Personalpronomen im Schönhengst als mögliches Indiz für die Herkunft der deutschen Siedler
Abstract
120
Full text
Personalpronomen im Schönhengst als mögliches Indiz für die Herkunft der deutschen Siedler Mojmír Muzikant (Brno) ABSTRACT The language island Schönhengst (Hřebečsko) in Northern Moravia is characterized by the diphthongization of Middle-Upper-German short vowels /u/ and /i/. In the present article, the territorial distribution of a dialectal area is described according to the dialectal realization of the personal pronouns ‚ich, du, sie‘ as well as to the realization of selected common nouns. In addition, the article deals with the possible origin of the German settlers in Hřebečsko. Relevant historical facts and Wenker’s Atlas are taken into account as well as the views of E. Schwarz and W. Jungandreas on the origin and development of the short vowels /u/ and /i/ in Hřebečsko. KEYWORDS Language island Schönhengst (Hřebečsko), Middle-Upper-German short vowels /u/ and /i/, personal pronoun ‚du‘, digital Wenker’s atlas, Bishop Bruno of Olomouc from Schauenburg, colonisation of Moravia by German settlers, Eastern Frankish and Bavarian influence ABSTRAKT Die Sprachinsel Schönhengst in Nordmähren zeichnet sich durch diphthongische Realisierungen für mhd. /u/ und /i/ aus. Im vorliegenden Aufsatz wird die räumliche Unterteilung des erhobenen Sprachgebiets in Abhängigkeit von der mundartlichen Wiedergabe der Personalpronomen ‚ich, du, sie‘ sowie ausgewählter Gattungsnamen vorgestellt. Es wird ferner versucht, die Herkunft der deutschen Siedler im Schönhengst zu bestimmen, indem historische Fakten, der Digitale Wenker-Atlas sowie Feststellungen von E. Schwarz (1962) und W. Jungandreas (1937) in Bezug auf die Entwicklung von /u/ und /i/ im Schönhengst herangezogen werden. SCHLÜSSELWÖRTER Sprachinsel Schönhengst, mhd. /u/ und /i/, Personalpronomen ‚du‘, Digitaler Wenker-Atlas, Olmützer Bischof Bruno von Schauenburg, Besiedlung Mährens durch deutsche Kolonisten, ostfränkischer und bairischer Einfluss 1. EINLEITUNG Der Herkunft nach gehört der Schönhengst zum ostfränkischen (ostfr.) Sprachgebiet (so z. B. A. Bachmann 2005 : 74). Die typisch mittelbairischen Formen der 2. Pers. Plur. ‚ees‘ oder ‚deeds‘ bzw. ‚enk‘, die sich im nordbairischen Sprachraum finden (s. Renn, M./König, W. 2005: 86), sind hier nicht anzutreffen. Wenn man auf die Geschichte der in diesem Gebiet durchgeführten dialektologischen Untersuchungen eingeht, so
MOJMíR MUZIKANT 121 darf I. Benesch (1938) nicht unerwähnt bleiben. Das Material, das Benesch in seiner Arbeit zur Bestimmung des mundartlichen Lautstandes herangezogen hat, stammt aus einer von ihm persönlich durchgeführten Abfrage in 125 Orten und umfasst 200 Wörter. Als Ergebnis der ersten Etappe legte Benesch (1938: 3 f.) sechs Sprachlandschaften fest. In der zweiten Abfrage, die 2000 Wörter berücksichtigte, wurden insgesamt sieben Orte erhoben, die die einzelnen ermittelten Sprachgebiete repräsentieren sollten: Michelsdorf/Ostrov, Mährisch Hermersdorf/Kamenná Horka, Mährisch Rothmühl/Radiměř, Rehsdorf/Radišov, Vorder-Ehrnsdorf/Přední Arnoštov, Augezd/ Újezd und Kornitz/Chornice. Dabei fällt auf, dass die Anzahl der erhobenen Orte nicht mit der Anzahl der Sprachlandschaften übereinstimmt. Der Autor trägt hier offenbar der Tatsache Rechnung, dass sich das Trübauer Gebiet weiter in einen Altstädter und einen Krönauer Kreis unterteilen lässt (s. Benesch 1938: 3 f.). Benesch konnte in seiner Arbeit in mancher Hinsicht an die Untersuchungen seiner Vorgänger J. Matzke (1922) und J. Janiczek (1911) anknüpfen. Es steht jedenfalls fest, dass Beneschs Arbeit den gesamten Schönhengst flächendeckend erfasst. Dadurch konnte Benesch die räumliche Abgrenzung der einzelnen Sprachlandschaften im Gegensatz zu J. Matzke genauer festlegen. So wird bei Matzke (1922: 106) der Ostschönhengst, von Müglitz (Mohelnice) angefangen bis nach Mährisch Trübau und Krönau (Křenov), als einheitlich aufgefasst, obwohl der Autor andererseits zugibt, karte 1
