Schwiegersöhne und ihre Rolle im přemyslidischen Böhmen (Ein Beitrag zur Außenpolitik der böhmischen Herrscher vom Ende des 10. bis zum Anfang des 14. Jahrhunderts.)
Abstract
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Schwiegersöhne und ihre Rolle im přemyslidischen Böhmen (Ein Beitrag zur Außenpolitik der böhmischen Herrscher vom Ende des 10.bis zum Anfang des 14.Jahrhunderts.) Marie Bláhová ABSTRACT Sons-in-law and their role in Přemyslid Bohemia (Acontribution to the foreign policy of Czech monarchs from the end of the 10th to the beginning of the 14th century.) The study shows the importance of marriages of the daughters of Czech rulers of Přemyslide period to the political goals of their fathers. An analysis of the known facts about the marriages of the Přemyslids and their partners shows that the choice of partners of the ruler’s descendants was subordinated to their political interests and goals. KEY-WORDS: Přemyslid Bohemia; marriages of the ruler’s daughters; sons-in-law; brothers-in-law; relationship; political ambitions and goals Die Rolle der Verwandten von Herrschern und Fürsten in der Politik— nicht nur im Mittelalter— ist gut bekannt.1 Die Familienverhältnisse spielten in der mittelalterlichen internationalen Politik und Diplomatie regelmäßig eine große Rolle. Eheschließungen besiegelten Friedensverträge, Militärbündnisse und andere diplomatische Abkommen. Die Ehe mit einer prominenten Braut konnte auch als Belohnung für geleisteten Dienste sowie als Versprechen der künftigen Mitarbeit geschlossen werden. Die böhmischen Länder waren in dieser Hinsicht keine Ausnahme. Für die ältere Zeit 1 Siehe beispielsweise W. GLOCKER, Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik. Studien zur Familienpolitik und Genealogie des sächsischen Kaiserhauses, Köln— Wien 1989.— Diese Studie erschien im Rahmen des Universitätsprogramms PROGRES Q 09: Geschichte— der Schlüssel zum Verständnis der globalisierten Welt. Sie ist eine inhaltlich erweiterte und überarbeitete Fassung des Beitrags, der anlässlich der Konferenz „Der Schwiegersohn in der mittelalterlichen Gesellschaft“ vorgetragen wurde, die am 21.— 23.September 2011 vom Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte und Historische Hilfswissenschaften an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg veranstaltet wurde.— Diese Studie nutzte die Online-Datenbank Czech Medieval Sources, die von der Forschungsinfrastruktur LINDAT / CLARIAH-CZ (https://lindat.cz) bereitgestellt wird, die vom Ministerium für Bildung, Jugend und Sport der Tschechischen Republik unterstützt wird (Projekt nr. LM2018101).
8 PRAGUE PAPERS ON THE HISTORY OF INTERNATIONAL RELATIONS 2/2020 der Geschichte Böhmens, vom Ende des 9.bis zum 11.Jahrhundert, sind jedoch die Familienverhältnisse der ersten böhmischen Herrscherdynastie, der Přemysliden, nur selten zu verfolgen. Die Quellen bringen recht bescheidene Informationen über die Ehen und Ehefrauen der regierenden Přemysliden,2 geschweige denn über ihre Töchter und ihre Partner. Nur diejenigen, die mit den vornehmen Persönlichkeiten der mitteleuropäischen Politik vermählt wurden oder Verdienste um die Christianisierung der neuen Gebiete, eventuell um die Konsolidierung des Christentums und die Festigung der kirchlichen Organisation hatten, vornehmlich also Nonnen und Äbtissinnen, aber auch fromme Gattinnen, möglicherweise gar Heilige, traten in die geschriebene Geschichte ein. Die Quellenlage wurde ab der zweiten Hälfte des 11.Jahrhunderts allmählich besser. Günstiger wird sie jedoch erst im 13.Jahrhundert, als einige Chronisten3 auch bereits die Geburt mehrerer königlicher Kinder registrierten. Zum Ende des 13.Jahrhunderts wurden die bereits regelmäßig familiäre Aufzeichnungen geführt.4 Auch Informationen über die Heiraten beziehungsweise Gatten der přemyslidischen Prinzessinnen kommen nun in den Quellen öfter vor. Zur älteren Zeit sind also nur wenige Angaben zu finden. Wohl der erste in den Quellen erwähnte Schwiegersohn eines böhmischen Fürsten war der ungenannte Schwiegersohn des Fürsten Boleslav III., dem der Fürst „im heiligen Fasten“ in einem Haus, wo er mehrere Große des Landes versammeln ließ, den Kopf eigenhändig mit dem Schwert spaltete und die anderen Anwesenden töten ließ.5 Dieser Schwiegersohn war wohl ein Mitglied der Familie Vršovici, Rivalen der Přemysliden, die kurz davor den Fürsten Jaromír, den Bruder Boleslavs III., folterten und deren Ermordung 1103 vom ersten tschechischen Chronisten Cosmas (ca. 1045–1125) trocken gemeldet wurde.6 Es ist möglich, dass die Heirat der Fürsten2 Zu den Heiraten der přemyslidischen Herrscher siehe M.BLÁHOVÁ, Přemyslovci mezi Východem aZápadem. Dynastické vztahy českých knížat aprvních králů ajejich politické souvislosti (do konce 12.století), in: T.CIESIELSKI, W.IWAŃCZAK, A.JANUSZEK-SIERADZKA, M. ŻIEROMSKA-CIESIELSKA et al., Czechy iPolska między Wschodem iZachodem— średniowiecze iwczesna epoka nowożytna (materiały międzynarodowej konferencji naukowej), Warszawa 2016, S.17–38. 3 Diese Notizen wurden von Přibík Pulkava von Radenín in seine Chronik übernommen. J.EMLER, J.GEBAUER (Hrg.), Kronika Pulkavova, Prameny dějin českých // Fontes rerum Bohemicarum (im Folgenden nur FRB) V, Praha 1893, S.120 f. 4 Siehe J.EMLER (Hrg.), Excerpta de diversis chronicis, FRB IV, Praha 1884, S.343 f. 5 R.VON HOLTZMANN (Hrg.), Die Chronik des Bischofs Thietmar von Merseburg und ihre Korveier Überarbeitung, MGH SRG NS IX, Berlin 1935, Vol.29, S.255. Der Mord sollte in ipsa sancta quadragesima— „in der heiligen Quadragesima“, also im Fasten, das im Jahr 1003 vom 10.Februar bis 27.März dauerte, stattfinden. (Als Quadragesima kann auch der erste Fastensonntag, im Jahr 1003 14.Februar, bezeichnet werden). Es ist nicht klar, warum einige Autoren (nach F.Palacký z.B. V.NOVOTNÝ, České dějiny I, Vol.1, Od nejstarších dob do smrti knížete Oldřicha, Praha 1912, S.677 f.) dieses Ereignis am Faschingsdienstag um Mitternacht datieren. S.HIRSCH, Jahrbücher des Deutschen Reichs unter Heinrich II., I, Berlin 1862, S.252, hingegen betrachtet die Datierung zu Recht nur als „eine naheliegende Vermuthung“ („Aber nur eine solche, nicht Gewißheit…“— ebenda, Anm. 1). 6 B.BRETHOLZ, WEINBERGER (Hrg.), Anno dominice incarnationis MIII. Hic interfecti sunt Wrissowici. Siehe Cosmae Pragensis Chronica Boemorum, MGH SRG NS II, Berlin 1923, 2.Auf-
