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Das nicht-materielle Kulturerbe von Arzach | Արցախի ոչ նյութական մշակութային ժառանգության կորուստներն ու պահպանման հիմնախնդիրները: Verluste und Perspektiven der Aufbewahrung

Hovhannisyan, Lernik,Sargsyan, Armen

Abstract

Wird das immaterielle und spirituelle Kulturerbe nicht geschützt, kann dies mit Sicherheit zur Entstehung und ungehinderten Verbreitung kultureller…

Full text

| 101 Lernik Hovhannisyan, Armen Sargsyan Das nicht-materielle Kulturerbe von Arzach: Verluste und Perspektiven der Aufbewahrung Abstract Failure to protect non-material and spiritual cultural heritage can certainly lead to the emergence and unrestricted spread of cultural intolerance between nations. Therefore, intangible cultural heritage plays an important role for people or for mutual understanding between ethnic groups, in their exchange of ideas, rapprochement between cultures and their necessary mutual influence. For example, in the Artsakh region, several ancient tools for carpet making have been found, made from the bones of animals from the 1st-2nd millennium BC. Many researchers in the field of carpet weaving have also expressed the opinion that the Armenian term ›Karpet‹ appears in the Armenian translation of the Bible as early as the 5th century. We find the same word in the 7th century by the local historian Movses Kaghankatvatsi, as well as by the 13th century Armenian chronicler, Kirakos Gandzaketsi. There are also many references to it in oral folk traditions and fairy tales. Since the Middle Ages, carpet weaving in Artsakh and Utik has entered a completely new phase, characterized both by the quality of its execution and the variety and perfection of ornaments. However, both this and other crafts and folk traditions are now in great danger. Due to the great loss of land as well as forced migration of numerous war refugees, the inhabitants of Artsakh can now neither experience their intangible culture as before nor pass it on to the younger generations. Therefore, this paper identifies both the problem areas and their practical solutions to ensure the preservation of the intangible cultural heritage and the continuous application of their ethnic values for the coming generations. 1. Einleitung Infolge des von Aserbaidschan am 27. September 2020 entfesselten Krieges und der dreiseitigen Erklärung über den Waffenstillstand vom 9. November kamen 10 staatliche Museen, die dem Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Sport der Republik Arzach unterstanden sowie 2 nichtstaatliche Museen unter die Kontrolle Aserbaidschans, in denen insgesamt 20885 Exponate von nationaler Bedeutung aufbewahrt wurden. Das Gebäude des historischen und archäologischen Staatsreservat-Museums ›Tigranakert‹ kam ebenfalls unter Kiel-UP • https://doi.org/10.38072/978-3-928794-95-4/p5 102 | Das kulturelle Erbe von Arzach | Արցախի մշակութային ժառանգությունը die Kontrolle Aserbaidschans. Die gesamte Sammlung dieses Museums – 300 Exponate – wurde vollständig nach Armenien evakuiert. Von den 5797 Exponaten des ›Geologischen Museums von Kashatagh‹ wurde der Hauptfonds von 2500 Exponaten evakuiert, 3297 weitere Exponate blieben leider außerhalb unserer Kontrolle. Aus dem ›Privatmuseum für die Teppiche in Sсhusсhi‹ wurden