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Schaufenster der Christian-Albrechts-Universität: Der Botanische Garten Kiel

Petersen, Susanne,Ober, Dietrich

Abstract

Als eine der ältesten Einrichtungen der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel ist der Botanische Garten Kiel mit seinen über 355 Jahren ein…

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43 SUSANNE PETERSEN, DIETRICH OBER Schaufenster der Christian-Albrechts-Universität Der Botanische Garten Kiel Ein Schaufenster der Universität? Ja, das ist die Christiana Albertina, die Sie gerade lesen! Digital und gedruckt informiert sie über die Geschichte, die Entwicklung und die Leistungen unserer Universität. Doch wäre es nicht großartig, darüber hinaus auch noch einen Ort zu haben, an dem die Universität in direkten Kontakt mit den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt und des Landes treten kann? Wo die Wissenschaft aus ihrem Elfenbeinturm in die Gesellschaft hineingeht? Und das in einem wirklich großen Format, denken wir an 100.000 Bürgerinnen und Bürger pro Jahr, also so viele wie eine kleine Großstadt Einwohner hat? Und was für ein Gewinn wäre es, wenn dabei vor allem auch Schülerinnen und Schüler angesprochen würden? Und das alles an 365 Tagen im Jahr? Als kostenloses Angebot? Eine Utopie? Keineswegs, unsere Universität hat das Privileg, einen solchen Ort zu haben. Mit über 355 Jahren eine der ältesten Einrichtungen der Universität, präsentiert sich dieser Ort moderner denn je: der Botanische Garten Kiel. Der Botanische Garten Kiel wurde 1669, nur vier Jahre nach der Gründung der ChristianAlbrechts-Universität, von dem damaligen Professor für Medizin Johann Daniel Major (1634–1693) zu Unterrichtszwecken im Schlossgarten neben dem Kieler Schloss angelegt. Dort ist er fast zwanzig Jahre nachweisbar. 1727 erfolgte eine Neuanlage, da die geringe Zahl von Bewerbern für ein Medizinstudium in Kiel mit dem Fehlen eines Hortus Medicus in Verbindung gebracht wurde. Sie erfolgte an der Falkstraße, direkt hinter dem Warleberger Hof in der Kieler Altstadt, da der Schlossgarten aufgrund umfangreicher Umgestaltungen im Zuge der Verlegung des Regierungssitzes der Gottorfer Herzöge nach Kiel 1722 dafür nicht mehr in Frage kam. 1803 wurde der Botanische Garten an seinem dritten Standort an der Prüne eröffnet, in unmittelbarer Nähe des von Professor Georg Heinrich Weber (1752–1828) gegründeten Akademischen Krankenhauses. Weber, der neben der Medizin auch die Botanik an der Universität vertrat, setzte → Kiel-up: https://doi.org/10.38072/2942-2337/p21 43 44 85|2024 Christiana Albertina sich für den Botanischen Garten ein. So findet sich auf dem Gedenkstein zur Gründung dieses Gartens unter anderen auch sein Name neben dem des dänischen Königs Christian VII. Dieser Gedenkstein kann noch heute am Seiteneingang des Botanischen Gartens Kiel an der Straße ›Am Botanischen Garten‹ besichtigt werden. Besondere Bedeutung erlangte dieser Garten 1826 durch die Berufung von Ernst Ferdinand Nolte (1791–1875), der an der Kieler Universität erstmals die Botanik nicht als Teil der Medizin, sondern als eigenständiges Fach vertrat und somit auch Direktor des Botanischen Gartens wurde. Im Zuge der Verlagerung der Kieler Universität in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf einen neuen Campus an der Förde direkt neben der Kieler Altstadt und in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts an den heutigen Standort am Westring musste auch der Botanische Garten noch zweimal umziehen. So wurde dieser 1884 an seinem vierten Standort, am Schwanenweg direkt an der Kiellinie, eröffnet und erfreut sich dort auch aufgrund seiner reizvollen Lage als ›Alter Botanischer Garten‹ bis heute großer Beliebtheit. 