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Die Anwendung der Reinecke‑Chronologie auf die ältere Bronzezeit in der Slowakei und ihre Modifikationen

Novotná, Mária

Abstract

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STUDIA HERCYNIA XXIII/2, 140–149 Die Anwendung der Reinecke ‑Chronologie auf die ältere Bronzezeit in der Slowakei und ihre Modifikationen Mária Novotná ABSTRACT This paper evaluates the application of P.Reinecke’sclassification of the development in the area of modern‑ ‑day Slovakia and its modifications in the Early Bronze Age. J. Eisner mainly fused Reinecke’ssecond and third stages (Br B and Br C) creating his Middle Bronze Age. The excavations after World War II and the discovery of new cultural entities in both the western and eastern parts of the country called, however, for changes to Eisner’soriginal concept. New cultural entities, the Nitra and the Košťany cultures, were later merged with the so ‑called Epi ‑Corded ‑Ware complex as part of the Early Bronze Age in Central Europe. Its beginnings precede the original Br A1 stage, being part of what is now called Br A0. Another change in the classification is also represented by the creation of the problematic stage Br A3 in Slovakia and its subsequent gradual abandonment. KEYWORDS Early Bronze Age; history of periodisation; Reinecke classification; Slovakia; Košťany culture. JAN EISNER UND DIE ANFÄNGE DER BRONZEZEITLICHEN PERIODISIERUNG IN DER SLOWAKEI Reineckes System der Periodisierung und der Chronologie der Bronzezeit, im Laufe der Jahre von weiteren Forschern modifiziert, wurde wegen seiner Übersichtlichkeit in einer Reihe von mitteleuropäischen Ländern sehr schnell angenommen. Dasselbe gilt für die Slowakei, wobei eine Anpassung an die örtlichen Besonderheiten bereits von Jan Eisner vorgenom‑ men wurde. So wurde die Periodisierung in überarbeiteter Form im Kompendium Slovensko vpravěku [= Die Slowakei in der Urzeit] von 1933 verwendet, wodurch der Grundstein einer modernen archäologischen Erfassung der Slowakei gelegt war. Bei der Gliederung der Bron‑ zezeit bediente sich Eisner auch einer früheren Arbeit Paul Reineckes, die seiner Teilung der süddeutschen Bronzezeit vorausgegangen war (Reinecke 1899, 225–251, 316–340). Eisner betonte gleichzeitig Parallelen zur Entwicklung im benachbarten Ungarn, insbesondere in den Einzugsgebieten der Donau und Theiss im Westen und Osten. An den Anfang der älteren Bronzezeit stellte Eisner kupferne Werkzeuge, die im benachbarten Ungarn, im Sinne von Ferencz Pulsky (1897), noch im Laufe der dortigen Kupferzeit vorkommen; bei den westlichen Nachbarländern der Slowakei entsprach diese Phase relativchronologisch in etwa deren Steinkupferzeit. Erst später folgen die bis dahin bekannte Kulturen, bzw. deren Varietäten, angefangen mit der Aunjetitzer Kultur. Bei der Periodisierung zog Eisner neben den Kera‑ mikfunden auch die typologisch ‑chronologische Entwicklung der Bronzeindustrie hinzu. Die der zweiten Reinecke ‑Stufe zugeschriebenen Bronzefunde hängen nach Eisner „mit der dritten Reinecke ‑Stufe sehr eng zusammen und es ist sehr schwer sie voneinander zu trennen“ (Eisner 1933, 51). Im Einklang mit den Ansichten von Gordon Childe und weiterer