MARIE BLáHOvá 9 tochter mit einem der Vršovici ursprünglich zur Bereinigung der gegenseitigen Beziehungen zwischen den beiden Familien beitragen sollte. Die Situation entwickelte sich jedoch anders. Die nächste bekannte dynastische und politische Heirat, in der eine přemyslidische Herrschertochter die Hauptrolle spielte, zugleich gar die erste konkret bekannte Heirat einer Přemyslidin, war die Eheschließung des polnischen Fürsten Mieszko mit Dobrawa, der Tochter des böhmischen Fürsten Boleslav I., im Jahre 965. Durch diese Vermählung wurde das Bündnis beider Herrscher bestätigt. Dank dieser Heirat erhielt Mieszko militärische Unterstützung von seinem Schwiegervater, mit der er am 22.September 967 den sächsischen Grafen Wichmann besiegte.7 Eine alte Tradition verbindet mit Dobrawa auch die Christianisierung Polens.8 Das nächste in den Quellen überlieferte böhmisch-polnische Ehebündnis wurde zwischen dem böhmischen Fürsten und späteren König Vratislav (II.) und Swatawa, der jungen Schwester Boleslaws II. des Freigebigen von Polen, fast ein Jahrhundert später vereinbart.9 Diese im Jahre 1062 geschlossene, schon dritte Vermählung Vratislavs war natürlich wieder politisch motiviert. Boleslaws Absicht nach sollten damit die Konflikte zwischen Polen und Böhmen, bei denen Polen unter anderem im Jahre 1060 die Tributzahlungen aus Schlesien abbrach,10 geregelt und die Neutralität Böhmens im deutsch-polnischen Konflikt gesichert werden, was für kurze Zeit tatsächlich geschah. In diesem Fall handelte es sich jedoch nicht um ein Verhältnis Schwiegervater— Schwiegersohn (der Vater Swatawas Kasimir I. war 1058 gestorben), sondern um die Beziehung zwischen den Schwägern. Ende der sechziger Jahre entflammten aber die Kriege zwischen Polen und Böhmen erneut.11 lage 1955 (im Folgenden nur „Cosmas“), S.68. Siehe dazu V.NOVOTNÝ, České dějiny I,1, S.677 f. (bei Literaturhinweisen bevorzuge ich das klassische Werk von Václav Novotný, der im Gegensatz zu späteren Autoren konsequent auf Quellen verweist); P.KOPAL, Neznámý známý rod. Pokus ogenealogii Vršovců. Sborník archivních prací 51/1, 2001, Vol.51, No.1, S.3–84, bes. S.3 f. 7 P.HIRSCH, H.E. LOHMANN (Hrg.), Widukind, Rerum gestarum Saxonicarum libri tres, MGH SRG in usum schol., Hannover 1935, III,69, S.144. 8 V.NOVOTNÝ, České dějiny I,1, S.574–577, 620, 672; O.M.BALZER, Genealogia Piastów, Kraków 1895; S.URBAŃCZYK, H.MODRZEWSKA, Dąbrówka, in: Słownik Starożytnośćy Słowiańskich I, 1951, S.333; J.DOWIAT, Dubrouka venit ad Miskonem. Geneza zapiski, in: Cultus et cognitio. Studia zdziejów średniowiecznej kultury, Warszawa 1978, S.723–728; J.STRZEŁCZYK, Bolesław Chrobry, Poznań 1999, S.15–17; M.WILAMOWSKI, Mieszko I., in: Piastowie. Leksykon biograficzny, Kraków 1999, S.15–22; M.K.BARAŃSKI, Dynastia Piastów wPolsce, Warszawa 2008, S.45–47. 9 V.NOVOTNÝ, České dějiny I, 2, Od Břetislava I. do Přemysla I., Praha 1913, S.118; M.D.KOWALSKI, Bolesław Szczodry (Śmiały), in: Piastowie, S.58, Patrycja Ksyk-Gąsiorowska, Świętosława-Swatawa, ebenda, S.67 f. 10 Dieser Tribut wurde 1054 als Ersatz für Schlesien eingeführt, auf das der böhmische Fürst verzichtet hatte. Siehe Cosmas II,13, S.101; dazu V.NOVOTNÝ, České dějiny I,2, S.70 f. 11 Siehe V.NOVOTNÝ, České dějiny I,2, S.137–139; W.KORTA, Historia Śląska do 1763 roku. Do druku przygotowal M.Derwich, Warszawa 2003, S.68–70; M.BARAŃSKI, Dynastia Piatów, S.150.
10 PRAGUE PAPERS ON THE HISTORY OF INTERNATIONAL RELATIONS 2/2020 Als im Jahre 1079 der Piast Wladyslaw I.Hermann nach der Vertreibung seines Bruders Boleslaw II. die Herrschaft in Polen antrat,12 erneuerte er die friedlichen Beziehungen zu Böhmen und stützte sich dabei, um den Preis von Zugeständnissen, vor allem der Erneuerung des Tributs aus Schlesien,13 auf seinen Schwager Vratislav II. von Böhmen. Dieses Verhältnis wurde noch durch die Heirat mit Vratislavs Tochter aus seiner zweiten Ehe mit Adelheid von Ungarn, genannt Judith, bestätigt.14 Vratislav II. wurde also zum Schwiegervater seines Schwagers. Obwohl Judith 1086 starb, brachte diese Vermählung wieder Beruhigung in die beidseitigen Beziehungen zumindest für die Zeit der Regierung Wladyslaws Hermann. Ausführlichere Angaben über die Beziehung des böhmischen Schwiegervaters zu seinem polnischen Schwiegersohn sind nicht bekannt. Ob der Titel Vratislavs als „Königs von Böhmen und Polen“15 damit zusammenhing, ist unklar. Eine wesentlich engere Beziehung hatte Vratislav II. zu seinem zweiten Schwiegersohn, dem Markgrafen Wiprecht von Groitzsch.16 Der etwa zwanzigjährige sächsische Große tat sich zum ersten Mal an der Seite des böhmischen Fürsten, von dem er Hilfe gegen seine Gegner erhoffte, im Jahre 1180 im Heer Heinrichs IV. gegen den Gegenkönig Rudolf von Rheinhausen hervor.17 Nach dem Misserfolg der kaiserlichen Truppen und ihrer Verbündeten bei Flarchheim am 27.Januar 1080 nahm Wiprecht, dessen Besitzungen in Sachsen bedroht wurden, Zuflucht beim böhmischen Fürsten. Bald erlangte er wesentlichen Einfluss am böhmischen Hof und Vratislav würdigte seine Ratschläge. Beide Männer zogen dann mit ihren Truppen gegen Sachsen, wo Wiprecht geschickt die von Rudolf bedrohten böhmischen Kämpfer rettete.18 Die Schlacht Heinrichs mit Rudolf am 15.Oktober desselben Jahres bei Hohenmölsen an der Weißen Elster erreichten Vratislav und Wiprecht zwar nicht mehr, jedoch leisteten sie Heinrich wirksame Hilfe bei seinem Romzug, den Heinrich IV. im nächsten Jahr antrat. Wiprecht von Groitzsch zog damals zusammen mit Vratislavs Sohn Bořivoj an der Spitze des böhmischen Heers, das Heinrich IV. im Kampf gegen Papst 12 Siehe L.KORCZAK, Władysław IHerman, in: Piastowie, S.63–65; M.K.BARAŃSKI, Dynastia Piastów, S.176 f.. 13 M.K.BARAŃSKI, Dynastia Piastów, S.173. 