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Der 44-tägige Krieg um Karabach | Լեռնային Ղարաբաղի համար մղված 44-օրյա պատերազմը: Hintergründe, Abläufe, Perspektiven | նախապատմություններ, գործընթացներ, հեռանկարներ

Kantian, Raffi

Abstract

Der Beitrag konzentriert sich – nach einem kurzen historischen Abriss des Berg-Karabach-Konflikts – auf die militärisch-technische Analyse des…

Full text

| 269 Raffi Kantian Der 44-tägige Krieg um Karabach Hintergründe, Abläufe, Perspektiven Abstract The article focuses – after a brief historical outline of the Nagorno-Karabakh conflict – on the military-technical analysis of the 44-day Armenian-Azerbaijani war of autumn 2020, critically highlighting the weak points of the Armenian side in addition to the intensive Turkish-Azerbaijani cooperation, which can be aptly paraphrased as Turkey’s involvement in the war effort. The post-war period with its challenges is hinted at. 1. Einleitung Ein kurzer Rückblick: Nach dem Zusammenbruch des Zarenreiches im Ersten Weltkrieg war Nachitschewan in den Jahren 1918 bis 1920 zwischen Aserbaidschan und Armenien umkämpft. Der Territorialstreit wurde schließlich nach der Machtübernahme der Bolschewiki in beiden Ländern von Stalin als politisches Zugeständnis an Mustafa Kemal, dem späteren Atatürk, zugunsten Aserbaidschans entschieden. Mustafa Kemal hatte gegenüber Stalin den Wunsch geäußert, eine gemeinsame Grenze mit dem Turkstaat Aserbaidschan haben zu wollen. Die Bolschewiken, die den Befreiungskampf der Kräfte um Mustafa Kemal mit Geld und Waffen unterstützten und so hofften, ihre Revolution auch in die Türkei zu exportieren, willigten ein. Nach dem Sieg der nationalistischen Kräfte in der Türkei wurde die im September 1920 in Baku gegründete Türkische Kommunistische Partei – sie durfte für kurze Zeit ihre Aktivitäten im Lande entfalten – verboten, ihre Führungskader (Mustafa Suphi und seine Genossen) wurden ermordet. Die einst zahlreiche armenische Bevölkerung in Nachitschewan wanderte aufgrund anhaltender Repressionen allmählich fast vollständig aus. In den 1920er Jahren waren bis zu einem Drittel der Bewohner Armenier (andere Quellen sprechen von 50 %). 1989 betrug der Anteil der Armenier an der Bevölkerung noch 1%, heute 0%.1 1 Für eine ausführliche Darstellung des oben Gesagten s. Hovannisian (1996). Kiel-UP • https://doi.org/10.38072/978-3-928794-95-4/p13 270 | Das kulturelle Erbe von Arzach | Արցախի մշակութային ժառանգությունը Diese Entwicklung in Nachitschewan war der maßgebliche Grund für die in Berg-Karabach lebenden Armenier, von Baku loszukommen. Die 1988 im Zeichen der Perestrojka begonnenen Versuche der Armenier mündeten in den ersten Krieg um Berg-Karabach und endeten mit der Unterzeichnung des von Russland vermittelten Waffenstillstandsabkommens, das am 12. Mai 1994 in Kraft trat. Die armenischen Kräfte kontrollierten danach große Teile des von Berg-Karabach beanspruchten Gebiets. Außerdem besetzten sie den größten Teil von sieben aserbaidschanischen Bezirken außerhalb des früheren Autonomen Gebiets Berg-Karabach.2 Einen Versuch zur Lösung des Konfliktes unternahm der damalige armenische Präsident Levon Ter-Petrosyan mit seinem Grundsatzartikel