122 LINGUISTICA PRAGENSIA 2/2014 dass die Richtigkeit der angesetzten Lautgrenzen im Osten des Gebietes nicht gesichert ist. Demgegenüber wird der Ostschönhengst bei Benesch (1938: Karte 27) weiter untergliedert, und zwar in das Müglitzer Gebiet, das bei uns mit den Orten Augezd, Lechowitz, Chirles, Pobutsch und Unter-Heinzendorf vertreten ist, und in das Trübauer Gebiet. Die Dörfer Triebendorf und Budigsdorf stellen bei uns (gemäß der Auffassung von Benesch) das Übergangsgebiet zwischen dem Müglitzer und Landskroner Gebiet dar. Im südlichen Teil des Ostschönhengsts liegt das Trübauer Gebiet, das weiter in den Altstädter und Krönauer Kreis zerfällt. Auf die Einteilung in die oben genannten Kreise nehmen wir jedoch wegen der räumlichen Verteilung unserer Erhebungsorte keine Rücksicht. Die Einteilung des Sprachgebiets in mindestens sechs Sprachgebiete innerhalb des Schönhengsts wird auch durch die Ergebnisse unserer dialektologischen Untersuchung bestätigt1, die sich besonders deutlich im Bereich der Wiedergabe der Personalpronomen äußert. Die behandelten Belege gehen auf Erhebungen zurück, die im Schönhengst in direkter Methode in insgesamt 38 Ortschaften (s. Liste der erhobenen Ortschaften) in den Jahren 2003 bis 2005 durchgeführt wurden. Als Unterlage 1 Die Ergebnisse der Untersuchung im Schönhengst gehen auf insgesamt 38 Erhebungsorte zurück. karte 2
MOJMíR MUZIKANT 123 für die Erhebung von Sprachdaten wurden Kurzfragebücher (862 Fragen), in einigen Fällen zweibändige Fragebücher (2944 numerierte Fragen) eingesetzt. Die Ergebnisse der Untersuchung im Schönhengst sind z. T. im KMS (Kleiner Mährischer Sprachatlas der deutschen Dialekte, s. Literaturverzeichnis) erarbeitet worden. Auffällig sind die diphthongierten Varianten mit den Diphthongen /ei, ai, oi/, die eine ausgeprägte territoriale Differenzierung aufweisen und die auch bei Benesch nicht unbeachtet geblieben sind. Die Formen der 1. Pers. Sg. und der 1. und 2. Pers. Plur. in den oben erwähnten sieben Ortschaften sind bei Benesch (1938: 27 f.) vermerkt. Die 2. Pers. Sg. wird im Paradigma des Modalverbs ‚sollen‘ angeführt (s. Benesch 1938: 33). Im Folgenden wollen wir die einzelnen eingezeichneten Sprachgebiete in Bezug auf die Wiedergabe der Personalpronomen kurz charakterisieren2. Unproblematisch erscheint die Lage in den Randgebieten Dörfles-Kornitz (Víska— Chornice) und im Glatzer Gebiet (Kladsko), weil diese mit nur je einer Ortschaft vertreten sind, so dass eine genauere Untergliederung des Gebiets ausgeschlossen ist. Die monophthongischen Realisierungen stellen die einzige Variante dar, und zwar mit dem Unterschied, dass im Glatzer Gebiet ‚ār‘ und im Gebiet Dörfles-Kornitz ‚er‘ verwendet wird. In der 1. Pers. Plur. steht in Kornitz die Form ‚mir‘, während in Schönwald die Form ‚wir‘ verwendet wird. Ziemlich einheitlich sind die Verhältnisse im Südwestschönhengst (insgesamt drei erhobene Ortschaften: Mährisch Rothmühl, Schönbrunn und Laubendorf), wo lediglich in der Realisierung der 2. Pers. Sg. zwei Varianten auftreten, und zwar eine gerundete und eine ungerundete. Ansonsten stimmt der Südwestschönhengst in der monophthongischen Realisierung der Personalpronomen mit den zuletzt genannten Gebieten überein. 