lediglich 160 Exponate evakuiert, 700 Exponate gerieten dagegen unter aserbaidschanische Kontrolle. Außerdem gerieten 124 öffentliche sowie Schulbibliotheken mit einer Sammlung von über 617.000 Büchern und die Bibliothek des in der Stadt Schuschi tätigen Wissenschaftszentrums ›Katschar‹ mit einer Sammlung von 30.000 Büchern ebenfalls außerhalb armenischer Kontrolle. Aufgrund des letzten Krieges, blieben auch mehrere Werke berühmter Künstler aus Arzach zusammen mit den verschiedenen Kunstzentren in den abgetretenen Siedlungen. Darunter waren beispielsweise 10 Skulpturen und 60 Gemälde von Arnold Meliksetyan (Dorf Togh in der Region Hadrut), mehr als 100 Gemälde von Artsvik Lalayan sowie mehr als 1000 von ihren grafischen Arbeiten (Dorf Mets Tagher in der Region Hadrut), 180 Gemälde und 20 Holzarbeiten von Samvel Tavadyan, 15 Gemälde von Artak Poghosyan, 100 Gemälde von Davit Avagimyan und 50 Gemälde von Artashes Nazaryan (Stadt Schuschi). Auch 30 Werke des Malers Zhaklin Sargsyan und 16 Skulpturen des Bildhauers Sargis Baghdasaryan, die vorübergehend im Staatlichen Museum der Künste in Schuschi ausgestellt waren, gerieten außerhalb armenischer Kontrolle. Im Zusammenhang mit der Verletzung und Zerstörung der Kulturgüter in den von Gegnern übernommenen Gebieten appellierte die Republik Arzach an verschiedene internationale Organisationen, die sich mit dem Schutz kultureller Denkmäler befassen, darunter beispielsweise auch das ›Russische Komitee des Internationalen Rates der Museen‹.1 Allerdings gibt es bisher diesbezüglich keine Antwort. 2. Das nicht-materielle Kulturerbe Das nicht-materielle Kulturerbe sind vor allem Bräuche, Traditionen, Rituale, Ideen und Ausdrucksformen, Kenntnisse und Fähigkeiten sowie die damit verbundenen Werkzeuge, Gegenstände, Schöpfungen und Räume, die von der Öffentlichkeit, Gruppen und in einigen Fällen von Einzelpersonen als materialisierte Träger des immateriellen Kulturerbes bzw. als Teil ihres Kulturerbes anerkannt werden. Am 20. März 2006 ratifizierte die Republik Armenien die Konvention der UNESCO zum Schutz des nicht-materiellen Kulturerbes2 und verpflichtete sich dadurch zur allgemeinen Erhaltung der Kulturschätze gemäß den internationalen Richtlinien. Am 26. Oktober 2011 1 International Council of Museum (n.d.). 2 UNESCO (2003). Hovhannisyan, Sargsyan: Das nicht-materielle Kulturerbe von Arzach | 103 wurde zudem das ähnliche Gesetz über den Schutz des immateriellen Kulturerbes in der Republik Berg-Karabach verabschiedet. Anschließend wurden im Jahr 2013 die Kriterien für die Erstellung der Liste der immateriellen Kulturgüter in der Republik Berg-Karabach mit entsprechenden Rechtsakten anerkannt. Diese Liste umfasste u.a. auch den Dialekt von Arzach, insbesondere den Hadrut-Dialekt, Teppichweberei, Schmiedekunst, von denen zwei der bekannten Zentren die Stadt Schuschi und das Dorf Mets Tagher waren. Je nach Stadium des bewaffneten Konflikts kann das immaterielle Erbe unterschiedliche Schäden erleiden. Kriegshandlungen können generell eine transformierende Wirkung auf eine Gesellschaft haben, indem sie ihre kulturellen Aktivitäten stoppen, sowie die kulturellen Grundlagen ihrer Existenz (bei Vertretern einer bestimmten Gruppe, Gemeinschaft oder Nation) zerstören. Die erzwungene Evakuierung von Gemeinschaften