Vom Nirgends zum Irgends: Franz Fühmann als Nachdichter aus dem Tschechischen
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Vom Nirgends zum Irgends: Franz Fühmann als Nachdichter aus dem Tschechischen Anne Hultsch– Institut für Slawistik, Universität Wien ABSTRACT From Nowhere to Anywhere: Franz Fühmann as Poet -Translator from Czech into German Franz Fühmann, who considered translating poetry afull -fledged part of his creative work, translated aconsiderable number of Czech poems into German. Arough overview is given of whose poems he translated and how his view of Czech poetry changed over the years; on what basis these translations were made; what stones had to be removed for the publication of the anthology Die Glasträne (1964) and of Nezval’sAuf Trapezen (1978). Finally, using three poems as examples, various aspects of his approach are examined in more detail, which led to his translations actually being poetic entities in German. KEYWORDS Franz Fühmann, Ludvík Kundera, František Halas, Vítězslav Nezval, interlinear translation, poetry translation, poetism, surrealism, anthology Die Glasträne EINLEITUNG Franz Fühmann (1922–1984) hat sich nicht nur als Dichter, Erzähler, Kinderbuchautor, Essayist, Nacherzähler antiker Stoffe einen ausgezeichneten Ruf ‚erschrieben‘, sondern auch als Nachdichter: aus dem Bulgarischen, Litauischen, Polnischen, Russischen, Tschechischen, Ungarischen (s. Buckendahl 2019: 21–38) und weiteren Sprachen. Dabei kommt seiner Auseinandersetzung mit der Dichtung der alphabetisch letzten beiden Sprachen nicht nur unter quantitativen Gesichtspunkten für sein Gesamtwerk besondere Bedeutung zu. Die „Nachdichtung tschechischer Gedichte“ habe er „immer als einen Teil [s]eines literarischen Lebenswerkes betrachtet“. 1 Mein Augenmerk richtet sich im Folgenden auf eben diese Nachdichtungen aus dem Tschechischen. Nach einer kurzen Bestandsaufnahme werde ich auf die Werkzeuge eingehen, die ihm für seine Arbeit zur Verfügung standen, seine Emanzipation von den Ideen Ludvík Kunderas 1 Franz Fühmann an Haus der Tschechoslowakischen Kultur/Miloslav Krajný, 11.3.1975 (AdK FFA 1295). Nachdichtungen seien an die Stelle eigener Dichtung getreten: „Und doch tri& er zurück vom Anspruch auf das eigene Gedicht. Es ist das Bewusstsein einer Schuld den Worten gegenüber, das Eingeständnis, sie selbst eine Zeit lang ideologisch missbraucht zuhaben [sic]. Die Nachdichtungen aus dem Tschechischen und Ungarischen, denen er sich fortan widmet, sind mehr als Surrogate: Dienst am Dichter -Wort anderer, Buße auch für eigenes Versagen“ (Decker 2009: 324).
44 BRÜCKEN 30/2 nachzeichnen und schließlich an drei konkreten Beispielen kurz sein Vorgehen beim Nachdichten vorstellen. BESTANDSAUFNAHME In den zweiten Band seiner Werkausgabe, Gedichte und Nachdichtungen, nahm Fühmann nur die Nachdichtungen auf, die aus seiner Sicht „als lyrisches Gebilde deutscher Sprache“ bestehen (Fühmann 1993a: 14),2 wie es auch seinen allgemeinen Überlegungen zu diesem 'ema in der „Kleinen Praxis des Übersetzens unter ungünstigen Umständen“ entsprach: Die Nachdichtung muß ein lesbares deutsches Gedicht sein, das man guten Gewissens in einen Sammelband eigener Verse aufnehmen würde. Keine Übertragung ist besser als eine dür(ige oder gar eine verzerrte. Solche Surrogate sind doppelt schädlich: Sie geben ein falsches Bild des Originals und verhindern ein Ausfüllen der durch sie nicht geschlossenen, sondern nur kaschierten Lücke (Fühmann 1969: 9). 3 Das Aus wahlkriteri um war mithin nicht die Qualität der Ausgangstexte, sondern sein kritischer Blick auf das eigene Tun. Diesem hielten Gedichte folgender tschechi scher Auto ren stand: Konstantin Biebl, František Halas, Vladimír Holan, Franti šek Hrubín, Vítězslav Nezval, František Xaver Šalda und Jaroslav Seifert. Der älte ste ist Šalda (Jg. 1876), der jüngste Hrubín (Jg. 1910), von diesen beiden stam men aber die wenigsten Texte. Die weiteren Autoren sind alle um 1900 geboren und ge hö ren zu der Generation, die maßgeblich die tschechische Dichtung der ersten Tschecho slo wakischen Republik (1918–1938) geprägt hat. In ihrem Verhalten nach der Machtergreifung der Kommunisten (1948) unterscheiden sie sich zwar, es ist aber nicht einer darunter, dessen zur Nachdichung ausgewählte Gedichte nicht bis heute Bestand hä&en. Mit diesem Siebener -Gestirn hat sich jedoch Fühmanns Nachdichtungsœuvre längst nicht erschöp(. Zu mehre ren der ge nann ten Autoren kehrte er mehrfach zurück, was von seiner intensiven Ausein an dersetzung mit deren Texten zeugt, die dann eben zu dem ihn befriedi gen den Er gebnis seiner Nachdichtung führte. Das erste mir bekannte tschechische Gedicht in Fühmanns deutscher Fassung stammt je doch von keinem der oben genannten Autoren, sondern von Jan Noha und trägt den vielsagenden Titel „Einer dem Andern“ („Jeden druhé mu“). Fühmann dichtete es 1958 anlässlich der Woche der deutsch -tsche cho slowakischen Freundscha( nach, wie man seiner handschri(lichen Anmer kung auf dem Typoskript entnehmen kann.4 2 Dem entspricht auch, dass der Verlag in dem entsprechenden Band der Werkausgabe „auf die Kommentierung von einzelnen Begriffen und Sinnzusammenhängen in den Nachdichtungen, wie sie in einer (deutschen) Ausgabe des betreffenden Dichters notwendig wären“, verzichtet. „Das Kriterium für einen Verzicht auf Erläuterungen zu einer Nachdichtung wäre für mich der Umstand, daß es nichts gibt, was das Verständnis dieser Nachdichtung als lyrisches Gebilde deutscher Sprache verstellt“ (Ingrid Prignitz an Franz Fühmann, 18.5.1976 [AdK FFA 935]). 3 In dieser Hinsicht scheint es mir auch angebracht, von Anfang an die Begriffe ‚Nachdichtung‘, ‚nachdichten‘, ‚Nachdichter‘ zu verwenden, auf die ich abschließend noch einmal zurückkommen werde. 4 Franz Fühmann, Jan Noha, „Einer dem Andern“, 1958 (PNP LA, fond Noha Jan, cizí rukopisy). Noha bedankte sich artig bei dem „Genossen Fühmann“ dafür (Jan Noha an Franz Fühmann, 12.9.1958 [AdK FFA 1286]).
