Hommage à Boris Kleint: zum 70. Geburtstag des Künstlers, Kunstpädagogen und Kunsttheoretikers / J.A. Schmoll gen. Eisenwerth, München
Abstract
UB Digital. Hommage à Boris Kleint : zum 70. Geburtstag des Künstlers, Kunstpädagogen und Kunsttheoretikers / J.A. Schmoll gen. Eisenwerth, München. In: Boris Kleint, Retrospektive. Jg.1 Blatt. 1973
Full text
Uni e si ä sbiblio hek Pade bo n
Bo is Klein , Re ospek i e
Hommage à Bo is Klein - zum 70. Gebu s ag des Küns le s,
Kuns pädagogen und Kuns heo e ike s
Schmoll, Jose A.
1973
u n:nbn:de:hbz:466:1-37498
Hommage ä Bo is Klein
Zum 70. Gebu s ag des Küns le s , Kuns pädagogen und Kuns heo e ike s .
Wenn man mi de lebendigen E inne ung an Bo is Klein aus den e s en Jah en de heu e schon as in e n -he oischen Geschich e
de Saa b ücke S aa lichen We kkuns schule die Einladung e häl , zu eine Auss ellung des nunmeh 70-jäh igen Meis e s einige
Wo e zu sp echen , so kann man es sich nich o s ellen , daß diese Bo is on 1948 nich noch imme de gleiche sein soli e , ku z ,
daß e heu e a sächlich schon das sieb e Jah zehn ollende ha . E schien imme gleichal zu sein , imme gleich on hei e e Klug-
und Weishei , on F eude am s illen in elligen en Sche z e üll , on unau ällige A bei samkei und Expe imen ie lus und on ha ¬
näckige Gelassenhei . Na ü lich , wi kann en auch den aunzigen und wide spens igen Bo is und den , de so he lich unbe echen¬
ba wie ein Rauhhaa dackel que du ch Diskussionen und Plänemachen k euz e . E wä e nich Bo is , hä e es um ihn nich manchen
Wi bel , abe auch manche spannungs eiche Winds ille gegeben . Ich denke , e is de selbe geblieben und wi müssen uns da an ge¬
wöhnen , daß e nun eben auch siebzig is . Was will das schon sagen ? Das We k wi d o gese z , e leb nu on de Kuns schule
he gesehen im Ruhes and , e is do Pensionä , um zu Hause ganz seine A bei zu leben .
Es gehö zu A on Bo is , daß wi Kollegen on damals nu zu ällig und b uchs ückha aus seine e s en , seine wissenscha ¬
lichen Exis enz e uh en . I gendwann wu de uchba , daß e den Dok o de Psychologie mi summa cum laude e wo ben ha e
Man muß e also au de Hu sein ! We weiß , welche Psychologie e ge ieben ha e , ielleich eine , um uns alle unau hö lich heim¬
lich analysie en zu können ? Dann sicke e du ch , daß e sich de Wah nehmungspsychologie gewidme ha e . Und das imme hin
auch noch im Rahmen de epu ie en sogenann en e s en F ank u e Schule ! Ja , man munkel e schließlich , e habe seine Habili¬
a ion so gu wie abgeschlossen in de Tasche gehab und ein Angebo als Dozen nach Basel dazu . . . . Ande e wä en glücklich
und s olz gewesen , es sowei zu b ingen und hä en au diesem siche en Fundamen ih e Exis enz au gebau . Bo is nich . E en ¬
schloß sich damals , Male zu we den , besse : ganz Male zu sein , denn e ha e schon sei ge aume Zei gezeichne und gemal
Fü ihn wa es kein B uch in de Be u slau bahn , sonde n eine logische En wicklung . Üb igens s and e mi seinem nu äuße lichen
Be u swechsel im K eise de damaligen Saa b ücke Kollegen nich ganz allein : schließlich ha e auch O o S einen , a :s Obe a z
aus dem K iege heimgekeh , Medizin und A z p axis e lassen , um sich ganz de schon imme nebenhe be iebenen Fo og a ie zu