und die aufgedrängte Entfernung von ihren identitätsbildenden Elementen und Objekten kann dazu führen, dass die gesellschaftliche Erinnerung an die Vergangenheit verdunkelt bzw. vergessen wird.3 Wenn Gemeinschaften aufhören, ihr nicht-materielles Kulturerbe zu pflegen, oder wenn die Volksgruppen als Ganzes verschwinden, dann ist dieses Erbe dem Untergang anheim gegeben. Die deutsche Anthropologin Birgit Bräuchler behauptet deshalb zu Recht, dass materielle Schäden in Kriegen in den meisten Fällen offensichtlich und sichtbar sind, während immaterielle Schäden Gefahr laufen, unterzugehen und dementsprechend nicht eingeschätzt werden zu können.4 In diesem Sinne ist der Verlust größer und viel persönlicher, weil dabei auch die Gefahr besteht, dass es keine Möglichkeit der Kontinuität an anderem Ort gibt. Dies würde nicht eintreten, wenn die Gesellschaft ihre normalen Lebensaktivitäten fortsetzen könnte. Daher können wir auch nicht mehr sicher sein, dass das gleiche Kulturwissen, was ein Bewohner von Arzach früher aufgrund des direkten Kontakts mit seinem Erbe erhalten konnte, nun nach dem Krieg und an einem anderen Ort noch vorhanden sein kann. Gemäß der von der UNO in Den Haag 1954 akzeptierten Konvention zum Schutz kultureller Werte in bewaffneten Konflikten,5 sowie der von der Generalversammlung der UNESCO im Jahr 2003 verabschiedeten Konvention zum Schutz des immateriellen Kulturerbes6 ist die vorsätzliche Zerstörung kultureller Werte zu verurteilen. Einer der herausragenden Punkte dieser Konventionen ist, dass der kulturelle Wert, der in jeder Gemeinschaft geschaffen wird, ein »kulturelles Erbe von größter Bedeutung für die Menschheit«7 ist. Deshalb wirkt sich ihre gezielte Zerstörung auf das kulturelle Erbe und die Menschenrechte aller Menschen aus. In diesem Zusammenhang ist anzumerken, dass vor allem die kulturellen Rechte der Menschen in Arzach verletzt werden, die den anderen Menschenrechten gleichgestellt sind. 3 Tigranyan (2021), 205–225. 4 Ebd., 217; Bräuchler (2012), 153–167. 5 UN (1954). 6 UNESCO (2003). 7 Ebd. 104 | Das kulturelle Erbe von Arzach | Արցախի մշակութային ժառանգությունը Infolge des letzten Krieges im Jahr 2020 geriet eine große Zahl an Gemeinden (scil. im Folgenden in Klammern angegeben) bzw. folgende Bezirke Arzachs unter die Kontrolle Aserbaidschans: Askeran (8), Hadrut (28), Martakert (8), Martuni (7), Shahumyan (14), Schuschi (3), Kashatagh (50). Dadurch wurden mehr als 38.000 armenische Einwohner durch Zwangsumsiedlungen von ihren soziokulturellen Kulturschätzen getrennt. Nun steht die kulturelle Identität dieser Gemeinschaften kurz vor der endgültigen Vernichtung, und ihr immaterielles Kulturerbe ist somit dem Untergang und Verschwinden geweiht.8 Als Beispiel kann hier die traditionelle Sauergemüse-Kultur erwähnt werden, das Zhengyal-Brot, sowie die Weinherstellungskultur u.v.m. aus der Hadrut Region. Diese kulturelle Praxis kann nicht mehr die gleiche Grundlage (lokale Rohstoffe, Natur, Gemeinschaftswissen) haben, die sie vorher in Arzach bzw. in ihrer Region hatte. In diesem Sinne ist der kulturelle Raum, in dem die Menschen ›Zugang‹ zum Schöpfen und Schaffen hatten, nun für die ehemaligen Bewohner von Hadrut nicht mehr verfügbar. Die immaterielle Praxis der Zubereitung von Gerichten an zukünftige