Der Schutz materieller armenischer Kulturgüter in Arzach | Հայկական նյութական մշակութային կոթողների պաշտպանությունն Արցախում
Abstract
In diesem Beitrag für eine internationale Konferenz in Armenien (Juli 2022) wird die Bedrohung des materiellen (architektonischen) armenischen…
Full text
| 409 Tessa Hofmann Der Schutz materieller armenischer Kulturgüter in Arzach Abstract This presentation to an international conference in Armenia (July 2022) analyzes the threat to material (architectural) Armenian cultural heritage in the historic area of Artsakh. These are mainly sacral buildings. The Azerbaijani attempt to unilaterally claim the history of the disputed border region by declaring itself the sole heir of the late antique South Caucasian-Albanian state of Albania was identified as a special feature. Another peculiarity is the difficulty of effectively and sustainably implementing the numerous international treaties, decisions and statements on the protection of material cultural heritage. Kriegshandlungen gehen häufig mit der Zerstörung materieller Kulturdenkmäler einher. Völkerrechtswidrige, mutwillige Akte des Vandalismus, der kulturellen Aneignung und historischen Umdeutung – zum Beispiel durch Umbenennungen von Toponymen aus der Originalsprache – setzen sich meist lange nach Beendigung des Krieges in den von Siegern eingenommenen Gebieten fort. Die aserbaidschanischen Angriffe auf Arzach bieten hierfür zahlreiche anschauliche bzw. erschreckende Beispiele. Aktuell – und das drückt diese Karte des russischen Verteidigungsministeriums aus (Abb. 1) – stehen zwei Drittel des historischen Gebiets Arzach bzw. Berg-Karabachs erneut unter aserbaidschanischer Kontrolle, das restliche Drittel, hier als eine grüne Nordund eine gelbe Südzone verzeichnet, kontrollieren russländische Friedenstruppen. Zur russisch kontrollierten ›Südzone‹ gehört auch der so genannte Latschiner Korridor mit dem gleichnamigen Bezirkszentrum, Armenisch Berdsor. Seine armenische Bevölkerung, wie auch die Bevölkerung der Ortschaften Arawno und Sus, musste bis zum 25. August 2022 wegen des Neubaus der Verbindungsstraße zwischen Goris und Stepanakert ihre Heimat verlassen; die Wasserversorgung, Gasund Elektrizitätsleitungen hatte Aserbaidschan bereits zuvor gekappt. Die Flüchtlinge haben in ihrer Verzweiflung ihre Häuser niedergebrannt und nehmen die Knochen ihrer Toten mit. Es handelt sich bei den aserbaidschanischen Eroberungen vom 27. September bis 9. November 2020 um die Bezirke Kelbajar (armen. K’arvacar, Karwadschar), Latschin, Hadrut Kiel-UP • https://doi.org/10.38072/978-3-928794-95-4/p20
410 | Das kulturelle Erbe von Arzach | Արցախի մշակութային ժառանգությունը sowie die Osthälfte des Bezirks Martuni. Zur Sowjetzeit – 1921–1989/90 – befanden sich Hadrut und Martuni noch im Bestand des so genannten Autonomen Gebiets Berg-Karabach. Im Schatten des Ukrainekrieges hat Aserbaidschan in der Region von Askeran erneut die Waffenruhe verletzt und die armenischen Dörfer Paruch und Chramort mit Granaten beschossen, so dass die Bevölkerung zweifach evakuiert werden musste.1 Wenn wir über den Bedarf zum Schutz materieller armenischer Kulturgüter in Arzach sprechen, dann liegt der Fokus auf den Kulturdenkmälern westlich, südlich und südöstlich der Zone russischer Zuständigkeit; dazu gehört beispielsweise das bekannte DadiwankKloster im Bezirk Kelbajar mit über 100 armenischen Bauinschriften; es ist dem Hl. Dad, einem Jünger des Apostels Thaddeus, geweiht. Seine erhaltenen Bauten stammen aus dem 9. bis 13. Jh. Leider verweigert Aserbaidschan seit Ende April 2022 den Pilgern den Zugang zum Kloster Dadivank unter verschiedenen Vorwänden wie Pandemie, Straßenbau usw. In Dadivank gibt es nur noch fünf Mitglieder der armenisch-apostolischen Kirche. Die Priester können nicht nur keine Pilger oder Gläubigen empfangen, sondern auch den Klosterkomplex nicht verlassen, weil sie befürchten müssen, dass ihnen der weitere Zugang zum Kloster verwehrt wird. Seit Monaten gehen die Mönche in Anwesenheit russischer Friedenstruppen ihren Tätigkeiten und Aufgaben nach, einschließlich des Gebets, der Durchführung von Gottesdiensten und der Feier von Liturgien. Das Europäische Parlament erwähnt in seiner Resolution vom 10. März 2022, dass »1.456 vornehmlich armenische Denkmäler nach dem Waffenstillstand vom 9. November 2020 nun unter aserbaidschanischer Kontrolle« stehen.2 Nach Angaben der UNESCO-Delegation des republik-armenischen Außenministeriums sind bis zu 2 000 Objekte armenischen historischen und kulturellen Eigentums unter aserbaidschanische Kontrolle geraten. Dazu gehören 161 armenische Kirchen, über 10 Kapellen, 52 Schlösser und Festungen, 591 Kreuzsteine (Armenisch: Chatschkarner), die archäologische Stätte von Tigranakert, die paläolithische Höhle von Asoch, die Gräber von Nor Karmirawan sowie Baudenkmäler wie Paläste, Brücken und historische Viertel.3 Das Europäische Parlament hält weiter fest, dass die aserbaidschanische Kriegspartei diesem Kulturerbe »während des Krieges 2020 vorsätzlich erhebliche Schäden zugefügt hat, insbesondere während des Beschusses der Kirche in Qazançı/Schahkert, der GhasantschezozKathedrale (Kathedrale Christi des Heiligen Retters) in Şuşa/Schuschi, sowie die Zerstörung, Änderung der Funktion oder Beschädigung anderer Kirchen und Friedhöfe während und nach dem Konflikt, wie der Kirche der Hl. Mutter Gottes Sorawor in der Nähe der Stadt Mechakawan (Cəbrayıl) und der Hl. Eliseus-Kirche im Dorf Mataghis (Suqovuşan) in Bergkarabach«.4 Das gesamte historische Arzach – ein Territorium von etwa 12.000 Quadratkilometern – weist Hunderte armenischer Baudenkmäler auf, viele davon in Gebieten, aus denen Arme1 Cricchio (2022). 2 Europäisches Parlament (2022). 3 Ministry of Foreign Affairs of the Republic of Armenia (2022), 3. 4 Europäisches Parlament (2022).