e sch eiben . - Bo is Klein be ieb sein küns le isches Handwe k nach de pe sönlichen En scheidung zunächs als Zwei s udium ,
sys ema isch wie e e anlag und wie e wissenscha lich geschul wa . En sp echend a e auch seine Wahl des Leh e s . Johannes
I en , de Schweize , de e s in S u ga als Hölzelschüle , dann in Wien , dann am Weima e Bauhaus in dessen legendä e An¬
angszei und endlich in seine P i a schule in Be lin eine de in ensi s en küns le ischen G undleh en ausgea bei e ha e , wu de
sein Men o . Bo is Klein wa nach d ei Jah en Leh e I ens Assis en , bald sein Ve e e und Nach olge in de ku zen Zei
zwischen dem Weggang I ens on Be lin und dem En schluß Klein s zu Emig a ion aus Nazideu schland 1936. Zehn Jah e spä e
wu de e nach Saa b ücken be u en . An de neuen Kuns schule , in jenen Jah en eine de bes en , mode ns en und ak i s en im
deu schsp achigen Raum , e au e man Klein eine Meis e klasse ü Male ei und bald auch die küns le ische G undleh e an . Was
e bei I en kennengele n und e p ob , was e aus de Wah nehmungspsychologie an E kenn nissen und me hodischen Möglich¬
kei en e ah en und was e im eigenen Scha en e leb und mi den äuße en Eind ücken zu Syn hese geb ach ha e , konn e e
nun p ak isch anwenden . De küns le ische G undku s de Saa b ücke We kkuns schule e dank Bo is Klein ein ganz wesen ¬
liches Fundamen und einen bes ändig wei e wi kenden Impuls . Dabei soll nich e gessen we den , daß in den Jah en bis 1950 auch
Ka l Kunz als Lei e eine zwei en Meis e klasse ü Male ei und eben alls als Leh e eines küns le ischen G undku ses de Saa ¬
b ücke Kuns schule ä ig , das Ve diens ha e , daß diese Elemen a un e ich gleichsam pola gespann und somi uch ba be¬
eiche wu de . Und schließlich müssen wi an diese S elle e wähnen , daß Bo is Klein s Schüle und Assis en und Nach olge in
de Lei ung de Saa b ücke G undleh e , Oska Hohlweck , die T adi ion seines Meis e s o se z e und au neue Bahnen lenk e .
Alles dies is nu deshalb hie e wähnenswe , weil die Küns le ische G undleh e des Saa b ücke Ins i u s ih en eigenen Ru ge¬
nieß und das Ansehen diese Schule auße halb des Saa landes ganz wesen lich beg ünde e , was im Lande noch imme iel zu we¬
nige wissen .
Bo is Klein widme e sich 1952 seinem heo e isch -p ak ischen Rechenscha sbe ich , wenn wi es einmal so nennen dü en , übe
die Summe seine bildges al e ischen und kuns pädagogischen E ah ungen und E kenn nisse . Es en s and seine „Bildleh e ", die
e e s nach seinem Ein i in den sogenann en Ruhes and d uck e ig mach e und die sei 1969 als Buch des Ve lags Benno
Schwabe in Basel o lieg : eines de wesen lichs en Dokumen e sys ema ische Elemen a leh e im Be eich bildküns le ische Ge-
s al ung , ein Buch , daß , wie de bekann e Pa ise Kuns k i ike Michel Seupho sch eib , neben die Bauhausbüche on Kandinsky
und Klee , neben I ens Sch i en und die Fa benleh en de be ühm en Au o en einzu eihen is . Dieses We k des Leh e s , Male s
und Theo e ike s Bo is Klein wi d eine langanhal ende Wi kung haben k a seine Kla hei , Schlich hei , Logik und Übe zeugungs¬
s ä ke . Diesem Buch me k man na ü lich die Schulung des wissenscha lichen Psychologen und Wah nehmungsexpe imen a o s an
und hie schließ sich de K eis de zwei S udien und Exis enzen des Theo e ike s und des Küns le s Klein .