Generationen weiterzugeben ist dadurch ebenfalls unmöglich geworden.9 Ebenso wurde in der Stadt Martuni früher ein Granatapfelfest gefeiert, an dem auch Bewohner einer Reihe anderer Gemeinden aus der Region Martuni teilnahmen. Sie haben diese Möglichkeit heute nicht mehr, weil ihre Siedlungen unter der Kontrolle von Aserbaidschan stehen. Wie jeder Dialekt, steht auch der Karabach-Dialekt vor einer großen Gefahr des Verlustes, die in letzter Zeit durch eine Reihe von Begleitumständen noch zugenommen hat. Nach dem Krieg sind insbesondere der Subdialekt der Region Hadrut, der zum lokalen »S-Zweig« gehört,10 sowie die Dialekte einer Reihe von verlorenen Dörfern, in großer Gefahr. Das erfordert neue Schritte, um sie weiterhin in Gebrauch zu halten. In diesem Zusammenhang werden z.B. verschiedene Projekte geplant um Wettbewerbe, Festivals sowie Publikationen und Popularisierungen von Büchern und Wörterbüchern zu organisieren. Während der fremden Herrschaft geriet auch die Teppichwebkunst von Arzach in Vergessenheit. Zur damaligen Zeit hatte die Teppichweberei im Dorf Mets Tagher bereits eine jahrhundertealte Geschichte. Diese Ortschaft galt als das Zentrum der Teppichweberei in Arzach. Ein brillanter Beweis dafür ist der in einen Grabstein auf dem Ischkhanaget-Friedhof geschnitzte Teppich. Ab dem 19. Jh. hatten aber die Türken bereits mit der Aneignung der armenischen Teppichherstellung begonnen. Sie stahlen ständig die Kultur der Armenier, um ihre ursprüngliche Herkunft zu verschleiern. 1921 bzw. nach dem aufgezwungenen Anschluss von Arzach an das sowjetische Aserbaidschan, wurden die kulturellen Plünderungen und Pogrome fortgesetzt. Um die in der autonomen Berg-Karabach Oblast sowie in den aus politischen Gründen aus dem armenischen Autonomiegebiet ausgeschlossenen historischen Provinzen und Ortschaften des bergigen Arzachs und flachen Utiks erhaltenen handgefertigten Teppiche zu sammeln, wurden die rein armenischen Dörfer mehrfach von 8 Tigranyan (2021). 9 Ebd. 10 Połosyan (1965); Davt‘yan (1966). Hovhannisyan, Sargsyan: Das nicht-materielle Kulturerbe von Arzach | 105 beauftragten Beamten besucht, die mit speziellen Anweisungen aus Baku entsandt wurden. Sie kamen und sammelten alte handgefertigte Kunstwerke von der Bevölkerung im Austausch gegen ›neue‹ Teppiche, die einfach in den sowjetischen Fabriken hergestellt wurden. Jahrzehntelang hat diese Politik der aserbaidschanischen Behörden nicht nur die Entwicklung der Teppichweberei in Karabach gestoppt, sondern auch die vorhandenen handgefertigten Teppiche aus Arzach aus ihrem historischen Gebiet entfernt. Vor dem letzten Krieg von 2020 wurden in der Republik Arzach eine Reihe von Programmen zur Erhaltung und Verbreitung des immateriellen Kulturerbes durchgeführt. Darunter waren beispielsweise das Wettbewerbsfestival ›Kultureller Kreuzweg‹, der lokale Teppich-Kunst-Wettbewerb, der Stammbaum-Wettbewerb, die Olympiade Ethnischer Tanz zwischen den Schulen, das Sauergemüse-Festival von Arzach, das Khnotsu-Festival (mit Herstellung von klassischen Milchprodukten), die viele beachtliche Ergebnisse zeitigten. 2013 wurde in Schuschi die Firma ›Karabakh Karpet‹ gegründet, die auch Fabriken in Hadrut, Stepanakert und Berdzor (heute Lachin) hatte. 