2. LANDSKRONER GEBIET Die übrigen Mundartgebiete, die flächenmäßig den größten Teil des Schönhengsts ausmachen, weisen in Bezug auf die einzelnen pronominalen Varianten im Allgemeinen eine größere Variantenvielfalt auf. Trotz einer höheren Anzahl von Erhebungsorten steht das Landskroner Gebiet deutlich den oben genannten Gebieten Dörfles-Kornitz, Glatzer Gebiet, Südwestschönhengst nahe. Die erhobenen Pronominalformen sind ohne Ausnahme monophthongisch und in den meisten Fällen auch einheitlich. Schwankungen gibt es lediglich in der 3. Pers. Sg. Mask. ‚er/a/ar‘. Beim Pron. 1. Pers. Plur. ist vereinzelt die Form ‚wir‘ belegt, sonst ist überall die Form ‚mir‘ zu verzeichnen. Bei ‚ich‘ überwiegen leicht die diphthongierten Formen. Dies ist auch bei der 2.Pers. Sg. der Fall, wo ebenfalls die diphthongierten Formen überwiegen. Diese Formen sind in den meisten Fällen in denselben Ortschaften zu finden, in denen auch die diphthongierten Pronominalformen der 1. Pers. Sg. vorkommen. Eine Ausnahme sind in dieser Hinsicht die Ortschaften Stangendorf und Ketzelsdorf, wo die 2 Die folgenden Karten sind in Anlehnung an Abbildungen im Kleinen Mährischen Sprachatlas der deutschen Dialekte (KMS: Muzikant, M. und R. Rothenhagen 2011, S. 54, 56, 59, 60, 196— 202) erarbeitet worden.
124 LINGUISTICA PRAGENSIA 2/2014 thongierten Formen der 2. Pers. Sg. nicht den diphthongierten Formen der 1. Pers. Sg. entsprechen. In der 3. Pers. Sg. Mask. dominieren die Varianten /a, ā, ār/. Die Form /er/ ist lediglich in Zwittau und Tirpes zu verzeichnen. Auch in der 3. Pers. Sg. Fem. überwiegen leicht die diphthongierten Formen. Die in Ketzelsdorf überlieferte e-Form könnte als Ergebnis einer Monophthongierung ei > e interpretiert werden. Die monophthongische Wiedergabe ist auf solche Ortschaften beschränkt, in denen auch in anderen Personalformen Monophthonge vorherrschen. Die Personalpronomen der 1. und 2. Pers. Plur. lauten auf dem ganzen Gebiet ‚mir‘ und ‚īr‘. In der 3. Pers. Plur. stimmt die Distribution der monophthongischen und diphthongischen Formen mit der Distribution der entsprechenden Formen für die 1. und 2. Pers. Plur. überein. Es fällt auf, dass die monophthongischen Formen in Städten (Zwittau, Brüsau) bzw. in der Nähe des benachbarten angrenzenden Monophthong-Gebietes auftreten. Eine gewisse Unsicherheit im Gebrauch des Diphthongs herrscht im Umkreis von Zwittau (Ketzelsdorf, Stangendorf), was von einem Einfluss der benachbarten Stadt zeugen könnte. Wenn man annimmt, dass die Stadtsprachen eine nivellierte Sprachebene darstellen, dann ist die diphthongische Realisierung der Personalpronomen mit /ei, io, iou, ieu/ als deutlich mundartliches Merkmal zu betrachten, das gerade für das Zwittauer Gebiet kennzeichnend ist. 4. TRÜBAUER GEBIET Die diphthongierten Formen der 1. Pers. Sg. überwiegen. Ein Drittel der Belege machen Formen mit Monophthongen aus. Die Distribution der du/dau-Formen entspricht der der ich/aich-Formen. Im Gegensatz dazu stehen die Realisierungen der 3.Pers. Sg. Mask. und der 2. Pers. Plur. im Einklang mit der Standardsprache. In der1.Pers. Plur. überwiegen eindeutig die mir-Formen. Nur in Markt Türnau und in Altstadt ist die Form ‚wir‘ anzutreffen. In der 3. Pers. Sg. Fem. ist das Verhältnis zwischen den īund ai-Formen im Wesentlichen ähnlich wie bei ich/aich, du/dau. Eine Veränderung ist in Pirkelsdorf eingetreten, wo die monophthongische Form die diphthongische verdrängt hat. Die Distribution der sī-/sai-Formen (3. Pers. Plur.) stimmt mit der Distribution von ich/aich, du/dau überein. karte 3
