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Frühe Bronzezeit und Stufe Br A3. Brauchen wir diese Stufe?

Rožnovský, David

Abstract

116

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STUDIA HERCYNIA XXIII/2, 116–123 Frühe Bronzezeit und Stufe Br A3. Brauchen wir diese Stufe? David Rožnovský ABSTRACT With respect to the diverse development throughout the Early Bronze Age, afew periodization systems have been proposed and used. These systems use the primary classification by P.Reinecke and they are per‑ manently innovated. Therefore, alarge number of periodization tables have been created, which have the same goal but adifferent result. We can see this situation in the example of the Br A3 period. Is it necessary to separate anew period, or would it be better to improve the contents of the existing periods? How should we approach the Br A3 period in Moravia and how are we to define it? In my opinion, we ought to keep using the Br A2 period for the end of the Early Bronze Age. The overlapping phases of the cultures may be matched to the turn of Br A2/Br B11 or to the beginning of Br B1. KEYWORDS Early Bronze Age; periodization systems; Reinecke; Br A3 phase. EINFÜHRUNG Vor mehr als hundert Jahren gliederte Paul Reinecke die Bronzezeit in vier Zeitstufen relativer Chronologie Br A–D (Reinecke 1911, 360). Seit der Bildung von Reineckes System gelang es uns neues archäologisches Material und Kenntnisse zu versammeln. Dank dem großen Zuwachs an Funden der materiellen Kultur haben wir jetzt die Möglichkeit die innere Entwicklung der einzelnen Kulturen besser zu erforschen und sie weiter in Phasen und Stufen zu gliedern. Neben der Bemühung um möglichst präzise Erfassung der inneren Chronologie der archäo‑ logischen Kulturen, registriert man auch Versuche um die Präzisierung und Ergänzung der Reineckes Periodisierung der Bronzezeit, beziehungsweise auch der Periodisierungen, die auf sie basieren. Die Etappe der frühen Bronzezeit stellt einen relativ langen Zeitabschnitt dar, wo sich eine Unzahl von Veränderungen ereignete, in denen man wenigstens einen Teil in den Ver‑ änderungen vom materiellen Inhalt der archäologischen Kulturen verfolgen kann. Dieser Veränderungen war sich auch P.Reinecke selbst bewusst und aufgrund neuer Erkenntnisse präzisiert er seine Periodisierung der Bronzezeit in Süddeutschland und ihre früheren Phasen gliedert er in die Stufen A1 und A2 (Reinecke 1924, 43). 1 Der Autor begreift den gewöhnlich benutzten Termin Br A2/B1 als Bezeichnung des Übergangs zwischen einer endenden und beginnenden Epoche, zugleich versteht er den Termin als Hilfsmittel, wie das Ende Br A2 und den Anfang Br B1 zum Ausdruck zu bringen. 