45ANNE HULTSCH Am bedeutendsten sind sowohl aus zeitgenössischer als auch aus heutiger Sicht drei in formaler Hinsicht sehr unterschiedliche Nachdichtungswerke Fühmanns: erstens die Anthologie Die Glasträne (1964, 2. Aufl. 1966), zweitens der Gedicht band Auf Trapezen von Nezval (1978), den Michael Krüger gerne für den Mün chner HanserVerlag übernommen hä&e (Krüger 1978), 5 und dri&ens seine Nachdichtung „Nirgends“ von Halas’ Gedicht „Nikde“, die erstmals 1978 im Rahmen der ersten Auflage der Werkaus gabe publiziert worden ist. Die Rezeption tschechischer Lyrik war in den 1950erund zu Beginn der 1960erJahre in Deutschland eher spärlich, wenn man es euphemistisch ausdrückt. 6 Doch es setzte dann fast ein We&lauf zwischen Ostund Westdeutschland ein, der nicht zuletzt auch dank des Engagements Fühmanns nicht zuungunsten Ost deutsch lands ausfiel, wenngleich bei Suhrkamp Halas bereits 1965 (dt. von Peter De metz) und Nezval 1967 (dt. von Johannes Schröpfer) erschienen. Die Halas -Aus gabe nahm Fühmann vielmehr als Warnung, wie man mit dem Autor kei nes falls verfahren dürfe, hielt sie für einen „Skandal“ und „zusammengestüm pert“, wie er an Ludvík Kundera schrieb. 7 Ganz wesentlich trug dazu, in Ost deutschland den Boden für tschechische Dichtung bereitet zu haben, die Anthologie Die Glas träne bei, die Fühmann zusammen mit Ludvík Kundera im Verlag Volk und Welt herausgab: Německý čtenář dostává tak ve Skleněné slze opět po mnoha letech dík spolupráci českého aněmeckého básníka narozeného vČechách do rukou opravdu reprezentativní výbor, podávající objektivně podobu české lyriky 20. století vpřekladech, které mají vesměs vysokou uměleckou úroveň (J. O. 1965). [Der deutsche Leser erhält so in der Glasträne nach vielen Jahren abermals dank der Zusammenarbeit eines tschechischen und eines deutschen Dichters, der in Böhmen geboren ist, eine wahrlich repräsentative Auswahl in die Hand, die objektiv die Gestalt der tschechischen Lyrik des 20. Jahrhunderts in Übersetzungen, die allesamt ein hohes künstlerisches Niveau aufweisen, darbietet.] Die Überschri( des Vorwortes von Kundera, „Vielseitig keit und Vielsaitigkeit“, zeigt gut an, was die Besonderheit dieser Auswahl ist: Sie bietet ein breites Spektrum von Autoren (und eines einsamen Gedichtes einer Autorin) und Poetiken an, deren Auswahl nicht nach ideologischen Krite rien erfolgte, denn die erste Idee Fühmanns aus 5 Michael Krüger an Reclam/Hans Marquardt, 12.5.1978 (AdK FFA 1237/1). 6 Einen kleinen Überblick über Anthologien tschechischer Lyrik, die nach 1945 in Ostund Westdeutschland erschienen sind, liefert Jan Ort. Dabei fällt auf, dass die drei in diesem Zeitraum in Westdeutschland herausgebrachten Anthologien in keinen renommierten und auflagenstarken, sondern kleinen Verlagen herauskamen: in der Eremiten -Presse (1962;dort gar über den Umweg des Französischen), bei Hohwacht (1964) und bei Glock und Lutz (1964);zwei ostdeutsche Anthologien sind im Dietz Verlag, also unter SED -politischem Vorzeichen (1951, 1961), zwei weitere bei Volk und Welt (1961, 1964) erschienen (Ort 1966). 7 Franz Fühmann an Ludvík Kundera, 14.5.1969 (AdK FFA 1120/2). Kundera äußerte sich gleich nach Erscheinen des Buches zu diesem: „22 Gedichte, einige Gedichte sind auch in der Glasträne. Das Vergleichen ist sehr aufschlussreich. Ich glaube, dass wir [gesperrt] besser sind“ (Ludvík Kundera an Franz Fühmann, 27.5.1965 [AdK FFA 1120/1]). Weniger zufrieden mit dem Ergebnis des Duos Fühmann–Kundera zeigte sich Antonín Brousek, der meinte, dass die Halas -Nachdichtungen von Manfred Peter Hein jene sowohl von Demetz als auch von Fühmann „deutlich in den Scha&en stellen“ (Brousek 1981: 20).
46 BRÜCKEN 30/2 dem Jahr 1955 wurde, wie man heute sagen muss, glücklicherweise, nicht umgesetzt. Dann würde der Band nämlich „unter dem Mo&o ‚Wie das tschechoslowakische Volk für seine natio na le Existenz und Freiheit kämp(e und wie es in diesem Kampf siegte‘“ ste hen.8 Die Anthologie, die zunächst zusammen mit dem Prager Verlag Artia als tschechoslowakische herausgegeben werden sollte, war seit 1958 in Arbeit. Der slowakische Teil wurde jedoch „total zertrümmert“, um ihn „dann von Grund aus neu bauen“ zu können.9 Die Publikation in der vorliegenden Form, also als Anthologie tschechischer Gedichte des 20. Jahrhunderts, wie der Untertitel lautet, vornehmen zu können, war das Ergebnis eines zähen und langwierigen Mü hens, was nicht an dem– laut Fühmann „hochanständigen“ –Verlag, sondern an politischen Querelen, versuchten Einflussnahmen und mehrfachen Zensurdurchläufen lag,10 so dass Kundera verärgert an den Verband der tschechoslowakischen Schri(steller schrieb: Ocitáme se tedy nyní vsituaci, že by naše antologie mohla být vývojem překonána /überholt/, že by šla skřížkem po funuse, že by zdaleka nebyla tak objevná jak být mohla, kdyby…11 [Wir sind also jetzt in eine Situation geraten, dass unsere Anthologie von der Entwicklung überholt worden sein, dass sie zu spät kommen könnte, dass sie bei Weitem nicht so bahnbrechend wäre, wie sie sein könnte, wenn…]. Denn westdeutsche Verlage „konečně ‚objevili‘ naši poezii a[…] při rychlosti, sníž pracují, nedají na sebe knížky dlouho čekat“ [haben endlich unsere Poesie ‚entdeckt‘ und bei der Geschwindigkeit, mit der sie arbeiten, lassen die Bücher nicht lang auf sich warten].12 8 Franz Fühmann an Ludvík Kundera, 27.6.1955 (AdK FFA 1120/1). Ludvík Kundera verfolgte jedoch davon abweichende Absichten: „Ich will daraus keine konventionell -offiziell -diplomatische Angelegenheit machen und dabei das Bild unserer Lyrik nicht verzerren, nicht zensurieren“ (Ludvík Kundera an Franz Fühmann, 19.12.1958 [AdK FFA 1120/1]); deshalb möchte er auch keine neueren Autoren aufnehmen, denn dann wären Konzessionen erforderlich: „Die Qualität geht dann herunter, die Auswahl wird weniger ‚repräsentativ‘– im guten Sinne des Wortes“ (Ludvík Kundera an Franz Fühmann, 3.9.1959 [AdK FFA 1120/1]). Eine konkrete Zumutung durch einen diplomatischen Vertreter bestand beispielsweise darin, Poeten aufzunehmen, „die durch die Dobřišer Schulung gegangen sind“ (Franz Fühmann an Ludvík Kundera, 30.9.1959 [AdK K4/1]), was Kundera strikt ablehnte: „keine exportfähige Ware. Total ausgeschlossen! […] So etwas kann nur ein Diplomatenkopf erfinden“ (Ludvík Kundera an Franz Fühmann, 2.11.1959 [AdK K4/1]). 9 Ludvík Kundera an Franz Fühmann, 6.3.1963 (AdK FFA 1120/1). Das Hauptproblem bestand in der schlechten Qualität der Übersetzungen: „So geht es nun wirklich nicht. Die Übersetzungen sind völlig unbrauchbar, zusammengschludert, zum Teil voll unfreiwilliger Komik– es ist keines darunter, dass man auch nur im Sonntag veröffentlichen könnte, geschweige denn in der Anthologie.“;„Ich habe die Veröffentlichung der Bertleffschen Übersetzungen abgelehnt, weil sie dem Ansehen der slowakischen Poesie schaden. Sie machen sie lächerlich. Die Lektoren im Verlag haben sich vor Lachen gewälzt, als sie diese Gebilde gelesen haben. Das beste Gedicht kann durch eine dumme Übersetzung verdorben und ins Gegenteil verkehrt werden“ (Franz Fühmann an Ludvík Kundera, 27.2.1963;1.5.1964 [AdK K4/1;AdK FFA 1120/1]). 10 Franz Fühmann an Ludvík Kundera, 21.5.1965 (AdK K4). 11 Ludvík Kundera an Svaz čs.spisovatelů, 17.11.1963 (AdK FFA 161/9). 12 Ludvík Kundera an Svaz čs.spisovatelů, 17.11.1963 (AdK FFA 161/9).