MOJMíR MUZIKANT 125 Wenn man dabei bleibt, dass die diphthongischen ai-Formen (ähnlich wie die eiFormen) ein Kennzeichen bestimmter Basisdialekte im Schönhengst sind, so scheint die Rechnung aufzugehen: In der Stadtsprache von Mährisch Trübau und in Altstadt erscheinen, wie erwartet, Monophthonge. Der Altstädter Kreis hebt sich jedoch lautlich vom Trübauer Gebiet ab. Monophthongische Personalpronomen sind darüber hinaus noch in Markt Türnau anzutreffen, wo die Gewährsperson (GP) stark zur Standardsprache tendiert. karte 4 karte 5 karte 6
126 LINGUISTICA PRAGENSIA 2/2014 5. OSTSCHÖNHENGST Die diphthongierten oi-Formen, die das Spezifische dieses Gebiets ausmachen, kommen nur selten vor. Bei der 1. Pers. Sg. ist der Diphthong oi nur in zwei Ortschaften, d.h. in einem Viertel aller Erhebungsorte vertreten. In der 2. Pers. Sg. kommt die diphthongische Wiedergabe dou nur in Chirles vor, sonst ist nur der u-Monophthong vertreten. In der 3. Pers. Sg. Mask. ist nur in UnterHeinzendorf die Variante a/ār belegt. Die übrigen Ortschaften weisen die Form ‚er‘ auf. Wie im Fall der 1. Pers. Sg. erscheint die diphthongierte oi-Wiedergabe auch in der 3. Pers. Sg. Fem. lediglich in den Ortschaften Chirles und Unter-Heinzendorf. Dieselbe Distribution für oi-Formen gilt auch für die Personalpronomen der 3. Pers. Plur. In der 2. Pers. Plur. tritt nur die Form ‚īr‘ auf. In der 1. Pers. Plur. sind die Belege der Formen wir/mir zahlenmäßig ausgeglichen. Im Ostschönhengst sind die diphthongischen oi-Formen im Vergleich zu den diph thongischen Formen in den oben genannten Gebieten eher selten (ein Viertel aller erhobenen Ortschaften). Ob der ermittelte Zustand im Bereich der Personalpronomen die mundartlichen Verhältnisse treu wiederspiegelt, muss dahingestellt bleiben, denn viele Ortschaften, vor allem in Mürau (Mírov) und Umgebung, konnten mangels GP nicht erhoben werden. Es steht jedenfalls fest, dass sich die Ortschaften Budigsdorf und Triebendorf und die Stadt Hohenstadt durch eine ziemlich nivellierte Sprachform auszeichnen. 6. VERGLEICH MIT DEN APPELLATIVA ‚ZWIEBEL‘, ‚FISCH‘, ‚SOMMER‘, ‚NUSS’ Nachdem wir die Verteilung der diphthongischen Formen bei Personalpronomen erörtert haben, stellt sich die Frage, inwieweit die Diphthongierung des mhd. kurzen i und des mhd. kurzen u auch bei Appellativa stattgefunden hat. Im Folgenden wolkarte 7 karte 8
MOJMíR MUZIKANT 127 len wir den ermittelten Lautstand bei den Stichwörtern ‚Fisch und Zwiebel‘ für mhd. i und ‚Sommer und Nuss‘ für mhd. u mit den Angaben bei Benesch vergleichen. Die Auswahl der Gattungsnamen ist auf die im KMS behandelten Stichwörter (S. 54–62) zurückzuführen. 6.1 ZWIEBEL Im Landskroner und im Glatzer Gebiet sowie im Gebiet Dörfles-Kornitz ist nur die monophthongische Wiedergabe anzutreffen. Im Zwittauer Gebiet stimmt die räumliche Verteilung der ei-Wiedergaben mit der Verteilung der diphthongierten Personalformen 1. Pers. Sg., 3. Pers. Sg. Fem. und 3. Pers. Plur. überein. In Ketzelsdorf ist ein ē belegt, das als Monophthongierung ei > ē zu interpretieren ist. Im Trübauer Gebiet stimmt die Verbreitung der ai-Wiedergabe in ‚Zwiebel‘ mit der Verbreitung der aich-Formen räumliche überein. Im Ostschönhengst ist das Vorkommen der typischen oi-Wiedergabe ähnlich wie bei Personalpronomen nur auf zwei Ortschaften beschränkt (Chirles und Unter-Heinzendorf). Eine Abnahme der diphthongierten Formen im Ostschönhengst (Müglitzer Gebiet) stellt auch Benesch (1938: 24) fest, indem er bemerkt: „Das letzte (Müglitzer Gebiet) hat durch die verschiedensten Einflüsse sehr gelitten, so dass an mehreren Stellen wieder Monophthongierung eingetreten ist“ (S. 24, Anm. 1). 