117DAVID ROŽNOVSKÝ KURZE ENTSTEHUNGSGESCHICHTE DER STUFE BR A3 UND IHR GEBRAUCH IM MITTELEUROPÄISCHEN GEBIET Die Entstehungsgeschichte der Stufe Br A3 hängt eng mit der Problematik des Übergangs zwischen der frühen und mittleren Bronzezeit zusammen. Die Gliederung des Ausklangs der früheren und des Anfangs der mittleren Bronzezeit mithilfe der relativen Chronologie stellt eine der meistdiskutierten Fragen der mitteleuropäischen Archäologie dar (Furmánek– Veliačik– Vladár 1991, 23). Das Periodisierungssystem von Reinecke präzisierte weiter z. B. K. Willvonseder (1937), der als erster die Stufe Br B in die Stufen B1 und B2 gliederte. Die Will‑ vonseders Stufen wichen von unserer Auffassung einigermaßen ab (Furmánek– Veliačik– Vladár 1991, 22) und ihre heutige Form konkretisierte F. Holste, der die erste Stufe Horizont Lochham nannte (Holste 1938) und später als Stufe Br B1 bezeichnete (Holste 1953). Auf die problematische Periode am Ende der frühen Bronzezeit reagierte in seinem ArtikelV. Miloj‑ čić (1959), der aufgrund der Funde aus Ungarn und der Slowakei den einzelnen Stufen von Reinecke, Holste und Willvonseder ausgewählte Fundeinheiten zuordnete. Zugleich gliederte er die Stufe A2 in A2‑früh (Lanquaid) und A2‑spät (Bühl) (Milojčić 1959, 73). Mit der problematischen Frage des Ausklangs der früheren Bronzezeit und des Übergangs zu den Hügelgräberkulturen befasste sich in seiner Kandidaten ‑Dissertationsarbeit Juho‑ západné Slovensko vstaršej astrednej dobe bronzovej [= Die Südwestslowakei in der älteren und mittleren Bronzezeit] auch A. Točík (1960). Točík akzeptierte die Stufe A2‑spät von Milojčić mit dem Unterschied, dass er sie durch die Bezeichnung Br A3 ersetzte. In die neu entstan‑ dene Stufe Br A3 reihte er die klassische und postklassische Phase der Maďarovce ‑Kultur 2 und den Vorhügelgräberhorizont ein und zugleich versteht er die Stufe Br A3 als Übergangs‑ stufe zwischen Br A2 und Br B1 (Točík 1960, 247). Er fasste seine Erkenntnisse kurz im Jahre 1964 zusammen, wo er die jüngste Phase der Maďarovce ‑Kultur in den Anfang der mittleren Bronzezeit (Br B1) legt und die er als erwähnte Br A3 Stufe bezeichnet und mit der Stufe Br B1 identifiziert (Točík 1964, 53). Auch wenn A. Točík den materiellen Inhalt der Stufe Br A3 nicht genau definierte, wird diese Stufe, wenigstens in der Slowakei und in Niederösterreich, für eine gewisse Zeit angenommen. In der Fachliteratur kommt die Stufe Br A3 auch in der Arbeit über den Forschungsstand über die Bronzezeit in der Slowakei zwischen den Jahren 1953–1970 vor. Die Autoren dieser Studie reihen in die Br A3 Stufe auch einen Teil des Inhalts der Ottomány ‑Kultur ein (Točík– Vladár 1971, 380), sie definieren jedoch wieder nicht, um welchen Teil des Inventars es sich handelt. In den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts benutzt man die Stufe Br A3 auch im Zusammenhang mit der früheren Bronzezeit in Österreich (Neugebauer 1974‑1975, 74; Neugebauer 1977, 88) und in Mähren (Podborský 1979, 126–130, 135, 137). Am Anfang der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts verwahrte sich mit der sach‑ lichen Kritik gegen die Stufe Br A3 Zoja Benkovsky ‑Pivovarová (1982). Sie wies nach einer sorgfältigen Analyse darauf hin, dass der materielle Inhalt dieser Gruppe nie genau definiert wurde. Daneben wies sie auch darauf hin, dass die der Stufe Br A3 zugeordneten Nadeln mit halbkugeligem Kopf, Nadeln mit doppelkonischem Kopf, vierkantigem Schaft und Seitenöse, trichterförmige Anhänger, sowie nicht näher beschriebene Dolche mit Mittelrippe sowohl am Ende der Stufe Br A2, als auch im Verlauf der Stufe Br B1 auftreten (Benkovsky ‑Pivovarová 1982, 11–12). Eine ausgesprochen konstruktive Kritik wird in einer synthetischen Arbeit über die Bronzezeit auf dem Gebiet der Slowakei angenommen und die Autoren lehnen die 2 Wenn ich den Begriff Maďarovce ‑Kultur benutze, steht das im Zusammenhang mit den damaligen Realien, sonst halte ich mich an der Bezeichnung Maďarovce ‑Gruppe, Maďarovce ‑Věteřov ‑Kultur, so wie es S. Stuchlík (1984, 173–174) vorschlug. 