14 V.NOVOTNÝ, České dějiny I,2, S.215; M.BLÁHOVÁ, J.FROLÍK, N.PROFANTOVÁ, Velké dějiny zemí Koruny české, I.Do roku 1197, Praha/Litomyšl 1999, S.451; L.KORCZAK, Władysław I.Herman, in: Piastowie, S.64 f.; M.K.BARAŃSKI, Dynastia Piastów, S.177. 15 Siehe hier weiter unten. 16 Cosmas II, 40, S.144; III, 7, S.167; III, 18, S.183; III, 28, S.198; III, 53, S.226 f.; Annales Pegavienses a. 1000–1227: G.H.PERTZ (Hrg.), Annales Pegavienses et Bosovienses, MGH SS XVI, Hannover 1859, S.240 f. Siehe E.BERNHEIM, Groitsch, Wiprecht von, der Aeltere. In: Allgemeine Deutsche Biographie, Band 9, Leipzig 1879, S.711–713; V.NOVOTNÝ, České dějiny I, 2, S.273 f., 331 f.; M.BLÁHOVÁ, J.FROLÍK, N.PROFANTOVÁ, Velké dějiny I, S.457 f.; L.REITINGER, Nekrologia kláštera Pegau. Pozapomenuté svědectví oPřemyslovcích (nejen) Kosmova věku, in: M.WIHODA, J.REITINGER (eds.), Proměna středovýchodní Evropy raného avrcholného středověku. Mocenské souvislosti aparalely, Brno 2010, S.372–415; týž, Vratislav. První král Čechů, Praha 2017, passim. 17 V.NOVOTNÝ, České dějiny I,2, S.219–223; Ch. LÜBKE, Wiprecht II. v. Groitzsch, in: Lexikon des Mittelalters 9, S.244 f. 18 V.NOVOTNÝ, České dějiny I,2, S.222–224.
MARIE BLáHOvá 11 Gregor VII. bis zur Eroberung Roms am 3.Juni 1083 unterstützte.19 Vratislav wurde— nicht jedoch kostenlos20— von Kaiser Heinrich mit dem Königstitel belohnt.21 Allerdings auch die Tapferkeit Wiprechts im Dienste des böhmischen Herrschers verdiente Belohnung. Vratislav bot seinem Verbündeten verschiedene Kostbarkeiten an: Edelsteine, Schmuck, 20 gesattelte Pferde samt mit Gold verzierten Sätteln, ein mit Gold und Elfenbein eingelegtes Schachbrett, ein Elfenbeinhorn, auch einen mit Gold und Silber verzierten Schild, Bogen und Köcher, die der König von Ungarn unlängst dem böhmischen König geschenkt hatte.22 Wiprecht lehnte jedoch alles außer dem Horn ab. Endlich konnte auf Anraten von Vratislavs Sohn und Wiprechts Freund Bořivoj das für Wiprecht sehnsüchtig erwartete Angebot unterbreitet werden: Vratislav bot Wiprecht die Hand seiner Tochter aus seiner dritten Ehe mit Swatawa von Polen, wieder mit dem Namen Judith, an.23 Bořivojs Rat nach sollte dies viel vorteilhafter sein, da es zur Verteidigung des Landes beitragen würde, als wenn er sie mit dem König der Ungarn oder der Russen verheiratet hätte. Mit Vergnügen akzeptierte Wiprecht diesen Vorschlag. Als Mitgift bekam er von seinem Schwiegervater einige Gebiete in Sachsen.24 Wiprecht unterstützte weiterhin die Politik Vratislavs im Reich. Nach dem Tode seines Schwiegervaters förderte er seinen Schwager und Freund Bořivoj, der später die Herrschaft antrat. Wiprecht und seinem gleichnamigen Sohn, der in Böhmen Wenzel genannt wurde, gelang es jedoch nicht, die Absetzung Bořivojs zu verhindern, beziehungsweise ihn wieder als Fürsten durchzusetzen.25 Während dieser Bestrebungen fiel Wiprecht, sowie sein Sohn, der sich gemeinsam mit seinem 19 V.NOVOTNÝ, České dějiny I,2, S.233–240; E.BOSHOF, Die Salier, Stuttgart/Berlin/Köln/ Mainz 1987, S.245–249. 20 Vratislav sollte die Königskrone mit 300 Kriegern und 4.000 Pfunde Silber bezahlen. Siehe L.REITINGER, Vratislav, S.300–303. 21 Cosmas, II,38, S.141 (‚Wratislao regi quam Boemico tam Polonico, magnifico et pacifico, aDeo coronato, vita, salus et victoria‘.) Zur Königskrönung und zu Vratislavs Titel siehe bes. V.NOVOTNÝ, České dějiny I,2, S.249–253; R.NOVÝ, Královská korunovace Vratislava II., in: Numismatické listy Vol.43, 1988, S.129–144; DERSELBE, Český král Vratislav II., in: Královský Vyšehrad. Sborník příspěvků k900. výročí smrti prvního českého krále Vratislava II., Praha 1992, S.11–24; W.H.FRITZE, Corona regni Bohemiae. Die Entstehung des böhmischen Königtums im 12.Jahrhundert im Widerspiel von Kaiser, Fürst und Adel, in: W.H.FRITZE, Frühzeit zwischen Ostsee und Donau. Ausgewählte Beiträge zum geschichtlichen Werden im östlichen Mitteleuropa vom 6.bis zum 13.Jahrhundert, L.KUCHENBUCH und W.SCHICH (Hrg.), Berlin 1982 (= Germania Slavica, 3), S.224–225; J.ŽEMLIČKA, Čechy vdobě knížecí (1034–1198), Praha 1997, S.107–109; L.KORCZAK, Władysław I.Herman, in: Piastowie, S.64 f.; D.MALAŤÁK, Korunovace Vratislava II., Časopis Matice moravské 121, 2002, S.267–285; M.WIHODA, Polská koruna českých králů, in: Český časopis historický, Vol.102, 2004, S.721–743. V.VANÍČEK, Vratislav II. (I.), první český král. Čechy vdobě evropského kulturního obratu v11.století, Praha 2004, S.181–205; L.REITINGER, Vratislav, S.89–104, 300–303. 22 G.H.PERTZ (Hrg.), Annales Pegavienses et Bosovienses, MGH SS XVI, Hanoverae 1859, S.240 f. 23 Annales Pegavienses, S.241; V.NOVOTNÝ, České dějiny I,2, S.274, 331 f. 24 Annales Pegavienses, S.240–241. Siehe dazu V.NOVOTNÝ, České dějiny I,3, Čechy královské za Přemysla I. aVáclava I., Praha 1928, S.331–332; L.REITINGER, Nekrologia kláštera Pegau, S.372–415, bes. S.379–386; DERSELBE, Vratislav, S.304–307. 25 Siehe V.NOVOTNÝ, České dějiny I,2, S.387, 438–440, 475–477; M.BLÁHOVÁ, J.FROLÍK, N.PROFANTOVÁ, Velké dějiny I, S.482, 484, 490, 493, 497, 499.