Forscher, insbesondere Josef Schránil und dessen Gliederung der älteren Bronzezeit in Böh‑ 141MÁRIA NOVOTNÁ men und Mähren (Schránil 1928, 92), schrieb Eisner die zweite und dritte Reinecke ‑Stufe der mittleren Bronzezeit zu, die zweite Reinecke ‑Stufe als ihren älteren und die dritte als ihren jüngeren Teil (Eisner 1933, 51–52). Mit einer örtlichen slowakischen Bronzeproduktion rechnete er erst ab der zweiten Reinecke ‑Stufe, die mit der ältesten Periode der südböhmi‑ schen Hügelgräber zeitgleich sein sollte (Eisner 1933, 51). Dadurch gelangte Eisner zu einer Dreiteilung der Bronzezeit in der Slowakei auf die ältere, mittlere und die jüngere. Reineckes Phasen Ha Aund Ha B wurden der jüngeren Bronzezeit zugeordnet, während die eigentliche Hallstattzeit erst mit Phase Ha C einsetzte (Eisner 1933, 148). Schon damals berücksichtigte Eisner bei seiner Periodisierung die Frage der Herstellungstechnik, wodurch er als Vorläufer der modernen Auffassung vom Innovationstransfer gelten darf, der außer der Vermittlung technischen Wissens auch die an das örtliche Milieu angepasste soziale Komponente im Auge behielt (Stockhammer 2015, 87–88). Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs wurde in der slowakischen Forschung keine grundle‑ gende Änderung der bestehenden Periodisierung und der Chronologie der älteren Bronzezeit vorgeschlagen, die auf neueren Funden basieren würde. Dies ist einerseits in der kleinen Zahl der damals tätigen Archäologen, andererseits in der Tatsache begründet, dass es mit wenigen Ausnahmen auch keine größeren systematischen Ausgrabungen gab. Die regelmä‑ ßig im Sborník muzeálnej slovenskej spoločnosti veröffentlichten neuen Funde, boten nur selten hinreichend Angaben, um grundsätzliche Änderungen in der bestehenden Periodisierung oder der Chronologie der älteren Bronzezeit in der Slowakei überhaupt zu ermöglichen. 1 Erst die Bautätigkeit nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs veranlasste eine Reihe von neuen Grabungen, die auch frühbronzezeitliches Fundmaterial zutage brachten. Eisners Gliederung, die durchaus als erstes Konzept der Bronzezeit in der Slowakei be‑ zeichnet werden kann, erforderte infolge neuer Entdeckungen gewisse Änderungen. Seit den 1960ern können wir somit von einem zweiten Konzept der Bronzezeit in der Slowakei sprechen, das auch deren frühen Abschnitt einschließt. Eine durchwegs wichtige Bedeu‑ tung kam in diesem Zusammenhang etwa den Ausgrabungen der befestigten Siedlungen in Šurany ‑Nitriansky Hrádok (Točík 1978; 1981), Ivanovce (Točík 1982; Němejcová ‑Pavúková 1978), oder der Siedlung und dem Gräberfeld in Veselé (Budinský ‑Krička 1965; Točík 1964) in der Südwestslowakei zu, sowie einige Siedlungen und Nekropolen im Osten des Landes, in Košice ‑Barca und der näheren Umgebung des Košice ‑Beckens (Hájek 1961, 59–76). Die letztgenannten Grabungen wurden vom Archäologischen Institut in Prag geleitet, wobei die Grabung vom Bau eines Eisenhüttenkombinats hervorgerufen war. Die Grabungsergeb‑ nisse ermöglichten Ladislav Hájek folgende Zusammenfassung der kulturellen Entwicklung in der Ostslowakei: auf die Kulturgruppe Polgár und die Bodrogkeresztúr ‑Kultur folge die kannelierte (d.h. Badener) Kultur, die zeitlich mit der