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Der sokratische Dialog

Ohrt, Connor

Abstract

Der Sokratische Dialog ist eine philosophische Gesprächstechnik, die nach dem antiken griechischen Philosophen Sokrates benannt ist und durch…

Full text

13 https://doi.org/10.38071/2024-00978-3 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0 Der sokratische Dialog Connor Ohrt Abstract Der Sokratische Dialog ist eine philosophische Gesprächstechnik, die nach dem antiken griechischen Philosophen Sokrates benannt ist und durch gezieltes Fragen eines bzw. einer Gesprächsleiter*in darauf abzielt, ein tieferes Verständnis über komplexe Begrifnichkeiten und Themen zu erlangen. In modernen Ansätzen nimmt der/die Gesprächsleiter*in eine moderierende Funktion ein. Einleitung Was ist Liebe? Wann zeigt man Tapferkeit? Ist die Seele unsterblich? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigte sich der griechische Philosoph Platon (um 427-347 v. Chr.), Schüler des Sokrates (um 470-399 v. Chr.), in seinen zahlreichen Schriften. So unterschiedlich diese Fragen auch anmuten mögen, eines eint sie: Die Methode, mit der sie beantwortet werden sollen. Platon spricht gleichsam nicht selbst zu seiner Leserschaft, sondern lässt seinen Lehrer Sokrates in den fiktiven Dialogen, die seine Werke durchziehen, zu dessen Schülern sprechen. Eine trockene Philosophie? Keineswegs! Die Dialoge des Sokrates sind bisweilen vielmehr Gelage, und als solche stehen sie dem modernen ‚Vorglühen für den Club‘ mitunter in nichts nach: „Also gut ihr Männer“, spricht einer der Anwesenden im Symposion, „Ihr scheint mir ja noch nüchtern zu sein. Das darf man euch nicht durchgehen lassen, sondern ihr müsst trinken, denn das war zwischen uns ausgemacht. 14 Connor Ohrt Zum Vorsitzenden des Gelages wähle ich nun, bis ihr genug getrunken habt, mich selbst.“ (Platon, Symposion, 213e) Kunstund humorvoll verstrickt Platon die philosophisch-diskursive Ebene mit dem Handlungsrahmen, der sie umgibt; der Sokratische Dialog ist wahrlich keine trockene Philosophie! Allerdings – und dies mag einen Unterschied zu den Gesprächen des modernen ‚Vorglühens‘ darstellen – verläuft ein SD (Sokratischer Dialog) trotz alkoholischer Einflüsse methodisch in dem Sinne, dass er einen Versuch darstellt, den Diskurs systematisch, schrittweise, planmäßig zu führen und zugleich darüber zu reflektieren (Mostert, 1997, 57). Die Methode dient der Wahrheitssuche mit dem Ziel, das Wesen (οὐσία) einer Sache zu finden (Mostert, 1997, 57). Der SD zielt in diesem Sinne auf die Beantwortung einer Ausgangsfrage hin und das Gespräch selbst ist der Weg, sie zu beantworten (Mostert, 1997, 57). Anders als bei einer Diskussion geht es bei einem Dialog darum, gemeinsam nachzudenken und nicht allein Andere von der eigenen Meinung zu überzeugen. Dies beinhaltet „über das individuelle Denken hinaus aufzusteigen und dadurch Einsichten zu erwerben, die jeder für sich allein nicht erreichen könnte“ (Kessels, 1997, 13). Dieser Aspekt ist, wie noch zu zeigen sein wird, zentral für die Methode des SDs. Doch bevor die Struktur des SDs differenzierter dargestellt werden kann, stellt sich die Frage, um welche Einsichten es sich eigentlich handelt: Was hat es mit dem Wesen einer Sache auf sich? Dabei gibt es einen wichtigen Unterschied zwischen dem Erkenntnisinteresse Platons und dem modernerer Philosoph*innen spätestens seit der