltem Weg ausschalten/. .. unschädlich machen/. .. (SCH); auf krummen Wegen etw. tun/versuchen/. .. (SCH)). Wie man auf kognitiver Basis zur konzeptuellen Metapher VORGEHENSWEISE SIND WEGE kommt, erklät1 Baldauf ( l 997: l40) im folgenden Zitat, in dem der Weg auch als FVahl und Möglichkeit dargestellt wird: So wie wir einen Ort über Landstraße, Autobahn oder Waldweg erreichen können, so können '>vir auch abstrakte Ziele. Handlungsziele oder Absichten, anf unterschiedliche Weise realisieren. Diese möglichen, unicrschiedlichen Vorgehensweisen werden metaphorisch als unterschiedliche, zur Wahl stehende Wege konzeptualisiert. Die Charakterisierung des jeweils eingeschlagenen Weges steht im Vordergrund des folgenden Metaphemsystems. (b) MÖGUCHKE!TEN SIND WEGE: Wo ein Wille ist. da ist auch ein Weg (DUl I );jmdm. hleiht kein anderer Weg (offen) als etw. zu tun (SCfl); jmdm. stehen alle Wege o/fi:n (DUI l ). JO Vgl. einen ähnlichen Bedeutungswandel beim sinnverwandten Lexem Tuur (DU: etw. auf die sanfre/naivelgemütliche Tour machen), lexikalisiert als 'Art und Weise, mit Tricks, Täuschungsmanövern o.A. etw. zu erreichen'.
66 Carmen Mellado Blanco (c) LÖSUNGEN ZU PROBLEMEN SIND WEGE: Mittel und Wege suchen/finden (DUl l ); einen anderen/besseren Weg suchen (DU); nur einen Weg sehen (nach DU); keinen anderen Weg sehen, als ... (nach DU). 2.3.2. Der WEG als LEBENSWEG. Der Gemeinplatz vom LEBEN als REISE ist in der kognitiven Linguistik relativ ausführlich untersucht worden (vgl. u.a. Lakoff/Tumer 1989: 60-65; Jäkel 2003: 261-283; Kispal 2013). Lexikalisiert wird diese Metapher auf sprachlicher Ebene durch Phraseme aus vielfältigen semantischen Feldern, die mit der Lebensentwicklung zusammenhängen. fn unserem Korpus zeigen die Weg-Idiome dieser Gruppe aufgrund der Lexikalisierung von Weg als 'Lebensweg' eine relativ transparente Motivation sowie einen hohen Kompositionalitätsgrad in ihrer Idiomatisienmg auf. Ihr Idiomatisierungsgrad ist allerdings höher als bei 23. l., weil das Verb in der Regel nicht im konkreten, sondern im metaphorischen Sinne zu deuten ist. Das Metaphemmodell DAS LEBEN IST EIN WEG umfasst die Projektionen des REISENDEN als PERSON, DIE DAS LEBEN FÜHRT und des WEGES als LEBEN mit einem ANFANG, einer LAUFBAHN und einem ENDE, die die Lebensetappen signalisieren. Die Metapher vorn HOMO VIATOR ist nach wie vor eine Konstante in der Weltliteratur und Philosophie (vgl. Dante und seine Divina Commedia) und bildet die Basis für das jüdisch-christlich geprägte Gedankengut des richtigen und falschen Weges (s. Abschnitt 2.5.). Die Metaphern der Weg-Phraserne, die das Metaphemmodell DAS LEBEN IST EIN WEG ausmachen, lassen sich nach ihrer Motivation teilweise als framebasierte Metaphern mit kulturgebundenem Wissen -sie findet ihren Ausdruck in den christlich geprägten Phrasemen der Gruppe 2.5. -und teilweise als konzeptuelle WEGschemabasierte Metaphern beschreiben, wie es bei seinen Weg gehen (DU l l ); den eingeschlagenen Wegfortsetzen (CM); seinen Weg machen (DUI l); seinen Weg.fortsetzen (DU); am Kreuzweg stehen (DU); an einen Kreuzweg gekommen sein (DU); auf dem Weg bleiben (CM); seines Weges/seiner Wege gehen (DU) der Fall ist. Die Interaktion beider Motivationstypen sogar in ein und demselbem Phrasem wird beim Idiom jmdm. gute Lehren, Ratschläge mit auf den Weg (für sein weiteres Leben) geben (DU) ersichtlich. Da Literatur und Philosophie (vgl. Der Weg ist das Ziel, Konfuzius) zur Herausbildung und Verbreitung vieler Weg-Phraseme mit der Metapher LEBEN als LEBENSWEG beigetragen haben. steht bei diesen Phrasemen manchmal auch die intertextueUe Motivation im Hintergrund. Die symbolische Motivation (vgl. Dobrovol 'skij/Piirainen 1997) erscheint weiter z.B. bei jmdm. Rosen auf den Weg streuen nach dem Symbol der ROSE als VERWÖHNUNG (schon in der Antike präsent, vgl. iacere in rosa, 'auf Rosen ruhen'). In nicht wenigen Weg-Phrasemen der Metapher DAS LEBEN JST EIN WEG kommt ein externer Aktant in Erscheinung, nämlich die Person, die von außen den Reisenden auf den richtigen oder falschen Weg bringt und somit auf den Reisenden einen guten bzw. schlechten Einfluss ausübt (vgl. jmdn. aul den rechten/richtigen Weg (zurück)bringen (Red. Index); jmdn. vom rechten Weg abbringen (Red. Index)) (vgl. Abschnitt 2.5.). Der externe Aktant kann ebenso Hindernisse auf jemandes Weg legen oder den Weg für einen anderen räumen (s. Abschnitt 2.4. l .).