Schnurkeramik der ostslowakischen Hügelgräber zusammenfalle. Der älteste bronzezeitliche Horizont (Reinecke A1) sei aber bisher unbekannt (Hájek 1961, 76). Kurz darauf wurden jedoch einige Skelettgräberfelder entdeckt, die einer bis dahin unbekannten, nach dem eponymen Gräberfeld in Košťany benannten Kulturgruppe zugeordnet wurden (Pástor 1962; 1969). Mit der zeitgleich in der Südwestslowakei entdeckten Nitra ‑Gruppe (Točík 1963) wurden diese später zu dem sog. epischnurkeramischen Kulturkomplex eingereiht und als Bestandteil des dritten frühbron‑ zezeitlichen Kreises, bzw. der sog. „östlichen Frühbronzezeit“ bezeichnet (Kadrow– Peška 1999; Bertemes– Heyd 2002). 1 Die Entwicklung der Periodisierung der mittleren und jüngeren Bronzezeit von P.Reinecke bis 1977 ist bei V. Furmánek (1977, 554–564) zusammengefasst, wobei er auf die vorangehenden Stufen Br A1 und Br A2 nur ganz kurz am Rande eingeht, da sie nicht Gegenstand seines Beitrags waren. 142 STUDIA HERCYNIA XXIII/2 ANTON TOČÍK UND DIE EINFÜHRUNG VON STUFE BR A3 Für die Erarbeitung des zweiten Konzepts der slowakischen Bronzezeit durch Anton Točík und Jozef Vladár (Točík– Vladár 1971) waren neben neuen Grabungen die Forschungen ausländischer Autoren ausschlaggebend. An dieser Stelle sind insbesondere Herbert Mitscha‑ ‑Märheim, Kurt Willvonseder und Pál Patay zu nennen. Auf die Notwendigkeit einer Umarbei‑ tung der Periodisierung wies in einer Studie erstmals Vladimir Milojčić (1959) hin. Sein Ziel war es, durch eine detailliertere Kenntnis der kulturellen Entwicklung in der Schlussphase der älteren Bronzezeit neue Erkenntnisse über das Verhältnis dieser Phase zur antretenden Hügelgräberkultur und dem Koszider ‑Horizont zu gewinnen. Auch wenn sich die Arbeiten von V. Milojčić geographisch auf das Pannonische Becken in Ungarn sowie das Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens (Serbien) beschränkten, berührte er in manchen Punkten auch die Entwicklungen im slowakischen Raum. Für A. Točík wurde dies zum Ausgangspunkt für seine Bewertung der der Maďarovce ‑Kultur zugeschriebenen Siedlungsphase auf dem polykulturellen Fundort Veselé (Točík 1964). Bei der Datierung der Siedlung in Veselé stützte sich Točík auf die Auswertung der Fund‑ typologie, der Stratigraphie und auf einen Vergleich mit ähnlichen Funden von anderen Orten (z.B. in Nitriansky Hrádok, Malé Kosihy und Jelšovce). Er schloss, dass es sich bei der Maďarovce ‑Kultur „um eine Ansiedlung der ausklingenden älteren und der beginnenden mittleren Bronzezeit“ handle (Točík 1964, 243). Für die Festlegung der relativen Chronologie wurde den bronzenen Begleitfunden aus geschlossenen Zusammenhängen und der impor‑ tierten Keramik (nordpannonisch und füzesabony) entscheidende Bedeutung zugeschrieben, wobei es sich bei den Bronzefunden allerdings vorwiegend um langlebige Typen handelte. Die Beziehung zum Koszider ‑Horizont im Karpatenbecken dokumentierte er daher anhand nur weniger Funde. Darunter waren Gussformen für identische Anhänger, wie sie in den Hodejov‑ und Včelince ‑Depots vorkamen (Novotná 1966), sowie die Funde vom birituellen Gräberfeld in Dolný Peter (Dušek 1969). Alle datierte er in die Reinecke ‑Stufe Br B1. Gussfor‑ men (Grube 91S) für Nadeln mit halbkugeligem