Aufklärung. In einem ersten Schritt soll daher das Ziel des SDs geklärt werden, daraufhin werden die zentralen Begriffe Dialektik, Maieutik und Ironie definiert und im Anschluss wird ein möglicher konkreter Ablauf des SDs vorgestellt, der sowohl im schulischen als auch im universitären Rahmen Anwendung finden kann ... er mag sogar unter den passenden Umständen ins Vorglühen eingegliedert werden. Der Sokratische Dialog 15 In der antiken Philosophie sollte das Wesen das „Unvergängliche, Ewige sein. Die konkrete Sache ist vergänglich. Sie kann aber nicht bestehen, wenn sie nicht am Wesen Anteil hat“ (Horster, 1994, 10). Das Wesen einer Sache, von Platon auch Idee genannt (Horster, 1994, 11), ist für Platon daher eine metaphysische1 Realität, die über der materiellen Welt steht. Was wir mit unseren Sinnen wahrnehmen können, seien nur unvollkommene Abbilder dieser eigentlichen Ideen. Dieser Gedanke findet Ausdruck in Platons Höhlengleichnis. Dort stellt Platons Sokrates sich vor, dass sich Menschen in einer unterirdischen Höhle befänden, in der sie gefesselt seien und den Blick nur auf die Wand vor ihnen werfen könnten. Aus der Ferne schaffe ein Feuer Licht und zwischen diesen und den Gefangenen verliefe ein Weg, auf dem Menschen allerlei Gegenstände tragen würden und vorbei gingen, sodass die Gefesselten immer nur die Schatten der Gegenstände, nicht aber diese selbst erkennen würden (Platon, Politeia, 7. Buch, 106a-c). Das für den Menschen sinnlich Wahrnehmbare ist, entsprechend dem Gleichnis, nur das Schattenbild der wirklichen Idee. Die Vernunft, im Gegensatz zur sinnlichen Wahrnehmung, gleiche hingegen dem Sonnenlicht, mit dem ein Mensch die Ideen selbst erblicken könne, wenn er in die Lage geriete, die Höhle zu verlassen (Horster, 1994, 18). Sie, als die höchste Idee, schaffe die Ideen und ermögliche zugleich die Erkenntnis von diesen (Horster, 1994, 19). Auf der Suche danach, was Tapferkeit (oder Tugend nach dem altgriechischen Begriff ἀνδρεία) ist, sind die Mitstreiter Sokrates‘ mithin vor die Problematik gestellt, dass sie immer nur Dinge wahrnehmen, die Anteil an der Tapferkeit 1 Die Metaphysik ist eine Disziplin der Philosophie, die sich mit Fragen befasst, die über die physische Welt und ihre Wahrnehmbarkeit hinausgehen. Etwas ist dann metaphysisch, wenn es nicht durch die Sinne erfassbar ist und dennoch der Anspruch erhoben wird, dass es existiert. 16 Connor Ohrt haben, aber nicht diese selbst sind (die Schatten der Tapferkeit). Im Laches sorgt sich Lysimachos über die Erziehung seiner Söhne, woraufhin die Anwesenden über die Tapferkeit philosophieren und anhand der ihnen bekannten Beispiele, darunter z.B. die Fechtkunst, versuchen, eine gemeinsame Definition zu finden (Platon, Laches, ab 178a). Die Fechtkunst selbst ist nun allerdings nicht die Tapferkeit, sondern kann nur Anteil an dieser haben. So geht der SD einen Abstraktionsweg hin zur Idee der Tapferkeit, die nur mit der Vernunft, nicht aber mit den Sinnen erfassbar ist. In der Moderne verliert sich der Glaube an eine metaphysische Ideenwelt (Horster, 1994, 44ff.). (Der Ansatz jedoch, die Wahrheitssuche mit den Mitteln der Vernunft und nicht der Empirie vorzunehmen, bleibt als Credo der Philosophie vorhanden! Siehe dazu auch: Gedankenexperimente). Grund dafür ist, dass das, was wir als Vernunft bezeichnen, die Instrumente zur Auslegung der Welt, nicht wie die eine Sonne auf das