In memoriam Prof. Dr. Martin Metzger (1928-2018)
Abstract
Nachruf auf Martin Metzger, emeritierter Professor für Altes Testament und Biblische Archäologie an der Theologischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität…
Full text
151 In memoriam Prof. Dr. Martin Metzger (1928–2018) Am 10. Juni 2018 verstarb Prof. Dr. theol. Martin Metzger im Alter von 90 Jahren. Mit ihm verliert die Theologische Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel einen international angesehenen Wissenschaftler und überaus freundlichen und liebenswürdigen Hochschullehrer. Von 1974 bis zu seiner Emeritierung 1993 war er hier ordentlicher Professor für Altes Testament und Biblische Archäologie und amtierte zwischen 1975 und 1977 auch als Dekan der Fakultät. Martin Metzger wurde am 16. Januar 1928 in Wiedenest (Oberbergischer Kreis) als erstes von vier Kindern eines Sonderschullehrers und freikirchlichen Evangelisten geboren. 1934 bis 1938 besuchte er die Volksschulen in Uchtspringe (Altmark), Dreieichenhain (Kreis Offenbach) und Weißenfels, anschließend 1938 bis 1944 die Deutsche Oberschule in Bautzen und 1945/46 das Wöhler-Realgymnasium in Frankfurt am Main, wo er das Abitur ablegte. Seine theologische Ausbildung hatte er zunächst 1947 bis 1950 am Baptisten-Predigerseminar in Hamburg-Horn erhalten, bevor er von 1950 bis 1953 als Jugendpastor der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde in Köln arbeitete. 1950 begann er an der Universität Bonn mit dem Studium der Evangelischen Theologie und setzte es an der Kirchlichen Hochschule Hamburg fort. 1953 bis 1957 nahm er einen Lehrauftrag für Hebräisch und Griechisch im Predigerseminar in Hamburg-Horn und seit 1958 einen Lehrauftrag für Landesund Altertumskunde Palästinas an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Hamburg wahr. Zu seinen maßgeblichen akademisch en Lehrern gehörten Martin Noth (1902–1968) und Hans-Joachim Kraus (1902–1968). 1959 war er in Bonn bei Noth mit einer forschungsgeschichtlichen Arbeit über Die Paradieseserzählung. Die Geschichte ihrer Auslegung von J. Clericus bis W. M. L. Wette promoviert worden. Erste feldarchäologische Erfahrungen sammelte er 1960 als Volontär bei den deutschen Ausgrabungen in der Hethiter-Hauptstadt Hattuša (Türkei) unter der Leitung von Thomas Beran (1926–1998) und 1962/63 bei den Ausgrabungen in der gallo-römischen Tempelanlage von Hochscheid (Hunsrück) unter der Leitung von Rolf Hachmann (1917–2014). Seit 1957 unterrichtete er als hauptamtlicher Seminardozent für Altes Testament am Predigerseminar des Bundes der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinden Deutschlands in Hamburg-Horn, mit bis zu 27 Stunden Unterricht in Alten Testament, Hebräisch und Griechisch. 1959 nahm er als → Kiel-UP: https://doi.org/10.38072/2942-2337/p30 151
152 85|2024 Christiana Albertina Stipendiat am Lehrkurs des Deutschen Evangelischen Instituts für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes unter der Leitung von Arnulf Kuschke (1912–1995) teil. Zwischen 1966 und 1981 arbeitete er als stellvertretender Grabungsleiter bei den Saarbrücker Grabungen in Kāmid el-Lōz im Libanon unter der Leitung von Hachmann mit. 1969 habilitierte er sich an der Universität Hamburg mit einer Arbeit über Thronformen und Throndarstellungen in Ägypten und im Vorderen Orient im 3. und 2. Jahrtausend vor Christus und wurde 1970 zum Universitätsdozent, Wissenschaftlichen Rat und dann zum Professor für Altes Testament und Biblische Archäologie ernannt. Lehrstuhlvertretungen an der Kirchlichen Hochschule in Berlin und an der Universität Kiel folgten. 1974 wurde er als Nachfolger von Walter Beyerlin (1929–2015) an die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel berufen. 1980 lehnte er einen Ruf nach Mainz ab. An der in mehreren deutschen Städten platzierten Ausstellung Frühe Phöniker im Libanon. 20 Jahre deutsche Ausgrabungen in Kāmid el-Lōz war er 1983 bis 1988 mitbeteiligt. In den Jahren 1985 bis 1999 hat er wiederholt an der Dormitio in Jerusalem im Rahmen des Theologischen Studienjahres Biblische Archäologie gelehrt. Zu seinen wissenschaftlichen Schwerpunkten gehörten die Archäologie des alten Israel, die Tempelarchitektur des Alten Orients und die vorderasiatische Ikonographie mit ihren Bezügen zur Bibel. Charakteristische Merkmale seines öffentlichen Wirkens waren unter anderem zahllose Dia-Vorträge vor allem im Rahmen der Schleswig-Holsteinischen Universitäts-Gesellschaft, zahlreiche Museumsexkursionen und viele Studienund Bildungsreisen in die Länder des Vorderen Orients. Neben seiner Dissertation und Habilitation sind sein Grundriss der Geschichte Israels , der inzwischen in der 13. Auflage vorliegt, und zwei Aufsatzsammlungen seine bekanntesten ← Abb. 1. Prof. Dr. Martin Metzger (1928-2018). Foto: privat.
Ulrich Hübner | In memoriam Prof. Dr. Martin Metzger 153 Publikationen. Besonders erwähnenswert sind die drei Grabungsbände über die mittelund spätbronzezeitlichen Tempelanlagen von Kāmid el-Lōz, die das Oeuvre von Martin Metzger bestimmen: Sie gehören zu den genauesten und akribischsten Grabungspublikationen innerhalb der vorderasiatischen Archäologie, in denen seine hohe Beobachtungsgabe und große Hingabe zur umfassenden Befundinterpretation und -dokumentation zum Ausdruck kommt. Autor Prof. em. Dr. Ulrich Hübner Emeritierter Professur für Religionsgeschichte Israels und Archäologie Palästinas und Syriens sowie ehemaliger Direktor des Instituts für Alttestamentliche Wissenschaft und Biblische Archäologie an der Theologischen Fakultät der ChristianAlbrechts-Universität zu Kiel Open Access // Der Artikel ist unter der Creative-Commons-Lizenz Namensnennung 4.0 International veröffentlicht. Den Vertragstext finden Sie unter: https://creativecommons.org/licenses/by/4.0 . Bitte beachten Sie, dass einzelne, entsprechend gekennzeichnete Teile des Werks von der genannten Lizenz ausgenommen sein bzw. anderen urheberrechtlichen Bedingungen unterliegen können.