Kopf gehörten Točík zufolge „unbestreitbar zu den jüngsten in der Entwicklung der frühbronzezeitlichen Nadeln“ (Točík 1964, 247). Im Einklang mit den Funden von anderen Orten, u.a. vom birituellen Gräberfeld in Majcichov, gelangte er daher zum Schluss, dass nach Reinecke, sowie auch nach der ergänzten Chrono‑ logie von Willvonseder, es notwendig wäre die erwähnten Funde zwischen Br A2 und Br B1 anzureihen. Unter Berücksichtigung der Funde von Knochen‑ und Geweihindustrie sowie unter Berufung auf die Arbeit von V. Milojčić, schlug Točík vor, diesen Horizont als Br A3 zu bezeichnen (Točík 1964, 248–249). An die oben angeführte Arbeit von Milojčić schloss auch Bernhard Hänsel mit einer chronologischen Neuordnung der ausgehenden frühen und der beginnenden mittleren Bronzezeit im Donaugebiet an. Obwohl sich einige Autoren der Definition der neuen Stufe Br A3 anschlossen, hat sich Hänsels Vorschlag in der Slowakei letztlich nicht durchgesetzt. So bezeichnete die bronzezeitliche Stufe A3 und Hänsels Vorschlag einer älteren danubischen Mittelbronzezeit (MD I) vor allem Zoja Benkovsky ‑Pivovarová als problematisch (Benkovsky‑ ‑Pivovarová 1982, 1–12). Ich selbst habe bereits früher, in einem PBF ‑Band zu den Nadeln in der Slowakei, keine Notwendigkeit gesehen, eine Stufe A3 anzusetzen (Novotná 1980). Im Zeithorizont, der der ersten Stufe der mittleren Bronzezeit (Br B1) entspricht, sind nämlich Funde eingereiht, die der späten Otomani ‑Kultur, der Dolný Peter ‑Kulturgruppe, und dem Koszider ‑Typ angehören, wie auch die in der späten Phase der Maďarovce ‑Kultur vertretenen Nadeln (Novotná 1980, 3, 5–6). 143MÁRIA NOVOTNÁ SPÄTERE KONZEPTE, NEUE FRAGEN Im Entwurf einer Periodisierung der Urgeschichte von 1980 kehrten Václav Furmánek und Ladislav Veliačik bei der Bronzezeit (abgegrenzt damals von den Jahren 1900 und 700 v. Chr.) zu einer vierstufigen Periodisierung der Bronzezeit und den zwei ersten Stufen der Hallstatt‑ zeit nach Reinecke zurück. Die seit Eisner eingebürgerte „jüngere Bronzezeit“ schlugen sie vor, weiter in eine jüngere und späte Bronzezeit zu unterteilen, wobei erstere die Stufen Br D und Ha A, die zweite die Stufe Ha B einschließen sollte. Trotz Vorbehalte behielten sie für die ältere Bronzezeit weiterhin „die Unterstufe Br A3“ vor, die ihnen zufolge auch die späte Maďarovce ‑Kultur einschließen sollte. Diesem Schema zufolge hätte die Otomani ‑Kultur bis in die mittlere Bronzezeit der Stufe Br B1 bestanden. Die Notwendigkeit einer Änderung haben sie sicherlich richtig durch die Feststellung begründet, dass „die gegenwärtige Auffassung der Stufen Br B und Br C der ursprünglichen Reinecke ‑Chronologie, welche die Stufe Br B weiter nicht präzisiert, überhaupt nicht entspricht“ (Furmánek– Veliačik 1980, 159). Die kulturchronologische Gliederung der Bronzezeit in der Slowakei bezeichneten sie schließlich als „modernisiertes chronologisches Reinecke ‑System“ (Furmánek– Veliačik 1980, 160). Im später erschienenen Buch Slovensko vdobe bronzovej [= Slowakei in der Bronzezeit] stimmten die AutorenV. Furmánek, L. Veliačik und J. Vladár einer kritischen Beurteilung der Existenz von Stufe A3, bzw. der Stufe MD I, zu, obgleich sie diese Bezeichnung bei der Besprechung der nordpannonischen