Krieg oder Frieden? vom 1. November 1997.3 Der Plan sah vor, den Konflikt »etappenweise« zu lösen, und hatte die Frage des Status der Region, den Hauptkonfliktpunkt, verschoben. Außerdem sollten armenische Truppen von sieben aserbaidschanischen Bezirken abgezogen werden und die Blockade Armeniens durch die Türkei und Aserbaidschan aufgehoben werden. Der damaligen politischen Elite der Republik Armenien, unter anderem Ministerpräsident Robert Kotscharjan widerstrebte dieser Ansatz. Levon Ter-Petrosyan wurde Anfang 1998 zum Rücktritt gedrängt. In den folgenden Jahren versuchte die Minsk Gruppe der OSZE den Konflikt friedlich zu lösen (Madrider Prinzipien). Aserbaidschan nahm zwar an den Verhandlungen in diesem Format, aber auch an anderen unter russischer Leitung teil, war aber mit ihnen grundsätzlich nicht einverstanden. »Der Krieg ist noch nicht vorbei, lediglich seine erste Phase. Die territoriale Integrität Aserbaidschans muss wiederhergestellt werden.« Das sagte Präsident Ilham Aliyev im Juni 2011 nach dem Karabach-Gipfel im russischen Kasan.4 2. Der Weg zum Krieg Nach Meinung von Fachleuten bereitete Aserbaidschan sich mit Beginn der 2000er Jahre auf eine kriegerische Lösung des Karabach-Konflikts vor. Dank der gewaltigen Einnahmen vom Verkauf der Energieträger erwarb es modernste Waffen auf dem Weltmarkt, so zum Beispiel aus Israel, Russland und später der Türkei. Einige Bemerkungen zur türkisch-aserbaidschanischen Zusammenarbeit sind an dieser Stelle angebracht: Die militärische Zusammenarbeit zwischen Aserbaidschan und der Türkei wurde erstmals 1992 mit einem Abkommen zwischen den beiden Regierungen über die militärische Ausbildung aufgenommen. Seitdem arbeiten die aserbaidschanische und die türkische Regierung in Fragen der Verteidigung und Sicherheit eng zusammen. Laut dem 2 De Waal (2004); Libaridian (1988). 3 Տեր-Պետրոսյան (1997). 4 President of the Republic of Azerbaijan Ilham Aliyev (2011). Kantian: Der 44-tägige Krieg um Karabach | 271 damaligen türkischen Verteidigungsminister Vecdi Gönül hat die türkische Militärhilfe für Aserbaidschan im Jahr 2010 das Volumen von 200 Mio. USD überschritten. Ebenfalls im Jahr 2010 haben die beiden Länder eine Reihe von Verträgen unterzeichnet, so auch das Strategische Partnerschaftsabkommen zwischen Aserbaidschan und der Türkei. In 2017 kam das Abkommen über die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Rüstungsindustrie hinzu.5 Die größte militärische Auseinandersetzung seit den 1990er Jahren war der sogenannte ›4-Tage-Krieg‹ vom April 2016. Dabei wurde ein Gebiet von etwa 800 ha von Aserbaidschanern besetzt. Bereits damals setzte Aserbaidschan bewaffnete Drohnen ein. So starben insgesamt mehr als 100 Armenier, 22 davon durch eine aserbaidschanische Kamikaze-Drohne aus israelischer Produktion. Vier Jahre danach, im Juli 2020, kam es in der nordarmenischen Region Tavush zu einem heftigen Scharmützel, dessen Ausgang für Aserbaidschan nicht vorteilhaft war. Darauf führten die Türkei und Aserbaidschan Anfang August 2020 mehrtägige groß angelegte Militärmanöver sowohl in der Exklave Nachitschewan als auch im restlichen Aserbaidschan durch. Landund Luftstreitkräfte waren daran beteiligt. Bekannt