12 PRAGUE PAPERS ON THE HISTORY OF INTERNATIONAL RELATIONS 2/2020 Vater zur Unterstützung Bořivojs verpflichtet hatte, bei Kaiser Heinrich V., der 1106 seinen Vater auf dem Thron gefolgt war, in Ungnade. Wiprecht der Jüngere geriet mit Bořivoj sogar in kaiserliche Gefangenschaft, aus der ihn sein Vater nur mit großen Opfern freikaufen konnte.26 Nicht alle Schwiegersöhne der böhmischen Herrscher waren jedoch so ausgeprägte Persönlichkeiten und lebten in so engen Kontakten mit ihren Schwiegervätern beziehungsweise Schwägern, wie Wiprecht von Groitzsch und sein Sohn. Trotzdem. sind etliche Belege für beidseitige Kontakte beziehungsweise für Hilfe von Seite der Schwiegersöhne oder vielmehr der Schwäger, zu finden. Zu diesen gehörten die Grafen von Bogen.27 Die Anfänge der Beziehungen zwischen den Přemysliden und dem bedeutenden ostbayerischen Adelsgeschlecht datieren bereits ab der ältesten bekannten Generation der Grafen von Bogen. Wohl im Jahr 1094 heiratete Břetislav II. von Böhmen die Schwester Alberts von Bogen Liutgard.28 Cosmas zufolge verheiratete im Juli 1124 Vladislav I. von Böhmen seine älteste Tochter Swatawa/Liutgard auf einem prächtigen Fest und mit reicher Mitgift mit „einem sehr berühmten bayerischen Magnaten namens Friedrich“.29 Es war wohl der Domvogt von Regensburg Friedrich von Bogen, der zur Opposition des bayerischen Herzogs Heinrichs X. des Stolzen gehörte.30 Knapp ein Jahr darauf, am 12.April 1125, starb zwar Vladislav I.Die Verbindungen zu Böhmen, vor allem zum Vladislavs gleichnamigen Sohn, haben jedoch sein Ableben überdauert— was wohl auch der Wunsch Vladislavs war. Diese Kontakte waren nicht nur auf die Beziehungen der Familienmitglieder begrenzt, Anteil daran hatten auch andere Persönlichkeiten aus ihrer Umgebung. Am 21.und 22.Mai 1142 verweilte der Olmützer Bischof und Freund des böhmischen Herrschers Vladislavs II. (1140–1172) Heinrich Zdik (1126–1150) im Familienkloster der Grafen von Bogen Windberg, wo er zwei Altäre in der damals gebauten Klosterkirche weihte.31 Vor allem verhandelte er jedoch über die Teilnahme Friedrichs von Bogen und anderen niederbayerischen Adeligen am Heerzug Kaiser Konrads III. zur Unter26 Cosmas III,32, S.202. Siehe V.NOVOTNÝ, České dějiny I,2, S.482, 501. 27 Zum (dunklen) Ursprung dieses Geschlechts und zu seiner gräflichen Dignität siehe M.PIENDL, Bogen, Gf. en v., in: Lexikon des Mittelalters 2, Sp. 317. 28 Siehe Cosmas III,3, S.163. Dazu V.NOVOTNÝ, České dějiny I,2, S.362. 29 Eodem anno mense Julio dux Wladizlaus natam suam primogenitam, nomine Zuatauam, cum magno muliebri cultu et nimio census apparatu dat nuptum cuidam inter Bavaricos primates famosissimo viro, nomine Friderico. Cosmas III,56, S.231 (deutsch II, S.228). 30 Siehe M.SPINDLER, Handbuch der bayerischen Geschichte I, München 1967, S.256. Die ältere tschechische Literatur identifiziert den Gatten Swatawas mit Friedrich IV., eventuellIII. von Bogen. Einige deutsche Historiker verbinden ihn mit dem Domvogt von Regensburg Friedrich III. von Diessen. Siehe B.BRETHOLZ, Cosmas, S.231, Anm. 3; P.SOMMER, D.TŘEŠTÍK, J.ŽEMLIČKA, Přemyslovci. Budování českého státu, Praha 2006, S.558. Zur Genealogie der Grafen von Bogen und der Grafen von Diessen siehe Bavaria nobility, Chapter 6-A. http://fmg.ac/Projects/MedLands/BAVARIAN%20NOBILITY.htm#_Toc524803081 (8.9.2021); Chapter 3-D. http://fmg.ac/Projects/MedLands/BAVARIAN%20NOBILITY. htm#_Toc524803051 (8.9.2021). 31 G.H.PERTZT (Hrg.), Annales Windbergenses, MGH SS XVII, Hannover 1861, S.563. Siehe V.NOVOTNÝ, České dějiny I,2, S.779.
MARIE BLáHOvá 13 stützung Vladislavs in den Thronstreitigkeiten in Böhmen.32 Ende Mai 1142 war schon Friedrich mit seinen Parteigängern im kaiserlichen Heer, mit dem er nach Böhmen gegen Vladislavs Rivalen, den Teilfürsten Konrad von Znaim, zog. Wenn auch die Quellen karg an die Informationen sind, ist es offensichtlich, dass die Beziehungen zwischen den Přemysliden und den Grafen von Bogen fortdauerten. Im Jahre 1167, schon nach dem Tode von Swatawas Gatten, weihte der Nachfolger Heinrichs Zdik, der Olmützer Bischof Johann (1150–1157), den Vladislav II. zu seinem Verwandten sandte, die neue Klosterkirche Sankt Maria und weitere Altäre in Windberg. Vladislav selbst schenkte dem Kloster zahlreiche Besitzungen in Böhmen.33 Die Familienbande zwischen den Přemysliden und den Grafen von Bogen gipfelten wohl um das Jahr 1184 in der Ehe des Grafen Albert III.— eines Sohns des Grafen Berthold II. von Bogen-Windberg aus seiner zweiten Ehe mit Liutgard von Burghausen— mit Ludmila, Tochter des böhmischen Fürsten Friedrich.34 Über die eventuellen Beziehungen zwischen dem Fürsten Friedrich als Schwiegervater und AlbertIII. von Bogen als Schwiegersohn ist nichts bekannt. Engere Beziehungen hatte Albert von Bogen jedoch zum Onkel seiner Frau, Přemysl Ottokar (I.), dem Halbbruder Friedrichs. Wenn Albert im Jahr 1192 eine Fehde gegen den Wittelsbacher Ludwig I. von Bayern wegen einiger Lehen vom Zaun brach, leistete ihm Přemysl— zum Missfallen Kaiser Heinrichs VI.