inkrustierten Keramik weiter verwendeten und sie auch in der Synchronisationstabelle beibehielten (Furmánek– Veliačik– Vladár 1991, 20, 24–25). Einige Autoren verwenden im Rahmen der Gliederung der älteren Bronzezeit in der Slowakei die Stufe A3 allerdings bis heute (vgl. die chronologische Tafel in Furmánek– Vladár 2015, 16). An das Problem des Gebrauchs der umstrittenen Stufe A3 in der Periodisierung der Bron‑ zezeit in der Slowakei schließen sich weitere Fragen an. Dazu gehören die Fragen nach den Anfängen der frühen Bronzezeit im Westen und Osten des Landes. Innerhalb der Periodisie‑ rung der europäischen Bronzezeit wird dieser Zeitabschnitt als „frühe östliche Bronzezeit bezeichnet und chronologisch der Phase „Reinecke A0“, ca. zwischen 2350–2250 BC, zugeord‑ net“ (Kadrow– Peška 1999, 38–39; Bertemes– Heyd 2002). Ebenfalls ungeklärt bleiben die Anfänge der karpatischen Hügelgräberkultur. Diese Frage berührt die Zuordnung der Dolný Peter ‑Kulturgruppe sowie derer Stellung im Rahmen der Hügelgräberkulturen, besonders unter Berücksichtigung der Entwicklung in Transdanubien, die bisher nur wenig Beachtung gefunden hat. RADIOKARBONDATIERUNG UND DAS DRITTE KONZEPT DER BRONZEZEIT Bei der Beantwortung der Fragen nach den Beziehungen und der Dauer einzelner Kulturen der älteren Bronzezeit kommt mittlerweile der absoluten Datierung eine zentrale Bedeutung zu. Die zunehmende Zahl der 14C ‑Daten hat schließlich auch Änderungen in der Periodi ‑ sierung der frühen Bronzezeit in der Slowakei erzwungen. Heute sind deshalb die mittels 14 C ‑Methode gewonnenen Daten entscheidend für die weitere Bestimmung einzelner Kul‑ turen, ihrer inneren Entwicklung, bzw. Beziehungen zu ihrer näheren sowie weit entfern‑ ten Nachbarschaft. Auch hier besteht jedoch das Problem, dass die einzelnen Labors nicht immer vergleichbare Daten liefern, was allerdings primär auf die häufige Kontaminierung der Proben, bzw. archäologisch ungenaue Bestimmung der ursprünglichen Zusammenhänge zurückgeführt werden kann. 144 STUDIA HERCYNIA XXIII/2 Eine Übersicht des Forschungsstandes und der 14C ‑Daten von einzelnen Fundorten in der Slowakei bis 2000 ist u.a. im Beitrag von P.Barta (2001, 11–25) zu finden.2 Die ältesten kalibrier‑ ten Daten aus den Gräbern der Nitra ‑Kultur (Jelšovce und Branč) liefern das Intervall 2130– 2050/2020 BC.Im Rahmen des epischnurkeramischen Kulturkreises entsprechen diese Daten dessen zweiter Phase, der frühen Mierzanowice ‑Stufe, die um 2200–2050 (cal.) BC angesetzt wird (Kadrow– Machnik 1997, 29, 44). Für die Aunjetitzer ‑Kultur liefern einige Daten auch die Gräber aus Jelšovce und in einem Fall aus Branč. Die Daten aus Jelšovce (1950–1860 BC bis 1720–1690 BC) sind etwa mit der älteren und jüngeren klassischen, bis späten Mierzanowice‑ ‑Kultur vergleichbar (Kadrow– Machnik 1997, 72–73). Gleichzeitig zeugen die Daten aus den Gräbern der Nitra ‑Kultur, der sog. Nitra ‑Facies im Nitra ‑Tal, von der Anwesenheit der Aunjetitzer ‑Kultur zu einer Zeit, als die Nitra ‑Kultur immer noch bestand. Für die westlichen Gebiete der Nitra ‑Kultur, die Z. Benkovsky ‑Pivovarová als mährisch ‑westslowakische Gruppe der Nitra ‑Kultur bezeichnete (Benkovsky ‑Pivovarová– Chropovský 2015, 115–121), liegen