118 STUDIA HERCYNIA XXIII/2 Verwendung der Stufe Br A3 ab, deren Wert nur durch historische Struktur gegeben wird (Furmánek– Veliačik– Vladár 1991, 24). Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt man auch auf dem Gebiet Niederösterreichs, wo der Gebrauch dieser Stufe verschwindet, was vor allem an den Studien von J.W. Neugebauer bemerkbar ist (Neugebauer 1987, 28, Abb. 1; Neugebauer 1994, 121, Abb. 4). Eine ähnliche Situation wie in Niederösterreich herrschte auch in Mähren, wo ihr Gebrauch beim Versuch um die Einführung der Stufe Br A3 für den Ausklang der früheren Bronzezeit in größerem Maße keine Wurzeln schlug und diese Stufe wurde nur sporadisch und uneinig benutzt (z.B. Berkovec– Peška 2005, 62; Palátová– Salaš 2002, 62; Peška 1989, 198; Peška 2012). Auch trotz obenerwähnten ablehnenden Stellungen treffen wir die Stufe Br A3 auch in einem umfassenden der früheren Bronzezeit in der Südslowakei gewidmeten Artikel (Lichardus– Vladár 1997, 289), aber auch in der neuesten Synthese über die Bronzezeit in der Slowakei (Furmáneketal. 2015). Im Fall von dieser Publikation zeigt sich ein absolutes Missverhältnis im Gebrauch der Stufe Br A3 und es kommt hier sogar zu einer schizophrenen Situation. Beispielsweise im Kapitel 1.3 Chronológia aperiodizácia wird mit dem Termin Br A3 nicht gearbeitet (Abb. 1). Am Ende des Kapitels gibt es sogar eine Stelle, wo man behauptet, dass sich die Bemühungen um Innovationen oder Ersetzung des bisherigen Systems der re‑ lativen Chronologie der Bronzezeit in der Südwestslowakei zeigten, aber mit dem Ergebnis, dass diese Innovationen, in denen man auch mit dem Terminus Br A3 arbeitet, nicht üblich wurden (Furmáneketal. 2015, 16). Es ist aber paradox, dass gleich nach der oben erwähnten Konstatierung eine Zeit‑ und Synchronisierungstabelle folgt, wo die Stufe Br A3 abgegrenzt wird (Furmáneketal. 2015, Abb. 2). Die Stufe Br A3 findet man auch trotz ihrer Ablehnung im Unterkapitel 2.2.10 Otomanská kultúra (Abb.1), wo die jüngere Phase dieser Kultur in die Stufe Br A3 eingestuft wird (Furmáneketal. 2015, 41), wobei man ihren Gebrauch bei der Maďarovce ‑Kultur, für die diese Stufe eigentlich gebildet wurde, kaum trifft. Ihre Aunjetitz‑ ‑Maďarovce ‑Übergangsphase wird in die Hälfte der Stufe Br A2, die klassische Phase in das Ende der Br A2‑Stufe und die postklassische Phase dann gerade in die Br B1‑Stufe gelegt (Furmáneketal. 