6.2 FISCH Ähnlich wie bei ‚Zwiebel‘ können die Belege für ‚Fisch‘ in Belege mit monophthongischer Wiedergabe des Vokals und in Belege mit diphthongischer Wiedergabe des Vokals eingeteilt werden. Monophthonge sind wie in dem oben genannten Fall im Landskroner und Glatzer Gebiet und im Gebiet Dörfles-Kornitz sowie im Südwestschönhengst anzutreffen. Die häufigste Widergabe ist ein kurzes i, im Glatzer Gebiet und im Südwestschönhengst kommt auch die Senkung i > e vor, namentlich in Schönwald und Mährisch Rothmühl. Im Zwittauer Gebiet wird der Diphthong /ei/ verwendet. Im Vergleich zu ‚Zwiebel‘ ist jedoch die Zahl der diphthongischen Belege geringer. Die diphthongierenden Ortschaften stehen im Verhältnis 6 (nicht-diphthongierend) zu 4 (diphthongierend) (s. die Karte). In Ketzelsdorf ist die Aussprache als langes ī zu verzeichnen. Im Trübauer Gebiet hat sich die diphthongische Aussprache als /ai/ für das kurze mhd. i nur in Langenlutsch gehalten. Überall sonst wird mhd. kurzes i monophthongisch wiedergegeben. Im Ostschönhengst ist bei ‚Fisch‘ keine Diphthongierung zu verzeichnen. Auch bei Benesch (1938: 25) tritt bei ‚Fisch‘ im Müglitzer Gebiet kurzes i auf (Augezd). Daneben aber /štöich/ = Stich in demselben Ort bei Benesch. (s. ebenda) 6.3 SOMMER Laut Benesch (1938: 35) wird mhd. u im Schönhengst zu ū bzw. zu ǖ gedehnt oder diphthongiert. Die diphthongische Wiedergabe erfolgt als ou, au, öu, io, iou u. a. Die konkrete Realisierung des Stammvokals in Abhängigkeit vom gegebenen Sprachgebiet
128 LINGUISTICA PRAGENSIA 2/2014 karte 9 karte 10 karte 11 karte 12 (insgesamt sechs Ortschaften) sind bei Benesch (1938: 36) einer Tabelle zu entnehmen, in der die Realisierung von elf verschiedenen Wörtern aufgelistet ist. Im Sprachgebiet Müglitz (bei Matzke Ostschönhengst), das durch Augezd repräsentiert wird, fällt auf, dass häufig Monophthonge auftreten: kurzes bzw. gedehntes u bzw. ein o, das durch
MOJMíR MUZIKANT 135 Jungandreas, W. (1937) Zur Geschichte der schlesischen Mundart des Mittelalters, Breslau: Maruschke und Berendt. Muzikant, M. und R. Rothenhagen (2011) Kleiner Mährischer Sprachatlas der deutschen Dialekte. Brno, Masarykova univerzita. Matzke, J. (1922) Die Landskroner Mundart in ihrer Entwicklung in den einzelnen Ortschaften des Gebietes, Landskron: Josef Czerny. Renn, M. und W. König (2006) Kleiner Bayerischer Sprachatlas, München: dtv. Schwarz, E. (1962) Sudetendeutsche Sprachräume, 2. durchgesehene und teilweise erw. Aufl., München: Lerche. INTERNET QUELLEN [DiWA]: Digitaler Wenker-Atlas, www. diwa.info/titel.aspx LISTE DER ERHOBENEN ORTSCHAFTEN Altstadt/Staré Město Augezd/Újezd Brüsau/Březová Budigsdorf/Krasíkov Chirles/Krchleby Černowir/Černovír Deutsch Biela/Bělá nad Svitavou Dittersdorf/Dětřichov Hinter-Ehrnsdorf/Zadní Arnoštov Hohenstadt/Zábřeh Ketzelsdorf/Koclířov Knappendorf/Knapovec Kornitz/Chornice Landskron/Lanškroun Langenlutsch/Dlouhá Loučka Laubendorf/Pomezí Lauterbach/Čistá Lechowitz/Lechovice Lichwe/Libchavy Mährisch Rothmühl/Radiměř Mährisch Trübau/Moravská Třebová Mariendorf/Mařín Markt Türnau/Městečko Trnávka Ober-Heinzendorf/ Horní Hynčina Ober-Johnsdorf/Horní Třešňovec Pirkelsdorf/Prklišov Pobutsch/Pobučí Pohler/Pohledy Putzendorf/Pacov Ribnik/Rybník Rudelsdorf/Rudoltice Schönbrunn/Jedlová Schönwald/Strážná Stangendorf/Vendolí Tirpes/Trpík Triebendorf/Třebařov Unter-Heinzendorf/Dolní Hynčina Zwittau/Svitavy