zwar noch keine Radiokarbondaten vor, die oben erwähnten Angaben aus Jelšovce und Branč sowie die Funde aus einigen anderen Gräbern deuten allerdings auf ein zeitgleiches Bestehen, bzw. ein Zusammenleben der Nitra‑ und der Aunjetitz ‑Kultur hin (Benkovsky ‑Pivovarová– Chropovský 2015, 120). Der gegenwärtige Ansatz zur Lösung der Fragen der Chronologie und Periodisierung der Bronzezeit stellt das dritte Konzept dar, welches um die Einbeziehung absoluter Daten bemüht ist, die zu gewissen Korrekturen oder Änderungen der bisherigen Annahmen bezüglich der Anfänge sowie der Endphase der frühen Bronzezeit geführt haben. Zu diesen neuen Daten und den Ergebnissen neuerer Ausgrabungen kommt noch die Neuauswertung längst bekannten Fundguts hinzu. Auf diese Weise wurde z.B. der epischnurkeramische Kulturkomplex im Westen und Osten des Landes neu definiert. Zuletzt hat sich Z. Benkovsky ‑Pivovarová mit dieser Frage im Raum der Westslowakei und Ostmährens auseinandergesetzt (Benkovsky‑ ‑Pivovarová– Chropovský 2015). Sie definiert eine regionale Kulturgruppe mit spezifischer Keramik, die aufgrund der Formen und Anordnung der Schnurverzierung nicht mit den Fun‑ den aus dem Nitra ‑Tal identisch ist und sich durch ihr Verzierungsschema gleichzeitig auch von der in Kleinpolen vorkommenden Keramik unterscheidet. Den Begriff epischnurkera‑ mischer Kulturkreis wendet sie dabei nur auf die ursprünglich der Chłopice ‑Veselé ‑Gruppe im Sinne der Protomierzanowice ‑Phase, bzw. der Stufe IMierzanowice ‑Kultur, zugeschrie‑ benen Funde an. Ihre Existenz definiert sie ohne 14C ‑Daten alleine aufgrund der Grabfunde von Cífer ‑Pác und Ivanka pri Dunaji I(Benkovsky ‑Pivovarová– Chropovský 2015, 11–13, Taf. 24A, 46:1). Gräber mit schnurverzierten Keramikbeigaben aus Veselé korrelieren mit der frühen Mierzanowice ‑Phase in Polen (in Übereinstimmung mit Sławomir Kadrow und Jan Machnik), die auf das Intervall 2200–2050 BC, bzw. nach neueren Daten, 2150/2100–2050 BC fallen (Górskietal. 2013, 113–117). NEUE FUNDE AUS DER ZIPS -REGION Ein Teil der slowakischen Forscher nimmt eine sehr frühe Verbreitung der Chłopice ‑Veselé‑ ‑Kultur, bzw. der I. Phase der Protomierzanowice ‑Kultur auch in der Ostslowakei an. Sie wird hier unter die Protokošťany ‑Phase der Košťany ‑Kultur (Bátora– Vladár 2015, 22–27) subsumiert und mit Funden aus einem Teil des Gräberfeldes in Košice in Verbindung gebracht. 2 Für eine Zusammenstellung neuerer Daten bis 2013 s. die Website des Projekts Archaeological Chronometry in Slovakia: www.C14.sk. 145MÁRIA NOVOTNÁ Das primäre Argument dafür stellt Schmuck in Form eines Weidenblattes dar. Wichtiges Ma‑ terial für die Erforschung dieser Region erbrachten die Rettungsausgrabungen im Kataster von Spišské Podhradie (Soják 2009; Soják 2011, 14) und zuletzt auch in Spišská Nová Ves (ebenfalls ausgegraben von Marián Soják). Beim ersteren handelt es sich um das bisher größte Gräberfeld der frühen Bronzezeit, in dessen Nähe auch die Überreste einer Siedlung entdeckt wurden (Soják 2009, 15–17; Soják 2011, 14; Novotná– Soják 2016, 67–82). Viele der Gräber waren sekundär beschädigt, was nicht überraschen dürfte. Im Unterschied zu den Gräbern im Košice ‑Becken enthielten sie aber nur selten keramische Beigaben. Es