47ANNE HULTSCH Fühmann ha&e großen Anteil an den Nachdichtungen für Die Glasträne, von denen er ca. 40% selbst besorgte und deren Qualität er insgesamt in engem, und nicht immer einfachem, Austausch mit den anderen Übersetzern (resp. deren Witwen) wie auch mit Kundera überwachte,13 was ein deutlicher Hinweis darauf ist, dass es ihm darum ging, dass die tschechische Dichtung in Deutschland möglichst überzeugend präsentiert werde.14 Es sind hier vorallem Gedichte von Sova, Biebl, Seifert, Nezval, Halas, Vilém Závada, Ho lan, Hrubín, die durch ihn ihren Weg zum deutschsprachigen Rezipienten fan den. Von den knapp 20 Autoren, deren Texte Fühmann nachdichtete, en&äusch ten ihn einige (z.B. Stanislav Kostka Neumann15), andere stellten sich für ihn als wich ti ge Entdeckung heraus (z.B. Halas, wie ich unten noch zeigen werde). Später war Fühmann neben der Nezval -Ausgabe mehr oder weniger intensiv einer - seits an Bänden in der sog. ‚Weißen Reihe‘(ebenfalls Verlag Volk undWelt) von Ha las (1970), Seifert (1985) und Závada (1986) sowie an den Poesiealben (Verlag Neu es Leben) von Biebl (1977), Holan (1985) und Závada (1981) beteiligt und wirkte als Nachdichter an weiteren Anthologien mit (Wessen Welt … Poetisches Dokument, 1967;Verhangen war mit Tränenrauch. Gedichte gegen Faschismus und Krieg, 1981;Gesang der Liebe zum Leben. Tschechische Lyrik der Gegenwart, 1983), außerdem besorgte er die Nachdichtung der Gedichte für den von Karl -Heinz Jähn herausgegebenen Nezval -Band Der Prager Spaziergänger (1984). WERKZEUGE Fühmann, der in Rokytnice nad Jizerou (dt. Rochlitz an der Iser) geboren worden ist, eignete sich erst im Laufe der Zeit einige passive Tschechischkennt nis se an. Ganz wenige Texte dichtete er ohne Interlinearübersetzung nur mit Hilfe eines Wörterbuches nach, nahm sie dann aber doch nicht in die jeweiligen Bän de auf, weil er mit seinen „dermaßen mangelha(en“ 16 Sprachkenntnissen zu keinem ihn über zeu gen den Ergebnis kam.17 Um so mehr würdigte er die Arbeit der Interli near übersetzer (Fühmann 1973: 53, 63). Er stand mithin nicht in der Tradition der zweisprachigen oder doch gut des Tschechischen mächtigen deutschböhmischen Vermi&ler vor allem in Prag, wie Strebel und Maidl (2017: 348) behaupten, denn er ist im westlichen Riesen ge birge in einer nahezu einsprachig -deutschsprachigen Umgebung sozialisiert worden. Das 13 Außer Fühmann wirkten an den Nachdichtungen für Die Glasträne mit: O. F. Babler, Johannes Bobrowski, Günther Deicke, Rudolf Fuchs, Louis Fürnberg, Peter Hacks, Heinz Kahlau, Reiner Kunze, Eva Lippold, O&o Pick, Peter Pont, Vilém Reichmann, Hugo Siebenschein, Wilhelm Tkaczyk, F. C. Weiskopf, Paul Wiens. Wie die Namen dieser Liste vermuten lassen, wurden nicht alle Nachdichtungen für die Anthologie neu angefertigt, aber auch auch bereits existierende Nachdichtungen wurden noch einmal geprü( und gegebenenfalls überarbeitet. 14 Außerdem ha&e er die tschechische Kritik mit im Blick, vor der das Buch bestehen können sollte, denn: „Die Tschechen habe eine ausserordentliche Nachdichtertradition; sie übersetzen sch[ö]n und ausserordentlich prägnant; sie halten sich sogar an Formtatsachen, die wir– und ich meine mit Recht– negieren; So übersetzen sie alle weiblichen Reime auch als weibliche usw. Die Anthologie wird eine Rolle in der tschechoslowakischen Kritik spielen, man wird sie studieren usw.“ (Franz Fühmann an Heinz Kahlau, o. D. [AdK FFA 161/9]). 15 Franz Fühmann an Ludvík Kundera, o. D. [1964] (AdK FFA 161/9). 16 Franz Fühmann an Ludvík Kundera, 1.11.1957 (AdK FFA 1120/1). 17 Franz Fühmann an Karl -Heinz Jähn, o. D. (AdK FFA 199/9);Franz Fühmann an Ludvík Kundera, 25.3.1957 (AdK FFA 1120/1).
48 BRÜCKEN 30/2 brachte den Vorteil mit sich, dass er in seinen Nachdichtungen freier mit der Alltagssprache (also mit dem Tschechisch, „das von der Gasse herkam“) umgehen konnte, die die tschechische Literatur der Zwischenkriegszeit prägte. Das „Prager Deutsch war ‚Papier‘“ (Demetz 1992). Welche Werkzeuge standen ihm für seine Nachdichtungen zur Verfügung? Es waren einerseits (meist) Abschri(en der Ausgangstexte, deren Rohübersetzun gen, hinzu kamen Wörterbücher 18 und an erster und letzter Stelle die Zusammen ar beit mit Kundera, dem Fühmann „DER Freund, der beste aus Deutschland“ war.19 Dieser schlug anfangs nicht nur die meisten Texte vor, sondern fertigte auch vie le der Interlinearversionen an, stand mit Fühmann im ständigen brieflichen Aus tausch über die Texte, vor Abschluss zogen sie sich meist noch ein mal zusam men in eine mehrtägige Klausur zurück, um an den letzten Feinheiten zu arbei ten, was bedauerlicherweise natürlich nicht dokumentiert ist (s. Kundera 1993;Jähnichen 1996). Weil er weder mit der tschechischen Kultur aufgewachsen ist noch anderweitig eine Möglich keit ha&e, diese eingehender zu studieren, irritieren mitunter Fragen, die Fühmann Kundera stellte, stellen musste, z.B. was Hollar sei. 20 Jeder mit der böhmischen Kultur Vertraute hat bei dem Namen sofort den einen oder anderen Kupferstich aus dem 17.Jahrhundert vor dem inneren Auge, hat schon einmal etwas vom Hollareum in der Tschechischen Nationalgalerie gehört oder kennt mit Arbeiten Václav Hollars illustrierte Bücher. Genau dieser Aspekt macht das Nachdichten mi&els Interlinearversion so aufwendig, wenn der Nachdichter denn tatsächlich in die Texte eindringen will: überhaupt nur zu wissen, ob er nach ‚Was‘ oder ‚Wer‘ fragen muss. Gedichte schreiben sich ja in eine kulturelle Tradition ein, die man sich ohne Sprach kennt nis se nur schwer erschließen kann. Für Fühmann gehörte auch immer dazu, die Landscha( zu kennen, in der die Originale gewachsen sind, um zu verstehen, in welchem Boden sie wurzeln.21 Vielleicht ist es auch kein Zufall, dass sowohl Halas als auch Nezval aus Mähren stammen, wo sich Fühmann bei Kundera sehr wohl fühlte. EMANZIPATION Der Weg, den Fühmann mit seinen Nachdichtungen ging, reichte von „Fleiß ar beit“ an den Texten, die man ihm nannte, für die Glasträne22 über die Mitarbeit an Bänden der ‚Weißen Reihe‘ und Poesiealben bis hin zu einer gewissen Eman zi pa tion auch von Kundera, dem er am Ende für die Herausgabe der Anthologie Die Son nenuhr. Tsche18 In seiner Arbeitsbibliothek befinden sich das von Josef Beneš zusammengestellte Bildwörterbuch. Deutsch und Tschechisch (Leipzig 1956);der von Josef Beneš und Adolf Plachý herausgegebene Německo - český ačesko -německý kapesní slovník [Deutsch -tschechische und tschechisch -deutsche Taschenwörterbuch] (Praha 1965);der zweibändige Česko - německý slovník. Tschechisch - deutsches Wörterbuch von Hugo Siebenschein (Praha 1968) sowie Franz Vavroušeks Sprachführer Tschechisch. Mit Nachtrag und kurzer Einführung ins Slowakische von Rudolf Zasche (Berlin -Schöneberg 1914) (ZLB FühO 142 bis FühO 146). 19 Ludvík Kundera an Ursula Fühmann, 30.7.1984 (AdK FFA 1120/3). 20 „Hollar– was ist das? Eigenname? Ich find ihn nirgends. Oder ist das der Leichenkosmetiker, der die Totengesichter balbiert und frisiert?“ (Franz Fühmann an Ludvík Kundera, 7.10.1976 [AdK FFA 186/7]). 21 Zum Beispiel wollte er gerne einmal die Landscha( Vilém Závadas sehen oder möglichst alle HalasStä&en aufsuchen (vgl. Franz Fühmann an Ludvík Kundera, 22.12.1960;1.7.1969 [AdK FFA K4/1;AdK FFA 185]). 22 Franz Fühmann an Monika Heinker, 15.12.1975 (AdK FFA 1237/1).