ist, dass ein Teil der türkischen Soldaten und ihrer Ausrüstung in der Exklave, aber auch in Aserbaidschan verblieben ist, so auch die F-16-Kampfjets der türkischen Luftwaffe. Das Institute for the Study of Human Rights an der Columbia University6 nennt hochrangige türkischen Offiziere, die sich seither in Aserbaidschan aufgehalten haben: 1. Generalmajor Bahtiyar Ersay Ersay, dessen Titel offiziell ›Chef der Operationsdirektion der türkischen Landstreitkräfte‹ lautet, beaufsichtigte den aserbaidschanischen Generalstab in Berg-Karabach nach der Entlassung des früheren aserbaidschanischen Stabschefs Najmeddin Sadikov. Zuvor führte er die 2. Kommando-Brigade gegen die PKK, die notorisch grausam gegen kurdische Zivilisten und Soldaten vorging (und Mitglieder der ultranationalistischen Grauen Wölfe enthielt). 2. Generalleutnant Ş eref Öngay Öngay ist Kommandeur der in Ostanatolien stationierten 3. Armee der türkischen Landstreitkräfte. Die armenische Delegation bei der OSZE sagt, Öngay habe an der Planung und Durchführung von Operationen in Berg-Karabach teilgenommen. Er wurde auch am 4. September 2020 in Aserbaidschan gesichtet, wo er gemeinsame Operationen mit dem aserbaidschanischen Militär plante. 3. Generalmajor Göksel Kahya Kahya ist ein wichtiger türkischer Drohnenkommandeur, der das 1. Versorgungsund Wartungszentrum der türkischen Luftwaffe leitet. Vor dem Konflikt in Berg-Karabach setzte 5 Militärische Kooperation der Türkei mit Aserbaidschan, in: ADK 190, Jg. 2021/Heft 1, 24. Dazu s. a. die Bewertung des Sicherheitsexperten Dr. Can Kasapo ğ lu, Kasapo ğ lu (2017). 6 Institute for the Study of Human Rights (2023). 272 | Das kulturelle Erbe von Arzach | Արցախի մշակութային ժառանգությունը er türkische Bayraktar-TB2-Drohnen im libyschen Bürgerkrieg ein. Später wurde er nach Aserbaidschan versetzt, wo er sich seit Juli 2020 aufhielt und den gut dokumentierten Einsatz von TB2-Drohnen überwachte. Diese Drohnen waren maßgeblich für den aserbaidschanischen Sieg. 4. Adnan Tanrıverdi Tanrıverdi ist ein pensionierter türkischer General und der Gründer von SADAT Inc. International Defense Consultancy, einem privaten Verteidigungsunternehmen, das 2012 gegründet wurde. Er musste 1996 wegen islamistischer Zugehörigkeit aus dem Militär ausscheiden und hat SADAT mit anderen Hardliner-Islamisten besetzt. Berichten zufolge haben er und SADAT eine wichtige Rolle bei der Rekrutierung, Ausrüstung und dem Transport von etwa 3.000 syrischen Söldnern sowohl nach Libyen als auch nach BergKarabach gespielt. Wichtig ist, dass SADAT auch die Hauptorganisation ist, die diese von der Türkei unterstützten Söldner ausbildet. Die Arbeitsgruppe über den Einsatz von Söldnern der Vereinten Nationen (›The Working Group on the use of mercenaries‹) hat in ihrem Bericht vom 11. November 2020 die Faktizität der syrischen Söldner bestätigt und ihre unmittelbare Rückführung verlangt.7 Des Weiteren wurden 1.200 Soldaten einer Kommandoeinheit der türkischen Armee, die im Südosten der Türkei bei Kämpfen gegen die PKK sich profiliert hatten, nach Aserbaidschan verlegt; sie nahmen an den Kämpfen gegen die Armenier teil. Ergänzend dazu schreibt Taras Kuzio, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Henry Jackson Society, eines Thinktanks in London, und Professor für Politikwissenschaft an der Kiewer Mohyla-Akademie in der Ukraine, u.a.: »Aserbaidschanische Offiziere wurden mindestens ein Jahrzehnt lang in türkischen Militärakademien sowie in den USA und anderen Nato-Ländern nach Nato-Standards ausgebildet. Die Türkei und die Ukraine bildeten aserbaidschanische Luftwaffenpiloten und Drohnenführer aus.