2014 wurden in den Städten Schuschi und Askeran ›Töpfer-Meisterhäuser‹ gegründet, in denen Repliken der Objekte hergestellt wurden, die in den archäologischen Stätten von Arzach gefunden wurden. Regelmäßig fanden hier internationale Töpfersymposien statt. Das charakteristische Merkmal der Kulturpolitik in der UdSSR war die Bildung einer pansowjetischen Kultur. Daher ist es nicht verwunderlich, dass in den Sowjetjahren hauptsächlich kirchliche Feiertage und die damit verbundenen Volksrituale, Hymnen und Spiele verloren gingen, wie z.B. die am Himmelfahrtstag gesungenen ›Dschangiulum‹-Lieder. Hinzu kam die gezielte antiarmenische Politik Aserbaidschans in Berg-Karabach. Infolgedessen werden ›Dschangiulum‹-Traditionen derzeit in der Praxis nicht verwendet. Diese Gesänge nehmen jedoch einen bedeutenden Platz in der Folklore ein und ihre Restaurierung wird das Folklorebild einer großen armenischen ethnografischen Region wie Arzach erweitern und die ethnische Schatzkammer der armenischen Folklore bereichern. Im Lebenserhaltungssystem des einzelnen Volkes haben die Lebensmittel ebenfalls ihren besonderen Platz. Diese sind eines der grundlegenden, alltäglichen Mittel des menschlichen Lebens und eines der traditionellsten und stabilsten Elemente der nationalen Kultur. In diesem Rahmen ist auch die Weinherstellung wichtig, die als immaterielles Kulturgut in der Welt von Arzach seit frühester Zeit eine wichtige Rolle für das Leben des armenischen Volkes spielt. In den letzten Jahren hatte z.B. die ›Kataro‹-Weinproduktion insbesondere in Hadrut neuen Schwung bekommen. Allerdings wurden nach dem Krieg sowohl die Weinberge als auch die Fabrik dieses Herstellers weitgehend der Kontrolle der Armenier entzogen, was die Entwicklung der Weinkultur und ihre Weitergabe an die nächsten Generationen nun untergräbt. Im Jahr 2014 trat ein wichtiger Rechtsakt in Kraft, der die Festlegung der Kriterien für die Anerkennung von Kulturgebieten der Republik Berg-Karabach und die Erstellung der Liste der Kulturgebiete, wie beispielsweise der Stadt Schuschi und das Dorf Mets Tagher umfasste. Die hier lebenden Menschen schufen sowohl in der Vergangenheit als auch heute bzw. nach und nach immaterielle kulturelle Werte und machten die Orte zu Zentren von aktueller, wissenschaftlicher, kultureller und touristischer Bedeutung. 106 | Das kulturelle Erbe von Arzach | Արցախի մշակութային ժառանգությունը 3. Mets Tagher M ets Tagher ist die einzigartige Siedlung von Arzach, in der viele traditionelle Handwerke wie Teppichweben, Maurerarbeiten, Verputzen und Zimmerei aktiv praktiziert wurden, und es ist die einzige, in der Schmiedekunst bis heute aktiv praktiziert wird. In diesem Dorf befand sich die berühmte Schmiede Namens ›Kazh‹, die in Erinnerung an eine Gruppe berühmter Meister restauriert wurde, deren Namen auf der Vorderseite der Schmiede stehen. Auf dem Territorium des Dorfes befanden sich 18 Denkmäler, die in der staatlichen Liste der unbeweglichen Denkmäler der Geschichte und Kultur der Republik Berg-Karabach eingetragen waren. In den letzten Jahren haben die Behörden der Republik Berg-Karabach große Schritte in Richtung der Restaurierung und Entwicklung des immateriellen Kulturerbes in Mets Tagher unternommen. In der Gemeinde gab es ein ethnisches Viertel mit einer Teppichwerkstatt und einer Schmiede. Die Zubereitung der traditionellen Arzach-Gerichte wurde ebenfalls in diesem ethnischen Bezirk praktiziert. Heute sind jedoch diese Orte ebenfalls außer Kontrolle der Armenier geraten, und die Weitergabe des kulturellen Erbes wurde so gestört. 