49ANNE HULTSCH chische Lyrik aus 11 Jahrhunderten (1987) kaum noch Nachdichtungsbi&en erfüllte, so dass Kundera sogar fürchtete, Füh mann wer de ihm sein Lebenswerk „verpatzen“.23 Fühmann wusste dann be reits sehr genau selbst, was er nachdichten wollte, wofür auch Kundera ein Gespür erhielt24 und versprach, ihm „ganz und gar wüste Sachen“ auszusuchen oder ihn mit Traum ge dichten zu locken,25 ihm von Halas „Žena“ [Frau] zu überlassen –„sehr erotisch, ha: die [unterstrichen] Empfehlung!, soll auch ein Amateur machen?!“26 –, wurde sich aber bei späteren Zusendungen im mer unsicherer, ob er ihn nicht doch nur noch schlecht kenne und warf ihm scherz ha( vor, keine einfache Fleißarbeit mehr zu betreiben, sondern „auf die deutsche urromantische Endspürration /so!/“ zu warten. 27 Aber Fühmann und Kundera unterschieden sich einfach in ihrer Arbeitsweise. Wie o( hielt Kundera Arbeiten für beendet, an denen Fühmann immer weiter feilte. Wenn er sich als Nachdich ter als ausschließlich „Dienender am Werke des“ jeweiligen Dichters sah, 28 ha&e das für ihn nicht minder einen existentiellen Sinn. Je mehr er den Dichter schätz te, desto höher war die Verantwortung gegenüber dessen Werk, die er dabei spür te und der er ohne Kom promisse gerecht werden wollte. Nur einen Aus bruchs versuch aus der eige nen skrupulösen Perfektion gab es hin sichtlich Hru bíns, dessen Nachdichtung für die ‚Weiße Reihe‘ schließlich Jürgen Ren nert übernahm. Über seine Arbeit daran schrieb Fühmann an Kundera, dass er immer mehr eine Wollust daran verspüre, etwas falsch zu lassen: „Viele machen so viel Falsches; ich will auch.“29 Sehr interessant ist zu verfolgen, welche zunehmend klaren Pläne Fühmann hinsichtlich tschechischer Dichtung ha&e: Kreisten diese zu Beginn der 1960er -Jahre um die Namen von fünf Autoren (Seifert, Halas,Hrubín,Holan, Nezval), blieben zehn Jahre später davon nur Halas und Nezval übrig, die Ende der 1970er -Jahre dann um Biebl erweitert wurden, der nicht unter den ersten fünf war. Dieser Wandel ging mit Fühmanns sich verstärkendem Interesse an Träu men einher, das sich parallel zu seinem Interesse am tschechischen Surrealismus entfaltete. Und als er 1973 wieder begann, für sich Gedichte zu schreiben, die „komische Mischungen aus Traum und strengen logischen Figuren“ darstellten, be&ete er das folgendermaßen ein: „ich nehme auch bewußt das Erbe von Nez val auf, wozu bin ich denn aus Böhmen!“ 30 Wenn das Duo Fühmann–Kundera hä&e seine Plä ne verwirklichen können, wäre schon damals ein bis heute fortbestehendes Desideratum behoben worden: der ganze Halas, die ganze Gedichtsammlung Pantomima [Pantomi me] von Nezval, eine Anthologie des Poetismus,31 eine Auswahl aus dem tsche chischen Surrealismus.32 23 Ludvík Kundera an Franz Fühmann, 29.10.1979 (AdK FFA 1120/3). 24 „Du hast ‚das Melische‘“(Ludvík Kundera an Franz Fühmann, 22.4.1971 [AdK FFA 1120/2]). 25 Ludvík Kundera an Franz Fühmann, 31.10.1973 (AdK FFA 1120/2). 26 Ludvík Kundera an Franz Fühmann, 13.11.1980 (AdK FFA 186/6). 27 Ludvík Kundera an Franz Fühmann, 18.9. und 13.11.1980 (AdK FFA 186/6). 28 Franz Fühmann an Ludvík Kundera, o. D. (AdK FFA 219/6). 29 Franz Fühmann an Ludvík Kundera, 22.11.1975 (AdK FFA 1120/2). 30 Franz Fühmann an Ludvík Kundera, 2.6.1973 (AdK K4/2). 31 Dem Insel -Verlag ha&en sie für die auf 300 Seiten geplante Poetismus -Anthologie eine Konzeption vorgelegt (Ludvík Kundera an Insel -Verlag/Marga Erb, 4.6.1979 [AdK FFA 1120/3]) und Kundera ha&e darüber mit dem Verlag bereits einen Vertrag abgeschlossen (Ludvík Kundera an Franz Fühmann, 26.4.;13.11.1980 [AdK FFA 1120/3;186/6]). 32 Franz Fühmann an Ludvík Kundera, 11.1.1978 (AdK FFA 304).