1 Heute befindet sich der Botanische Garten Kiel an seinem fünften Standort am Ende der Leibnizstraße direkt neben dem Biologiezentrum. Er wurde 1985 eröffnet, hat eine Fläche von etwa acht Hektar und ist in acht ›Reviere‹ unterteilt, von denen sich drei unter Glas, also in den 1 Z ur Geschichte der Botanischen Gärten Kiels an ihren verschied enen Standorten vgl. Johannes Reinke: Der älteste Botanische Garten Kiels. Urkundliche Darstellung der Begründung eines Universitäts-Instituts im siebzehnten Jahrhundert, in: Festschrift der Universität Kiel zur Feier des Geburtsfestes Seiner Majestät des Kaisers und Königs Wilhelm II., Kiel 1912. – Fritz Overbeck: Botanik, in: Geschichte der Christian-Albrechts-Universität Kiel: 1665–1965, Bd. 6: Geschichte der Mathematik, der Naturwissenschaften und der Landwirt schaftswissenschaften, hg. v. Karl Jordan, Neumünster 1968, S. 127–160. – Wilhelm Halbsguth: Die Entwicklung des Botanischen Instituts und des Botanischen Gartens der Christian-Albrechts-Universität seit 1965, Kiel 1985 . ← Abb. 1. Der Botanische Garten Kiel führt seit 2010 ein eigenes Logo, das die Butterbäume (Cyphostemma currorii) aus der Wüste Namibias zur Vorlage hat. Von diesen seltenen Pflanzen besitzt der Garten drei mehrere hundert Jahre alte Exemplare im Afrikahaus. Foto: Jürgen Haacks, Universität Kiel. Susanne Petersen, Dietrich Ober | Der Botanische Garten Kiel 45 Schaugewächshäusern, befinden. Wer den Garten besucht, sucht ihn gezielt auf. Hier kommt man nicht mal eben bei einem Einkaufsbummel vorbei und verweilt ein wenig. Auch kulinarisch liegt der Garten an keiner bevorzugten Stelle im Kieler Stadtgebiet. Und doch finden so viele Menschen nicht nur aus Kiel oder Schleswig-Holstein den Weg zu uns! Der Botanische Garten mit seiner Sammlung lebender Pflanzen ist eine Einrichtung des Botanischen Institutes der Sektion Biologie und damit der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät ( Abb. 1 ). Zu seinen Aufgaben gehört nicht nur die Unterstützung von Forschung und Lehre an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Eine weitere wichtige Aufgabe ist es, in Zeiten der aktuellen Biodiversitätskrise die pflanzliche Vielfalt unseres Planeten zu schützen und zu erhalten sowie die Öffentlichkeit für diese Themen zu sensibilisieren. Bei diesen Aufgaben werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gartens nicht nur von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, sondern auch vom Freundeskreis Botanischer Garten der CAU zu Kiel e.V. unterstützt. Doch was macht den Botanischen Garten Kiel eigentlich aus? Werfen wir zunächst einen Blick auf die Aufgaben des Botanischen Gartens und dann einen Blick zurück auf das vergangene Jahr 2023. Der Botanische Garten Kiel und seine Aufgaben Von den weltweit mehr als 350.000 bekannten Pflanzenarten werden mindestens 30 Prozent in den Botanischen Gärten der Welt kultiviert. Diese Kultur dient nicht nur der Erhaltung dieser Arten, von denen 41 Prozent als »vom Aussterben bedroht« eingestuft sind, sondern auch der Entwicklung und Optimierung von Kulturmethoden. 