Individuum hinabsinken, sondern kulturell geschaffen und damit von der jeweiligen Kultur abhängig sind. „Die Erkenntnisweise, auf deren Basis wir wahre Aussagen über die umgebende Welt machen, erscheint uns ‚natürlich‘. Sie verdankt sich aber der beschriebenen Entwicklung. In anderen kulturellen Zusammenhängen werden andere Erkenntnisweisen produziert“ (Horster, 1994, 46). Was man unter Tapferkeit, Liebe dem guten Leben usw. verstehen mag, variiert von Kultur zu Kultur und über die Zeiten hinweg. Ein berühmter Vertreter dieser modernen, erkenntnisund metaphysikkritischen Position ist Friedrich Nietzsche: Die verschiedenen Sprachen neben einander gestellt zeigen, dass es bei den Worten nie auf die Wahrheit, nie auf einen adäquaten Ausdruck ankommt: denn sonst gäbe es nicht so viele Sprachen. Das ‚Ding an sich‘ (das würde eben die rein folgenlose Wahrheit sein) ist auch dem Sprachbildner ganz unfasslich und ganz und gar nicht erstrebenswert. Er bezeichnet Der Sokratische Dialog 17 nur die Relationen der Dinge zu den Menschen und nimmt zu deren Ausdrucke die kühnsten Metaphern zu Hülfe.(Nietzsche, 2015, 13) Die vermeintliche Wahrheit der erkennenden Vernunft kann daher nicht objektiv sein; sie kann keine ewige Idee entdecken. Somit gehört das Wesen der Dinge nicht mehr einer anderen Welt an. Unter der sprachphilosophischen Perspektive, die auch bereits Nietzsche einnimmt, geht es daher beim aktuellen SD nicht mehr um platonische Ideen, sondern um Begriffe, Sprachhülsen, die das Wesen einer Sache umfassen sollen (Nietzsche, 2015, 45f.). Es wird eine Begriffsdefinition gesucht, auf die sich alle Teilnehmenden am Gespräch einigen können und die als Wahrheit nur für die Teilnehmenden und das konkrete Gespräch, aber niemals endgültig bzw. ewig gilt (Nietzsche, 2015, 49f.). Sokrates: Muss also nicht dieses wenigstens sich bei uns finden, dass wir wissen, was die Tugend ist? Denn wenn wir etwas ganz und gar nicht wüssten von der Tugend, was sie eigentlich ist, wie könnten wir wohl jemandem Rat darüber erteilen, auf welche Weise er sie am besten erwerben möge? (Platon, Laches, 190b-c) Würde man dies auf den antiken Dialog Laches übertragen, so würden Lysimachos und die anderen nicht weiter nach der Idee der Tugend (bzw. Tapferkeit) suchen, sondern nach einer Begriffsdefinition, die für diesen Moment für alle Gültigkeit besitzt und anhand derer man beurteilen kann, ob konkrete erzieherische Maßnahmen den Söhnen des Lysimachos‘ tatsächlich Tapferkeit beibringen (bspw. ob die Fechtkunst dies tatsächlich tut). Die Wahrheit des SDs besitzt mithin einen „Charakter der Vorläufigkeit“ (Horster, 1994, 48). Nun kann das Ziel des SDs auf den Begriff gebracht werden: Im Sokratischen Gespräch wird sich in dialogischer 18 Connor Ohrt Form der Wahrheit bezüglich einer konkreten Fragestellung angenähert, indem der wesentliche Begriff der Fragestellung aus dem konkreten Beispiel abstrahiert und definiert wird. Wie genau die Definition funktioniert, soll bei der Darstellung des konkreten Ablaufs des SD erläutert werden. Vorerst müssen allerdings noch drei zentrale Begriffe geklärt werden, die dem SD Kontur verleihen: Zu Beginn des SD erfolgt, im modernen wie im Antiken SD, eine Fragestellung anhand eines konkreten Beispiels, sowie auch beim Laches gefragt wird, wie die Lehre zum Mut bzw. zur Tapferkeit der Söhne möglich sei. Platon lässt Sokrates daraufhin gezielt Fragen