« 8 Ebenfalls ergänzend sei angemerkt, dass unmittelbar vor dem bzw. während des 44-tägigen Krieges hochrangige, in Moskau ausgebildete aserbaidschanische Offiziere wie der aserbaidschanische Stabschefs Najmeddin Sadikov durch in der Türkei ausgebildete Offiziere bzw. durch türkische Offiziere ersetzt wurden. 7 OHCR (2020). 8 Kuzio (2022). Kantian: Der 44-tägige Krieg um Karabach | 273 3. Gründe für die Niederlage der Armenier Eine Bemerkung vorweg: Der 44-tägige Krieg ist vielfach als der erste Drohnenkrieg des 21. Jahrhunderts bezeichnet worden. Die folgenden Feststellungen bzw. Anmerkungen stammen im Wesentlichen aus Military lessons from Nagorno-Karabakh: Reason for Europe to worry9 von Gustav Gressel, Senior Policy Fellow des ›Wider Europe Programme‹ im Berliner Büro des Europäischen Rates für Außenbeziehungen, Wie Russland im zweiten Karabachkrieg verlor10 von Konstantin Makienko, stellvertretender Direktor des ›Zentrums für die Analyse von Strategien und Technologien‹ in Moskau, und aus dem von Ruslan Pukhov, Direktor desselben Zentrums für die Analyse von Strategien und Technologien, herausgegebenen Sammelband Sturm im Kaukasus.11 1. Sowohl für Gressel als auch für Makienko steht fest, dass nicht die Aserbaidschaner diesen Krieg geplant haben. Gressel vermutet, dass der Plan von den Türken stammt, Makienko ist hingegen der Ansicht, dass die Israelis ihn veranlasst haben. 2. Armeniens Luftverteidigungssysteme, die Serien S-300PT und PS sowie der 9K37M BukM1 seien darauf ausgelegt, schnell fliegende Kampfflugzeuge zu erkennen, kleine, langsame Drohnen würden außer Acht gelassen. Außerdem seien diese Systeme unfähig, die Radarechos von verschiedenen Radaren zu einem Lagebericht zusammenzufassen. 3. Die aserbaidschanischen Drohnen bewegten sich frei, weil Armenien keinen Störsender hatte, der die Signale, die die Drohnen mit ihren Führungsstationen verbanden, unterbrechen konnte. 4. Mit den Drohnen erkundeten die Aserbaidschaner zunächst die armenischen Stellungen und dann die Platzierung von Reserven. Die armenischen Stellungen konnten dann ausgiebig mit konventioneller Artillerie beschossen werden, wodurch ihre Verteidigung geschwächt wurde. Drohnen lenkten dann den Angriff auf die armenischen Reserven und brachten Artillerie, Mehrfachraketen mit Streumunition, ihre eigenen Raketen oder israelische LORA-Raketen zur Zerstörung von Brücken oder Straßen, die die Reserven mit der Front verbinden, zum Einsatz. Sobald die armenische Seite nicht mehr in der Lage war, Reserven in die Schlacht zu schicken, konnte die aserbaidschanische Armee in beliebiger Zahl vorrücken, um die isolierten armenischen Stellungen zu überwältigen. Diese Prozedur wiederholte sich Tag für Tag, wobei jeden Tag eine armenische Stellung vernichtet und die Artillerie in der Nacht neu versorgt wurde. 