50 BRÜCKEN 30/2 Was tatsächlich erschien, ist der erwähnte Band mit Gedichten von Nezval bei Reclam, Auf Trapezen (1978), dessen verzögertes Erscheinen– das erste Gut ach ten zur Auswahl stammte von 1967, 33 der Verlag bat Fühmann bereits 1968, nicht seine „übermenschliche Geduld zu verlieren, obwohl [er] allen Grund dazu hä&e,“34 und teilte ihm 1971 mit, dass das Buch in den Plan 1973 fest aufgenommen werde35– beispiel ha( für Fühmanns zunehmende Kompromisslosigkeit gegenüber Vorgaben der Zen sur steht. Während Kundera schon bereit war, auf die Nennung seines Na mens zu verzichten, damit das Buch erscheinen könne, war Fühmann zu der ar ti gen Zu geständ nissen längst nicht mehr gewillt. Er behielt mit seiner Konse quenz recht. Das ging mit drastischen Beurteilungen des Verlages einher: Rec lam der Oberlektor ein Arschloch, Friedensgesang 36 keines falls, sonst alles andere auch zum Kotzen, da dauernd hin und her. […] Für diesen Scheißverlag arbeiten wir nicht mehr wieder.37 Und auch Kundera wurde deutlich: „Nun bin ich aber wütend [gesperrt]. Oh jemanden ohrfeigen zu können … 10 Jahre umkreisen wir diesen Nezval -Band …“.38 Das Buch erschien zwar spät, aber es erschien mit dem Namen und der Ein lei tung Kunderas,39 und es enthielt nur Gedichte der poetistischen und surreali sti schen Schaffensphase Nezvals, womit es erstmals für das ostdeut sche Publikum die Möglichkeit gab, die Strömung des „herrlich konkrete[n] tsche chische[n] Poetismus“, so Fühmann (1972: 40), 33 Jürgen Teller/Marga Erb, Einreichung, 1973 (BA DR 1/2211a). 34 Reclam/Hans Marquardt an Franz Fühmann, 16.5.1968 (AdK FFA 1237/1). 35 Reclam/Marga Erb an Franz Fühmann, 16.7.1971 (AdK FFA 177/3). 36 Damit ist Nezvals ideologisch -stalinistisches Gedicht „Zpěv míru“ von 1950 gemeint. 37 Franz Fühmann an Ludvík Kundera, 7.5.1973 (AdK K4/2). In anderem Zusammenhang lässt er seinem Ärger über den Papiermangel freien Lauf: „PS Vertraglich bin ich, wie ich gerade lese, verpflichtet, 4 Ausfertigungen des Manuskripts abzuliefern. Da ich das aber nicht kann, weil es kein Durchschlagpapier zu kaufen gibt, bi&e ich, die fehlenden Exemplare abschreiben zu lassen und die Rechnung demjenigen Herrn zuzustellen, der für diesen Umstand verantwortlich ist. In Zukun( werde ich im Vertrag festhalten, daß das Papier vom Verlag geliefert werden muß. Es ist ein Skandal“ (Franz Fühmann an Karl -Heinz Jähn, 4.8.1969 [AdK FFA 199/9]). Oder er entschuldigt sich mit folgenden Worten über die miserable Schri(: „Ich habe, da es ja keine Schreibmaschinen zu kaufen gibt, eine uralte Continental, bei der ich nicht selbst das Farbband auswechseln kann, weil der Schli&en dafür abmontiert werden muß. Wenn das Mädchen, die das macht, die Cholera hat, muß ich halt bis zu ihrer Genesung weiterschreiben“ (Franz Fühmann an Reclam/Marga Erb, 3.12.1972 [AdK FFA 1237/1]). 38 Ludvík Kundera an Franz Fühmann, 29.3.1974 (AdK FFA 614). 39 An dieser Einleitung (zunächst als Nachwort geplant), in der Kundera Nezvals Schaffen in den Kunstismen der 1920erund 1930er -Jahre kontextualisiert, wurde bemängelt, dass er kaum auf die (stalinistisch geprägten) Werke aus den 1950er -Jahren eingeht (Karl -Heinz Jähn, Gutachten. Ludvík Kundera, Nachwort zu Nezval -Ausgabe „Auf Trapezen“, 1.8.1973 [AdK VuW 2719]). In einem weiteren Gutachten fordert Jähn dann noch das Anprangern von Karel Teige: „Kundera nennt mehrmals den Prager 'eoretiker des Poetismus Karel Teige, allerdings ohne jede Wertung. Es wäre für den Leser allerdings nicht unwichtig, zu erfahren, daß Teige zwar großen (und durch seine radikale Ablehnung der traditionellen und offiziellen Kunst teilweise sogar positiven) Einfluß auf die avantgardistischen Künstler der zwanziger Jahre ausgeübt, in den dreißiger Jahren aber durch seine kulturpolitischen und politischen Anschauungen, die auf die Loslösung der ästhetischen Fragen von der gesellscha(- lichen Problematik hinzielten, in die Isolierung geriet“ (Karl -Heinz Jähn, Gutachten [zum Nachwort], 11.11.1976 [BA DR 1/2211a]).
51ANNE HULTSCH Abb. 1 Tagebucheintrag Franz Fühmanns vom 14. Februar 1976 (AdK FFA 1335).
58 BRÜCKEN 30/2 1936: 28–38) bzw. „Nirgends“ (Fühmann 1993b: 288–290) durch zieht Fühmanns Korrespondenz und seine Tagebücher, es diente ihm 1976 zu einer lan gen grundsätzlichen Ein las sung für Kundera über Pallàs Athḗnē vs. Minerva, also über griechische vs. latinisierte Mytho logie,52 1980 als Meta pher für die Ereignisse in Polen,53 ein eigenes Erin ne rungsge dicht an einen Fried hofsbesuch in Kunštát, wo Halas begraben liegt, al lu diert an „Nikde“ 54 usw.: Fühmann nahm diese selbsterklärte Lebensaufgabe an, ja, setzte sich ihr aus. Ein Biograph, Gunnar Decker, spricht über diese Nachdichtung als einem „Exerzitium“ (Decker 2009: 235). Václav Černý schrieb über dieses für Fühmann so schicksalsha(e Gedicht: Báseň, na níž dlouho –jako na příkladu– budou básníci měřit opravdovost apronikavost zkušeností svých životů, hloubku avzlet svého myšlení avýraznost icharakternost svých vyjadřovacích možností (Černý 1946: o. p.). [Ein Gedicht, an dem Dichter lange– wie an einem Vorbild –die Wahrha(igkeit und Durchdringlichkeit ihrer Lebenserfahrungen, die Tiefe und den Schwung ihres Denkens und die Eindrücklichkeit wie auch Charakterkra( ihrer Ausdrucksmöglichkeiten messen werden.] Genau das tat Fühmann im Vollzug des Nachdichtens. Er konnte dieses Gedicht auf einer wesentlich ausführ -li che ren Basis in An griff nehmen als die sonstigen Texte, was hier vor allem deshalb erwähnt sei, weil die von Kundera angefertigte Vorlage55 in dem Essay mit abgedruckt ist(Fühmann 1993b: 281–287) und damit vielleicht der Eindruck vermi&elt wird, alle Ge dich te, die Fühmann nachgedichtet hat, wären so aus führlich kommentiert worden. Der Normalfall war jedoch eher das, was oben zu „Praze“ zu lesen ist. Hier lieferte ihm nun Kundera neben Anmerkungen zur Interpunktion, zum Metrum, zu den Reimen, zur Verwendung des Vokativs, Erklärungen einzelner Formen und alternativer Wortbedeutungen mit, erklärte Neologismen und ihm aufgefallene Allusionen. Kundera berücksichtigte dafür neben der ersten Fassung von 1936 auch die von Halas für die Ausgabe 1946 vorgenommenen Ergänzungen und Versionen: „aber nur, damit Du alles weißt“ (Fühmann 1993b: 281). Er war in diesem Fall ohne jeden Zweifel bemüht, Fühmann möglichst viele Informationen zu liefern.56 Von „Nirgends“ gab es im Laufe der Jahre ungezählte Varianten zu jedem ein zel nen Vers,57 deren gründliche Untersuchung leider noch aussteht (und die hier auch nicht geleistet werden kann), gleiches gilt für den bereits erwähnten Essay, in dem Fühmann beeindruckend Einblick in seine Gedanken bietet, die ihm beim Nachdichten lei teten 52 Franz Fühmann an Ludvík Kundera, 30.8.1976 (AdK FFA 186/7). 53 „Ich schaue voll sorgender Bewunderung auf ein Nachbarland. Alles was da geschieht ist doch eigentlich eine Strophe von nikde, nicht? Ist doch alles utopisch, muß wohl so sein“ (Franz Fühmann an Ludvík Kundera, 28.8.1980 [AdK FFA 186/6]). 54 Franz Fühmann, „František Halas, begraben zu Kunštát“, o.D. (AdK FFA 424). 55 Ludvík Kundera, [Original und Rohübersetzung von „Nikde“], 1976, 1978 (AdK K27). 56 Was weder Kundera noch Fühmann bekannt gewesen zu sein scheint, ist, dass bereits 1957 eine deutsche Nachdichtung dieses Textes aus der Feder von Charlo&a Heythum erschienen ist (Halas 1957). 57 Franz Fühmann, [Materialien zur Nachdichtung von „Nikde“], 1976–1980 (AdK FFA 186).