stellen, die die Widersprüche der aufgestellten Thesen aufdecken, um die anfangs ungeprüften Behauptungen und Meinungen zu verwirren und schrittweise zu einer gesicherten Wahrheit zu kommen. Das Verfahren, über Thesen und Negationen zur Wahrheit zu gelangen, wird auch als dialektische Methode bezeichnet (Horster, 1994, 20).2 Sokrates sei hierbei gleichsam eine Hebamme des Wissens, insofern er fragend nicht seine eigenen Überzeugungen weitergibt, sondern den Menschen dabei hilft, ihr eigenes Wissen zu ‚gebären‘. Dieses Konzept wird Maieutik genannt (Raupach-Strey, 1997, 147). Besonders wichtig ist es hierbei, die eigene Meinung zurückzuhalten und die Gesprächsteilnehmenden selbst philosophieren zulassen. Insofern spielt die Maieutik auch in der heutigen Philosophiedidaktik eine große Rolle: Die Schülerinnen und Schüler sollen das Philosophieren lernen und nicht etwa eine feststehende Philosophie; der/die Lehrende ist bloß die „Hebamme“ (Birnbacher, 2015, 171), die die Lernenden unterstützt, die für sie gültige ‚Wahrheit‘ ans Licht zu bringen. Darüber hinaus ist im antiken Sokratischen Dialog die Sokratische Ironie relevant. Das berühmte Zitat Ich weiß, 2 Für eine genauere Analyse vgl. im Aufsatz Die dialektische Methode dieses Bandes. Der Sokratische Dialog 19 dass ich nichts weiß spiegelt diese Form der Ironie wieder. Stets fragend mimt Sokrates ironisch den Unwissenden, obwohl er eigentlich weiß. Auch die Art des Nicht-Wissens des Zitats ist bereits ein Wissen (Rohbeck, 2013, 226f.). Ob und inwieweit die Ironie im modernen SD eine Rolle spielt, bliebe zu reflektieren. Da in der Moderne die Suche nach Wissen oder Wahrheit a priori vergeblich ist, kann die Ironie hierbei höchstens eine gemimte Meinungslosigkeit, nicht aber Unwissenheit meinen. Nachdem diese Hauptmerkmale – die Dialektik, die Maieutik und die Ironie – herausgestellt wurden, kann nun der oder vielmehr ein möglicher Ablauf dargestellt werden. In der Gegenwart finden sich nämlich mehrere Varianten bzw. Modifikationen des SDs wieder, von denen die sogenannte „Nelson-Heckmann-Variante“ (Kessels, 1997, 18) kurz skizziert werden soll (die neueren Methoden werden häufig unter dem Begriff der Neosokratischen Methode subsumiert) (Kessels, 1997, 18). Aufbau: Die sechs Schritte des SDs 1. Finden eines konkreten Beispiels 2. Nennung der Eigenschaften des zentralen Begriffs 3. Zusammenfassung der Eigenschaften zu größeren Komplexen 4. Finden weiterer Beispiele zur Thematik und Überprüfung der genannten Eigenschaften 5. Trennung von notwendigen und hinreichenden Eigenschaften 6. Definition anhand der wesentlichen Kriterien Wie bereits bei Platon bleibt es die Aufgabe eines/einer Fragestellenden, anhand eines konkreten Beispiels eine Gruppe von Antwortgebenden zur Einsicht zu bringen, indem die begrifnichen Voraussetzungen herausgearbeitet werden (Kessels, 1997, 18). Als erster Schritt muss dafür 20 Connor Ohrt ein konkretes Beispiel und eine entsprechende Fragestellung gefunden werden. Im Laches geht es beispielsweise um die Erziehung der Söhne, in einem schulischen oder universitären Kontext könnte es z.B. um den Begriff der Freiheit im Rahmen der coronapandemie-bedingten Einschränkungen oder auch um Sprichwörter wie „Wer die Wahl hat, hat die Qual“ (einfach zur Fragestellung umformuliert: „Hat, wer die Wahl hat, auch immer die Qual?