Hofmann: Der Schutz materieller armenischer Kulturgüter in Arzach | 411 nier geflüchtet sind oder vertrieben wurden. Es handelt sich überwiegend um christliche Sakralbauten, also Kapellen, Kirchen und Klöster, sowie um Memorialbauten, insbesondere Kreuzsteine. In ihrem ad-hoc-Bericht vom 7. März 2022 erwähnt die Regierung der Republik Armenien, dass sich in der Region Arzach rund 4000 armenische Kulturstätten, darunter 370 Kirchen, 119 Festungen und andere historische und kulturelle Denkmäler und Altertümer aus verschiedenen Jahrhunderten seit der Altsteinzeit befinden.5 Als Gebirgsregion bildete Arzach seit der Spätantike ein Rückzugsgebiet der anderenorts verfolgten oder unterdrückten christlichen Armenier. Seine Geschichte ist eng mit der armenisch-apostolischen Kirche verbunden. Welche Gefahren drohen den christlich geprägten armenischen Kulturdenkmälern in den von Aserbaidschan kontrollierten Gebieten? Es geht um folgende drei Aspekte: • Aktive, mutwillige Zerstörung, etwa durch Sprengungen des Militärs oder durch Steinraub der nicht-christlichen Bevölkerung für Profanbauten und Vandalismus. Ein Beispiel für Vandalismus findet sich in Karintak, wo aserbaidschanische Soldaten nach der Einnahme des Dorfes im Herbst 2020 den Altar und das Innere der Kirche der Hl. Gottesmutter entweihten und zerstörten. 6 • Passive, mutwillige Zerstörung bzw. Vernachlässigung: von Zerfall bedrohte oder von Erdbeben beschädigte oder gar zerstörte Baudenkmäler werden nicht wieder instandgesetzt bzw. rekonstruiert. • Umdeutung bzw. kulturelle Aneignung aus ideologischen (religiösen oder nationalistischen) Motiven. Eine religiöse Aufladung des Karabachkonflikts in Gestalt eines christlich-islamischen Antagonismus ist glücklicherweise bis heute nicht erfolgt. Stattdessen findet eine nationalistisch gefärbte ›Albanisierung‹ statt. Es handelt sich um den Versuch der Rückdatierung der aserbaidschanischen Geschichte. In seiner Folge wurden und werden karabach-armenische Kulturdenkmäler schon zu sowjetischer Zeit dem spätantiken kaukasus-albanischen Staat Albania zugeschrieben, als dessen direkte und einzige Erben sich das offizielle Aserbaidschan begreift. Robert Mobili, der selbsternannte religiöse Führer der Uden, erklärte nach dem Herbstkrieg von 2020 armenische Kreuzsteine des 17. bis 19. Jahrhunderts aus dem aserbaidschanisch besetzten Hadrut für ›albanisch‹.7 Was hat es mit diesem südkaukasischen Albanien auf sich? Arzach bildete seit dem zweiten vorchristlichen Jahrhundert die zehnte Provinz (nahang) des antiken Königreichs Armenien. Als dieses 387 n. Chr. zwischen dem Iran und Ostrom geteilt wurde, gehörte Arzach bis zum 7. Jh. zur südkaukasischen Satrapie Albania des sassanidischen Iran und stand danach bis zum 9. Jahrhundert unter arabischer Kontrolle. Die antike persische Satrapie Albanien 5 Ministry of Foreign Affairs of the Republic of Armenia (2022), 3. 6 Armenia Today (2022). 7 Adamov (2021).
412 | Das kulturelle Erbe von Arzach | Արցախի մշակութային ժառանգությունը rechtsseitig des Grenzflusses Kura wurde im Armenischen mit dem Toponym Aġvank bezeichnet. Die Bevölkerung der nordostarmenischen Provinzen Arzach, Utik und Pajtakaran setzte sich in der Spätantike hauptsächlich aus Armeniern, Albanern und Uden zusammen; Udisch ist inzwischen eine aussterbende Sprache der nordostkaukasischen bzw. lesginischen Sprachgruppe. Armenien war auch aus politischen Gründen an der Ausbreitung und Festigung des Christentums im Südkaukasus interessiert. Grigor, der Erleuchter Armeniens, selbst soll den albanischen Herrscher getauft haben. Grigors Enkel christianisierte nach armenischer Überlieferung Albanien und Arzach. Der Sitz des so genannten albanischen Katholikats befand sich seit Ende des 14. Jahrhunderts im einflussreichen Kloster Gandzasar (Armenisch Gandsassar – ›Schatzberg‹) in Arzach. Die seit dem Mittelalter in der armenischen Adelsfamilie der Hasan-Jalalian erbliche Würde des Katholikos stufte 1815 der russisch-orthodoxe Heilige Synod auf Betreiben des armenischen Katholikats zu Etschmiadsin zum Amt eines Metropoliten herab. Bei der Neuordnung des armenischen Kirchenwesens durch Zar Nikolaj I. wurde 1836 das Territorium des einstigen albanischen Katholikats auf mehrere Bistümer verteilt und dem armenischen Konsistorium in Tiflis unterstellt. 