4. Die Herausforderungen auf professioneller Ebene Zu den aktuellen Herausforderungen der Bewahrung immaterieller Kultur gehören: a) die Unzulänglichkeit der durchgeführten Arbeiten zur Erstellung der Listen der geschützten Werte des nicht-materiellen Kulturerbes sowie zur Planung, Umsetzung und Erhaltung von Maßnahmen zur Gewährleistung ihrer Überlebensfähigkeit; b) das Fehlen von Listen des immateriellen Kulturerbes, das noch dringend geschützt werden muss; c) der unbefriedigende Stand der durchgeführten Arbeiten zur Popularisierung des ethnografischen Erbes in der Bevölkerung; d) der nicht regulierte Charakter der Arbeiten zur Digitalisierung von schriftlichen und bereits auf Video aufgezeichneten Materialien, die von wissenschaftlichen und kulturellen Organisationen gespeichert sind; e) das Fehlen systematischer Mechanismen zur Bildung von Pflege und Respekt für das Volkshandwerk sowie zur Wiederbelebung und Entwicklung nationaler Traditionen; f) das Fehlen von Recherchen zur Ermittlung der Rohstoffressourcen und des menschlichen Potenzials des Volkshandwerks und ihrer Zweige in den jeweiligen Ortschaften; g) die Unzulänglichkeit der notwendigen Werkstätten und Studios; h) der Mangel an Rohstoffen, Werkzeugmaschinen und Arbeitsmitteln in bestehenden Werkstätten; i) das Fehlen systematischer Mechanismen zum Verkauf der materiellen Werte der angewandten Volkskunst und des Kunsthandwerks auf dem inund ausländischen Markt; j) der Mangel an hochqualifiziertem Personal in der Branche; und nicht zuletzt k) die unzureichende Finanzierung dieses Sektors. Hovhannisyan, Sargsyan: Das nicht-materielle Kulturerbe von Arzach | 107 5. Empfohlene Maßnahmen Aufgrund der o.g. Probleme sind unserer Meinung nach folgende Schritte für die Aufbewahrung und Weiterentwicklung des nicht-materiellen Kulturerbes notwendig: a) zuerst die Erstellung der Listen der immateriellen Kulturgüter, die auf dem Territorium der Republik Arzach noch vorhanden sind, und das Ergreifen der erforderlichen Maßnahmen zur Veröffentlichung dieser Informationen; b) die Zusammenstellung der Primärkosten für den Schutz immaterieller Kulturgüter, die unmittelbar geschützt werden müssen, und die Erstellung eines entsprechenden Plans für die bevorstehenden Projekte; c) die Entwicklung von Mechanismen zur Popularisierung des ethnografischen Erbes; d) die vollständige und kontinuierliche Digitalisierung von vorhandenen Schriftund Videomaterialien, die von wissenschaftlichen und kulturellen Organisationen aufbewahrt wurden; e) die Wiederbelebung und Entwicklung der Volkstraditionen, sowie die Bildung zu respektvollem Umgang mit dem Volkshandwerk, insbesondere bei der Jugend; f) die Identifizierung der Rohstoffe und des menschlichen Potenzials in Bezug auf verschiedene Volkshandwerke und die jeweiligen Zweige; g) die Eröffnung von Werkstätten zur Wiederbelebung und Entwicklung dieses Sektors; h) die Beschaffung der notwendigen Menge an Rohstoffen, Werkzeugmaschinen und Geräten in Ateliers und Betriebsgruppen zum Zwecke der Entwicklung dieses Feldes; i) die Entwicklung und Umsetzung systematischer Mechanismen zum Verkauf der materiellen Werte des angewandten Volkskunsthandwerks auf dem inund ausländischen Markt; j) die Bereitstellung von hochqualifiziertem Personal für diesen Sektor, sowie die Aufstockung mit Absolventen weiterführender Berufsund Hochschuleinrichtungen außerhalb der Republik Arzach und qualifizierten lokalen Fachkräften; und schließlich k) die Erhöhung der Finanzierung dieses Feldes im Rahmen des Möglichen. 