9 Gressel (2020). 10 Макиенко (2020). 11 Die wesentlichen Aussagen daraus haben wir in ADK 193, Jg. 2021 / Heft 4, 8-10, publiziert. 274 | Das kulturelle Erbe von Arzach | Արցախի մշակութային ժառանգությունը 5. Die Aserbaidschaner waren nicht nur auf die durch Drohnen ermittelten Informationen angewiesen, über 30 Angehörige der armenischen Armee haben sensible Daten zum Teil gegen geringes Entgelt an sie ausgehändigt. Das berichteten armenische Medien im Februar und März 2022. Warum der Nationale Sicherheitsdienst Armeniens erst so spät dieser Menschen habhaft werden konnte, ist eine mehr als berechtigte Frage. 6. Die meisten Waffen, einschließlich der Luftabwehrsysteme, befanden sich an ihren ständigen Aufstellungsorten und wurden durch den Erstschlag zerstört. 7. Unter den Bedingungen der völligen Überlegenheit Aserbaidschans in der Luft war es sehr schwierig, große Einheiten nach Berg-Karabach zu bringen. Solche Versuche wurden in der ersten Phase des Krieges unternommen und endeten mit schweren Verlusten bei Luftangriffen auf die Kolonnen. 8. Aus dem oben Gesagten kann man folgern, dass Armenien auf diesen Krieg offenbar nicht bzw. nicht hinreichend vorbereitet war. Ebenso kann man folgern, dass Armenien nur unzureichend über die Planung und die Möglichkeiten Aserbaidschans informiert war. Anders kann man die Äußerung des damaligen Verteidigungsministers David Tonoyan, ein neuer Krieg würde neue Landgewinne für Armenien bedeuten, nicht interpretieren. 9. Es gibt eine Vielzahl von ungeklärten Fragen. Warum hat Armenien keine Kampfdrohnen gekauft? Warum wurden die vier modernen Kampfjets SU30-SM nicht eingesetzt? Was ist mit den ballistischen Raketen Iskander geschehen? Zu all diesen Themen gibt es allerlei Gerüchte bzw. Behauptungen. Ob die geplante Untersuchungskommission der Armenischen Nationalversammlung je Antworten auf diese und die vielen anderen Fragen finden bzw. geben wird, darf bezweifelt werden. Eine in diesem Kontext oft gestellte Frage ist diejenige nach der Rolle Russlands. Russland stellte rasch klar, dass es einen türkischen Angriff auf die Republik Armenien nicht tolerieren würde, andererseits gab Russland zu verstehen, dass es Armenien in diesem Krieg nicht helfen würde. Die Kämpfe fänden auf dem Territorium Aserbaidschans statt, Armenien selbst werde nicht angegriffen. Davon ausgehend vermutet Gustav Gressel: »Russland sah in dem militärischen Druck Aserbaidschans auch ein Mittel zur Schwächung des armenischen Premierministers Nikol Paschinjan, der 2018 an der Spitze der Revolution stand, die das alte Regime ablöste. Ein aserbaidschanisches Vorgehen würde Armenien außerdem wahrscheinlich dazu bringen, zuvor ausgehandelte ›Friedenspläne‹ zu akzeptieren, die Moskaus geopolitische Position stärken würden. Diese ungünstige politische Situation führte unmittelbar zu militärischen Nachteilen auf dem Schlachtfeld für die Armenier. Im Wissen um die stillschweigende Zustimmung Moskaus zu einer militärischen Intervention stationierte die Türkei im Oktober 2020 mehrere F-16-Kampfflugzeuge zur allgemeinen Abschreckung in Aserbaidschan. Diese wurden später eingesetzt, um den Himmel von allen armenischen Bodenangriffsflugzeugen zu säubern, die versuchten, in den Kampf einzugreifen.