1914 besaß die Diözese Karabach 222 Kirchen und Klöster mit 188 Klerikern und 206.000 Gläubigen in 224 Ansiedlungen. Spätestens im 10. Jahrhundert verschwand Albania als Staat. Die von der Islamisierung und anschließenden Türkisierung nicht erfassten christlichen Albaner und Uden gingen weitgehend im Armeniertum auf. Dennoch konstruiert das aserbaidschanisch-nationalistische Geschichtsnarrativ eine rein albanische Regionalgeschichte Berg-Karabachs, in der die Armenier erst als späte Invasoren auftauchen. Tatsächlich waren sie dort seit der Antike politisch und kulturell prägend. Die Tatsache, dass die christlichen Sakralbauten der Region ausschließlich armenische Bauinschriften aufweisen, führen aserbaidschanische Ideologen des Albanertums auf armenische Fälschungen zurück. Christliche Geistliche der angeblichen albanischen Kirche wurden in Stellung gebracht, als im November 2020 Aserbaidschan die Kontrolle über den Bezirk Kelbajar übernahm. Am 3. Februar 2022 veröffentlichte das aserbaidschanische Informationsportal ›Report‹ einen Artikel mit einer Erklärung des aserbaidschanischen Kulturministers Anar Kerimov. Der Minister kündigte an, dass Aserbaidschan eine spezielle Arbeitsgruppe eingerichtet habe, die sich aus Spezialisten für albanische Geschichte, Kultur und Architektur sowie aus Vertretern staatlicher Strukturen zusammensetze und die nach einer ›Untersuchung‹ die Aufgabe haben werde, »die falschen Schriften, Inschriften und Spuren, die Armenier hinterlassen haben«, von den Wänden »albanischer religiöser/christlicher« Bauten in Arzach zu tilgen. Kerimov fügte hinzu, dass die Sondergruppe bereits einige der Inschriften auf »albanischen religiösen Gebäuden« überprüft habe, die endgültige Überprüfung jedoch erst nach der Entminung der Gebiete und bereits in einer sicheren Umgebung unter aktiver Beteiligung internationaler Experten erfolgen müsse, um »Fälschungen durch Armenier« zu identifizieren, zu dokumentieren und der internationalen Gemeinschaft vorzulegen. Die Inschriften sind das wichtigste Zeugnis und der Beweis für die ursprüngliche Bedeutung
Hofmann: Der Schutz materieller armenischer Kulturgüter in Arzach | 413 der Zugehörigkeit zu diesem Erbe.8 Im März 2021 erklärte der aserbaidschanische Präsident Ilham Alijew bei einem Besuch in der Region Hadrut im Dorf Tsakur(i), mit Blick auf die Inschrift im Türsturz der seit 2010 restaurierten Muttergotteskirche-Kirche von Tsaghkavank, dass die Inschriften und geschnitzten Kreuze nur eingraviert worden seien und es sich um eine armenisierte udische Kirche handele.9 Blicken wir auf die eingangs erwähnten drei Handlungsfelder für Denkmalzerstörung, so bilden der Internationale Gerichtshof und die Vereinten Nationen bzw. die UNESCO die Hauptadressaten. Die UNESCO hat am 17. Oktober 2003 eine Erklärung zur vorsätzlichen Zerstörung von Kulturerbe (Declaration concerning the Intentional Destruction of Cultural Heritage) abgegeben.10 Doch die Armenier besitzen bittere Erfahrungen mit der Indolenz der UNESCO: Zwischen 1997 und 2006 wurden insgesamt 28.000 Denkmäler (darunter 89 mittelalterliche Kirchen, 5840 Kreuzsteine und 22.000 alte Grabsteine) von der aserbaidschanischen Armee mit Bulldozern zerstört.11 Auf die gut dokumentierte Zerstörung Tausender armenischer Kreuzund Grabstelen auf dem historischen Friedhof der Stadt Dschura in Nachitschewan durch aserbaidschanisches Militär hat die UNESCO nicht reagiert. Armenier führen dies auf starken aserbaidschanischen Einfluss zurück. Nach dem aserbaidschanischen Angriff auf Arzach im Herbst 2020 empfing die Generaldirektorin der UNESCO, Audrey Azoulay, die UNESCO-Vertreter Armeniens und Aserbaidschans am 18. November 2020. Sie bekräftigte bei dieser Gelegenheit die universelle Dimension des kulturellen Erbes als Zeugnis der Geschichte und als untrennbar mit der Identität der Völker verbunden. Dieses Erbe habe die internationale Gemeinschaft über die aktuellen Konflikte hinaus für künftige Generationen zu schützen und zu bewahren. Ferner erinnerte sie an die Bestimmungen des Übereinkommens von 1954 zum Schutz von Kulturgütern bei bewaffneten Konflikten und seiner beiden Protokolle, denen sowohl Armenien als auch Aserbaidschan beigetreten sind und die auf der Überzeugung der Vertragsstaaten beruhen, dass »die Beschädigung von Kulturgütern, die irgendeinem Volk gehören, eine Beschädigung des kulturellen Erbes der gesamten Menschheit bedeutet«.12 Die Generaldirektorin schlug beiden Ländern vor, eine unabhängige Expertenkommission zu entsenden, die ein vorläufiges Verzeichnis der Kulturgüter in Arzach und seiner Umgebung erstellen solle. Während Armenien umgehend und wiederholt seine Bereitschaft zur uneingeschränkten Mitarbeit ausgedrückt hatte, »[…] schafft Aserbaidschan, das die Angelegenheit von Anfang an politisiert hat, derzeit immer neue Hindernisse für ein wirksames Engagement der UNESCO und versucht, Umfang und Zweck der vorgeschlagenen Mission zu verfälschen« . 13 8 Monument Watch (2022). 9 CBC TV Azerbaijan (2021). 10 UNESCO (2003). 11 Ministry of Foreign Affairs of the Republic of Armenia (2022), 4. 12 UNESCO (2020). 13 Ministry of Foreign Affairs of the Republic of Armenia (2022), 21.