2 Dieses Wissen und das Pflanzenmaterial werden zwischen vielen der weltweit über 3.000 Pflanzensammlungen und Botanischen Gärten ausgetauscht und dienen der Sicherung der Sammlungen. Denn wie leicht gehen Sammlungsteile beispielsweise durch Schädlingsbefall, Defekte in der Infrastruktur oder durch Kriegseinwirkungen verloren. Natürlich sind die Pflanzensammlungen in den Botanischen Gärten kein gleichwertiger Ersatz für das Vorkommen der Pflanzenarten in ihren natürlichen Lebensräumen. Doch bereits mehr als 75 Prozent der Lebensräume unserer Erde werden direkt durch Bautätigkeit oder Landwirtschaft und indirekt durch das sich verändernde Klima vom Menschen beeinflusst und verändert. 3 Vor diesem Hintergrund ermöglichen die Sammlungen nicht nur die Erhaltung der genetischen Information dieser Pflanzen für die Zukunft, sondern in einigen Fällen auch die Wiederansiedlung dieser Pflanzen im Zuge der Wiederherstellung ihrer Lebensräume. Darüber hinaus sind diese Sammlungen wichtige Quellen für die Wissen2 Ross Mounce, Paul Smith und Samuel Brockington: Ex situ conservation of plant diversity in the world’s botanic gardens, in: Nature Plants 3 (2017), S. 795-802. 3 Matthias Glaubrecht: Das Ende der Evolution. Der Mensch und die Vernichtung der Arten, München 2021. 46 85|2024 Christiana Albertina schaft, die so einen einfachen Zugang zu Pflanzen aus aller Welt mit all ihren Potentialen für die Ernährung der Menschheit oder für die Medizin hat. Der Botanische Garten Kiel beteiligt sich am weltweiten Austausch von Wissen und Pflanzenmaterial zwischen den Botanischen Gärten, indem er am ›Internationalen Samentausch‹ teilnimmt und Saatgut anfordert und versendet. Saatgut lässt sich leichter verpacken und versenden als Pflanzen. Zudem ist das Risiko, dass Schädlinge als blinde Passagiere mitreisen, bei Saatgut deutlich geringer. Nach der Ernte wird das Saatgut getrocknet, gereinigt, verpackt und in das Saatgutlager einsortiert – ein Prozess, bei dem viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Wintersaison mit anpacken ( Abb. 2 ). Allein im Jahr 2023 wurden 1.144 Saatgutportionen vom Botanischen Garten Kiel versandt. Weitere Maßnahmen zum Artenschutz umfassen Projekte zum Erhalt einzelner bedrohter Tierarten in unseren Gewächshäusern, die Beringung und Bestandsdokumentation heimischer Vögel sowie extensiv bewirtschaftete Blühflächen im Freiland zur Unterstützung des Erhalts der Insektenvielfalt. Dass Tiere im Botanischen Garten eine große Rolle spielen, mag nur auf den ersten Blick überraschen. Denn der Versuch, im Freiland und in den Schaugewächshäusern Lebensräume dieser Welt modellhaft darzustellen, funktioniert nicht ohne einen ganzheitlichen Blick auf die Ökologie. Und dazu gehören natürlich auch viele kleine und unscheinbare Tiere. Ein großer Erfolg ist die biologische Schädlingsbekämpfung, die es uns seit fast dreißig Jahren ermöglicht, auf den Einsatz von giftigen Spritzmitteln gegen Schädlinge in den Gewächshäusern zu verzichten. Wenn Sie also vermeintliche Schädlinge in den Gewächshäusern entdecken, denken Sie daran, dass sie dort hingehören, denn sie sind schließlich die Nahrung der Nützlinge. Diese Insekten, egal ob Schädlinge oder Nützlinge, wirken in den Gewächshäusern zudem als Bestäuber und sorgen so dafür, dass viele unserer Pflanzen Früchte tragen. So blickt manch ein Botanischer Garten ein wenig neidisch auf unsere üppig fruchttragenden Kakaobäume. Aber nicht nur im Freiland und in den Schaugewächshäusern spielen Tiere eine Rolle, sondern auch in den Forschungsprojekten, die der Botanische Garten Kiel unterstützt. Neben rein botanisch orientierten Projekten, etwa zu Alterungsprozessen bei Pflanzen, die