Die WEG-Metaphorik in der deutschen Phraseologie 67 Der Reisende ist also häufig nicht allein unterwegs: Ein Grundaspekt des Gehens durch einen Weg ist ferner die Möglichkeit der BEGLEITUNG, des ZUSAMMENGEHENS. Die MITREISENDEN sind LEBENSGEfÄHRTEN, 11 FREUNDE oder MITARBEITER, die sich irgendwann (an einem Kreuzweg) treffen, eine Weile den Weg gemeinsam gehen und sich trennen können: unsere/ihre/ ... Wege trennen sich (SCH); getrennte Wege gehen (SCH); jmd,·. Wege scheiden sich (CM); unsere/ihre! .. rVege kreuzen sich (SCH); jmdn. auf dem Weg begleiten; 12 den selben Weg gehen (CM). Während bei den Weg-Phrasemen der Gruppe 2.3. l. (b, c) das Ende des Weges das Ziel und darum etwas Erstrebenwertes ist, projiziert sich in einigen Weg-Idiomen des Metaphernmodells DAS LEBEN IST EIN WEG das ENDE DES WEGES als der TOD, als das unvermeidliche Ende, das jeden Reisenden trifft. ln die Metapher STERBEN IST DAS ENDE DES WEGES ERREICHEN (vgl. Mellado Blanco 2013a: 119) fallen die Phraseme den Weg allen/alles Fleisches gehen (DU 11 ); den Weg alles Irdischen gehen (DU 11 ); den Weg gehen, den wir alle gehen müssen (SCH); den letzten Weg gehen (Red. lndex). Wie in anderen Arbeiten bereits erläutert (vgl. Mellado Blanco/lglesias lglesias 201 i ), lässt sich aus pragmatischer Sicht ein Textsortenwandel dieser und ähnlicher [diome -bei ihrer Verwendung mit einem Subj [-humj -aus der religiösen Domäne in die Jugendund Umgangssprache und somit eine Änderung ihrer Stilmarkierung tscherzhaft statt gehoben: z.B. ein Computer kann den Weg alles Irdischen gehen) feststellen. Die Rolle des MITREISENDEJ\i als BEGLEITER findet sich auch in diesem semantischen Feld TOD beim Idiom jmdn. auf dem/seinem letzten Weg begleiten (DU! 1) unter der Metapher TOD IST ABSCHIED (vgl. Fußnote 12). 2.3.3. Der WEG als WEGSTRECKE/ENTFERNUl\iG. In den Wörterbüchern erscheinen unter dem Lemma Weg u.a. die Definitionen 'Strecke', die zurückzulegen ist, um an ein bestimmtes Ziel zu kommen (DU) und 'Entfernung' (W A), die z.B. in der WegKomponente der usuellen \Vor1verbindungen noch einen Weg von X-Kilometern vor sich haben (nach DU 11 ); noch X-Kilometer Weg vor sich haben (nach DU 11 ); einen weiten/langen/kurzen rVeg zu einem Ort haben (nach DU) zu erkennen sind. 2.4. Auf konzeptuellen Metaphern basierte vollidiomatische Phrasemc Bei den 1-'Veg-Phrasernen dieser Gruppe erscheinen alle Phrasemkonstituenten im übertragenen Sinne, \veshalb die Phraseme als vollidiomatisch zu klassifizieren sind. 2.4. l. PROßLEME SIND OBJEKTE/PERSONEN AUF DEM WEG. Das sich in unserem WegKorpus als hochproduktiv erwiesene Metaphemmodell PROBLEME SIND OBJEKTEi PERSONEN AUF DEM WEG beinhaltet die Projektionen JMDM. PROBLEME MACHEN !ST J-1!]'.;DERi':ISSE ACF DESSEN WEG LEGEN; JMDS. PLANE VERH!NDER1\ IST DESSEN WEG 11 Vgl die Etymologie von Gefdhrte: ahd, ('Fahrtgenosse'). Ahd. Zu~ammcföetzung aus dem gi-Präfix ('zusammen mit'l ~ j(Yto (Sub~tantiv zuf(1rt, 'Fahrt') (vgl. Pföifor 1993: 408), 12 Das Idiom jmdn. (bei etw) auf dem Weg heg!citen wird im Bereich des Lebensweges in vielen und mannigfaltigen Kontextc:n gebraucht, sogar in Anspielung auf den letzten Weg, auf den Tod (jmdn. aufdemheinem letzten Weg begleiten (DU) in der Bedeutung ·an jmds. Beerdigung teilnehmen').