— gern seine Hilfe.35 Andererseits fand Přemysl bei Albert von Bogen Zuflucht nach seiner Vertreibung aus Böhmen.36 Albert unterstützte ihn auch mit seinem Heer bei seinem erfolgslosen Versuch, Prag gegen den böhmischen Fürsten und Prager Bischof Heinrich Břetislav zu erobern.37 Albert starb am 20.Dezember 1197. Im Jahre 1204 heiratete Ludmila den Herzog Ludwig I. von Bayern, was auch zur Annäherung von Přemysl I. mit den bayerischen Wittelsbachern beitrug.38 Andere Schwiegersöhne haben die Přemysliden unter den österreichischen Babenbergern39 gefunden. Im Jahr 1138 vereinbarte der böhmische Fürst Soběslav I. die Vermählung seiner Tochter Marie mit Leopold IV. von Österreich. Die Heirat fand im Herbst desselben Jahres statt. Die Braut brachte ihrem Gatten eine reiche Mitgift ein. Wie in anderen Fällen wurde auch diese Ehe aus politischen Gründen geschlossen. Soběslav erwartete von Leopold künftige Unterstützung für seinen Sohn und Schwager Leopolds Vladislav.40 Soběslavs Sohn Vladislav hat sich jedoch auf dem 32 V.NOVOTNÝ, České dějiny I,2, S.778. 33 G.FRIEDRICH (Hrg.), Codex diplomaticus et epistolaris regni Bohemiae (im Folgenden nur zitiert als CDB) I, Pragae 1904–1907, Nr.299, S.269. Siehe V.NOVOTNÝ, České dějiny I,2, S.981. 34 Siehe V.NOVOTNÝ, České dějiny I,2, S.1098 und 1132, hielt Albert für den Sohn Friedrichs von Bogen und Přemyslidin Swatawa/Liutgard. 35 Siehe V.NOVOTNÝ, České dějiny I,2, S.1132; M.PIENDL, Bogen, Gf.en v., in: Lexikon des Mittealters 2, S.317. 36 Siehe V.NOVOTNÝ, České dějiny I,2, S.1149. 37 Ibid., S.1150. 38 Siehe V.NOVOTNÝ, České dějiny I,3, S.267, 285, 296, 562, 645. 39 Zu diesem Geschlecht siehe vornehmlich Karl Lechner, Die Babenberger. Markgrafen und Herzöge von Österreich, 976–1246, Wien/Köln/Weimar 1996. 40 Kanovník vyšehradský, J.EMLER (Hrg.), FRB II, Praha 1874, S.229. Siehe V.NOVOTNÝ, České dějiny I,2, S.655 f. Zur Urheberschaft dieser Schrift siehe L.REITINGER, Psal tzv.Kanov-
14 PRAGUE PAPERS ON THE HISTORY OF INTERNATIONAL RELATIONS 2/2020 Thron seines Vaters nicht durchgesetzt, beziehungsweise wurde er trotz vorhergehender Schwüre von den böhmischen Magnaten nicht als Herrscher angenommen. Die Babenberger hatten also keine Gelegenheit, zu seinen Gunsten einzugreifen. Die Regierung in Böhmen trat Vladislavs Vetter gleichen Namens, der Sohn Vladislavs I., an. Auch er war sich der Bedeutung von Familienbeziehungen zum südlichen Nachbarn gewusst. Kurz nach seiner Thronbesteigung bot er seine Hand Gertrud von Babenberg, der Tochter Leopolds III. von Österreich und Agnes von Weiblingen an, die Tochter des römischen Kaisers Heinrich IV. und der Witwe von Friedrich I. von Hohenstaufen war. Gertrud war eine Schwester Leopolds IV., des Gatten von Maria von Böhmen, zugleich auch Stiefschwester von König Konrad III. Damit hat Vladislav seine Stellung nicht nur in Böhmen, sondern in ganz Mitteleuropa bedeutend gefestigt.41 Weitere Familienkontakte zwischen den Přemysliden und den Babenbergern vermittelte die Tochter Vladislavs II. Richsa, die um 1177, schon nach dem Tode ihres Vaters, mit Heinrich dem Jüngeren von Österreich vermählt wurde.42 Eine Beziehung Heinrichs zu seinem Schwiegervater kam also nicht mehr in Betracht, die österreichischen Verwandten leisteten jedoch dem Schwager Heinrichs, dem Přemysliden Friedrich, einem Sohn von Vladislav II., auch nach dem Tode Richsas ihre Hilfe in den Thronstreitigkeiten in Böhmen.43 Zu den Schwiegersöhnen des Nachfolgers Vladislavs II. Friedrich gehörte neben dem schon erwähnten Albrecht von Bogen auch ein Neffe des byzantinischen Kaisers Manuel Komnenos— jüngeren Quellen nach war es Peter Komnenos. Es handelte sich wieder um eine politische Heirat, derer Urheber jedoch nicht Friedrich war. Die Vermählung der Tochter Friedrichs mit dem Neffen Manuels hatte Manuel Komnenos mit dem Großvater der Braut, König Vladislav, vereinbart, mit dem der byzantinische Kaiser schon einige Verträge während des Kreuzzuges im Jahre 1147 in Konstantinopel schließ. Dieser Heirat folgten Friedensverhandlungen, die 1163 die Thronstreitigkeiten in Ungarn beenden sollten, in denen die Prätendenten vom byzantinischen Kaiser Manuel Komnenos einerseits und vom böhmischen König Vladislav II. andererseits unterstützt wurden.44 Über die eventuellen Beziehungen von Friedrich, der damals Teilfürst von Olmütz war, zu seinem Schwiegersohn ist nichts bekannt. Die zeitgenössischen Quellen geben übrigens selbst die Namen der Verlobten nicht an. Am 23.April 1186 fand, schon unter der Regie von Friedrich als böhmischem Herrscher, die Vermählung von Friedrichs Tochter Sophie mit Albrecht von Meißen statt.45 Die Beziehungen Friedrichs, der übrigens keine drei Jahre später gestorben ník vyšehradský opravdu na Vyšehradě? První Kosmův pokračovatel vkontextu dějepisectví přemyslovského věku, ČČH 113, 2015, s.635–668. 41 Siehe V.NOVOTNÝ, České dějiny I,2, S.758. 42 Continuatio Zwetlense II, G.H.PERTZ (Hrg.), MGH SS IX, Hannover 1851, S.541. Siehe V.NOVOTNÝ, České dějiny I,2, S.1042 f. 43 Ibid., S.1075 f. 44 Letopis Vincencia, kanovníka kostela pražského, J.EMLER (Hrg.), FRB II, Praha 1875, S.458. Siehe V.NOVOTNÝ, České dějiny I,2, S.937–943. 45 Genealogia Wettinensis, G.H.PERTZ (Hrg.), MGH SS XXIII, Hannover 1874, S.229. Siehe V.NOVOTNÝ, České dějiny I,2, S.1081.