59ANNE HULTSCH (Fühmann 1993b: 278–301), und den Kundera mit den Worten kommentierte: „Ganz ausserordentlich und bei uns unvorstellbar der Anhang über Nikde!“58 Nachdem Kundera bereits im März 1971 angekündigt ha&e, es mit „Nikde“ zu probieren, also die Rohübersetzung des Gedichts, das Fühmann im Juni 1970 zu seiner Lebensaufgabe erklärt ha&e, anzufertigen,59 entwarf Fühmann doch erst im August 1976 „wie im Traum & Rausch“ die ersten acht Strophen seiner Nachdichtung, dann war aber der Wurf erst wieder einmal „ausgeworfen, der Schwung ausgeschwungen“, dennoch erklärte er zu Jahresbeginn 1977 die Arbeit zum ersten Mal für fertig (mit einer Einschränkung: „Die vorletzte Zeile ist noch schlecht, aber das war die Frucht eines Vierteljahrgrübelns“).60 Ein Jahr später schrieb Füh mann jedoch wieder, dass er die Arbeit an diesem Text in das neue Jahr mitge nom men habe. 61 Letztmalig heißt es am 19. Januar 1981 in einem Tagebuchein trag, dass „NIKDE“ fertig sei.62 Es waren zwölf Jahre vergangen, seit Kundera das Gedicht 1969 für den Halas -Band vorgeschlagen ha&e.63 Es traten für Fühmann beim Nachdichten dieses Textes schlussendlich exakter Sinn und poetische Form in Widerstreit, wobei er seiner eigenen Aussage zufol ge zwar erstem schließlich das Primat gab,64 wovon auch sein intensives Auslo ten einzelner Wortbedeutungen mit Kundera zeugt, dennoch gelang es ihm, den Reim, einen trochäischen Rhythmus und die Klanggewalt des Originals beizube hal ten, auch uns mit Neologismen, Archaismen und neuen Komposita zu überra schen. Ein Aspekt, durch den ihn dieser Text so ansprach, dür(en gerade die Un verständlichkeiten gewesen sein, die seiner Vorliebe für Sprach(spiel)e entgegenkamen. Die lange gründliche Arbeit an diesem Werk ermöglichte es, dass der Widerstreit etappenweise ausgefochten wurde, sich Fühmann erst auf die Form, dann den Wortsinn konzentrierte, so dass das Ergebnis eine kongeniale Synthese beider Text ebenen dar stellt. In der Suche nach dem adäquaten „Nirgends“ fand Füh mann in den des illusionierenden 1970er -Jahren nachdichtend das/sein „Irgends“– in der deut schen Sprache.65 VÍTĚZSLAV NEZVAL, „CO DĚLÁ POLEDNÍ SLUNCE SPRAHOU“ (1936) Nezvals „Co dělá polední slunce sPrahou“ [Was die Mi&agssonne mit Prag macht/ tut] hat wie „Nikde“ das Entstehungsjahr 1936 und ist in seinem surrealistisch geprägten Band Praha sprsty deště [Prag mit Regenfingern] erschienen (Nezval 1936: 181f.). Fühmann gibt den Ti tel expressiver wieder mit „Was die Mi&agssonne mit 58 Ludvík Kundera an Franz Fühmann, 1.7.1984 (AdK FFA 1120/3). 59 Ludvík Kundera an Franz Fühmann, 19.3.1971 (AdK FFA 1120/2). Laut Fühmanns Tagebuch schickte ihm Kundera „Nikde“ allerdings erst am 4. Mai 1976 (AdK FFA 1335). 60 Franz Fühmann an Ludvík Kundera, 30.8., 7.10.1976 und 1.1.1977 (AdK FFA 186/7). 61 Franz Fühmann an Ludvík Kundera, 11.1.1978 (AdK FFA 304). 62 Franz Fühmann, [Tagebucheintrag], 19.1.1981 (AdK FFA 1340). 63 Ludvík Kundera, [Anmerkung in Typoskript] [28.9.]1969 (AdK K29). 64 „[M]ir geht es jetzt eigentlich doch primär um den exakten Sinn (ich weiß, kann man nicht trennen, hab ich drüber geschrieben, bei dieser Scheißübersetzerei muß man doch trennen!)“ (Franz Fühmann an Ludvík Kundera, 28.8.1980 [AdK FFA 186/6]). 65 „[…] auf das IRGENDS bin ich als meinen Neologismus stolz“ (Franz Fühmann an Ludvík Kundera, 30.8.1976 [AdK FFA 186/7])
60 BRÜCKEN 30/2 Prag treibt“ (Kundera/Fühmann 1964, 21966: 166f.;Nezval 1978: 133f.). Hans Schön hof verzichtete bei der Übersetzung des Titels auf ein Verb: „Prag und die Mi&agssonne“ (Nezval 1938:27f.). Das entspricht gut seiner relativ freien Vorgehensweise, durch die er den Text vereinfachte. Schröpfer formulierte mit seiner Lösung „Wie die Mi&agssonne Prag verändert“ (Nezval 1967: 112f.) bereits eine 'ese, die im Original nicht enthalten ist. Auch dieses Gedicht durchwanderte bei Fühmann mehrere Stadien.66 Es liegt sogar gedruckt in drei voneinander abweichenden Varianten vor (1964, 1966, 1978). Für viele Texte für Die Glasträne, so auch für diesen, fertigte die Interlinearversion nicht Kundera, sondern Klara Bachrachová an (Kundera/Fühmann 1964: 271).67 Die Vorlage für dieses Gedicht ist leider nicht archiviert. Es wird jedoch deutlich, dass Fühmann seinen Text zunächst nicht mit dem Original vergleichen konnte, denn er nahm als Lehre aus seiner Arbeit mit, dass er fortan bei weiteren Nachdichtungen stets darauf achtete, die Originaltexte mit anzufordern (Fühmann 1969: 8),68 zudem schlägt es sich in dem Ergebnis nieder. In der ersten Variante seiner Nachdichtung finden sich Stellen, die anders nur schwer zu erklären wären. In Nezvals Original wird das Geheimnis der Poesie mit Assoziationske&en be schrieben, deren Einzelwor te nicht poetisch markiert sind, sondern es sieht der Dichter gerade im Alltägli chen das Surreale. Da verwundert es, wenn man bei Fühmann auf eine fast kitschig anmuten de Wendung wie „mag mit den Schwalben nicht zwitschern“ trifft (1964, 1966), die später (folge) richtig zu „ich will mit den Vögeln nicht singen“ ‚neutrali siert‘ wurde (1978).69 Für Auf Trapezen überarbeitete Fühmann den Text noch einmal sehr gründlich, so dass die editori sche Notiz, dass dieser aus der 2. Auflage von Die Glasträne (1966) übernommen worden sei (Nezval 1978: [184]), sich als unzuverlässig erweist.70 Bei dieser Überarbeitung ging es wie bei der von „Praze“ um die Ver knap pung des Ausdrucks und vor allem um die kon se quen tere Nachbildung der Versanfänge in der ersten Strophe. Eine grundle gende Entscheidung fiel jedoch bereits vorab, für die Fühmann sich das Einverständnis Kunderas einholte. Es ging um den Beginn der Verse in der zweiten Stro phe, die im Original anaphorisch lauten: „Vidím ji jak(o)“ [Ich sehe sie (= Praha/Prag) als/wie]. Fühmann wollte dies nachdichten mit „Es ist […]“, war jedoch im Zweifel, ob er sich 66 Franz Fühmann, [Arbeitsfassungen der Nachdichtung von Nezvals „Was die Mi&agssonne“] (AdK FFA 161/2;161/7; 177/2;K4/2). 