« Kantian: Der 44-tägige Krieg um Karabach | 275 4. Perspektiven Die russische Tolerierung der türkischen Kriegsbeteiligung – das Wort ›Unterstützung‹ beschreibt die Rolle der Türkei unzureichend – führte zur totalen Niederlage Armeniens. Die von Nikol Paschinjan, Ilham Aliyev und Vladimir Putin unterzeichnete trilaterale Erklärung vom 10. November 202012 beschreibt das sehr anschaulich. Alle sieben Regionen Aserbaidschans, bis dato unter armenischer Kontrolle, wurden »befreit«. Mehr noch: Die Republik Berg-Karabach musste auf einen Drittel ihres Territoriums verzichten. Zwar konnte Russland seine Rolle im Südkaukasus durch die Stationierung von knapp 2.000 russischen Soldaten einer Friedenstruppe deutlich ausbauen, musste jedoch im Gegenzug wohl oder übel akzeptieren, dass die Türkei ein Mitspracherecht im Südkaukasus bekam. Bestimmte Aspekte der Nachkriegsordnung sind zwar in der trilateralen Erklärung skizziert, aber es gibt eine Reihe von Problemen, die bis heute nicht gelöst sind: Da wären zum einen die Grenzen der Nachbarstaaten Armenien und Aserbaidschan. Hier müsste eine Demarkation und Grenzziehung stattfinden, was bis heute nicht passiert ist. Die Besetzung armenischen Territoriums seit Mai 2021 begründete Aserbaidschan stets so: Diese seien genuin aserbaidschanische Territorien, von Besetzung könne keine Rede sein. Wann und nach welchen Grundsätzen die Demarkation und Grenzziehung stattfinden wird, ist unklar. In der trilateralen Erklärung heißt es: »Die Republik Armenien gewährleistet die Sicherheit der Verkehrsverbindungen zwischen den westlichen Regionen der Republik Aserbaidschan und der Autonomen Republik Nachitschewan, um den ungehinderten Verkehr von Personen, Fahrzeugen und Gütern in beiden Richtungen zu ermöglichen. Der Grenzschutzdienst des russischen Föderalen Sicherheitsdienstes ist für die Überwachung der Verkehrsverbindungen zuständig.« Dieser soll durch die südarmenische Provinz Syunik erfolgen. Aserbaidschan spricht stets von einem ›Korridor‹, den es ohne jedwede armenische Kontrolle benutzen möchte. Armenien ist damit nicht einverstanden, denn es handelt sich hier um souveränes armenisches Territorium. Die endgültige Regelung dieses Problems steht noch aus. Ein besonders großes Problem ist das Schicksal der Menschen, die in Berg-Karabach leben. Aserbaidschan würde dieses Restgebiet sofort unter seine Kontrolle bringen. Was mit dem Menschen dann geschehen würde, wäre ungewiss. Während des 44-tägigen Krieges wollte Aliyev sie »wie Hunde verjagen«. Der einzige Garant ihrer Sicherheit sind gegenwärtig die russischen Friedenstruppen. Wenn nicht Aserbaidschan alleine, wer wird über sie bestimmen? Eventuell Armenien und Aserbaidschan unter russischer Vermittlung? Ist die Minsk Gruppe wieder zum Leben zu erwecken? Und was kann die Europäische Union, die sich in letzter 12 Bundeszentrale für politische Bildung (2020). 