74 Carmen Mellado Blanco Ebenso erscheint die Fügung auf dem Weg2 3 +Gen. im DU als komplexe Präposition (z.B. etw. aufdem Weg(e) eines Vergleichs (durch einen Vergleich) entscheiden). Sie hat in den Korpusbelegen als Kookurrenzpartner oft die Verben erfolgen/geschehen: Nach der auch mit Blick auf außenpolitische Konstellationen getroffenen Entscheidung für eine schnellstmögliche Vereinigung drehte sich die Debatte um die Frage nach dem „besten" Weg zur Einheit: Sollte dieser auf dem Weg eines Beitritts nach dem damaligen Art. 23 GG erfolgen oder war die Vereinigung über den Prozess der gesamtdeutschen V erfassungsgebung nach Art. 146 GG anzustreben? http://www.bpb.de/themen/ WB3 l C2,0,0, l 990%3A _Grundgesetz_ oder_ neue_ Verfassung.html In den Korpusbelegen konnten ferner die präpositionalen Fügungen auf dem Weg zu + Dat. (finale/resultative Bedeutung) und auf dem Weg in + Akk. (transformative Bedeutung) festgestellt werden, die allem Anschein nach dem Muster der lokaldirektiven präpositionalen Fügungen wie auf dem Weg zum Bahnhof,: auf dem Weg in die Schweiz folgen. Angaben über die Grammatikalisiemng der präpositionalen Fügungen auf dem Weg zu/in als komplexe Präpositionen konnten weder in den Grammatiken noch in den Lexika aufgefunden werden. Belegbeispiele: Die Nato bietet darin ihre Hilfe auf dem Weg zu 24 mehr Demokratie und Marktwirtschaft an. Die Völker der Sowjctlmion müßten sich über ihre künfügen Beziehungen auf friedlichem Weg einigen und dabei innere und äußere Grenzen allenfalls auf dem Verhandlungsweg ändern. (COSMAS II, Die Presse, 08.11.1991) Für viele von ihnen ist es der Türkei auf einzigartige Weise gelungen, Modernität und kulturelle Identität im Gleichgewicht zu entwickeln. Sie sehen dieses Land auf dem Weg in die Demokratie, während es gleichzeitig seine islamischen Wurzeln und Traditionen nicht verleugnet. www.bertelsmannstiftung.de/cps/rde/xchg/bst/hs.xsl/nachrichten _ l J 2436.htm Der komplexen Präposition auf dem Weg in + Akk. kommt in den Korpusbelegen eine transformative Aktionsart zu, die auf Zustandsveränderung hindeutet. Typische substantivische Kookurrenzpartner (in der Regel im Singular) weisen eine temporale und abstrakte Bedeutung 'neue Etappe' auf. 2.6.2. Weg-Phraseme als Bestandteil von Verbalperiphrasen: Die komplexen Präpositionen auf dem Weg+ Gen. auf dem Weg zu+ Dat. sind Bestandteile der Verbalperiphrasen sich auf dem Weg zu/+ Gen. befinden/sein und sich auf dem /!Veg befinden/sein, etw. zu tun!vverdenl .. 25 Es handelt sich um Strukturen, die den Gramma23 Die Fügungen auf dem Weg und auf den Weg sind sowohl diachron als auch synchron äußerst produktive Strukturen, die die Basis zahlreicher 1diomc verschiedenen !diomatisicrungsund Abstraktionsgrads bilden (s. z.B. Abschnitte 2.2.2. und 2.5 ). Das lokale Adverb weg ist von mhd. in wec ('auf den \Veg'), wie bei in wec gän ('fottgehcn·), abgeleitet (vgl. Pteifer 1993). 24 In den Korpusbelegen ist die Erscheinung des Chunks auf dem rVeg zu mehr signifikant hoch, z.B. „N.:uc Wege auf dem \Vcg zu mehr Na1urvv1ssemcbaftlcrmne11 und komm-mach-mit.dc/Prcsse-'Pre;,semitteilungcn/mchr-'\aturwisscnschaftlcrinncn--und-Ingen1eunrmen. 25 Belegbeispiel: „Der ()rt war auf' dem Weg, zu e]ncn1 Geisterdorf zu werden.H (Nürnberger Nachrichten, 20.07.2001, S. 30; Vom Geisterdorf zum Kunstzentrum).