MARIE BLáHOvá 15 ist, zu seinem Schwiegersohn liegen wieder im Dunkel. Albrecht wurde jedoch später zum Freund von Friedrichs jüngerem Bruder und dem Onkel von Sophie, Přemysl Ottokar I., der Albrechts Schwester Adelaide geheiratet hatte. Albrecht leistete seinem Schwager wirksame Hilfe in seinen Bemühungen um den böhmischen Thron.46 Diese Beziehungen wurden jedoch nach der Scheidung Přemysl Ottokars I. von Adelaide von Meißen im Jahr 1198, endgültig dann 1205, unterbrochen. Den überlieferten Quellenberichten nach zeugte Přemysl Ottokar I. in seinen zwei Ehen neben vier Söhnen wohl acht Töchter, von denen jedoch nur vier verheiratet waren. Přemysl hatte also vier Schwiegersöhne. Nicht zu allen hatte er jedoch ein inniges Verhältnis. Im Jahre 1205 nahm Přemysl das Heiratsangebot einer Gesandtschaft des dänischen Königs Waldemar II. für seine Tochter Margarethe aus der Ehe mit Adelaide von Meißen an. Die dänischen Heldenlieder schildern romantische Details der Brautwerbung, jedoch keine konkreten Gründen für dieses Ehebündnis, wohl außer Schönheit und Edelmut der Prinzessin, die darum in Dänemark Dagmar („Morgenstern“) genannt wurde.47 Přemysl handelte jedoch rein pragmatisch. Vom Bündnis mit dem dänischen Hof versprach er sich die Unterstützung des dänischen Königs, der in engen Beziehungen mit einem der Thronanwärter im römisch–deutschen Reich, Otto von Braunschweig, stand, für seine Aktivitäten im Reich und für die Aufrechthaltung seiner in den Thronstreitigkeiten erreichten Begünstigungen.48 Er legte sogar seine Abneigung ab und versöhnte sich auf Zeit mit seiner ersten Frau und Margarethes Mutter Adelaide— wohl auch, weil er damals aus seiner zweiten Ehe keine männlichen Nachkommen hatte. Die überlieferten Quellen registrieren jedoch keine Spuren eines gemeinsamen Vorgehens oder von Unterstützung in der Politik beider Länder. Wohl die definitive Trennung Přemysls von seiner ersten Frau und Margarethes Mutter und seine Orientierung auf den ungarischen Hof sowie der Tod von Margarethe-Dagmar am 24.Mai 1213 verursachten eine Abkühlung der beidseitigen Beziehungen. Trotzdem wurde Přemysl noch lange Zeit nach dem Tode von Margarethe-Dagmar als Waldemars Freund angesehen.49 Über die Ehe einer weiteren Tochter von Přemysl und Adelaide— Božislava— mit Heinrich von Ortenburg ist nichts bekannt. Diese Information bringt nur die Genealogie der Wettiner ohne Details.50 Es ist zu vermuten, dass diese Heirat nicht von Přemysl vereinbart wurde. Bessere Informationen bringen die Quellen über die Gatten von Přemysls Töchtern aus seiner zweiten Ehe, der mit Konstantia von Ungarn— Judith und Anna. 46 Siehe V.NOVOTNÝ, České dějiny I,2, S.1128, 1133 f., 1142 usw. 47 Dieses Ereignis wurde nur in dänischen Quellen, Annalen, Chroniken und Liedern registriert. Kurze Informationen bringen auch die Genealogien der Wettiner; die böhmischen Quellen verschweigen diese Tochter Přemysls überhaupt. Siehe V.NOVOTNÝ, České dějiny I,3, S.20 f., Anm. 3; P.SOMMER, D.TŘEŠTÍK, J.ŽEMLIČKA, Přemyslovci, S.564. 48 Zu dieser Heirat und ihren möglichen Umständen siehe V.NOVOTNÝ, České dějiny I,3, S.270–273. 49 G.Friedrich (Hrg.), CDB II, Pragae 1912, Nr.277, S.271 (Vertrag Waldemars mit Heinrich von Schwerin vom 17.November 1225). V.NOVOTNÝ, České dějiny I,2, S.569 f. 50 Genealogia Wettinensis, S.229. Siehe V.NOVOTNÝ, České dějiny I,3, S.238.
22 PRAGUE PAPERS ON THE HISTORY OF INTERNATIONAL RELATIONS 2/2020 auch diese Vermählung kurz danach faktisch auf, indem er im folgenden Jahr seine Tochter Kunigunde, die mit Rudolfs Sohn Hartmann vermählt worden war, als Nonne ins Prager Klarissenkloster schickte.91 Ein selbständiges Thema ergäbe der bereits erwähnte Wenzel II., den die Familienbande nicht nur an die schlesischen Piasten banden, sondern er selbst war Schwiegersohn des römischen Königs Rudolf von Habsburg. In den beiden Rollen, als Schwiegersohn und Schwiegervater, beeinflusste er die Politik nicht nur in Böhmen. Wenzel II. bestieg 1283 den böhmischen Thron in der komplizierten Situation nach dem Tode seines Vaters Přemysl Ottokar II. auf dem Schlachtfeld zwischen Dürrnkrut und Jedenspeigen auf dem Marchfeld am 26.August 1278 und der Vormundschaftsherrschaft Ottos V. von Brandenburg in Böhmen. Der Sieger in der Schlacht, König Rudolf von Habsburg, der damals für fünf Jahre die Verwaltung von Mähren übernahm, konnte Böhmen zwar aufgrund der dortigen Lage sowie der Probleme in Österreich und im Reich nicht beherrschen, ließ es jedoch nicht aus den Augen.92 Wenige Monaten nach dem Tode von Přemysl II. bestätigte er die Heiratsvereinbarungen zwischen seinen Kindern und Přemysls Kindern, die Přemysl zu seinen Lebzeiten nicht eingehalten hatte.93 Der Sohn Přemysl Ottokars II., der siebenjährige Wenzel(II.), heiratete die gleichaltrige Tochter Rudolfs Guta. Da Wenzels Schwester Kunigunde schon im Kloster lebte und Graf Hartmann von Habsburg inzwischen mit der englischen Prinzessin Johanna verlobt wurde, heiratete Rudolfs gleichnamiger jüngster (achtjähriger) Sohn die um mehrere Jahre ältere Schwester von Wenzel Agnes. In diese Vereinbarungen wurde ferner auch Otto V. von Brandenburg einbezogen. Der jüngere Bruder Ottos V. von