276 | Das kulturelle Erbe von Arzach | Արցախի մշակութային ժառանգությունը Zeit auffällig für dieses Problem zu interessieren scheint, diesbezüglich überhaupt leisten? Viele Fragen, auf die es zurzeit keine Antworten gibt. Literaturverzeichnis Bundeszentrale für politische Bildung, Dokumentation: Waffenstillstandsvereinbarung zwischen Aserbaidschan und Armenien vom 10. November 2020, 2020, unter: https://www.bpb.de/themen/europa/ russland-analysen/nr-394/322104/dokumentationwaffenstillstandsvereinbarung-zwischen-aserbaidschan-und-armenien-vom-10-november-2020/ (letzter Zugriff: 19.9.2023). Kasap oğ lu, Can, Türkiye-Az erbaycan: Savu nma i ş birli ğ inden askeri ittifaka, 2017, unter: https://www. aa.com.tr/tr/analiz-haber/turkiye-azerbaycan-savunma-is-birliginden-askeri-ittifaka/952323 (letzter Zugriff: 9.8.2023). De Waal, Thomas, Black Garden. Armenia and Azerbaijan through Peace and War, New York University Press 2004. Gressel, Gustav, Military lessons from Nagorno-Karabakh: Reason for Europe to worry, 2020, unter: https://ecfr.eu/article/military-lessons-from-nagorno-karabakh-reason-for-europe-to-worry/ (letzter Zugriff: 19.9.2023). Hovannisian, Richard G., The Republic of Armenia, Volume IV. Between Crescent and Sickle: Partition and Sovietization, University of California Press 1996. 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Առաջին համաշխարհային պատերազմում ցարական կայսրության փլուզումից հետո Նախիջևանը կռվի ոսկոր էր դարձել Ադրբեջանի և Հայաստանի միջև 1918-1920 թթ.։ Այն բանից հետո, երբ բոլշևիկներն երկու երկրներում էլ իշխանությունը ստանձնեցին, տարածքային վեճը վերջնականապես որոշվեց Ստալինի կողմից՝ որպես քաղաքական զիջում Մուստաֆա Քեմալին, հետագայում՝ Աթաթուրքին՝ հօգուտ Ադրբեջանի։ Մուստաֆա Քեմալը Ստալինին ասել էր, որ ցանկանում է ընդհանուր սահման ունենալ Ադրբեջանի թուրքական պետության հետ։ Բոլշևիկները, որոնք փողով ու զենքով աջակցում էին Մուստաֆա Քեմալի շուրջ ուժերի ազատագրական պայքարին և այդպիսով հույս ունեին իրենց հեղափոխությունը արտահանել Թուրքիա, համաձայնեցին։ Թուրքիայում ազգայնական ուժերի հաղթանակից հետո 1920 թ. սեպտեմբերին Բաքվում հիմնադրված Թուրքիայի կոմունիստական կուսակցությունը, որին կարճ ժամանակով թույլատրվել էր զարգացնել իր գործունեությունը երկրում, արգելվեց, իսկ նրա առաջատար կադրերը (Մուստաֆա Սուփհին և նրա ընկերները) սպանվեցին։ Նախիջևանի երբեմնի մեծաքանակ հայ բնակչությունն աստիճանաբար, գրեթե ամբողջությամբ, գաղթեց շարունակվող բռնաճնշումների պատճառով: 1920-ականներին բնակիչների մինչև մեկ երրորդը հայեր էին (այլ աղբյուրները խոսում են 50%-ի մասին)։ 1989 թ. հայերի համամասնությունը բնակչության մեջ կազմում էր 1%, այսօր այն 0% է։1 Նախիջևանյան այս զարգացումը հիմնական պատճառն էր Լեռնային Ղարաբաղում ապրող հայերի Բաքվից անջատվելու համար։ 1988 թ. պերեստրոյկայի նշանով սկսված հայերի փորձերը գագաթնակետին հասան Լեռնային Ղարաբաղի շուրջ առաջին պատերազմով և ավարտվեցին 1994 թ. մայիսի 12-ին Ռուսաստանի միջնորդությամբ ուժի մեջ մտած զինադադարի 1 Այս մասին մանրամասն տե՛ս Hovannisian(1996)։ 284 | Das kulturelle Erbe von Arzach | Արցախի մշակութային ժառանգությունը Դրանցից մեկն է օրինակ՝ հարևան երկրներ Հայաստանի և Ադրբեջանի սահմանների հարցը։ Այստեղ պետք է կատարվեր սահմանազատում և սահմանագծում, ինչը տեղի չի ունեցել մինչ օրս։ Ադրբեջանը 2021 թ. մայիսից ի վեր հայկական տարածքի գրավումը մշտապես պատճառաբանել է հետևյալ կերպ, որ դրանք իսկական ադրբեջանական տարածքներ են, ուստի օկուպացիայի մասին խոսք լինել չի կարող։ Անհասկանալի է, թե երբ և ինչ սկզբունքներով է տեղի ունենալու սահմանազատումը