beispielsweise im Herbst zur prächtigen Laubfärbung führen, gehören dazu auch Projekte des Botanischen Instituts zur gemeinsamen Kultivierung von Algen und Fischen sowie zur Interaktion von Pflanzen mit Insekten in ihrem Lebensraum, sei es im Rahmen der Anlockung durch Duftstoffe oder der Abwehr durch giftige Pflanzeninhaltsstoffe. Auch zoologische Arbeitsgruppen nutzen die Expertise und die Möglichkeiten des Botanischen Gartens für ihre Arbeiten zum Vorkommen von Fadenwürmern, zur Untersuchung von Eulengewöllen oder zur Bedeutung von Oberflächenstrukturen. Weitere Arbeitsgruppen unserer Universität, aber auch anderer Universitäten und Forschungseinrichtungen, suchen die Zusammenarbeit mit uns. So misst die Extraterrestrische Physik Neutronen aus dem Weltraum, um Methoden zur Bestimmung der Bodenfeuchte zu entwickeln, ein Faktor, dem im Zuge des Klimawandels in vielen Regionen der Erde eine immer größere Bedeutung zukommt. Neben der Phytopathologie Susanne Petersen, Dietrich Ober | Der Botanische Garten Kiel 47 ↑ Abb. 2. Ein Blick hinter die Kulissen des Botanischen Gartens Kiel. Mit Körperkraft und schwerem Gerät werden die frostempfindlichen Kübelpflanzen im Herbst in die Häuser transportiert (Reihe 1). Pflanzenanzucht von der Aussaat über das Pikieren und Topfen bis zur Anzucht (Reihen 2 und 3). Vorbereitung und Neubepflanzung der Sommerblumenbeete (Reihe 4). Der Internationale Samentausch erfordert aufwändiges Reinigen des Saatgutes, die Bearbeitung der Bestellungen sowie deren Versand (Reihe 5). Alle Fotos von Gerhard Brüggemann (Freundeskreis) mit Ausnahme von Reihe 5 links (Foto: Susanne Petersen, Botanischer Garten Kiel) und Reihe 3 rechts (Foto: Dietrich Ober, Botanischer Garten Kiel). 48 85|2024 Christiana Albertina ↑ Abb. 3. Eindrücke aus dem Botanischen Garten Kiel und seinen Sammlungen. Fotos: Renate Keim (Freundeskreis, Reihe 1, links), Susanne Petersen (Botanischer Garten Kiel, Reihe 4, links), Matthias Seemann (Freundeskreis, Reihen 1 bis 3, Mitte; Reihe 4, rechts), Dietrich Ober (Botanischer Garten Kiel, Reihe 1 und 3, links; Reihe 2, rechts). Susanne Petersen, Dietrich Ober | Der Botanische Garten Kiel 49 und der Pharmazie führen auch Institute der Geographie, der Psychologie und der Anglistik Experimente bei uns durch. Lehre und Anschauung sind schon die Motive für die Gründung des Botanischen Gartens im Jahre 1669 durch Johann Daniel Major im Schlossgarten gewesen. An diesen Aufgaben hat sich bis heute nichts geändert. So nutzen vor allem verschiedene Module der Bachelorund Masterstudiengänge der Biologie die kompetente Beratung und das Materialangebot des Botanischen Gartens, führen Teile der Lehre direkt im Freiland und in den Gewächshäusern des Gartens durch oder profitieren von den Führungen für Studierende. Die Unterstützung von Wissenschaft und Lehre funktioniert nur, wenn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Botanischen Gartens in ihre eigene Weiterbildung investieren und vor allem bereit sind, ihr Wissen zur Kultur und Pflege der Pflanzensammlungen auch an nachfolgende Generationen weiterzugeben. Dieser Verpflichtung kommt der Botanische Garten Kiel als größter Ausbildungsbetrieb für Gärtnerinnen und Gärtner im Zierpflanzenbau in Schleswig-Holstein nach. Derzeit lernen 14 Auszubildende im Garten, insgesamt haben bereits 190 Auszubildende ihre Berufsausbildung bei uns am derzeitigen Standort erfolgreich, zum Teil mit Bestnoten, abgeschlossen. Fortbildungen zur Verbesserung der Ausbildung, aber auch zum Artenschutz, zur