überwiegen Funde kleiner Perlen aus unterschiedlichem Material: Fayence, Perlmutter, seltener aus Knochen, Metall und ausnahmsweise auch Bernstein. Metallschmuck, nahezu ausschließlich aus reinem Kupfer (mit Spuren von Ag und Sb), sind Weidenblätter ohne Mittelrippe, diverse Drahtringe, kleine Spiralen, und einige wenige Nadeln. Im Fundmaterial kommen auch Beinnadeln mit einem profilierten Kopf oder Scheibenkopfnadeln vor. Da Keramik mit der charakteristischen Verzierung der Schnurabdrücke in der Ostslowakei nur selten vorkommt, wird bereits seit langem Schmuck in Form eines Weidenblattes als charakteristisch für die frühe Phase der Košťany ‑Kultur erachtet. Auf dem Gräberfeld in Spišské Podhradie kommt Weidenblatt ‑Schmuck in zehn Grä‑ bern vor (Abb. 1). In einem weiteren Grab fanden sich nicht näher bestimmbare Fragmente eines Kupfergegenstandes (Novotná– Soják 2016). Die Analyse der Grabausstattung mit Weidenblatt hat folgendes erbracht: Keramik ist nur durch einen kleinen Scherben aus ei‑ nem einzigen Grab (Nr. 72) vertreten. Die Gräber Nr. 200 und Nr. 216 waren ursprünglich mit einer Holzplatte verdeckt. Die reichste Ausstattung enthielt Grab Nr. 200. Neben dem charakteristischen Schmuck mit Weidenblättern fand sich darin eine ungewöhnlich große Anzahl von Perlen aus Fayence und Perlmutter, weniger aus Bein, ferner Anhänger mit zwei Öffnungen und zwei Knochennadeln: eine mit wulstartig gegliedertem Kopf, die zweite mit einer Kopfplatte mit kreisförmiger Öffnung. In den Funden aus Polen und der Westslowakei gehören die frühesten Schmuckstü‑ cke in Form eines Weidenblattes mit langem Blatt ohne Mittelrippe der frühen Phase der Mierzanowice ‑Kultur an und blieben bis zum Ende dieser Kultur in Gebrauch (Kadrow 1994, 191). Innerhalb der Westslowakei erscheinen sie in den Gräbern in Veselé (Grab Nr. 29 und Nr. 36) zum ersten Mal in der zweiten Phase des epischnurkeramischen Kulturkomplexes; diese Phase entspricht der frühen Mierzanowice ‑Phase in Polen. Demselben Fundhorizont hat Z. Benkovsky ‑Pivovarová weitere Funde von Brezová pod Bradlom (Grab Nr. 1) und Ivanka pri Dunaji (Grab Nr. 1 und Nr. 8) zugeordnet; im letzteren Fall fand sich Weidenblattschmuck zusammen mit drei kupfernen Weidenblättern ohne Mittelrippe. Dieselbe Zusammensetzung zeigt auch die Ausstattung von Grab Nr. 156 in Abrahám I, in dem zusätzlich ein Verteiler mit mehrfachen Öffnungen, Spiralarmringe, Blechröhrchen, Knochenperlen, aber auch eine Schale der Aunjetitzer Kultur gefunden wurden (Benkovsky ‑Pivovarová– Chropovský 2015, Taf. 13). In Spišské Podhradie fanden sich in einem der Gräber auch Bruchstücke von mit Besenstichen verzierter Keramik; es handelt sich um eine Verzierung, die auf den Gefäßen der Samborzec ‑Gruppe vorkommt. In den übrigen Gräbern der Nekropole in Spišské Pod‑ hradie erschienen vor allem sogenannte Fayence ‑Perlen und Anhänger mit zwei Öffnungen aus Perlmutter, die insbesondere für die spätere Mierzanowice ‑Kultur (Samborzec ‑Gruppe) charakteristisch sind. Vergleichsfunde für eine der Knochennadeln mit Kopfplatte finden sich unter den für die klassische und späte Phase der Mierzanowice ‑Kultur typischen Funden; der Nadeltyp mit profiliertem Kopf kann derselben Phase zugeordnet