67 Fühmann dankte ihr– mit etwa zweideutigen Worten –für die Interlinearübersetzungen: „Sie waren höchst brauchbar, vor allem deshalb, weil sie der Versuchung widerstanden, selbst dichterische Lösungen vorzuschlagen. So war ein völlig tex&reues, hervorragend brauchbares Arbeitsmaterial vorhanden, das weiterzuformen eine Freude war“. Gleichzeitig lehnte er jedoch ihre eigenen Seifert -Übersetzungen ab, die ihm offenbar ebenfalls keine „dichterischen Lösungen“ zu enthalten schienen (Franz Fühmann an Klara Bachrachová, 28.8.1962 [AdK FFA 161/9]) und die „beim Böhmischen Deutsch von 1939 stehen geblieben“ waren (Franz Fühmann an Ludvík Kundera, o. D. [AdK FFA 161/9]). 68 Als Fazit aus seinen aufwendigen Arbeiten für Die Glasträne zieht Fühmann unter anderem: „Aus der Arbeit ergeben sich– ich komme nun zum didaktischen Teil– einige Lehren: 1.) Niemehr etwas übersetzen, von dem wir nicht sämtliche [unterstrichen]Originale und sämtliche [unterstrichen] Rohübersetzungen haben. Was zuerst als Ersparnis erscheint, entpuppt sich hinterher als sprudelnder Quell von Mehrkosten […]“ (Franz Fühmann an Georgina Baum, 25.8.1962 [AdK FFA 161/9]). 69 Im Original heißt diese Stelle: „nechci zpívat sptáky“ [ich will nicht mit den Vögeln singen]. 70 Fühmann schrieb es auch anders an Erb: „Wir haben auch die Gedichte aus der ‚Glasträne‘ durchgesehen und sie sämtlich überarbeitet, zum Teil liegen sie in neuen Fassungen vor“ (Franz Fühmann an Reclam/ Marga Erb, 3.12.1972 [AdK FFA 1237/1]).
61ANNE HULTSCH diese Freiheit nehmen dürfe. In seiner Begründung nannte er einerseits, dass er damit besser den stereotypen Rhythmus des Originals nachbilden, anderer seits aber, dass er damit an Trakls „Psalm“ (1912) allu die ren könnte, denn er empfinde „Nezvals Gedicht als einen ebenbürtigen Anti -Trakl, in der Stim mung, in der bewussten Absage von der Exotik, im Bejahen der Stadt und des Lebens,“ so dass er sich sicher war, dass das Gedicht als bewuss tes Gegenstück zu Trakl für die deutsche Literatur ein Ereignis darstellen würde, sich jedoch unsicher war, ob man das so machen dürfe.71 Kundera war offensichtlich einver stan den, denn in allen publizierten Versionen des Textes ist es nun so zu finden. Fühmann ließ den Text Nezvals durch seine Nachdichtung in einen Dia log mit einem ihm selbst besonders nahen deutschsprachigen Dichter treten, in dem das Original gar nicht stand, ließ es dadurch– etwas zugespitzt formuliert– Teil der deutschen Literatur wer den. In dem Typoskript für eine Radiosendung (1962) findet sich zudem ein interes santer Hinweis auf den Beginn der dri&en Strophe, in der Prag „Jak posvátný nosorožec jehož klecí je nebe“ wache. Fühmann dichtete das Bild zwar wortgetreu mit „wie ein heili ges Nashorn dessen Käfig der Himmel ist“ nach, hielt es jedoch für zu forciert, für gekünstelt, bis er in Prag am Ende der Národní třída stand, zu Burg und Veitsdom hinüberblickte und plötzlich in der Zinke des spitzen Kir chen turms ein Nashorn sah und im streifigen Himmel dessen Käfig: „und ein so eingegi&ertes Nashorn wird wohl ein heiliges sein“.72 Obwohl er das Bild zunächst nicht verstand, dichtete er es dem Original getreu ‚einfach‘ eins zu eins nach (wie im Übrigen auch Schönhof und Schröpfer). Dass später die Poesie durch die Realität be stätigt wurde (nicht umgekehrt), gab ihm darin recht, für den deutschsprachi gen Leser keinen Erklärungsoder Abschwächungsversuch unternommen zu ha ben. ZUSAMMENFASSUNG Wenn man abschließend versucht, eine allgemeinere Aussage über Fühmanns Übersetzungskonzeption zu treffen, dann muss hervorgehoben werden, dass es sich um Nachdichtungen handelt und zwar nicht in dem Sinne, dass diese o( als die freieste Form des Hinüberbringens eines Textes von der einen Sprache in die andere verstanden werden („künstlerisch, aber unzuverlässig“;Dedecius 1986: 61), sondern in dem Sinne, dass es sich auch bei der von ihm erstellten deutschen Fas sung um Dich tung, um poetische Gebilde handelt. 73 Insofern kann Ludwig Harigs Kritik nicht zu gestimmt werden, dass Fühmanns Übersetzun gen in Die Glasträne als seman tische Informationen auf Verständnis des gewollten Sinns interpretieren würden (Harig 1967). Fühmanns Meisterscha( bildete sich erst im Laufe der Jahre parallel zu seiner wachsenden Sprachmächtigkeit und -präzision in der deutschen Sprache, die sich allerdings nicht in neuen eigenen Gedichten niederschlug, heraus. Seine 71 Franz Fühmann an Ludvík Kundera, 10.1. o. J. (AdK K4/1). 72 Franz Fühmann, [Typoskript für Radiosendung], 26.11.1962 (AdK FFA 940). 73 Diese deutschsprachigen poetischen Gebilde können mitunter auch besser sein als das Original: „Aus Lysohorský hast Du einen Dichter gemacht. Ich gratuliere! Aber doch: wie komisch kann das Bild unserer Poesie in einem anderen Land verzerrt sein. […] gerade dieser Herr Genosse!“ (Ludvík Kundera an Franz Fühmann, 31.12.1960 [AdK FFA 1120/1]). Fühmann war an den Nachdichtungen aus dem Lachischen für den Band Óndra Łysohorsky, Gedichte (Berlin 1960) beteiligt.