414 | Das kulturelle Erbe von Arzach | Արցախի մշակութային ժառանգությունը Seit 1954 wurde außerdem eine Reihe internationaler Abkommen zum Schutz des Kulturerbes geschlossen: • Die Haager Konvention von 1954 soll Kulturgut bei bewaffneten Konflikten schützen. Armenien und Aserbaidschan sind Vertragspartner und haben auch das dazugehörige Protokoll unterzeichnet, soweit es für besetzte Gebiete gilt, sowie das Zweite Protokoll über den verstärkten Schutz von Kulturgut, wonach »jede Veränderung oder Änderung der Nutzung eines Kulturguts, die dazu dienen soll, kulturelle, historische oder wissenschaftliche Erkenntnisse zu verbergen oder zu zerstören«, verboten ist. • Das UNESCO-Übereinkommen vom 16. November 1972 schützt das Kulturund Naturerbe der Welt. Hinzu kommen eine Reihe ergänzender Empfehlungen der UNESCO, so die Empfehlung über internationale Grundsätze für archäologische Ausgrabungen (1956), die Empfehlung von 1968 über die Erhaltung von Kulturgütern, die durch öffentliche oder private Arbeiten gefährdet sind, und die Empfehlung von 1976 über die Sicherung und zeitgemäße Nutzung historischer Gebiete. Armenien und Aserbaidschan sind außerdem Vertragsparteien des Europäischen Kulturabkommens, des überarbeiteten Europäischen Übereinkommens zum Schutz archäologischen Erbes14 und des Rahmenübereinkommens zum Schutz nationaler Minderheiten (1994).15 Der Europarat hat am 21. Juni 2021 seine Schlussfolgerungen zum Schutz des Kulturerbes in Konflikten und Krisen bekannt gegeben. Es fehlt also nicht an internationalen Vertragswerken, Verlautbarungen und sogar Urteilen des Internationalen Gerichtshofs. Die armenische Plattform ›Monument Watch‹ fürchtet dennoch besonders um die großen und prominenten Sakralbauten im aserbaidschanisch kontrollierten Gebiet von Arzach, namentlich um folgende Bauten: Die Kathedrale des Hl. All-Erlösers (Ghasantschezoz) in der historischen Arzacher Hauptstadt Schuschi; am 8. Oktober 2020 wurde die Kathedrale von Aserbaidschan mit Raketen beschossen, wodurch die Kirchenkuppel und die Dächer der Querflügel beschädigt wurden. Die Gebetshalle der Kirche wurde vollständig mit Bauschutt gefüllt. Inzwischen wurde der Schutt beseitigt, aber der aktuelle Zustand der Kirche ist nach Angaben von ›Monument Watch‹ unbekannt. Die ebenfalls in Schuschi sowie im 19. Jh. errichtete Kirche Johannes des Täufers, auch ›grüne Kirche‹ (Kanatsch Zham) genannt, wurde gesprengt und dem Erdboden gleich gemacht: Mitte November 2020 kursierten in den sozialen Medien kurz nach der Besetzung von Schuschi durch Aserbaidschan Bilder und Videos, die zeigten, dass die Kirche des Hl. Johannes schwer beschädigt worden war; die Kuppel und der Glockenturm der Kirche waren fast vollständig zerstört. Später, im Februar 2021, bestätigten Satellitenbilder von Google Earth, dass 14 Council of Europe (1992). 15 Council of Europe (1994).
Hofmann: Der Schutz materieller armenischer Kulturgüter in Arzach | 415 die Kirche vollständig eingeebnet und der Glockenturm und die Kuppel entfernt worden waren. Am 17. Januar 2022 kursierte im Internet ein Video, das zeigte, dass Aserbaidschaner das Gemeindebüro der Kirche in ein Restaurant umgewandelt hatten.16 Wie kann ein effektiver Schutz christlich-armenischer Baudenkmäler in Arzach erreicht werden? Die Antwort hängt unmittelbar mit der Frage nach dem politischen bzw. staatspolitischen Status der Region zusammen. Bekanntlich geht die Auseinandersetzung um diesen Status bis in das frühe 20. Jahrhundert zurück. Die Pariser Friedenskonferenz gelangte 1919 zu keinem Ergebnis, erkannte aber auch nicht eine dauerhafte aserbaidschanische Oberherrschaft über Arzach an. Knapp zweieinhalb Jahre später schufen die Bolschewiki 1921 mit der Errichtung eines so genannten Autonomen Gebiets Berg-Karabach Fakten zugunsten der Sowjetrepublik Aserbaidschan. Dass diese Administrativeinteilung gegen den Willen der armenischen Mehrheit bzw. ohne Referendum zustande kam, ist heute weitgehend unbekannt bzw. wird ignoriert, wenn in der ausländischen Medienberichterstattung davon die Rede ist, dass Arzach angeblich völkerrechtlich zu Aserbaidschan gehört. Der völkerrechtswidrig von Aserbaidschan mit türkischer Unterstützung begonnene Sechswochenkrieg und der trilaterale Waffenschluss vom 9. November 2020 werfen unter anderem die Frage nach der Berechtigung des Regierungschefs der Republik Armenien auf, diesen Waffenschluss zu unterzeichnen – auch wenn dies nach Rücksprache und im Einverständnis mit dem Präsidenten der Republik Arzach geschah.17 Denn die Republik Armenien hat es seit ihrer Gründung nie gewagt, die selbsternannte Republik Arzach anzuerkennen, geschweige denn in ihr Staatsgebiet zu integrieren, wie es 1988 die karabacharmenische Bevölkerung gefordert hatte. Arzach/Karabach ist mithin kein zwischen den Republiken Armenien und Aserbaidschan umstrittenes Territorium, sondern ein zur faktischen Eigenstaatlichkeit verurteiltes Gebiet, das sich gleichwohl der aserbaidschanischen Fremdherrschaft fast dreißig Jahre erfolgreich entzog. In diesen knapp drei Jahrzehnten restaurierten und pflegten die Arzacher Armenier mit Unterstützung der armenischen Diaspora aufopfernd ihre zur Sowjetzeit vernachlässigten und im ersten Karabachkrieg teilweise zerstörten Kulturdenkmäler und errichteten neue Sakralbauten wie etwa die Himmelfahrts-Kirche im Bezirkszentrum Latschin/Berdsor, die nun in eine Moschee umgewandelt wird oder die erst 2017 geweihte Muttergottes-Kirche in Mechakawan (Dschabrail/Cəbrayıl), die von aserbaidschanischen Streitkräften kurz nach dem Krieg am 14. November 2020 entweiht und verwüstet wurde und von der sich im März 2021 keine Spur mehr fand. Der Internationale Gerichtshof (IGH) hat in seinem Urteil vom 7. Dezember 2021 verfügt, dass Aserbaidschan alle erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen hat, um Akte des Vandalismus und der Schändung zu verhindern und zu bestrafen, die sich gegen das armenische Kulturerbe richten, einschließlich, aber nicht beschränkt auf Kirchen und andere Gebetsstätten, Denkmäler, Wahrzeichen, Friedhöfe und Artefakte. Der IGH hat darüber hinaus 16 Ministry of Foreign Affairs of the Republic of Armenia (2022), 7. 17 The Armenian Weekly (2020).