2015, 37). DISKUSSION Wie aus dem vorigen Text ersichtlich ist, ist das Ende der früheren Bronzezeit ein diskutiertes Thema seit Jahrzehnten. Der Übergang zu den Hügelgräberkulturen war doch ein kompli‑ zierter Prozess, wo sich viele Veränderungen allmählich und stetig ereigneten. Befestigte Siedlungen gingen unter, Kontakte mit den Kulturen des östlichen Mittelmeerraums wurden unterbrochen, neue Kulturen formten sich (Furmánek– Veliačik– Vladár 1991, 24). Deshalb wurde anscheinend eine neue Stufe der relativen Chronologie in den obengenannten Arbeiten gesucht, die diesen Zeitabschnitt klar einrahmen und den materiellen Inhalt, der ihn deutlich definiert, umfassen würde. Das gelang leider nicht vollständig. Einerseits wurde der materielle Inhalt der Stufe Br A3 nicht genau festgesetzt, andererseits können viele Gegenstände, vor allem aus Bronze, aus der Stufe Br A2 bis in den Verlauf der Stufe Br B1 fallen (Benkovsky‑ ‑Pivovarová 1982, 11–12). Dieser Zustand hängt eng mit der Problematik der Entstehung, des Verlaufs und des Untergangs der archäologischen Kulturen selbst. Ich versuche es am Beispiel der Věteřov ‑Gruppe, beziehungsweise am ganzen Komplex der Maďarovce ‑Větěřov ‑Kultur zu veranschaulichen. Heute wird allgemein angenommen, dass die Věteřov ‑Gruppe durch eine stetige Entwicklung aus der Aunjetitzer Kultur unter dem südöstlichen Einfluss (Stuchlík 2006, 29) in der Stufe Br A2 entstand und am Anfang der Stufe Br B1 unterging, wo daraus 119DAVID ROŽNOVSKÝ Mähren Mähren – Slowakei Slowakei Stufe Stuchlík 1993 Salaš 1996 Podborský 2001 Rožnovský Kraus 2006 Točík 1964 Benkovsky‑ ‑Pivovaro‑ vá 1976; 1981 Furmánek – Veliačik 1980 Furmánek – Veliačik – Vladár 1991 Lichardus – Vladár 1997 Furmánek – Bátora – Vladár 2015 Seiten 15, 37 Seiten 16, 41 A0 nicht benutzen nicht benutzen nicht benutzen nicht benutzen nicht benutzen nicht benutzen nicht benutzen nicht benutzen nicht benutzen Chlopice‑Ve‑ selé Nitra Kultur nicht benutzen  A1 AK AK AK AK AK AK AK AK AK Nitra Kultur AK AK  A2 AK VG AK VG AK AK VG AK AK AK/Maď AK Maď AK AK/Maď AK Maď Maď AK AK/Maď Maď  A3 nicht benutzen nicht benutzen VG nicht benutzen Maď‑VG/ HDMK Maď nicht benutzen Maď nicht benutzen Maď nicht benutzen nur Ottomány‑ Füzsesabon Komplex B0 nicht benutzen nicht benutzen nicht benutzen nicht benutzen Maď‑VG/ HDMK nicht benutzen nicht benutzen nicht benutzen nicht benutzen Maď/HDMK nicht benutzen  B1 VG/HDMK HDMK VG/HDMK HDMK HDMK VG/HDMK HDMK HDMK Maď/ HDMK HDMK Maď/ HDMK HDMK Maď/ HDMK HDMK Maď/ HDMK HDMK HDMK Maď/HDMK HDMK  Abb. 1: Chronologische Gliederung der ausgehenden frühen und beginnenden mittleren Bronzezeit in Mähren und der Südslowakei nach verschiedenen Autoren (AK = Aunjetitzer Kultur, Maď = Maďarovce ‑Gruppe, MDHK = Mitteldanubische Hügelgräberkultur, VG = Věteřov‑ ‑Gruppe). 120 STUDIA HERCYNIA XXIII/2 die mitteldanubische Hügelgräberkultur stetig entstand (Abb. 2; Stuchlík 2006). Eine ähn‑ liche Entwicklung verlief auch auf dem Gebiet der slowakischen Maďarovce ‑Gruppe. Wenn man sich auf den Zeitraum der Věteřov ‑Kulturgruppe, respektive der Maďarovce ‑Věteřov‑ ‑Kultur, konzentriert, stellt man fest, dass die früher vorgelegte Meinung über das nur an das 16. Jahrhundert v. Chr. eingeschränkte Vorkommen (z.B. Podborský 2001, 127) heute nicht mehr besteht. Dank dem neu gewonnenen reichen Material der materiellen Kultur und vor allem dank einer großen Anzahl der publizierten 14C Daten (z.B. Barta 2001, tab.1; Bátora 2000, 57, 70, 127, 146; Oliva 2005, 174, tab.1; Oliva 2010, 80, graf 5b; Peška 2012; Stadleretal. 