Die WEG-Metaphorik in der deutschen Phraseologie 75 tikalisierungsprozess 26 noch nicht vollzogen haben, da der Bedeutungsinhalt des Wortes Weg noch „mitschwingt", d.h. das Lexem noch nicht völlig desemantisiert ist. Wir stehen vor einer werdenden syntatktischen Verbalperiphrase, 27 die eine mutative, transformative oder prozessuale Aktionsart -d.h. das 'Im-Begriff-Sein von etw.' - ausdrückt. In diesen kognitiven Rahmen fällt ebenso das Phrasem auf dem besten Weg(e) (zu etw.) sein (DU), das auf eine transformative Aktionsart hindeutet. Nach DU wird dieses Idiom oft ironisch verwendet, in der Bedeutung 'durch sein Verhalten einen bestimmten [nicht wünschenswerten] Zustand bald erreicht haben' (z.B. Er ist auf dem besten Weg, sich zu ruinieren). In diesem und ähnlichen Beispielen zeigt sich ein zweiter Grammatikalisierungsprozess von der prozessualen Aktionsart zu einer epistemischen modalen Bedeutung, die die ironische Absicht und die KRITIKlmplikatur des Sprechers zum Ausdruck bringt. Literatur Primärliteratur und Korpora Biblia online, 2006, http://www.bibliaonline.net/ COSMAS II = Corpus Search, Management and Analysis System. Mannheimer Institut für Deutsche Sprache http://www.ids-mannheim.de/kt/cosmas.shtml DU =Duden online www.duden.de Mieder, Wolfgang (1987): Die biblischen Sprichwörter der deutschen Sprache. Berlin: Peter Lang. Pfeifer, Wolfgang ( 1993): Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. Leipzig: Akademie. Red. Index= Redensarten-Index http://www.redensarten-index.de RÖ = Röhrich, Lutz (2004): Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Freiburg i. Br.: Herder. Schäfer, Heinz (2004): Biblische Redensarten und Sprichwörter. Stuttgart: Deutsche Bibelgesellschaft. SCH = Schemann, Hans (2011 ): Deutsche Idiomatik. Wörterbuch der deutschen Redewendungen im Kontext. Berlin: de Gruyter. Schemann, Hans (2012): Synonymwörterbuch der deutschen Redensarten. Berlin: de Gruyter. WA = Wahrig, Gerhard (Hrsg.) (2001): Wörterbuch der deutschen Sprache. München: dtv. WebCorp http://www.webcorp.org.uk/live 26 Vgl. das Phrasem auf dem Weg der Besserung (sein/sich befinden) (WA) mit der transformativen Bedeutung 'wieder gesund werden'. 27 Hierbei werden die Bedingungen für eine Grammatikalisierung und somit die Herausbildung einer grammatischen (Zeit-)Struktur erfüllt: Das Basissubstantiv Weg ist hochfrequent, hat eine lokale Bedeutung, was die RAUM-ZEIT-Metaphorik begünstigt (vgl. Meibauer 1995: 59), und das Verb hat kaum Intensionalität (vgl. Lamiroy 2004). Der pragmatische Mehrwert der Struktur besteht in der Angabe eines augenfälligen Prozesses, der offen von jedem Beobachter betrachtet werden kann.
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