և սահմանագծումը։ Եռակողմ հայտարարության մեջ ասված է. «Հայաստանի Հանրապետությունը ապահովում է Ադրբեջանի Հանրապետության արևմտյան շրջանների և Նախիջևանի Ինքնավար Հանրապետության միջև տրանսպորտային կապերի անվտանգությունը՝ թույլ տալու մարդկանց, տրանսպորտային միջոցների և ապրանքների անխափան տեղաշարժը երկու ուղղություններով։ ՌԴ Անվտանգության դաշնային ծառայության սահմանապահ ծառայությունը պատասխանատու է երթևեկության կապերի մոնիտորինգի համար»։ Այն պետք է որ Հայաստանի հարավային մարզ՝ Սյունիքով իրականացվեր։ Ադրբեջանը, սակայն, անընդհատ խոսում է մի «միջանցքի» մասին, որը ցանկանում է օգտագործել առանց հայկական վերահսկողության։ Հայաստանը համաձայն չէ սրա հետ, քանի որ դա ինքնիշխան հայկական տարածքին է վերաբերում։ Այս խնդրի վերջնական կարգավորումը դեռ առկախ է։ Հատկապես մեծ խնդիր է Լեռնային Ղարաբաղում ապրող մարդկանց ճակատագիրը։ Ադրբեջանն անմիջապես կցանկանար ստանձնել այս տարածքի մնացորդը։ Ինչ կպատահեր այդ ժամանակ տեղի ժողովրդին, անորոշ է մնում: 44օրյա պատերազմի ժամանակ Ալիևը ցանկանում էր նրանց «շների պես քշել»։ Նրանց անվտանգության միակ երաշխավորը ներկայումս ռուսական խաղաղապահ ուժերն են։ Եթե ոչ Ադրբեջանն առանձին, ապա ո՞վ է կառավարելու նրանց։ Հնարավո՞ր է արդյոք Հայաստանն ու Ադրբեջանը՝ Ռուսաստանի միջնորդությամբ: Կարո՞ղ է արդյոք Մինսկի խումբը կյանքի կոչվել։ Եվ ի՞նչ կարող է այս ուղղությամբ անել Եվրամիությունը, որը վերջին ժամանակներում, թվում է, թե ակնհայտորեն հետաքրքրված է այս խնդրով։ Շատ հարցեր, որոնց պատասխանները ներկայումս չկան։ Քանդյան , Լեռնային Ղարաբաղի համար մղված 44-օրյա պատերազմը | 285 Գրականություն Bundeszentrale für politische Bildung, Dokumentation: Waffenstillstandsvereinbarung zwischen Aserbaidschan und Armenien vom 10. November 2020, 2020, տես`https://www.bpb.de/themen/europa/russland-analysen/nr-394/322104/dokumentation-waffenstillstandsvereinbarung-zwischen-aserbaidschanund-armenien-vom-10-november-2020/ (հարցվել է 19.9.2023)։ Kasapoğlu, Can, Türkiye-Azerbaycan: Savunma iş birliğind en askeri ittifaka, 2017, տես` https://www.aa.com.tr/tr/ analiz-haber/turkiye-azerbaycan-savunma-is-birliginden-askeri-ittifaka/952323 (հարցվել է 9.8.2023)։ De Waal, Thomas, Black Garden. Armenia and Azerbaijan through Peace and War, New York University Press 2004։ Gressel, Gustav, Military lessons from Nagorno-Karabakh: Reason for Europe to worry, 2020, տես` https://ecfr.eu/ article/military-lessons-from-nagorno-karabakh-reason-for-europe-to-worry/ (հարցվել է 19.9.2023)։ Hovannisian, Richard G., The Republic of Armenia, Volume IV. 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Րաֆֆի Քանդյան Հայ-Գերմանական Ընկերակցութեան նախագահ, ADK (Հայ-գերմանական նամակագրություն) եռամսյա հանդեսի պատասխանատու խմբագիր, Հաննովեր, Գերմանիա, r[email protected] Open Access This paper is published under the Creative Commons Attribution–ShareAlike 4.0 International license (CC BY-SA 4.0). Please note that individual, appropriately marked parts of the paper may be excluded from the license mentioned or may be subject to other copyright conditions. If such third party material is not under the Creative Commons license, any copying, editing or public reproduction is only permitted with the prior consent of the respective copyright owner or on the basis of relevant legal authorization regulations.