62 BRÜCKEN 30/2 Entwicklung kann man beim Vergleich verschiedener von ihm erstellter Fassungen ein und desselben Textes gut nachverfolgen. Desungeachtet war ihm jedoch von Beginn an klar, dass die tschechische und die deutsche Dichtung aufgrund der Unterschiede zwischen den Sprachen und Traditionen rhythmisch und klanglich je anderen ‚Gesetzen‘ folgen, die es zu berücksichtigen gilt,74 eben weil es ihm darum ging, dass die Gedichte in deutscher Sprache als Ge dich te bestehen und die deutsche Literatur bereichern, wie besonders das Bei spiel der Trakl -Allusion unter streicht. Hans Richter spricht zu Recht von Fühmanns Nachdichtungen als der „Höchststufe des schöpferischen Lesens. Sie sind das leistungsfördernde Prüffeld, auf dem Produktion und Rezeption, einander potenzierend, wunderbar eins werden“ (Richter 1992: 386). Die Texte wurden im Fühmann’schen Deutsch immer verknappter, er löste sich zusehends von den interlinearen Vor la gen, obgleich er stets, seinem eigenen Programm treu folgend, sehr textund formgenau vorging. Unklarheiten und Mehrdeutigkeiten in den Ausgangs texten hielt er aus und mutete sie auch dem deutschsprachigen Leser zu, den er mithin nicht um die Herausforderungen und das da mit einhergehende Vergnü gen der Lektüre bringt, was keineswegs selbst ver ständlich ist, denn Nachdich tun gen sind nun einmal Interpretationen, was die Gefahr mit sich bringt, Dunk les zu sehr zu erhellen. Vor ‚zu viel‘ Deutung be wahrte ihn vielleicht in einigen Fällen auch, dass er sich weder in der tschechi schen Sprache noch Kultur ganz frei bewegte, wodurch er sich um so intensiver auf die Gestalt des jeweiligen Textes selbst konzentrieren konnte. In seiner Entwick lung als Nachdichter aus dem Tsche chi schen kann Die Glasträne für Fühmann als eine Art Übungsbuch be trach tet werden, anhand dessen er sich klar über das Wie und Was seines Nach dichtens aus dem Tschechischen wurde. Sie enthält nicht die letztgültigen Fassungen, weil er noch verschiedene Nach dich tungsarten auspro bierte–„Kommentieren des Gedichts, Verbessern durch ‚Poetisieren‘ und ähnli chen Unfug mehr“, wie er an Erb schrieb 75 –und er wid mete sich in ihr Dich tern, zu denen er nie zurück keh ren sollte. Während der Arbeit daran er kann te Füh mann aber, wessen Texte ihm liegen, ihn herausfor dern und bis ans Lebensende begleiten werden. ARCHIVALIEN Akademie der Künste, Berlin, Franz -Fühmann -Archiv (AdK FFA). Akademie der Künste, Berlin, Ludvík -Kundera -Sammlung (AdK K). Akademie der Künste, Berlin, Verlagsarchiv Volk und Welt (AdK VuW). Bundesarchiv, Berlin, Druckgenehmigungsvorgänge (BA DR). Deutsches Literaturarchiv, Marbach, Vorlass Hein (DLA). Památník národního písemnictví/Muzeum literatury, Praha, Literární archiv [Museum der Tschechischen Literatur, Prag, Literaturarchiv](PNP LA). Zentralund Landesbibliothek Berlin, Berlin -Sammlungen, Sammlung Fühmann (ZLB Füh). 74 Franz Fühmann an Ludvík Kundera, 22.12.1960 (AdK K4). 75 Franz Fühmann an Reclam/Marga Erb, 3.12.1972 (AdK FFA 1237/1).
63ANNE HULTSCH LITERATUR Berbig, Roland (2016): „[…] in Dingen der Kunst nichts Anderes“. Wieland Förster und Franz Fühmann. Eine Lebensfreundscha(. –In: Berbig, Roland (Hg.), Fühmann, Franz/Förster, Wieland: Nun lesen Sie mal schön! Briefwechsel 1968–1984. Eine Auswahl. Rostock: Hinstorff, 7–37. Brousek, Antonín (1981): Selbst die böhmischen Zwerge jubeln…– In: Kelletat, Andreas F./Rüther, Bernd (Hgg.), Jubelzwerg. Zwiebelzwergin erikoisnumero. Manfred Peter Hein zum 50.Geburtstag. Düsseldorf: Zwiebelzwerg -Company, 20f. Brousek, Marketa (1975): Poetismus. Die Lehrjahre der tschechischen Avantgarde und ihrer marxistischen Kritiker. München: Hanser. Buckendahl, Uwe (2019): Keine Auswahl: Werkverzeichnis Franz Fühmann. Leipzig: Qucosa. URL: <h&ps://nbn -resolving.org/urn:nbn:de:bsz:15-qucosa2-331968> [13.06.2023]. Černý, Václav: „Nikde“ [Nirdgends].– In: František Halas: Nikde [Nirgends]. Praha: Erna Janská (= „Svítání”, 3), o. p. Decker, Gunnar (2009): Franz Fühmann. Die Kunst des Scheiterns. Eine Biographie. Rostock: Hinstorff (= Edition Konrad Reich). Dedecius, Karl (1986): Vom Übersetzen. )eorie und Praxis. Frankfurt a. M.: Suhrkamp. Demetz, Peter (1992): Die Frauen fehlen. –In: Frankfurter Allgemeine Zeitung 44/63 (14.03.), buz5. Fühmann, Franz (1969): Kleine Praxis des Übersetzens unter ungünstigen Bedingungen.– In: Mitteilungen der Deutschen Akademie der Künste zu Berlin [Ost] 7/3, 8f. Fühmann, Franz (1972): Reisebilder. Rochlitz. –In: Trajekt 5. Franz Fühmann zum 50. Geburtstag. Rostock: Hinstorff, 33–42. Fühmann, Franz (1973): Über die Kunst des Nachdichtens. –In: Weimarer Beiträge 19/8, 34–74. Fühmann, Franz (1979): Versuch eines Zugangs zu František Halas. –In: Baldauf, Helmut (Hg.), Schri*steller über Weltliteratur. Ansichten und Erfahrungen. Berlin, Weimar: Au<au, 37–57. Fühmann, Franz (1993a): Gedichte und Nachdichtungen. Rostock: Hinstorff (=Werkausgabe, 2). Fühmann, Franz (1993b): Essays, Gespräche, Aufsätze. 1964–1981. Rostock: Hinstorff (= Werkausgabe, 6). Fühmann, Franz/Kundera, Ludvík (Hgg.) (1964): Die Glasträne. Tschechische Gedichte des 20. Jahrhunderts. Berlin: Volk und Welt. Fühmann, Franz/Kundera, Ludvík (Hgg.) (1966): Die Glasträne. Tschechische Gedichte des 20. Jahrhunderts. 2. Aufl. Berlin: Volk und Welt. Halas, František (1936): Dokořán [Sperrangelweit]. Praha: Melantrich. Halas, František (1938): Praze [An Prag].– In: Lidové noviny [Volkszeitung] 46/193**, Beilage Velká Praha [Groß -Prag], 3. Halas, František (1939): Torso naděje. Verše [Torso der Hoffnung. Verse]. 3. Aufl. Praha: Fr. Borový. Halas, František (1957): Nirgends. Übertragung: Charlo&a Heythum. –In: Stomps, V[ictor] O[&o] (Hg.), Zyklen– beispielsweise. [Stierstadt im Taunus]: Eremiten -Presse, T-2–T-4. Halas, František (1965): Poesie. Übertragung und Nachwort Peter Demetz. Frankfurt a. M.: Suhrkamp. Halas, František (1970): Der Hahn verscheucht die Finsternis. Gedichte. Nachgedichtet von Franz Fühmann. Berlin: Volk und Welt. Halas, František (2001): Töt ich den Scha'en der krächzt. Gedichte. Ausgewählt von Antonín Brousek. Aus dem Tschechischen übertragen von Manfred Peter Hein. Mit einem Essay von Ludvík Kundera. Weilerswist: Liebe (= Edition Poema). Harig, Ludwig (1967): Sagen und meinen. „Die Glasträne“ –Tschechische Gedichte. –In: Frankfurter Allgemeine Zeitung 19/103 (04./05.05.), 27. Hultsch, Anne (2010): Übertragungen tschechischer Lyrik ins Deutsche im Vergleich oder: Wer ist der bessere Über setzer?– In: Kuße, Holger (Hg.), Bohemicum Dresdense. Beiträge zur Didaktik, Sprachentwicklung und Übersetzung des Tschechischen. München: O&o Sagner, 145–169.
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