6. Erwartete Ergebnisse Die Lösungen der vorgestellten Probleme und Herausforderungen werden gleichzeitig die Erhaltung des immateriellen Kulturerbes und die kontinuierliche Anwendung ihrer ethnischen Werte für die neuen Generationen gewährleisten. Darüber hinaus werden dadurch eine Verbesserung der sozialen Lage beteiligter Meister und junger Auszubildender sowie eine Steigerung der Qualität der von diesen Berufsgruppen erbrachten Dienstleistungen erreichen . 108 | Das kulturelle Erbe von Arzach | Արցախի մշակութային ժառանգությունը Literaturverzeichnis Bräuchler, Birgit, Intangible Cultural H eritage and Peace Building in Indonesia and East Timor, in: Daly P. / Winter T. (Eds.), Routledge Handbook of Heritage in Asia, London-New York 2012, 153–167. Davt‘yan, K. S., Le ṙ nayin Ł araba ł i barba ṙ ayin k‘artez ǝ [Die Karte der Dialekte von Berg-Karabach], Erevan 1966. International Council of Museum, ICOM in Russia (n.d.), տես՝ https://icom-russia.com/data/icom-in-russia/ (letzter Zugriff: 23.7.2023). Połosyan, A. M., Hadr ut‘i barbaṙǝ [Der Dialekt von Hadrut], Erevan 1965. Tigranyan, A. H., Arc‘axahayut‘yan voč‘ nyut‘akan mšakut‘ayin žaṙangut‘yan paštpanut‘yan mexanizmnerǝ [Die Mechanismen der Aufbewahrung des immateriellen Kulturerbe der Armenier von Arzach], in: »Vem« hamahaykakan handes/ Mšakuyt‘, 2021, Nr. 1, 205–225. UN, Convention for the Protection of Cultural Property in the Event of Armed Conflict with Regulations for the Execution of the Convention (1954), unter: https:// treaties.un.org/doc/Publication/UNTS/Volume%20 249/volume-249-I-3511-English.pdf (letzter Zugriff: 23.7.2023). UNESCO, Convention for the Safeguarding of the Intangible Cultural Heritage (2003), unter: https://ich. unesco.org/en/convention (letzter Zugriff: 23.7.2023). Autoren Lernik Hovhannisyan Stellvertretender Minister für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Sport in der Republik Arzach und Senior Lecturer am Lehrstuhl für Geschichte an der Staatlichen Universität von Arzach, Berg-Karabach , [email protected] Armen Sargsyan, PhD Rektor der Staatlichen Universität von Arzach, Berg-Karabach, rec[email protected] Übersetzer: Harutyun G. Harutyunyan | 109 Լեռնիկ Հովհաննիսյան, Արմեն Սարգսյան Արցախի ոչ նյութական մշակութային ժառանգության կորուստներն ու պահպանման հիմնախնդիրները 1. Ներածություն 2020 թ. սեպտեմբերի 27-ին Ադրբեջանի կողմից սանձազերծված պատերազմի և նոյեմբերի 9-ի եռակողմ հայտարարության արդյունքում Ադրբեջանի վերահսկողության տակ են անցել Արցախի Հանրապետության կրթության, գիտության, մշակույթի և սպորտի նախարարության ենթակայությամբ գործող 10 պետական և 2 ոչ պետական թանգարաններ, որտեղ պահպանվում էին ազգային արժեք ներկայացնող թվով 20885 ցուցանմուշ: «Տիգրանակերտ» պատմահնագիտական պետական արգելոցի շենքն անցել է Ադրբեջանի վերահսկողության տակ, իսկ թանգարանային ֆոնդը` 300 ցուցանմուշ, ամբողջությամբ տարահանվել