“ (Horster, 1994, 66)) gehen, grundsätzlich sind aber alle Themen möglich, sofern sich ein passendes Beispiel findet. Im schulischen oder universitären Bereich könnte dafür der/die Gesprächsleiter*in die Lernenden bitten, Beispiele zur genannten Thematik aus ihrem Alltag zu nennen. Die hiermit gefestigte Verankerung philosophischer Fragestellungen in die konkrete Lebenswelt wirkt motivierend und regt zum eigenen Nachdenken und Reflektieren an (Birnbacher, 2015, 177). Im zweiten Schritt wird der Abstraktionsprozess eingeleitet, indem die Eigenschaften des zentralen Begriffes im Rahmen des Beispiels gesammelt werden. Bei dem zuvor genannten Beispiel bzgl. der Pandemie könnte man mithin überlegen, wie sich Freiheit und insbesondere ihre Einschränkung in dieser Zeit kenntlich gemacht haben und welche Eigenschaften daraus ableitbar sind (Horster, 1994, 58). Hierbei wie auch bei allen folgenden Schritten bilden die Grundzüge der Maieutik die wichtigste Regel für den/die Gesprächsleiter*in. Die Lernenden sollen begleitet werden, ohne dass sie inhaltlich angeleitet werden. Es gehört dann zu den Aufgaben des/der Leitenden, das Gespräch zu fördern, indem die Atmosphäre für ein offenes und freies Gespräch geschafft und darauf hingewirkt wird, dass sich möglichst alle beteiligen und auch beteiligen können. Außerdem sollte dafür gesorgt werden, dass alle Äußerungen von allen verstanden werden und dass jede*r die Möglichkeit erhält, weitere Erklärungen zu verlangen (Birnbacher, 2015, 175). Der Sokratische Dialog 21 Ein zweiter Aspekt, der in allen Schritten Anwendung findet, ist das Metagespräch, das den Gesprächsverlauf selbst thematisiert. Es soll die Gelegenheit bieten, „sich über die formalen und prozeduralen Aspekte der Gruppenarbeit auszutauschen und, wenn nötig, am Verhalten des Gesprächsleiters und einzelner Teilnehmer Kritik zu üben“ (Horster, 1994, 59). Im dritten Schritt beginnt dann die eigentliche Argumentation: Die gesammelten Eigenschaften werden zu größeren Komplexen zusammengefasst und diskutiert (Horster, 1994, 59). Hierbei können auch bereits Eigenschaften gestrichen werden, sofern ein Konsens besteht, dass diese nicht zutreffend sind. In einem vierten Schritt werden weitere Beispiele zur Thematik gesammelt, mittels derer überprüft werden soll, ob noch Eigenschaften in der zuvor aufgestellten Sammlung fehlen (Horster, 1994, 60). So bringt Sokrates der These des Laches, Tapferkeit sei, standhaltend gegen Feinde zu kämpfen, das Beispiel der Skythen entgegen, die ebenfalls als tapfer gelten würden und „nicht minder fliehend als verfolgend den Feind bekriegen“ (Platon, Laches, 191a). Damit können die vorige Definition angezweifelt und zugleich neue Eigenschaften gefordert werden. Ebenso scheint unter den Begriff Freiheit nicht allein die unbeschränkte Möglichkeit, abends die Lieblingsbar aufzusuchen, zu fallen. Bereits die Unterscheidung zwischen negativer und positiver Freiheit zeigt, dass Freiheit mehr sein muss (oder zumindest kann) als die bloße Absenz von Beschränkungen. Weitere Beispiele können dabei helfen, diese Bereiche zu identifizieren.3 Im fünften Schritt werden notwendige und hinreichende Eigenschaften voneinander getrennt. „Notwendige Eigenschaften bei der Wesensbestimmung sind solche, die, würde man sie von der Sache wegnehmen, dazu führen, 3 So gibt es kein Gesetz, dass einem verbietet, seine Sommerferien auf Bora Bora zu verbringen – möglich ist es wohl trotzdem vielen nicht.