416 | Das kulturelle Erbe von Arzach | Արցախի մշակութային ժառանգությունը Armenien und Aserbaidschan angewiesen, alle erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um die Aufstachelung zu und das Schüren von Rassenhass zu verhindern.18 Der von Präsident Alijew 2021 errichtete Trophäenpark in Baku schürt allerdings den Hass auf Armenier und das Misstrauen gegen sie, auch wenn inzwischen ein Teil der rassistischen Exponate entfernt wurde. Zur Strafverfolgung bedarf es der fortgesetzten wissenschaftlichen Dokumentation der Zerstörung und kulturellen Aneignung. Sie ist jedoch in Regionen besonders schwierig, die außerhalb der Kontrolle der Friedenstruppen Russlands liegen. Ungeklärt ist bisher auch die Frage, was nach Ablauf der Fünfjahres-Frist im Jahr 2025 geschieht? Gibt es eine Verlängerung des Mandats der Friedenstruppen Russlands? Wird dieses überhaupt noch willens und in der Lage sein, solche Truppen abzustellen? Wäre es möglich, auch internationale Friedenstruppen in der Region in Stellung zu bringen? Oder wird die Regierung der international bisher nicht anerkannten Kleinst-Republik Arzach genötigt sein, die Russische Föderation um Aufnahme in ihren Staatsbestand zu bitten, wie es Arajik Harutjunjan, der Präsident von Arzach, bereits in Aussicht gestellt hat? Angesichts der laufenden Kriegsereignisse in der Ukraine ergeben sich mehr Fragen als Antworten. Für die Armenier in Arzach und ihre Kultur ist die Zukunft leider ungewisser denn je. 18 International Court of Justice (2021). Literaturverzeichnis A damov, Konstantin, In Azerbaijan, it was decided to declare Armenian cross-sculptures of the 1719 centuries as Albanians, 24 November 2021, https://www.kadamov.com/2021/11/24/in-azerbaijan-it-was-decidedto-declare-armenian-cross-sculptures-of-the-17-19centuries-as-albanians/ (letzter Zugriff: 14.8.2022). Armenia Today, 8 February 2022, Monumentwatch.org: Armenian church in Artsakh’s Karintak village being vandalized by Azerbaijanis, https://armenia-today. com/40206-monumentwatch-org-armenian-churchin-artsakh-s-karintak-village-being-vandalized-byazerbaijanis.html (letzter Zugriff: 14.8.2022). CBC TV Azerbaijan, 16 March 2021, Президент Азербайджана и первая леди посетили освобожденные районы, https://www.youtube.com/watch?v=blqKn1QnMs (letzter Zugriff: 14.8.2022). Council of Europe, 16 Jan 1992, European Convention on the Protection of the Archaeological Heritage (Revised) (ETS No. 143), https://www.coe.int/en/web/conventions/-/council-of-europe-european-convention-onthe-protection-of-the-archaeological-heritage-revised-ets-no-143-translations (letzter Zugriff: 14.8.2022). Council of Europe, 10 November 1994, Convention for the Protection of National Minorities, https://www. coe.int/en/web/conventions/cets-number-/-abridged-title-known?module=treaty-detail&treatynum=157 (letzter Zugriff: 14.8.2022). Cricchio, Emilio Luciano, Azerbaijani forces violate line of contact and advance positions in Karabakh, in: »Civilnet«, 24 March 2022, https://www.civilnet.am/ en/news/654947/azerbaijani-forces-violate-line-ofcontact-and-advance-positions-in-karabakh/ (letzter Zugriff: 14.8.2022). Europäisches Parlament: Zerstörung von Kulturerbe in Bergkarabach; Entschließung des Europäischen Parlaments vom 10. März 2022 zur Zerstörung von Kulturerbe in Bergkarabach (2022/2582(RSP)), https://eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/TXT/ PDF/?uri=CELEX:52022IP0080 (letzter Zugriff: 14.8.2022). International Court of Justice, 7 December 2021, Application of the International Convention of the Elimination of all forms of Racial Discrimination, https://www. icj-cij.org/public/files/case-related/180/180-20211207ORD-01-00-EN.pdf (letzter Zugriff: 14.8.2022).
Hofmann: Der Schutz materieller armenischer Kulturgüter in Arzach | 417 Ministry of Foreign Affairs of the Republic of Armenia: Ad Hoc Report of the Armenian Commission to UNESCO OntheDestructionandActsofVandalismPerpetratedAgainst Armenian Cultural Property in 2020 – 2022 by Azerbaijan. Yerevan, March 7, 2022. Monument Watch, 5 February 2022, Azerbaijan intends to completely destroy the Armenian cultural heritage in the occupied territories, https:// monumentwatch.org/en/alerts/azerbaijan-intendsto-completely-destroy-the-armenian-cultural-heritage-in-the-occupied-territories/ (letzter Zugriff: 14.8.2022). The Armenian Weekly, 9 November 2020, Artsakh President Arayik Harutyunyan on Armenia’s Agreement with Azerbaijan, Russia, https://armenianweekly. com/2020/11/09/artsakh-president-arayik-harutyunyan-on-armenias-agreement-with-azerbaijan-russia/ (letzter Zugriff: 14.8.2022). UNESCO, 17. Oktober 2003, Declaration concerning the Intentional Destruction of Cultural