է: «Քաշաթաղի շրջանի երկրագիտական թանգարան»-ի 5797 ցուցանմուշից տարահանվել է հիմնական ֆոնդը` թվով 2500 ցուցանմուշ, մեր վերահսկողությունից դուրս է մնացել ցավոք 3297 ցուցանմուշ: «Շուշիի գորգերի մասնավոր թանգարան»- ից տարահանվել է միայն 160 ցուցանմուշ, 700 թանգարանային նմուշ անցել է Ադրբեջանի վերահսկողության տակ: Բացի դրանից Արցախի վերահսկողությունից դուրս են մնացել 124 կենտրոնական և դպրոցական գրադարաններ` 617000 գրքային ֆոնդով, ինչպես նաև Շուշիում գործող «Կաճառ» գիտական կենտրոնի գրադարանը 30000 գրքային ֆոնդով: Պատերազմի հայտնի պատճառներով Արցախի բնակավայրերի արվեստի տարբեր օջախներում են մնացել նաև արցախցի հայտնի նկարիչների ստեղծագործությունները, այդ թվում էին օրինակ` Առնոլդ Մելիքսեթյանի ստեղծագործություններից 10 քանդակ և 60 նկար (Հադրութի շրջան, գյուղ Տող), Արծվիկ Լալայանի 100-ից ավել կտավ և 1000-ից ավել գրաֆիկական աշխատանք (Հադրութի շրջան, գյուղ Մեծ Թաղեր), Սամվել Թավադյանի 180 նկար և 20 փայտե աշխատանք, Արտակ Պողոսյանի 15 նկար, Դավիթ Ավագիմյանի 100 նկար, Արտաշես Նազարյանի 50 նկար (քաղաք Շուշի): Մեր վերահսկողությունից դուրս են մնացել նաև Շուշիի Կերպարվեստի պետական թանգարանում ժամանակավոր ցուցադրության մեջ գտնվող գեղանկարիչ Ժակլին Սարգսյանի 30 աշխատանքը և քանդակագործ Սարգիս Բաղդասարյանի 16 քանդակը: 116 | Das kulturelle Erbe von Arzach | Արցախի մշակութային ժառանգությունը երիտասարդների սոցիալական վիճակի բարելավում, ինչպես նաև տվյալ խավի կողմից մատուցվող ծառայությունների որակի բարձրացում: Գրականություն Bräuchler, Birgit, Intangible Cultural Heritage and Peace Building in Indonesia and East Timor, in: Daly P. / Winter T. (Eds.), Routledge Handbook of Heritage in Asia, London-New York 2012, 153–167: Դավթյան, Կ., Լեռնային Ղարաբաղի բարբառային քարտեզը, Երևան 1966: International Council of Museum, ICOM in Russia (n.d.), տես՝ https://icom-russia.com/data/icom-inrussia/ (հարցվել է 23.7.2023)։ ՄԱԿ, «Զինված հակամարտությունների ժամանակ մշակութային արժեքների պաշտպանության մասին» 1954 թ. Հաագայի կոնվենցիայի երկրորդ արձանագրություն, Հաագա 26 մարտի 1999 թ., տես՝ https://www.arlis.am/DocumentView.aspx?DocID=31415 (հարցվել է 21.7.2023)։ ՅՈՒՆԵՍԿՕ, «Ոչ նյութական մշակութային ժառանգության պաշտպանության մասին» կոնվենցիա, Նյու Յորք 17 հոկտեմբերի 2003 թ., տես՝ https://www.arlis.am/DocumentView.aspx?DocID=31391 (հարցվել է՝ 21.7.2023)։ Պողոսյան, Ա. Մ., Հադրութի բարբառը, Երևան 1965: Տիգրանյան, Ա. Հ., Արցախահայության ոչ նյութական մշակութային ժառանգության պաշտպանության մեխանիզմները, «Վեմ» համահայկական հանդես/Մշակույթ, 2021 թ., N1, էջ 205–225: Հեղինակներ Լեռնիկ Հովհաննիսյան ԱՀ կրթության, գիտության, մշակույթի և սպորտի նախարարի տեղակալ և Արցախի պետական համալսարանի պատմության ամբիոնի ավագ դասախոս, Ստեփանակերտ, Արցախ, [email protected] Արմեն Սարգսյան , բանասիր. գիտ. թեկն. Արցախի պետական համալսարանի ռեկտոր, Ստեփանակերտ, Արցախ, [email protected] Open Access This paper is published under the Creative Commons Attribution–ShareAlike 4.0 International license (CC BY-SA 4.0). Please note that individual, appropriately marked parts of the paper may be excluded from the license mentioned or may be subject to other copyright conditions. If such third party material is not under the Creative Commons license, any copying, editing or public reproduction is only permitted with the prior consent of the respective copyright owner or on the basis of relevant legal authorization regulations.