Brandenburg, Otto VI. der Kleine, heiratete kurz darauf Rudolfs Tochter Hedwig. Diese Eheschließungen standen im Einklang mit der Politik des römisch–deutschen Königs, der sich vor allem bemühte, die Reichskurfürsten durch Verwandtschaftsverhältnisse an sich zu binden und ihre Unterstützung für seine Pläne zu nutzen. Zugleich erleichterten sie ihm die Kontrolle über Böhmen und Eingriffe in die böhmische Politik.94 Sein Hauptziel war die Wahl eines seiner Söhne zu seinem Nachfolger auf dem römischen Thron. Obwohl er alle weltlichen Kurfürsten auf diese Weise gewann,95 wurde jedoch weder zu seinen Lebzeiten, noch nach seinem Tode sein einziger Sohn, der ihn überlebte, nämlich Albrecht, zum römischen Thron erhoben. Wenzel von Böhmen spielte dabei eine wichtige Rolle. Trotz seiner Versprechen und Verpflichtungen96 gegenüber seinem verstorbenen Schwiegervater wählte er in der kompli91 J.EMLER (Hrg.), Příběhy krále Přemysla Otakara II., FRB II, Praha 1874, S.328 f. (1276, 1277). Siehe J.K.HOENSCH, Přemysl Otakar II., S.242. 92 Siehe Marie BLÁHOVÁ, Böhmen in der Politik Rudolfs von Habsburg, in: E.BOSHOF, F.-R. ERKENS (Hrg.), Rudolf von Habsburg 1273–1291. Eine Königsherrschaft zwischen Tradition und Wandel, Köln/Weimar/Wien 1993, (Passauer historische Forschungen 9), S.61–64. 93 Siehe J.K.HOENSCH, Přemysl Otakar II., S.256; K.-F. KRIEGER, Die Habsburger, S.51. 94 Siehe O.REDLICH, Rudolf von Habsburg. Das deutsche Reich nach dem Untergange des alten Kaisertums, Innsbruck 1903, S.370; J.ŠUSTA, České dějiny II,1, S.308 f., 312 f.; M.BLÁHOVÁ, Böhmen, S.64. 95 Siehe O.REDLICH, Rudolf von Habsburg, S.169, 275, 370; M.BLÁHOVÁ, Böhmen, S.74 f. 96 Siehe J.SCHWALM (hrg.), Constitutiones et acta publica imperatorum et regum, III, ab a. MCCLXXIII usque ad a. MCCXCVIII (1273–1298), MGH, LL, München 1904–1906, Nr.427,
MARIE BLáHOvá 23 zierten Lage nach Rudolfs Tod, ähnlich wie andere Kurfürsten, Adolf von Nassau zum König.97 Erst nach dem Scheitern von Adolfs Politik nahm Wenzel an seiner Entthronung im Jahre 1298 teil und unterstützte die Wahl Albrechts von Habsburg.98 Keine zehn Jahre später griff jedoch dessen Neffe Johann, Sohn aus einer von König Rudolf vereinbarten Doppelehe, der Rudolfs des Jüngeren von Habsburg und Agnes von Böhmen, in sein Leben ein und tötete seinen Onkel.99 Inzwischen entwickelte Wenzel jedoch eine eigene dynastische Politik. Seine Kurstimme bot er dem Adolf von Nassau nicht kostenlos an. Während der Wahlverhandlungen forderte er nicht nur Lehenbestätigungen und andere Begünstigungen, sondern auch eine Heiratverbindung zwischen beiden Familien. Der Sohn Adolfs von Nassau Ruprecht sollte die Wenzels II. Tochter Agnes heiraten. Dieser Vertrag wurde am 9.August 1296 erfüllt.100 Die junge Braut starb jedoch nach etwa einem Monat. Politische Ziele führten auch zu weiteren Eheschließungen, die Wenzel II. verabredete, und zur Wahl seiner Schwiegersöhne: Im Brennpunkt seines Interesses stand die polnische Krone. Im Bestreben, Verbündeten zu gewinnen, bewog er im Jahre 1290 seine Schwester Kunigunde, das Klarissenkloster zu verlassen und verheiratete sie im nächsten Jahr mit Boleslaw II. von Masowien. Dieses Bündnis hielt jedoch nicht lange an. Boleslav wandte sich Wenzels Gegnern zu, was zum militärischen Konflikt führte, in dem Wenzel Masowien verwüstete. Boleslav lehnte es ab, den gekrönten Wenzel als polnischen König anzuerkennen. Die Folge dieser Ereignisse war der Zerfall der Ehe von Boleslaw und Kunigunde. Im Jahr 1302 kehrte die Fürstin mit beiden Töchtern aus dieser Ehe nach Prag zurück, wo sie Zuflucht im Georgskloster auf der Prager Burg fand und dort Äbtissin wurde.101 Der Sohn Wenzel blieb in Polen. Im Interesse an der polnischen Krone suchte Wenzel II. auch Kontakte zur päpstlichen Kurie. In den Streitigkeiten zwischen den Anhängern der Familien Orsini und Colonna um den Heiligen Stuhl nach dem Tod von Papst Nikolaus IV. versuchte Wenzel II. auf den Rat des nicht näher bekannten Kanonisten Magister Alexius,102 sich auf die Orsini zu orientieren. Im Jahre 1293 verabredete Wenzel II. die Verlobung seiner bereits geborenen Tochter Guta mit dem Söhnchen des einflussreichen römischen Senators Gentille Orsini. Die Orsinis waren nicht dagegen und knüpften engere KonS.417 f. Siehe dazu auch O.REDLICH, Rudolf von Habsburg, S.718; J.ŠUSTA, České dějiny II,1, S.409 f. 97 Siehe K.-F. KRIEGER, Die Habsburger, S.77–80; J.ŠUSTA, České dějiny II,1, S.437–441. 98 Siehe K.-F. KRIEGER, Die Habsburger, S.84 f.; J.ŠUSTA, České dějiny II,1, S.466 f., 473–477. 99 Siehe H.DIENST, J.Parricida, in: Lexikon des Mittelalters 5, S.512. Zum Nachhall des Mordes Albrechts in Böhmen siehe M.BLÁHOVÁ, „Nepos vindicabit avum.“ Die Ermordung Albrechts I. am 1.Mai 1308 im Bewusstsein der böhmischen Gesellschaft des 14.Jahrhunderts, in: A.SPEER, D.WIRMER (Hrg.), 1308. Eine Topographie historischer Gleichzeitigkeit, Berlin/New York 2010, S.771–788. 100 J.ŠUSTA, České dějiny II,1, S.439, 465. 101 Siehe J.ŠUSTA, České dějiny II,1, S.447; M.WILAMOWSKI, Bolesław, in: Piastowie, S.277 f.; L.JAN, Václav II., S.329f. 102 Zur Persönlichkeit von Alexius siehe J.ŠUSTA, České dějiny II,1, S.452–453; L.JAN, VáclavII., S.192–194.