Heritage, https:// en.unesco.org/about-us/legal-affairs/unesco-declaration-concerning-intentional-destruction-culturalheritage (letzter Zugriff: 14.8.2022). UNESCO, 20 Nov 2020, Nagorno-Karabakh: Reaffirming the obligation to protect cultural goods, UNESCO proposes sending a mission to the field to all parties [Presseerklärung], https://en.unesco.org/news/ nagorno-karabakh-reaffirming-obligation-protectcultural-goods-unesco-proposes-sending-mission (letzter Zugriff: 14.8.2022). Autorin Prof. h.c. Dr. phil. Tessa Hofmann Freiberufliche Autorin und Wissenschaftlerin (Armenistik, Armenologie, Genozidforschung), bis 2015 wissenschaftliche Mitarbeiterin des Osteuropa-Instituts der Freien Universität Berlin, Deutschland, [email protected]
424 | Das kulturelle Erbe von Arzach | Արցախի մշակութային ժառանգությունը թ. նոյեմբերի 18-ին, Արցախի վրա ադրբեջանական հարձակումից հետո, ՅՈՒՆԵՍԿՕի գլխավոր տնօրենուհի, Օդրի Ազուլեն իր մոտ ընդունեց ՅՈՒՆԵՍԿՕ-ի Հայաստանի և Ադրբեջանի ներկայացուցիչներին։ Այս առիթով նա վերահաստատեց մշակութային ժառանգության համաշխարհային հարթությունը՝ որպես պատմության վկայություն, որը ժողովուրդների ինքնությունից անբաժանելի է: Միջազգային հանրությունը պետք է պաշտպանի և պահպանի այս ժառանգությունը ապագա սերունդների համար՝ ներկա հակամարտություններից անդին: Նա նաև հիշեցրեց 1954 թ. «Զինված ընդհարման դեպքում մշակութային արժեքների պաշտպանության մասին» կոնվենցիայի և դրա երկու հավելյալ արձանագրությունների դրույթները, որոնք ընդունել են և՛ Հայաստանը, և՛ Ադրբեջանը, և որոնք հիմնված են ստորագրող պետությունների այն համոզմունքի վրա, որ «ցանկացած ժողովրդի պատկանող մշակութային կոթողների վնասումը նշանակում է ողջ մարդկության մշակութային ժառանգության վնասում»:12 Գլխավոր տնօրենուհին երկու երկրներին էլ առաջարկել է ուղարկել փորձագիտական անկախ հանձնաժողով՝ Արցախում և նրա շրջակայքում մշակութային արժեքների նախնական ցուցակը կազմելու համար։ Մինչ Հայաստանը օպերատիվ և բազմիցս արտահայտել է լիակատար համագործակցության իր պատրաստակամությունն այս հարցում, «[...] Ադրբեջանը, որն ի սկզբանե քաղաքականացրել է տվյալ խնդիրը, ներկայումս նոր խոչընդոտներ է ստեղծում ՅՈՒՆԵՍԿՕ-ի արդյունավետ ներգրավման համար և փորձում խեղաթյուրել առաջարկվող առաքելության շրջանակն ու նպատակը»։13 1954 թ.-ից իվեր կնքվել են նաև մշակութային ժառանգության պաշտպանության մի շարք միջազգային կոնվենցիաներ. • 1954 թ. Հաագայի կոնվենցիան նպատակ ունի պաշտպանել մշակութային արժեքները զինված հակամարտություններում: Հայաստանն ու Ադրբեջանը նույնպես պայմանավորվածության կողմերից են, որոնք ստորագրել են նաև հարակից արձանագրությունը, ինչը գործում է անգամ օկուպացված տարածքներում։ Նրանք երկուսն էլ ստորագրել են նաև մշակութային արժեքների ուժեղացված պաշտպանության մասին երկրորդ արձանագրությունը, ըստ որի՝ արգելվում է իրագործել «մշակութային արժեքների օգտագործման ցանկացած փոփոխում կամ փոփոխության կատարում, որը նպատակ ունի թաքցնել կամ վերացնել մշակութային, պատմական կամ գիտական տեղեկությունները»։ • ՅՈՒՆԵՍԿՕ-ի 1972 թ. նոյեմբերի 16-ի կոնվենցիան պաշտպանում է համաշխարհային մշակութային և բնական ժառանգությունը։ Գոյություն ունեն նաև ՅՈՒՆԵՍԿՕ-ի մի շարք լրացուցիչ առաջարկություններ, ինչպիսիք են օրինակ՝ 1956 թ. հնագիտական պեղումների միջազգային սկզբունքների վերաբերյալ, 1968 թ. հանրային կամ մասնավոր աշխատանքների 12 UNESCO (20 November 2020): 13 Ministry of Foreign Affairs of the Republic of Armenia (2022), 21:
Հոֆման, Հայկական նյութական մշակութային կոթողների պաշտպանությունն Արցախում | 425 պատճառով վտանգի տակ գտնվող մշակութային արժեքների պահպանման մասին և 1976 թ. պատմական վայրերի պահպանության ու նպատակային օգտագործման վերաբերյալ հանձնարարականները: Բացի այդ, Հայաստանն ու Ադրբեջանը պայմանագրային կողմեր են հանդիսանում Եվրոպական մշակութային կոնվենցիայի, Հնագիտական ժառանգության պաշտպանության վերանայված եվրոպական կոնվենցիայի14 և Ազգային փոքրամասնությունների պաշտպանության շրջանակային կոնվենցիայի (1994 թ.) դեպքում:15 2021 թ. հունիսի 21-ին Եվրախորհուրդը հայտարարեց հակամարտությունների և ճգնաժամերի ժամանակ մշակութային ժառանգության պաշտպանության վերաբերյալ իր եզրակացությունները։ Փաստորեն, միջազգային պայմանագրերի, հայտարարությունների և նույնիսկ Արդարադատության միջազգային դատարանի հնարավոր վճիռների պակաս չկա։ Monument Watch հայկական հարթակը, այնուամենայնիվ, խիստ մտահոգություն ունի ադրբեջանական կողմից Արցախի վերահսկվող տարածքում գտնվող մեծ ու նշանավոր շինությունների և, մասնավորապես, հետևյալ սրբավայրերի ճակատագրի վերաբերյալ. Սբ. Ամենափրկիչ (Ղազանչեցոց) տաճարը, արցախյան պատմական մայրաքաղաք Շուշիում, ադրբեջանական ուժերի կողմից հրթիռակոծվել է 2020 թ. հոկտեմբերի 8-ին, ինչի պատճառով վնասվել են եկեղեցու գմբեթն ու թևերի տանիքները։ Եկեղեցու աղոթասրահն ամբողջությամբ փլատակերով էր լցված։ Այս ընթացքում, չնայած որ փլատակերի հետքերը մաքրվել են, ըստ Monument Watch-ի, եկեղեցու ներկայիս վիճակը մնում է անհայտ: Նույնպես Շուշիում 19-րդ դ. կառուցված Սբ. Հովհաննես Մկրտիչ եկեղեցին, որը հայտնի է նաև «Կանաչ ժամ» անվանումով, պայթեցվել ու հողին է հավասարեցվել 2020 թ. պատերազմից անմիջապես հետո։ 2020 թ. նոյեմբերի կեսերին՝ Ադրբեջանի կողմից Շուշիի գրավումից կարճ ժամանակ անց, սոցցանցերում տարածվեցին պատկերներ և տեսանյութեր, որոնք ցույց էին տալիս Սբ. Հովհաննես եկեղեցու լրջորեն վնասված լինելը. եկեղեցու գմբեթն ու զանգակատունը գրեթե ամբողջությամբ ավերվել էին։ Ավելի ուշ՝ 2021 թ. փետրվարին, Google Earth-ի արբանյակային պատկերները հաստատեցին, որ այս եկեղեցին ամբողջությամբ գետնին է հարթեցվել, իսկ զանգակատունն ու գմբեթը հանվել են։ 2022 թ. հունվարի 17-ին համացանցում տեսանյութ տարածվեց, որտեղ երևում է, թե ինչպես են ադրբեջանցիները եկեղեցու հովվատունը վերածել ռեստորանի։16 Ինչպե՞ս կարելի է Արցախում իրականացնել քրիստոնեական-հայկական հուշարձանների արդյունավետ պաշտպանությունը։ Պատասխանն ուղղակիորեն կապված է տարածաշրջանի քաղաքական և համապատասխանաբար՝ պետական14 Council of Europe (16 January 1992): 15 Council of Europe (10 November 1994): 16 Ministry of Foreign Affairs of the Republic of Armenia (2022), 7։
426 | Das kulturelle Erbe von Arzach | Արցախի մշակութային ժառանգությունը քաղաքական կարգավիճակի հետ։ Ինչպես հայտնի է, այս կարգավիճակի մասին վիճաբանությունը գնում է 20-րդ դ. սկզբից իվեր։ 1919 թ. Փարիզի խաղաղության վեհաժողովը որևէ բավարար արդյունքի չհասավ, բայց նաև չճանաչեց Ադրբեջանի մշտական գերիշխանությունը Արցախի նկատմամբ: Գրեթե երկուսուկես տարի անց՝ 1921 թ. բոլշևիկները փաստեր ստեղծեցին հօգուտ Ադրբեջանի Խորհրդային Հանրապետության՝ հռչակելով այսպես կոչված Լեռնային Ղարաբաղի Ինքնավար Մարզը։ Այն փաստը, որ այս վարչական բաժանումը տեղի է ունեցել հայկական մեծամասնության կամքին հակառակ կամ ընդհանրապես առանց հանրաքվեի, այսօր մեծամասամբ անհայտ է կամ անտեսվում է, երբ արտասահմանյան լրատվամիջոցներում խոսվում է այն մասին, թե Արցախն իբր միջազգային իրավունքով պատկանում է Ադրբեջանին: Վեցշաբաթյա պատերազմը, որը Ադրբեջանը սկսել էր Թուրքիայի աջակցությամբ՝ խախտելով միջազգային իրավունքը, ինչպես նաև 2020 թ. նոյեմբերի 9-ի զինադադարը, ի թիվս այլոց, բարձրացնում են ՀՀ ղեկավարի լիազորության հարցն այս զինադադարի ստորագրման խնդրում, անգամ եթե դա տեղի է ունեցել Արցախի Հանրապետության նախագահի հետ խորհրդակցելով ու համաձայնեցնելով։17 ՀՀն, իր հիմնադրման օրից, երբեք չի համարձակվել ճանաչել ինքնահռչակ Արցախի Հանրապետությունը, էլ չասած՝ ինտեգրելու այն իր պետական տարածքին, ինչպես որ դա պահանջում էր ղարաբաղահայ բնակչությունը 1988 թ.։ Արցախը/Ղարաբաղը, հետևաբար, Հայաստանի և Ադրբեջանի հանրապետությունների միջև վիճելի տարածք չէ, այլ դե ֆակտո ինքնավար պետականության դատապարտված մի տարածք, որը, այնուամենայնիվ, գրեթե երեսուն տարի հաջողությամբ խուսափել է ադրբեջանական օտար լծից: Նշված, գրեթե երեք տասնամյակների ընթացքում Արցախի հայերը, հայկական սփյուռքի աջակցությամբ, անձնազոհաբար վերականգնեցին ու խնամեցին խորհրդային տարիներին անտեսված և ղարաբաղյան առաջին պատերազմում մասամբ ավերված մշակութային հուշարձանները։ Բացի այդ, նրանք կանգնեցրին նոր սրբավայրեր, ինչպիսիք են օր.՝ Բերձորի (Լաչին) շրջանային կենտրոնի Սբ. Համբարձման եկեղեցին, որն այժմ մզկիթի է վերածվում, կամ Մեխակավանի (Ջաբրայիլ) Սբ. Աստվածածին եկեղեցին, որն օծվել էր ընդամենը 2017 թ., իսկ պատերազմից քիչ անց, պղծվել ու ավերվել՝ ադրբեջանական զինված ուժերի կողմից 2020 թ. նոյեմբերի 14-ին, և որից ոչ մի հետք այլևս չի հայտնաբերվել 2021 թ. մարտին։ Ազգերի լիգայի արդարադատության միջազգային դատարանը (ԱՄԴ) 2021 թ. դեկտեմբերի 7-ի իր վճռով Ադրբեջանին պարտավորեցրել է ձեռնարկել բոլոր անհրաժեշտ միջոցները՝ կանխելու և պատժելու վանդալիզմի և պղծման արարքները` ուղղված հայկական մշակութային ժառանգության դեմ ներառյալ, բայց չսահմանափակվելով միայն եկեղեցիներով և այլ աղոթատեղիներով, արձաններով, ճարտարապետական հուշարձաններով, գերեզմաններով և հնություններով։ 17 The Armenian Weekly (9 November 2020)։
Հոֆման, Հայկական նյութական մշակութային կոթողների պաշտպանությունն Արցախում | 427 Բացի դրանից, ԱՄԴ-ը պատվիրել է նաև Հայաստանին և Ադրբեջանին ձեռնարկել բոլոր անհրաժեշտ միջոցները՝ ռասսայական ատելության հրահրումը կանխելու համար:18 Այդուամենայնիվ՝ նախագահ Ալիևի կողմից 2021 թ. Բաքվում կառուցված պատերազմական ավարի այգին շարունակում է բորբոքել հայերի նկատմամբ ատելությունն ու անվստահությունը՝ անգամ եթե ռասիստական ցուցանմուշների մի մասը ներկայումս հեռացված է: Քրեական հետապնդումը պահանջում է ոչնչացումն ու մշակութային յուրացումը հիմնավորող գիտական փաստագրություններ: Դժվար է սակայն նման բան իրականացնել այն տարածքներում, որոնք դուրս են ռուս խաղաղապահների վերահսկողությունից: Առայժմ հստակեցված չէ նաև այն հարցը, թե ի՞նչ է տեղի ունենալու 2025 թվականին՝ վերոնշյալ պայմանագրի հնգամյա ժամկետը լրանալուց հետո։ Կլինի՞ արդյոք ռուս խաղաղապահների մանդատի երկարացում։ Արդյո՞ք Ռուսաստանը դեռ պատրաստ կլինի ու կկարողանա՞ նման զորախումբ տեղակայել այնտեղ։ Արդյոք հնարավոր կլինի՞ նաև միջազգային խաղաղապահներ բերել այս տարածաշրջան։ Թե՞ միջազգայնորեն չճանաչված փոքր Արցախի Հանրապետության կառավարությանը կպարտադրվի դիմել Ռուսաստանին, նրա