Wenden wi uns nun dem Male und ielsei igen Ges al e Klein zu , so äll die Fülle de dokumen ie en Möglichkei en au ,
das Sp echen in meh e en Sp achen , das Sch eiben in ielen Sch i en , wobei ich nich nu au Bo is Klein s Beheima e sein in
zwei Sp achen , de deu schen und de anzösischen - au seinen Bilinguismus - anspiele , sonde n o allem au seinen op i¬
schen Plu alismus , au seine sozusagen polyop ische Wan nehmungs - und Ges al ungsbegabung . De lei Anlagen wu den
in de I enschule gep leg und inden sich bei Klee und Kandinsky , denen Klein in seine Leh zei iel e dank e . Sie sind bei
Klein abe augenscheinlich angebo en . Seine Ausd ucksskala inne halb de ungegens ändlichen Male ei und G a ik is
schie unbeg enz . Man ha he o gehoben , und mi ollem Rech be on , daß Klein ü sich und lange be o es einen
o iziellen Tachismus gab , achis isch mal e , d . h. die Möglichkei en des in ui i en Ges al ens aus impulsi gese z en Fa b lecken
ielsei ig e kunde und p ak izie ha e , lange be o diese Rich ung en ogue wa . Gleichwohl wa ihm die s enge geome i¬
sche O dnung aus ein achs en Fo melemen en geläu ig und beide Ausd ucksweisen p leg e Klein imme al e nie end ode ,
besse gesag , in wechselnden Phasen . Wenn man ü die Küns le de 17. Jah hunde s , Poussin olgend , e schiedene
Modi , Malweisen , den jeweiligen Au gaben und Inhal en en sp echend un e schieden ha , wo übe zule z Wilhelm Messe e
in de Fes sch i Lui pold Dussle 1972 handel e , so da ü Male on de Spannwei e eines Bo is Klein es ges ell we den , daß
sie die e schiedenen Malweisen im ungegens ändlichen Be eich nach den Impulsen ih e Emp indungen und den inne en
Gese zmäßigkei en des op ischen Ausd ucks wählen , ihnen anpassen und kul i ie en . So s ehen bei Klein za e , an
Klecksog aphien e inne nde , o spinnewebdünne ode auch in en leckige Gebilde neben solchen , die wie geheime asia i¬
sche Sch i zeichen in eine schon beinahe plaka i en S ä ke — wie die g oßen Kno enbilde — e scheinen . Wenige bekann
sind Klein s igü liche A bei en . Ich e inne e an das Bild eines äumenden Kindes in de Au eole seine Spielsachen ision ,
das in jene damals iel Au sehen e egenden Auss ellung de Neuen Da ms äd e Sezession „Das Menschenbild in unse e
Zei " 1950 hing , — ode auch an wie schwebend ausge üh e Ak zeichnungen . Auch diese Sei e also muß be ücksich ig
we den , wenn man den ganzen Male Bo is Klein kennen möch e . De hy hmisch -o ganische Wechsel on sp ühend achi -
s ischen und kalkulie end geome ischen Komposi ionen nimm abe die Mi e seines Oeu es ein und siche ihm einen es en
Pla z in de Male ei unse es Jah hunde s , und insbesonde e im K eise de Pa ise G uppe „Nou elle Reali e ", de Bo is Klein
angehö und die nich mi dem älschliche weise so genann en „Neuen Realismus " e wechsel we den da . Klein s Reali e
is ehe die , die Bill das eigen liche Konk e e nenn , die ungegens ändlichen Fo men de Kons i u i en Bildelemen e . Vieles da on
wi d nach und nach en deck we den und de Kuns his o ike da dem kenn nis eichen Male mi Augu enlächein zuzwinke n :
ohne Da ie ungen we den die P oduk ionen dieses einmaligen We ks nach äglich schwe ch onologisch zu o dnen sein . Eine ¬
sei s de Zei o aus , ande e sei s gegen die Zei , is diese Kuns on Bo is Klein auch eine Sache ü Feinschmecke ,
nich nu ü Kenne , ü Menschen , die sich au ih Auge allein e lassen dü en . Um so e s aunliche , daß diese Küns le auch
Dinge gescha en ha , die ins G oße zielen , die sich als a chi ek u gebunden , als Wandges al ungen in Relie und Glasmale ei auch an
die Vielen wenden . Da sind o allem die imme wiede hin eißenden Glas lächen in S . Mau i ius in Saa b ücken und in de
Ki che zu Wiesbach , abs ak e Glasbilde on g oße Schönhei de Fa bges al ung und - wiede um - des gegensä zlichen o ¬
malen Reich ums : in S . Mau i ius on de Wi kung on limme nden Lich s ahlen , die du ch einen dich en Wald und anspa en¬
e Vo hänge allen - mi de Assozia ion eine komischen Vision — und in Wiesbach s enge Geome ie bei eins e Fa bmodula ion ,
ein Sinnbild de Gese zmäßigkei on A chi ek u und Wel bau .
Wi eie n Bo is Klein mi diese Auss ellung de Mode nen Gale ie des Saa landmuseums als einen ungemein ielsei igen Küns le ,
de es e moch e , wissenscha liche In elligenz und Ak ibie mi de eien , o ganisch wachsenden In ui ion und Ges al ungsk a in
sel ene Eind inglichkei und Ha monie zu e binden . Wi wünschen ihm iele wei e e Jah e uch ba en Scha ens und die ihm ge¬
büh ende wachsende Ane kennung und Wi kung .
J . A. Schmoll gen . Eisenwe h
München