2001, 46, tab.12, p.3) wissen wir, dass wir die Entstehung der Věteřov ‑Gruppe und der ganzen Maďarovce ‑Věteřov ‑Kultur bereits zur Hälfte der Dauer der früheren Bronzezeit legen müssen und ihr Vorkommen kann circa in die Jahre 1750/1700–1500/1450 v. Chr. fallen (Abb. 2). Falls wir die Dauer der Věteřov ‑Gruppe und ihr Verbreitungsgebiet in Betracht nehmen, kommen wir berechtigt zur Schlussfolgerung, dass auch wenn sie sich aus der Aunjetitzer Kultur entwi‑ ckelte, koexistiert sie mit ihr. Aus Mähren und dem angrenzenden Teil der Westslowakei (die Grenze zwischen der Věteřov‑ und Maďarovce ‑Gruppe bilden die Karpaten) wird sie durch die Věteřov ‑Gruppe verdrängt und auf dem Gebiet Böhmens setzte sie sich nie völlig durch und kommt hier nur im beschränkten Maß, vor allem in West‑ und Südböhmen, vor (Jiráň 2008, 17). Und gerade hier tauchen Fragen auf, welche Einstellung man zu der Stufe Br A3 beziehen kann. Wie soll ihr Inhalt sein und was alles sollte sie umfassen? Kann man sie strikt nach den Kulturphasen oder durch Kulturen selbst begrenzen? Falls wir diese Fragen neutral beant‑ worten sollten, müssen wir konstatieren, dass man die Stufe Br A3 nicht nur aufgrund der einzelnen Kulturen begrenzen kann, und zwar mit Rücksicht auf die unterschiedliche Dauer dieser Kulturen in den einzelnen Regionen. Falls wir die zwischen 1750/1700–1550 datierte Stufe Br A3, worin die Maďarovce ‑Věteřov ‑Kultur fällt, außer ihrer postklassischen Phase, Abb. 2: Chronologische Gliederung der ausgehenden frühen und beginnenden mittleren Bronze‑ zeit in Mähren (AK = Aunjetitzer Kultur, MDHK = Mitteldanubische Hügelgräberkultur, PAK = Proto ‑Aunjetitzer Kultur, VG = Věteřov ‑Gruppe). Zeit adaptierter Reinecke Kultur Kulturphase BC (durchschnitt‑ lich nach der Literatur Ende der Kupfersteinzeit PAK and Chlopice‑Veselé 2300–2100 frühe Bronzezeit A 1 AK älter früh 2300–1900 vor‑klassisch 2 AK jünger klassisch 1900 – 1750/1700 nach‑klassisch AK Únětice‑Věteřov Horizont 1750/1700 – 1500 VG früh klassisch Anfang der mittleren Bronzezeit B 1 VG nach‑klassisch 1550–1500 MDHK früh 1500–1450 Nitra gruppe früh spät 121DAVID ROŽNOVSKÝ in Betracht nehmen würden (Kraus 2006, 41–51, Abb. 1; Lichardus– Vladár 1997, Abb. 11), wohin würden wir dann die postklassische Phase der Aunjetitzer Kultur oder ihre gleichzei‑ tigen Kulturen mit dem Maďarovce ‑Věteřov ‑Kulturkomplex stellen? Welche Stellung würden wir zu den Věteřov ‑Eingriffen in Böhmen beziehen? Würden in diese Stufe nur „auserwählte Kulturen“ fallen, als es bisher der Fall war? Es ist doch nicht möglich in die Stufe Br A3 nur die Maďarovce ‑Věteřov ‑Kultur (Kraus 2006, 41–51, Abb. 1; Podborský 2001, 127), beziehungsweise die Ottomány ‑Kultur einzustufen (Furmáneketal. 