In memoriam Prof. Dr. Eberhard R. Dall’Asta (1940–2024)
Abstract
Nachruf auf Eberhard R. Dall'Asta, pensionierter Professor für politische Bildung, zunächst an der ehemaligen Erziehungswissenschaftlichen Fakultät…
Full text
147 In memoriam Prof. Dr. Eberhard R. Dall’Asta (1940–2024) Am 19. März 2024 ist Eberhard Dall’Asta, pensionierter Professor für politische Bildung, im Alter von 84 Jahren in Kronshagen bei Kiel verstorben. Eberhard Dall’Asta wurde am 3. Februar 1940 in Berlin-Spandau geboren. Er studierte Volkswirtschaftslehre an der Universität Kiel (Dipl. Volkswirt 1965) und war dort bis 1970 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Wirtschaftspolitik und Wettbewerb tätig. 1969 promovierte er mit einer Arbeit über Lohntheorie zum Dr. sc. pol. (Theorie der Lohnpolitik, Berlin 1971). Lohnund Sozialpolitik waren auch weiter seine wissenschaftlichen Arbeitsfelder (Perspektiven der Sozialpolitik, 1978, mit Bodo Scharf). Einem Lehrauftrag für Wirtschaftslehre an der Pädagogischen Hochschule Kiel folgte 1971 die Berufung zum Professor für politische Bildung in dem neu geschaffenen Lehramtsfach Wirtschaft/Politik, dessen Aufbau und Entwicklung Dall’Asta in den folgenden Jahren maßgeblich prägte. Zu den Grundvoraussetzungen für die Stabilität einer demokratischen Gesellschaft gehörten für Eberhard Dall‘Asta eine auf Bürgersinn, Mitbestimmung und Mitverantwortung gerichtete politische Bildung, und zwar nicht nur für gymnasiale Oberschüler, sondern auch für Hauptund Realschulabsolventen. Seine didaktische Konzeption entwickelte Dall’Asta in Anlehnung an Hermann Giesecke und andere Vordenker der politischen Bildung. Politik und Wirtschaft als Thema in der Lehrerausbildung und als Gegenstand von Unterricht in Schulen – das war damals ein in der Wissenschaft kontrovers diskutiertes und in der Bildungspolitik heiß umkämpftes Konfliktfeld. Erinnert sei an den Streit unter Politikdidaktikern um den ›Beutelsbacher Konsens‹ oder unter politischen Parteien um die Hessischen Rahmenrichtlinien für Gesellschaftslehre (1973). Schon früh hatte sich Eberhard Dall’Asta politisch engagiert. Von 1979 bis 2000 war er Mitglied des Schleswig-Holsteinischen Landtags, wo er sich besonders mit Bildungs-, Sozialund Verbraucherpolitik und mit Neuen Medien befasste und von 1987 bis 2000 als Vizepräsident des Landtags wirkte. Sein Engagement in Politik und in zahlreichen gesellschaftlichen Ehrenämtern erzwang eine Reduzierung seiner Lehrund Forschungsarbeit an der Hochschule (Beurlaubung zu 60 Prozent), aber Dall’Asta legte größten Wert darauf, weiter als Professor → Kiel-UP: https://doi.org/10.38072/2942-2337/p29 147
148 85|2024 Christiana Albertina in der Lehrerbildung an der PH Kiel beziehungsweise ab 1994 in der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät an der Christian-Albrechts-Universität zu wirken. Nach seinem Ausstieg aus der Landespolitik konnte er sich ›endlich wieder‹ mit voller Energie als Hochschullehrer seinen Studierenden widmen. Im Institut für Sozialwissenschaften der Wirtschaftsund Sozialwissenschaftlichen Fakultät lehrte er bis zu seiner Pensionierung 2005 zur Didaktik der politischen Bildung, Politischen Theorie und zur Verfassungsund Regierungslehre. Eberhard Dall’Asta hat das Lehramtsfach Wirtschaft/Politik und die politische Bildung in Schleswig-Holstein als Hochschullehrer und in seinen politischen Funktionen vor allem in der schwierigen Entstehungszeit maßgeblich mitgeprägt und befördert. Viele WiPo-Lehrerinnen und -Lehrer an den Schulen unseres Landes haben ihn als ihren ›Politikprof‹ erlebt. Die Angehörigen des Instituts zu seiner Zeit werden sich an ihn als hoch geschätzten Kollegen erinnern, für mich war er ein lieber Freund. ← Abb. 1. Prof. Dr. Eberhard R. Dall’Asta (1940–2024). Foto: privat.
Klaus-Peter Kruber | In memoriam Prof. Dr. Eberhard R. Dall’Asta 149 Autor Prof. Dr. Klaus-Peter Kruber Pensionierter Professor für Wirtschaft/Politik und ihre Didaktik an der Wirtschaftsund Sozialwissenschaftlichen Fakultät der CAU Open Access // Der Artikel ist unter der Creative-Commons-Lizenz Namensnennung 4.0 International veröffentlicht. Den Vertragstext finden Sie unter: https://creativecommons.org/licenses/by/4.0 . Bitte beachten Sie, dass einzelne, entsprechend gekennzeichnete Teile des Werks von der genannten Lizenz ausgenommen sein bzw. anderen urheberrechtlichen Bedingungen unterliegen können.