Entwicklung torffreier Substrate, zum Pflanzenund Gewässerschutz oder zur Baumpflege tragen zu einer gleichbleibend hohen Qualifikation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei. Für viele Arbeitsabläufe sind es jedoch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Botanischen Gartens Kiel, die Lösungen entwickeln und umsetzen und schließlich auch an Kolleginnen und Kollegen anderer Gärten weitergeben. Dazu gehört zum Beispiel der erfolgreiche Einsatz der erwähnten Nützlinge in den Gewächshäusern, ferner aber auch die Gestaltung der Anlagen im Freiland und in den Gewächshäusern, die den Ideenreichtum und die Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eindrucksvoll belegen. Der Botanische Garten Kiel im Jahr 2023 Der Botanische Garten Kiel ist das ganze Jahr über täglich geöffnet. Außer bei Sonderveranstaltungen ist der Eintritt frei. Damit gibt der überwiegend aus Steuergeldern finanzierte Garten dem Steuerzahler etwas zurück und bietet der Öffentlichkeit nicht nur einen attraktiven Ort zum Verweilen und Entspannen. Denn durch ein umfangreiches Angebot werden wissenschaftliche Themen aus den forschenden Arbeitsgruppen sowie vielfältige Themen rund um die pflanzliche Vielfalt und ihre Bedeutung für den Menschen, aber auch ihre Gefährdung allgemeinverständlich vermittelt. Bei den Wintervorträgen und den Lehrwanderungen im Sommerhalbjahr, die kostenlos angeboten werden, standen im vergangenen Jahr die Bestäubungsund Ausbreitungsmechanismen von Pflanzen ebenso im Mittelpunkt, wie auch die oft verkannten Moose, die für Schleswig-Holstein einst so typischen Moore oder die Bedeutung von Pflanzen als Bioindikatoren für die Gewässergüte. 50 85|2024 Christiana Albertina Darüber hinaus bietet der Botanische Garten Gruppenführungen gegen einen Unkostenbeitrag an, ein Angebot, dass im vergangenen Jahr von über 4.000 Personen aller Altersgruppen, vom Kindergarten bis zu Senioren, wahrgenommen wurde. Trotz dieser beeindruckenden Zahl übersteigt die Nachfrage nach Führungen oft unser Angebot, denn die Hauptaufgabe der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bleibt die Versorgung der Pflanzensammlungen. Diese Lücke versuchen wir mit den Heften der Reihe Auf eigene Faust durch den Botanischen Garten Kiel zu schließen. Zu jeweils einem bestimmten Thema führt das Heft die Besucherinnen und Besucher durch den Garten. Orientierungspunkte und Beschriftungen an den Pflanzen in Kombination mit dem Gartenplan helfen, die Pflanzen im Garten zu finden. Bestseller der Reihe, von der bereits über 13.000 Hefte verkauft wurden, sind die Hefte zur Apotheke der Natur und zur Giftküche der Natur, die zeigen, wie nah Wohl und Wehe im Pflanzenreich beieinanderliegen. Neu erschienen ist im vergangenen Jahr das Heft zu Fasern und Papier, das zeigt, dass Pflanzen nicht nur die Welt ernähren, sondern als Rohstoff für die Papierherstellung auch die Basis legten für die moderne Informationsgesellschaft. Was hätte Gutenberg ohne Papier gemacht ( Abb. 5 )? Studierende für das Lehramt an Gymnasien, die im Fach Biologie ausgebildet werden, müssen lernen, komplexe fachliche Sachverhalte für den Unterricht gut verständlich aufzubereiten. Im Rahmen von Seminarund Abschlussarbeiten ↑ Abb. 4. Baumpflegemaßnahmen im Botanischen Garten Kiel. Der Botanische Garten Kiel wurde 1985 an seinem jetzigen, dem fünften Standort eröffnet. Damit erreichen nun auch viele Bäume ein Alter, das aufwändige Pflegemaßnahmen zu ihrem Erhalt und zur Verkehrssicherheit erfordert. Speziell