2015, 41; Olexa– Nováček 2013, 11–12) und übrige Kultureinheiten aus dem gleichen Zeitraum in eine andere Stufe zu stellen. Falls wir die Stufe Br A3 in Betracht nehmen würden, dann müssten wir sie komplex fassen und in ihren Inhalt auch übrige Kulturen oder ihre entsprechenden Phasen einzustufen. ZUSAMMENFASSUNG Es ist unzweifelhaft, dass der Ausklang der früheren und Anfang der mittleren Bronzezeit zu den meistdiskutierten Epochen der mitteleuropäischen Urgeschichte gehören. Obwohl sich der Übergang zu den Hügelgräberkulturen durch eine kontinuierliche Entwicklung ereignete, ist er mindestens zum Teil mit Unklarheiten verhüllt. Neben den allmählichen Veränderungen der materiellen Kultur kam es sicher zu den gesellschaftlichen Veränderungen, Kontakte mit der Zivilisation des östlichen Mittelmeerraumes wurden unterbrochen (Furmánek– Veli‑ ačik– Vladár 1991, 24). Diese Transformation geht am Ende der mittleren Bronzezeit in die Urnenfelderkultur über. Auch trotz oben angedeuteter Problematik des Übergangs von der früheren bis zur mitt‑ leren Bronzezeit bin ich nicht überzeugt, dass es akzeptabel wäre, die Stufe Br A3 in solcher Form zu benutzen, wie sie heutzutage vorgelegt wird und zwar aus den folgenden Gründen: 1. Es wurde keine genaue Charakteristik und Inhalt der Stufe Br A3 gegeben, diese Tatsache disqualifiziert diese Stufe aus dem üblichen Gebrauch. 2. Die Stufe Br A3 wurde mehrmals kritisiert und ihr Gebrauch in konkreter Form allgemein abgelehnt (Benkovsky ‑Pivovarová 1982; David 2002, 37–38; Furmánek– Veliačik– Vladár 1991, 24). 3. Jeder Forscher begreift die Stufe Br A3 äußerts unterschiedlich, es herrscht ein absolutes Missverhältnis in ihrem Gebrauch (Abb. 1). 4. Die Stufe Br A3 wird oft nur nach gegenwärtigen Erfordernissen des Forschers appliziert. Viele Versuche um die Präzisierung sind Ergebnisse einzelner Autoren und zwar ohne eine breitere Diskussion und Konzeption, die den Rahmen einzelner Regionen aber auch größer‑ en Gebieten übergreifen können. Viele Periodisierungssysteme entstehen nach Maß nur für einzelne Kulturen oder nur für ihre lokale Gestalt und es mangelt ihnen an einer breiteren zufriedenstellenden Lösung. So entsteht eine unerschöpfliche Menge von Tabellen mit rela‑ tiver Chronologie, und man muss die Tabellen kompliziert kombinieren und vergleichen um festzustellen, welche Kulturen auf den einzelnen Gebieten parallel verliefen. Es ist doch nötig, ein solches erhebliches Problem, das die Periodisierung darstellt, komplex und konzeptionell zu lösen und lebhaft zu diskutieren. 122 STUDIA HERCYNIA XXIII/2 LITERATUR Barta, P.2001: Absolute Dating of the Bronze Age in Slovakia: State of Research. Anodos. Studies of Ancient World 1, 11–25. Bátora, J. 2000: Das Gräberfeld von Jelšovce/Slowakei. Ein Beitrag zur Frühbronzezeit im nordwestlichen Kar‑ patenbecken. Prähistorische Archäologie in Südosteuropa 16. Kiel. Benkovsky ‑Pivovarová, Z. 1976: Zur Enddatierung des Kulturkreises Maďarovce ‑Věteřov ‑Böheimkirchen. Germania 54, 341–349. Benkovsky ‑Pivovarová, Z. 1982: Zur Frage der Stufe Bronzezeit A3 und der älteren danubischen Mittel‑ bronzezeit (MD I) in der Slowakei. Germania 60, 1–12. Berkovec, T.– Peška, J. 2005: Starobronzová sídliště vHulíně ‑ UIsidorka, In: M. Bém– J. Peška (eds.): Ar‑ cheologické centrum Olomouc. Ročenka 2004. Olomouc, 44–67. 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David Rožnovský Jihomoravské muzeum ve Znojmě Přemyslovců 129/8 669 02 Znojmo [email protected] [email protected]