werden. Die neuesten Funde kupfernen Weidenblatt ‑Schmucks bestätigten wiederholt ihre lang‑ jährige Verwendung in der Slowakei, womit dieser Fundtyp ohne Begleitfunde zu keiner 146 STUDIA HERCYNIA XXIII/2 genaueren Datierung beitragen kann. Ob das erste Vorkommen des Weidenblattes in der Slo‑ wakei mit dem Anfang der frühen Stufe der Mierzanowice ‑Kultur erscheint, lässt sich derzeit ohne relevante 14C ‑Daten nicht bestimmen. Das Ende seines Vorkommens dokumentiert Grab Nr. 200 des Gräberfeldes in Spišské Podhradie, zu dem eine Parallele in der späten Phase der klassischen Mierzanowice ‑Kultur, bzw. der Samborzec ‑Gruppe vorliegt. Zum Bestattungsritus der Samborzec ‑Gruppe gehören nämlich Holztruhen und Spuren einer Ausholzung wurden Abb. 1: Spišské Podhradie, Grab 16 (nach Novotná– Soják 2016, Abb. 4). 147MÁRIA NOVOTNÁ nun auch in eben diesem Grab nachgewiesen. Für die Erstellung einer Datierung der Nekro‑ pole, die auf 14C ‑Daten basiert, wurden aus neun Gräbern osteologische Proben entnommen; lediglich in Grab Nr. 11 befand sich ein weidenblattförmiges Schmuckteil. Die Kalibrierung ergab Daten zwischen 1880 (eines mit einer Wahrscheinlichkeit von 95,4%) und 1510 BC. ZUR ENTSTEHUNG DER KOŠŤANY -KULTUR Zur Mehrheit des Inventars slowakischer Gräberfelder der Košťany ‑Kultur finden sich Paral‑ lelen in mehreren Phasen der Mierzanowice ‑Kultur. Auf die Keramik der Samborzec ‑Gruppe aus den Gräbern in Košice und Čaňa haben bereits S. Kadrow (1994, 192), J. Górski (2010, 226– 227, rys. 1) und zuletzt auch M. Novotná (2015) hingewiesen. Eine abschließende Auswertung der Košťany ‑Kultur vor dem Hintergrund ihrer Beziehungen zur Mierzanowice ‑Kultur, bzw. derSamborzec ‑Gruppe und unter Berücksichtigung ihrer zeitlichen Abgrenzung zu diesen wird erst wohl nach der Analyse eines größeren Datensatzes möglich sein. Die Entstehung der Košťany ‑Kultur im Zuge einer Migration kleiner Bevölkerungsgruppen aus dem Raum Polens (Samborzec ‑Gruppe?) ist nach wie vor nur eine Hypothese. Das Vorkommen früher epi‑ schnurkeramischer Kulturelemente im Sinne der Protomierzanowice ‑Kultur in der östlichen und nordöstlichen Slowakei lässt sich bislang auch nicht durch entsprechende Funde belegen, wobei auch die Radiokarbondaten aus den Gräbern in Spišské Podhradie keine Hinweise darauf liefern. Neues Fundmaterial, eine Überprüfung der älteren Funde und Fundkontexte, Vergleiche mit den Funden im benachbarten Polen sowie 14 C ‑Daten führen zu einer Reihe von Änderungen in der Chronologie und der Periodisierung der frühen Bronzezeit auch in der östlichen und nordöstlichen Slowakei. Dies betrifft besonders die Anfänge, aber auch die Bewertung der Vorgänger, der frühbronzezeitlichen Kultur, die bisher als Košťany ‑Kultur bezeichnet wurde. Ein genauso wichtiges Problem stellt auch das Ende der Košťany ‑Kultur dar, das vom Verhältnis zur darauffolgenden Otomani ‑Füzesabony ‑Kultur geprägt ist. BIBLIOGRAPHIE Barta, P.2001: Absolute dating of the Bronze Age in Slovakia. State of Research. Anodos. Studies of Ancient World 1, 11–25. Bátora, J.– Vladár, J. 2015: Kultúry staršej doby bronzovej. In: V. Furmánek (ed.): Staré Slovensko 4. Doba bronzová. Nitra, 21–41. 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