dafür geschulte Mitarb eiterinnen und Mitarbeiter führen diese Arbeiten mit Hebebühnen im Freiland (Reihe 1, links und Mitte) und in den Gewächshäusern (Reihe 2, links) durch. Dazu gehört in den Gewächshäusern auch die Reinigung der Glasflächen (Reihe 2, Mitte). Ein Baum im Tropenhaus, der üppig mit Aufsitzerpflanzen (Epiphyten) bedeckt ist, erfordert jedoch keinen Rückschnitt. Er wurde von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus Beton modelliert (Bild rechts). Fotos: Gerhard Brüggemann (Freundeskreis, Reihe 1 und 2, links und Mitte) und Dietrich Ober (Botanischer Garten Kiel, rechts). Susanne Petersen, Dietrich Ober | Der Botanische Garten Kiel 51 wenden sie dieses Wissen auch auf Themen an, die für die Besucherinnen und Besucher des Botanischen Gartens von Interesse sind. So entstehen die Entwürfe für unsere Gartenführerhefte, aber auch für erklärende Poster, wie zum Beispiel zu den Klimazonen in den Schaugewächshäusern oder zu den Nutzpflanzenarten im Themengarten gleich vor der Schaugewächshausanlage – eine perfekte Win-win-Situation! Gleiches gilt für die Kieler Forschungswerkstatt, die im Botanischen Garten angesiedelt ist und nicht nur vielfältige Angebote aus verschiedenen naturwissenschaftlichen Disziplinen für Schulklassen bereithält, sondern auch Lehramtsstudierenden die Möglichkeit bietet, Erfahrungen bei der Planung und Durchführung von Projekten mit Schulklassen zu sammeln. In der Bevölkerung ist der Botanische Garten Kiel vor allem durch seine Veranstaltungen bekannt, die weit ins Land ausstrahlen. Jedes Jahr am zweiten Sonntag im Juni findet der ›Tag der offenen Tür‹ statt, an dem sich der Garten in seiner ganzen Pracht und mit einem Blick hinter die Kulissen der Öffentlichkeit präsentiert. In kleinen Führungen stellen die Gärtnerinnen und Gärtner die von ihnen gepflegten und entwickelten Bereiche vor. Das Motto des Tages, im Jahr 2023 ›Grüne Vielfalt für den Menschen‹, wird jeweils mit dem Verband Botanischer Gärten in Deutschland abgestimmt. Anfang Juli wurde dann die Schmetterlingsschau eröffnet, die wir aufgrund des Aufwandes für die Vorbereitung der Freiflughalle, die Beschaffung der Tiere und nicht zuletzt der Futterpflanzen für den Schmetterlingsnachwuchs nur etwa alle drei Jahre anbieten können. Für die Beschaffung der Tiere bestehen Kontakte zu zertifizierten Insektenzüchtern in Costa Rica, die vor einigen Jahren sogar von Mitarbeitern des Gartens persönlich in Augenschein genommen wurden. Das Besucherinteresse ist enorm. Im Jahr 2023 fanden innerhalb von nur gut sieben Wochen 33.500 Besucherinnen und Besucher den Weg in die Freiflughalle, um die Schmetterlinge unmittelbar zu erleben und sich von unserem engagierten Personal die verschiedenen Entwicklungsstadien der Tiere zeigen ↑ Abb. 5. Informationsangebote des Botanischen Gartens Kiel. Neben Hinweisschildern und Postern werden wichtige Hinweise den Besucherinnen und Besuchern am Haupteingang im Informationspavillon (links) zur Verfügung gestellt oder sind an der interaktiven Informationsstele (Mitte) aufrufbar. Publikationen umfassen Gartenpläne, Gartenführer aus der Reihe Auf eigener Faust durch den Botanischen Garten sowie Publikationen zu Sonderthemen, wie das Heft zu Rezepte aus dem Arzneigarten. Dieses bietet manch interessantes Rezept für einen leckeren Salat oder Smoothie, warnt aber auch vor möglichen Verwechselungen beim Sammeln der Pflanzen. Fotos: Susanne Petersen, Botanischer Garten Kiel (Mitte) und Dietrich Ober, Botanischer Garten Kiel.