պետության կազմում ներառվելու համար, ինչպես որ արդեն իսկ իբրև հնարավոր հեռանկար նշել է Արցախի նախագահ Արայիկ Հարությունյանը։ Հաշվի առնելով Ուկրաինայում շարունակվող պատերազմական իրադարձությունները՝ ստացվում են էլ ավելի շատ հարցեր, քան պատասխաններ։ Ուստի, արցախահայության և նրա մշակույթի համար ապագան, ցավոք, ավելի անորոշ է, քան երբևէ։ Գրականություն 18 International Court of Justice (7 December 2021): Adamov, Konstantin, In Azerbaijan, it was decided to declare Armenian cross-sculptures of the 17-19 centuries as Albanians, 24 November 2021, տես՝ https://www.kadamov.com/2021/11/24/in-azerbaijan-it-was-decidedto-declare-armenian-cross-sculptures-of-the-17-19centuries-as-albanians/ (հարցվել է 14.8.2023)։ Armenia Today, 8 February 2022, Monumentwatch.org: Armenian church in Artsakh’s Karintak village being vandalized by Azerbaijanis, տես՝ https://armeniatoday.com/40206-monumentwatch-org-armenianchurch-in-artsakh-s-karintak-village-being-vandalized-by-azerbaijanis.html (հարցվել է 14.8.2022): CBC TV Azerbaijan, 16 March 2021, Президент Азербайджана и первая леди посетили освобожденные районы, տես՝ https://www.youtube.com/watch?v=blqKn1QnMs (հարցվել է 14.8.2023)։ Council of Europe, 16 January 1992, European Convention on the Protection of the Archaeological Heritage (Revised) (ETS No. 143), տես՝ https://www.coe.int/ en/web/conventions/-/council-of-europe-european-convention-on-the-protection-of-the-archaeological-heritage-revised-ets-no-143-translations (հարցվել է 14.8.2023)։ Council of Europe, 10 November 1994, Convention for the Protection of National Minorities, տես՝ https://www.coe.int/en/web/minorities/at-a-glance (հարցվել է 14.8.2023)։ Cricchio Emilio Luciano, Azerbaijani forces violate line of contact and advance positions in Karabakh, in: »Civilnet«, 24 March 2022, տես՝ https://www.civilnet. am/en/news/654947/azerbaijani-forces-violate-line-of-contact-and-advance-positions-in-karabakh/ (հարցվել է 14.8.2023)։
428 | Das kulturelle Erbe von Arzach | Արցախի մշակութային ժառանգությունը European Parliament resolution of 10 March 2022 on the destruction of cultural heritage in Nagorno-Karabakh (2022/2582(RSP)), տես՝ https://eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/TXT/PDF/?uri=CELEX:52022IP0080 (հարցվել է 14.8.2023)։ International Court of Justice, 7 December 2021, Application of the International Convention of the Elimination of all forms of Racial Discrimination, տես՝ https:// www.icj-cij.org/public/files/case-related/180/18020211207-ORD-01-00-EN.pdf (հարցվել է 14.8.2023)։ Ministry of Foreign Affairs of the Republic of Armenia: Ad Hoc Report of the Armenian Commission to UNESCO օn the Destruction and Acts of Vandalism Perpetrated Against Armenian Cultural Property in 2020 – 2022 by Azerbaijan, Yerevan, March 7, 2022։ Monument Watch, 5 February 2022, Azerbaijan intends to completely destroy the Armenian cultural heritage in the occupied territories, տես՝ https://monumentwatch.org/en/alerts/azerbaijan-intends-to-completely-destroy-the-armenian-cultural-heritage-in-theoccupied-territories/ (հարցվել է 14.8.2023)։ The Armenian Weekly, 9 November 2020, Artsakh President Arayik Harutyunyan on Armenia’s Agreement with Azerbaijan, Russia, տես՝ https://armenianweekly.com/2020/11/09/artsakh-president-arayik-harutyunyan-on-armenias-agreement-with-azerbaijanrussia/ (հարցվել է 14.8.2023)։ UNESCO, 17. Oktober 2003, Declaration concerning the Intentional Destruction of Cultural Heritage, տես՝ https://en.unesco.org/about-us/legal-affairs/unescodeclaration-concerning-intentional-destruction-cultural-heritage (հարցվել է 14.8.2023)։ UNESCO, 20 Nov 2020, Nagorno-Karabakh: Reaffirming the obligation to protect cultural goods, UNESCO proposes sending a mission to the field to all parties [Press Release], տես՝ https://en.unesco.org/news/ nagorno-karabakh-reaffirming-obligation-protectcultural-goods-unesco-proposes-sending-mission (հարցվել է 14.8.2023)։ Հեղինակ Տեսսա Հոֆման, փիլ. գիտ. դոկտ., պատվո պրոֆ. Գրող և անկախ գիտնական՝ հայագիտության և ցեղասպանության ոլորտներում, Բեռլինի ազատ համալսարանի Արևելյան Եվրոպայի ինստիտուտի գիտաշխատող մինչև 2015 թ., Գերմանիա, T[email protected] Թարգմանությունը՝ Հարություն Գ. Հարությունյանի Open Access This paper is published under the Creative Commons Attribution–ShareAlike 4.0 International license (CC BY-SA 4.0). Please note that individual, appropriately marked parts of the paper may be excluded from the license mentioned or may be subject to other copyright conditions. If such third party material is not under the Creative Commons license, any copying, editing or public reproduction is only permitted with the prior consent of the respective copyright owner or on the basis of relevant legal authorization regulations.