24 PRAGUE PAPERS ON THE HISTORY OF INTERNATIONAL RELATIONS 2/2020 takte zum böhmischen Königshof an. Die Verhandlungen wurden jedoch bald durch den Tod der fünf Monate alten Braut unterbrochen.103 Wenzels Interesse an den Alpenländern sowie seine Tendenz, die Positionen Albrechts von Habsburg zu schwächern, führten später zu Heiratsverhandlungen mit den Menhardinern in Kärnten und Tirol, die durch die bayerischen Wittelsbacher vermittelt wurden. Wenzels Tochter Anna sollte Heinrich von Kärnten heiraten.104 Diese Eheschließung wurde zwar erst nach dem Tod von Wenzel II. vollzogen, hatte jedoch wichtige Folgen für die böhmische Politik nach dem Tod des letzten Přemysliden Wenzel III. im Jahre 1306, als Heinrich mit Unterstützung eines Teiles der politischen Führung in Böhmen mit Ansprüchen auf den böhmischen Thron auftrat.105 Im Rahmen der böhmischen Politik gegenüber Schlesien vermählte Wenzel II. seine Tochter Margarethe mit Boleslaw (III.) von Legnica (Liegnitz)-Wrocław, dem späteren Herzog von Wrocław, Legnica und Brzeg (Brieg). Die Heirat des zwölfjährigen Herzogs mit der siebenjährigen Prinzessin fand Anfang des Jahres 1303 statt.106 Dieser Schwiegersohn Wenzels II. versuchte nach dem Aussterben der Přemysliden im Jahre 1306, aufgrund seiner Vermählung mit Margarethe die von seinem Schwiegervater Wenzel II. und seinem Schwager Wenzel III. geerbten Ansprüche auf Böhmen und Polen durchzusetzen, in beiden Fällen erfolglos. Eine Zeitlang besetzte er das Herzogtum Opava (Troppau) und hielt es wegen Margarethes unbezahlter Mitgift mehrere Jahre lang. Auf das Herzogtum verzichtete er erst 1311 nach Zahlung eines Pfandes von 8.000 Mark Silber.107 Ein Schwiegersohn Wenzels II. war allerdings auch Johann von Luxemburg. Der spätere König von Böhmen wurde von der böhmischen politischen Führung als Gatte von Tochter Wenzels II., bzw. der Schwester WenzelsIII. Elisabeth gewählt und heiratete sie fünf Jahre nach dem Tode ihres Vaters. Auf die Ehe der jüngsten Tochter Wenzels II. Agnes, die kurz vor dem Tode WenzelsII. geboren wurde, hatte Wenzel II. natürlich auch keinen Einfluss.108 Aufgrund der genannten Fakten sind jetzt einige zusammenfassende Anmerkungen zu Stellung und Bedeutung der Schwiegersöhne im přemyslidischen Böhmen sowie zur Funktion einer solchen Forschung zu formulieren: Die přemyslidischen Fürsten und Könige nutzten ebenso wie andere mittelalterliche Herrscher ihre Töchter— ähnlich wie ihre Söhne— für ihre politische Ziele. Sie wählten für ihre Töchter die Lebenspartner entsprechend der politischen Situation und ihrer eigenen politischen Absichten. Die Vermählung der Kinder konnte die gegenseitigen Beziehungen ver103 J.EMLER (Hrg.), Petra Žitavského kronika Zbraslavská, FRB IV, Praha 1884, I,49, S.59 f. Siehe J.ŠUSTA, České dějiny II,1, S.451 f. 104 Siehe J.ŠUSTA, České dějiny II,1, S.657; L.JAN, Václav II., S.358 f. 105 Siehe J.ŠUSTA, České dějiny II,1, S.694 f. 106 Siehe J.ŠUSTA, České dějiny II,1, S.617; L.Jan, Václav II., S.359. 107 Siehe J.ŠUSTA, České dějiny II,1, S.703; K.R.PROKOP, Bolesław III Rozrzutny, in: Piastowie, S.435. 108 Siehe J.ŠUSTA, České dějiny II,1, S.665. Agnes wurde später mit Heinrich von Jauer verheiratet. Siehe J.ŠUSTA, České dějiny II,2, Král cizinec, Praha 1939, S.257; K.OŻÓG, RyksaElżbieta, in: Piastowie, S.170 f.; L.KORCZAK, Henryk, ebenda, S.582 f.
MARIE BLáHOvá 25 bessern oder gar Friedensverträge festigen. Sie konnte auch als Belohnung für treue Dienste dienen, wie beispielsweise bei Wiprecht von Groitzch. Vorzugsweise wurde sie jedoch für die künftige Politik genutzt. Die Schwiegersöhne sollten in Zukunft die herrschenden Söhne der Schwiegerväter unterstützen, wohl auch zur Erweiterung ihrer Macht oder sogar des von den Nachkommen des Schwiegervaters kontrollierten Territoriums beitragen. Manchmal erreichten die Schwiegerväter ihre Ziele und die Mitglieder der folgenden Generationen, vor allem die Schwäger, aber auch noch ihre Söhne, unterstützten sich gegenseitig in ihrer Politik. Als Beispiel sind die Beziehungen der Přemyslidenkönige mit den schlesischen Piasten im 13.Jahrhundert zu nennen, die schließlich zur Lehensabhängigkeit Schlesiens vom böhmischen König führten. Die Situation hätte sich jedoch auch ganz anders entwickeln können. Der Schwiegersohn oder sein Nachkomme konnte zum Rivalen seines Schwagers (oder Vetters) werden, wie beispielsweise Philipp von Spannheim zu Přemysl Ottokar II. oder Heinrich IV. von Schlesien und Boleslav von Masowien zu Wenzel II. Am markantesten zeigte sich übrigens diese Situation gerade an der Persönlichkeit Wenzels II. als Schwiegersohn des römischen Königs Rudolf von Habsburg. Rudolf von Habsburg sicherte seine Position in Böhmen und im Reich sowie seine Aussichten in Schlesien. Den König von Böhmen sowie die anderen Kurfürsten, von denen alle weltlichen seine Schwiegersöhne oder Verwandten waren, hatte er jedoch nicht dauerhaft für seine Pläne gewonnen, was die Ereignisse nach Rudolfs Tod belegen. Ebenso die zweite der von Rudolf von Habsburg vermittelten Doppelheiraten aus dem Jahre 1278, die von Rudolf dem Jüngeren mit Agnes, den Eltern von Johann Parricida, kam den Habsburgern nicht zugute. Die Heirat wurde nicht nur von den Vätern der Prinzessinnen geschlossen und der Schwiegersohn musste nicht immer vom künftigen Schwiegervater ausgewählt werden. Auch der Großvater oder Onkel der Braut konnten die Eheschließung verabreden (Vladislav II., Přemysl Ottokar II.). Oft wurde natürlich der Ehevertrag von dem Bruder der Braut geschlossen, wenn der Vater schon verstorben war. Es gibt keinen Zweifel, dass die ehelichen Bündnisse einen der wichtigsten Aspekte der internationalen Politik im Mittelalter darstellen. Aus dieser Tatsache folgt auch die Bedeutung dieser Problematik für die politische Geschichte dieser Zeit. RÉSUMÉ Sons-in-law and their role in Přemyslid Bohemia The study shows the significance that marriages of the daughters of Czech rulers in the Přemyslide period had for the political objectives of their fathers. It is clear from an analysis of established facts on the marriages of Přemyslids and their partners that the marriages of ruler’s daughters, like those of sons, were subject to the political ambitions of the father as ruler. They chose life partners for their daughters in line with the political situation and their political plans. Marriages of the ruler’s children were able to settle mutual relations, and affirm peace treaties. Marriage with the royal daughter could also be areward for important services. In particular, however, these marriages were meant to serve future policies, securing the heir political or military support from their father-inlaw or brother-in-law, and sometimes could also result in an expansion of territory under the sovereign’s rule. The Přemyslids achieved the greatest successes in this regard in their relationship with the Silesian Piast dynasty in the 13th century. Family ties and support from brothers-in-law and nephews
26 PRAGUE PAPERS ON THE HISTORY OF INTERNATIONAL RELATIONS 2/2020 eventually led to the Silesian principality’s oath of fealty to the Bohemian rulers, which developed from the end of the Přemyslid period and reached apinnacle under John of Bohemia and CharlesIV. The situation, however, could well have developed differently and the brother-in-law or his heirs could have become arival to the sovereign, such as Philip of Spanheim towards Ottokar II of Bohemia, or Henryk IV and Bolesław II of Masovia towards Wenceslaus II. This situation manifested itself most plainly, however, in regard to Wenceslaus II, who as son-in-law of Rudolf Iof Germany, who supported Wenceslaus’s status in Bohemia and his prospects in Silesia alongside other electors, all Rudolf’s sons-in-law, rejected the election of Rudolf’s son Albert as King of Rome after Rudolf’s death, instead choosing Adolf of Nassau. Albert was not elected until 1298 when Adolf was deposed. The son of Wenceslaus’s brother-in-law Rudolf (II) of Habsburg and the grandson of King Rudolf, John Parricida, even murdered his uncle Albert in 1308.